Donnerstag, 3. Januar 2019

Ich schmeiß alles hin!

Verdammter Mist! Ich krieg das nicht hin!
Wenn man alleine arbeitet, muß man das auch alles alleine hinbekommen und ich komm nicht weiter!
Ich kann keine Geschichte erzählen, ohne die Geschichte zu erzählen...

Und da ich keinen habe, bei dem ich mich damit mal ausheulen kann, heule ich halt hier! Manchmal hilft Schimpfen!

Also: Ich war unterwegs auf den Spuren der Wikingerschafe. Und habe lange überlegt, da ein Buch draus zu machen. Nur das Konzept wollte nicht so recht entstehen.
Ein reines Sachbuch über die nordischen Schafe? Das ist doch grottenlangweilig!
Außerdem kann man über Schafe erstaunlich wenig wirklich sicher sagen!

Nicht mal, ob die nun wirklich ausschließlich vom Mufflon abstammen. Nicht mal, wie das Mufflon systematisch einzusortieren ist. Oder wieviele verschiedene Arten von Wildschafen es gibt. Wie die Rassen des Hausschafes miteinander verwandt sein? Wie sie wann von hier nach da kamen? Alles vage. 

Unsere ersten domestizierten Tiere nach dem Hund und die, die unsere Gesellschaft und Geschichte mehr geprägt haben, als alle anderen. Von Religion über die industrielle Revolution bis zur Biotechnologie. Also spannend ist das schon. Aber nicht in einem Sachbuch, in dem man zu Vielem nur spekulieren kann. Oder abschreiben von nur einer Quelle, in der jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt mal dachte, er/sie wüßte was....

Andererseits ist da die Reise. Zu Menschen mit alten, nordischen Schafen. In eine Landschaft, die mit etwas Wissen über Schafe und unsere gemeinsame Geschichte viel mehr Sinn macht. Ein paar Abenteuer und lustige Begebenheiten und tolle Menschen.

Das zu vermischen war eine Idee, die mir gefallen hat. 
Verlage haben lieber Bücher, die man EINEM Regal im Buchladen zusortieren kann. Reise- oder Sachbuch?
Als Leser sehe ich das anders. Ich lese echt gerne Sachbücher. Nur sind die oft zäh und wenig unterhaltsam geschrieben. "How to" - also Anleitungsbücher - sind da meist besser zu lesen als Bücher, die (populärwissenschaftlich) Wissen vermitteln.
Reisebücher hab ich auch einige. Und fast keines weiter als bis zur Hälfte gelesen. Da passiert zwar immer was anderes aber eigentlich auch nicht. Eigentlich passiert immer wieder das Gleiche, nur anderswo...
Bücher, in denen einen der Autor tief in sein Innerstes blicken läßt und in denen seeehr private Dinge erzählt werden, bleiben spannend. Aber das sind wenige und sowas muß man auch schreiben (und veröffentlichen!) wollen!
Bill Brysons Reise durch Europa ist da eine große Ausnahme. Das ist extrem unterhaltsam (und interessant), ohne privat oder gar exhibitionistisch zu werden. Es geht ja gerade darum, was jeweils ANDERS ist.
Auch seine "Short History of Living at Home" hab ich nicht nach der Hälfte weggelegt. Und ein klein wenig ist auch das ein Sachbuch, das die Themen im Rahmen einer Reise aufnimmt. Wobei die Reise "nur" eine Reise durch sein Haus ist.
Douglas Adams "Last Chance to see": Das ist doch herrlich! Ein Vor-Ort Blick eines neugierigen Aussenstehenden. Der die Skurrilität sieht, die die Forscher vor Ort für normal halten oder die sie einfach deshalb nicht veröffentlichen, weil sich das in einer wissenschaftlichen Publikation nicht so gut macht...

Mir gefällt das immer noch gut. Den Leser mitnehmen auf eine Reise. Die auch eine Reise in die Vergangenheit ist und ein klein wenig eine Reise in die Wissenschaft. Herrjeh! Ich hab einen der Erfinder von Dolly dem Klonschaf auf ner Session getroffen! (Wobei genau das gar nicht vorkommen wird. Diese Begegnung war mir aus anderen Gründen wichtig.)

Aber es wird nicht rund. Also eigentlich ist es "rund". Prinzipiell sogar die klassische "Heldenreise", in der jemand aufbricht mit einer Aufgabe, unterwegs viele Abenteuer erlebt und sich im Laufe der Reise ändert. Die äußere Reise wird auch eine Innere und am Ende ist er/sie wieder zu Hause. Da geht es dann meist um die "eigentliche" Frage. Eine, die nur durch die Wandlung bzw. das "Wachstum/die Reife" beantwortet werden kann.

Ich bin überzeugt, daß das gut werden kann. Eine gut erzählte Geschichte, in der historische und wissenschaftliche Themen alles andere als ein langweiliger Einschub sind sondern auch dem Leser einen spannenden, "anderen" Blick auf diese Gegenden, auf uns und auf Schafe ermöglichen.

Kann
Könnte
Kann ich nicht...
Kleine Zettel mit Kapiteln und Themen hin- und herschieben hilft da auch nicht.


Ich könnte das alles in die Tonne treten. Und heulen...


Donnerstag, 20. Dezember 2018

Stricksack: Regionale Wolle, tolle Mütze

Beim Thema Wolle ist bei mir das Schaf im Fokus: Gute Haltung und tolle Wolle am Schaf.
Von "um die Ecke", über die Isle of Man, Fair Isle und die Hebriden bis auf die Lofoten habe ich mit Schäfern und Wollproduzenten, Textildesignern und Strickern geredet und viel gelernt über Schafe und Wolle.

Und dann habe ich Susanne getroffen, die Wolle von meinen Schafen verarbeitet hat. Susanne ist "Tüftlerin". Welche Wolle wofür? WIE verarbeiten, um das Beste aus dem Material herauszuholen? Sowas...

Daraus ist ein spannender Austausch geworden! Wir haben beide einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Vom Schaf bis zum Produkt. Und siehe da: Man kann das kaufen! Regional produzierte Strickwolle, die hervorragend ist und aus sehr guter Tierhaltung stammt! Man muß nur wissen, wo! Und ne Idee haben, was man draus macht. Und das Werkzeug dafür haben.

Und genau das haben wir zusammengepackt. Im Stricksack!


Stricksack: Regionale Wolle, besonderes Design


Regionale Wolle, Werkzeug, Strickanleitung. In einem Paket verschnürt, mit dem man sofort mit dem Selbermachen loslegen kann.

Jeder Stricksack kombiniert die Region, aus der die Wolle stammt, mit einer anderen Region: Die, aus der die Stricktechnik stammt. Die Vielfalt unserer Welt und die Besonderheit des Regionalen!

Der erste Stricksack enthält Wolle aus dem Erzgebirge (Schäferei Drutschmann) und der Oberlausitz/Niederschlesien (Rieger).
Da denkt man an Lausitzer Karpfen und buntzlauer Keramik. Und daraus ist das Mützen-Design für diese Wolle entstanden:

Fair Isle trifft Buntzlauer! Und Karpfen!

Stricksack Sachsen: Der Nischelwärmer! 

Den Stricksack gibt es regional in ausgesuchten kleinen Läden und bei Cara Sheep.


Wer in der Ecke ist ist und wissen will, warum gerade diese Wolle im ersten Stricksack ist: Einfach mal bei Schäferei Drutschmann vorbeischauen! 
Kennengelernt habe ich die, weil ich dort meine Wolle kardieren lasse.  Ich hatte verschiedene Schattierungen von Grau. In Kleinstmengen. Da war klar, daß das zusammengeworfen wird. Was ich zurückbekommen habe waren ... Schattierungen von Grau! Weil  Frau Drutschmann davon genauso begeistert war wie ich. Da finden sich technische Möglichkeiten!
Diese Achtung vor dem Rohmaterial (und den Tieren) merkt man auch an der Strickwolle, die man von Drutschmanns Herde kaufen kann! 
Die Hautpherde sind Merinolandschafe und Gebrauchskreuzungen, die Landschaftspflege im Erzgebirge betreiben. Daneben eine kleinere Herde Skudden. Schäferei mit kontrolliert biologischer Tierhaltung, Wollscheune mit interessanten Workshops und ein schnuffeliger Hofladen.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Ist Wolle wirklich was Schlechtes?

In diversen Medien stolpert man immer wieder darüber, daß Wolle schlecht ist. Schafhaltung überhaupt. Die Tiere werden mies gehalten, bei der Schur gequält, auf grausame Transporte geschickt und für's Klima sind sie das Letzte!

Aufrufe zum Boykott von Wolle kommen nicht nur von Organisatonen, die kein vernünftiger Mensch ernst nehmen kann, sondern auch von welchen, die eigentlich einen guten Eindruck machen. Die Albert Schweitzer Stiftung finde ich da besonders enttäuschend.
Leute: Wo habt Ihr Eure Informationen her?
Ich bin ja nun viel unterwegs in Sachen Schaf und kenne viele Betriebe. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Norwegen, Schottland, England, Irland,....

Wie kommt es, daß ich ein ganz anderes Bild habe?

Edit: Ich wollte eigentlich was anderes über Wolle schreiben und bin abgedriftet... Dabei habe ich für den anderen Blogbeitrag extra ein Bild geknipst. Ich war zum Tag des offenen Handwerks auf einem Hof (Schäferei Drutschmann, die für mich immer die Wolle kardieren) und mußte einfach Strickwolle mitnehmen und ausprobieren. Die Wolle ist super! Die Mütze ist von der Shetland Wool Week vor ein paar Jahren . Die ist auch gut. Und mein Fotomodell posiert auf einem Schaffell aus Brandenbug und einer Wolldecke aus Norwegen. Wer das Ensemble nachbauen will: Das Kissen ist frei Schnauze gestrickt, das Sofa Massenware von Ikea, der Hund einmalig.) 




Zurück zu Lück:

Fachinformationen zu Klima, CO2-Bilanz, Produktionsbedingungen etc. findet man im Internet. Die Fachartikel und offiziellen Statistiken bestätigen mein Bild.

Natürlich gibt es schwarze Schafe - auch unter den Schäfern.

Unfair wird es, wenn in den Medien solche Vorkommnisse als globale Normalität präsentiert werden. Noch schlimmer, wenn in den Artikeln eine andere Information angehängt wird, die damit gar nichts zu tun hat. Ein Beispiel: Ein Bericht über miese Tiertransporte. Und im Anschluß die Information, daß täglich soundsoviele Tiere von Schottland nach Nordirland gebracht werden. Da beschließt die Fährgesellschaft schnell mal, daß sie das nicht mehr macht. Öffentlicher Druck. Man tut was für's Tierwohl.
Wirklich? Ich finde es sinnlos, Tiere sonstewieweit zu transportieren, um sie dann DORT zu schlachten. Es gibt Tiefkühltruhen. Aber was ist mit Jungtieren, die auf Irlands grünen Weiden wachsen sollen? Was mit Zuchttieren? Hat der miese Transport aus dem Anfang des Berichts irgendetwas zu tun mit den Tieren auf der Fähre? Außer, daß es um 'Tiere unterwegs geht'? Das ist schlechter Journalismus. Billige Stimmungsmache, die niemandem etwas bringt.

Unsere Gesetze in der EU sind realitv streng. Die dürfen gerne noch strenger werden. Aber darum geht es in solchen Artikeln nicht. Es geht um Stimmungsmache und als 'Verbraucher' beschließt man dann, dieses oder jenes nicht mehr zu kaufen, weil man Schlechtes gelesen hat. Manchmal hat man Schlechtes über was ganz anderes gelesen aber wurde manipuliert...

Natürlich gibt es Länder, in denen die Tierschutzstandards viel zu niedrig sind.
Will ich mit dem Kauf meiner Klamotten kein Tierleid verursachen, was bleibt mir? Ich kann auf Wolle verzichten. Aber was dann?

Kunstfaser-Textilien sind nicht sooo weit hinten in der Statistik zum Plastikverbrauch (der weitaus größte Teil wird für Verpackungen und Baumaterialien verwendet). Wenn es um Mikroplastik im Wasser geht, sind Klamotten weit vorne. Bei jedem Waschen geht davon einiges ins Wasser. Aus Umweltgesichtspunkten also auch nicht super.

Dann ist da Baumwolle. Monokulturen, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, manchmal auch von Entlaubungsmitteln, Aufbereitung und Färbung mit giftigen Stoffen... dazu in einigen Ländern niedrige Standards zum Gewässerschutz vor diesen Stoffen und erst recht niedrige (oder gar keine) zum Schutz der Arbeiter. Und das sind oft Kinder, die da in der Giftbrühe stehen. So pauschal besser wirkt das nicht.

Seide: Die armen Seidenraupen! OK, das Argument ist nicht meins... die werden nachher Hühnerfutter und die Hühner ernähren eine Familie... Seide ist nun aber nicht gerade das Material, aus dem man sich eine warme Wintermütze macht.

Leinen und Hanf: Da findet man tatsächlich wenig Schlechtes. Überwiegend scheint Hanf und Leinen unter ordentlichen Bedingungen produziert und verarbeitet zu werden.
Bei Klamotten aus Leinen und Hanf hat man eine gute Chance, keine Umweltsau zu sein. Auch ohne so ganz genau hinzugucken.

Ansonsten kann man das nicht so pauschal sagen.

Wolle als Faser ist genial. Würde das jemand erfinden, würde er sich mit dem Patent eine goldene Nase verdienen. Oder zwei. Wärmt auch, wenn es nass ist. Macht perfekten Temperaturausgleich, stinkt nicht gleich...
Wollklamotten halten lange und danach sind sie recyclebar (nur 1,3% textiler Fasern sind Wolle aber beim Anteil an recycelten Fasern macht Wolle 5% aus) oder einfach biologisch abbaubar. Man muß Wollzeug nicht so oft waschen und wenn, dann wird da kein Mikroplastik frei.

Der "Anbau", wenn gut gemacht, erhält nicht nur artenreiche Habitate, die mehr CO2 binden als durch die Schafhaltung freigesetzt wird: Schafhaltung kann solche Habitate sogar erschaffen!
Weidehaltung von Schafen und Rindern verdient eine bessere Berichterstattung! Man könnt ja meinen, pupsende Kühe wären unser größtes Klimaproblem. "Die Rinderhaltung" sind nicht (nur) Mastbetriebe/Feedlots mit Rindern, die mit genmanipuliertem Futter von abermillionen Hektar überdüngter und gespritzter Monokultur gefüttert werden. Nicht mal in den USA ist das so und bei uns erst recht nicht! Klimaneutral und klimapositiv (also mit negativer CO2 Bilanz) ist nicht nur möglich sondern auch gut etabliert!

Die Schafhaltungen, die ich kenne, sind tiergerecht und umweltfreundlich. Einige Betriebe stechen da nochmal heraus, weil sie besonders gut sind, besonders wichtige Habitate pflegen und/oder alte Rassen erhalten.

Fjordlandschafe. Spaelsau auf Sylt. Sie erhalten u.a. Küstenheide und Salzwiesen.

Es gibt viele, viele Betriebe, mit deren Wolle würde man rundum Gutes tun. Für die Umwelt, für die Artenvielfalt, das Klima, traditionelle Landnutzung, Erhalt von Kulturerbe und Naturerbe,...

Aber auf dem Wollpuli im Klamottenladen steht das nicht drauf. Es gibt Siegel. Gibt es auch bei Baumwolle. Aber was bedeuten die? Da gibt es immer zig verschiedene und alle klingen toll...

Was bleibt mir übrig beim Klamottenkauf? Ich gehe ja nicht gerne einkaufen. Ich gehe nicht mal gerne Schokolade kaufen! Der schnelle, billige "Kick" eines neuen Teilchens ist nicht so meins aber rein unter den Gesichtspunkten Tierwohl, Umwelt, Nachhaltigkeit:

Kunstfaser für Klamotten, die man lange behalten wird und besonders für solche, die nicht ständig gewaschen werden müssen. Diese tollen, superwarmen Jacken mit Hohlfasern, die so gut wie nix wiegen und irre teuer sind! Die sind leider nicht hart im Nehmen. Ein Hoch auf moderne Kunststoffe, Klebstoffe und Flicken!


 Ebenfalls unverzichtbare Kunstfaserklamotte: Der gute alte Friesennerz!

Funktionswäsche aber lieber aus Wolle oder mit Wolle. Von Firmen, die einen Anspruch haben. Ortovox zum Beispiel. Die haben auch Tencel entwickelt. Die einzige (?) Kunstfaser, die unter Umwelt- und Nachhaltigskeitsaspekten entwickelt wurde.

Baumwolle: Keine Ahnung. Es gibt da ein Biosiegel. Und Fair Trade. Ob das was aussagt? Besser als ohne Siegel vermutlich...

Wolle: Funktionszeug gibt es von Firmen "mit Anspruch'.  Im großen und im Kleinen. Ich glaube, man hat bessere Chancen halbwegs nachhaltig zu handeln, wenn man Wolle kauft. Irgendwelche. Im Vergleich mit "irgendwelcher Baumwolle" oder "irgendwelcher Kunstfaser". Aber gerade bei Wolle geht es "richtig gut"!

Mein Anspruch ist da natürlich besonders hoch. 

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Geschichten "richtig" erzählen

Es gibt Nachrichten, die sind unterhaltsam. Einfach gut erzählt. Andere sind unterhaltsam aber wirken ein klein wenig ... überspitzt. Manchmal berichten Journalisten die Fakten und übersehen den Witz. Und manchmal ist es andersrum.

Eine dieser Geschichten ist die von einer Brücke in Bremen. Das war ein Brüller! Die Brücke ist nicht mehr ganz so gut in Schuß, wie sie sein sollte. Nicht für den Verkehr, der da täglich zweispurig drüber fährt. Da mußte die Stadtverwaltung etwas unternehmen. Den Verkehr etwas eindämmen, damit die Brücke nicht bricht. Für sowas gibt es ja Vorschriften. Die Brücke hat zwei Fahrspuren in jeder Richtung und zur Hauptverkehrszeit sind die voll. Mit schweren Autos und noch schwereren LKW. Außerdem gibt es eine Fußgänger- und Radspur unter der Brücke.

Was tut nun die Stadt Bremen, um zu verhindern, daß die alte Brücke einstürzt? Sie halbiert diesen Fuß-/Radweg! Nicht etwa eine Ampel für den Autoverkehr oder die Sperrung einer Spur: Nein, halber Fußweg!
Abgesperrt mit Gittern, die mehr wiegen als hunderte Fußgänger. Beobachtet man, wieviele Radfahrer und Fußgänger die Brücke nutzen, ist sie nun deutlich schwerer als vorher!


Ein Schildbürgerstreich! Mal wieder ein Beispiel für sesselpupsende, realitätsferne Beamte!

So ging das durch's Internet.
Hahaha!
Diese Dödel!
Einmal kurz gelacht und dann die abstruse Nachricht geteilt.

Aber EIGENTLICH.... ist das eine Geschichte von ziemlich coolen Mitarbeitern in... was auch immer für einem Amt!

Alte Brücke. Nicht mehr ganz fit. Sicherlich eh nicht für unseren heutigen Verkehr konstruiert. Die besteht nicht mehr alle Sicherheitstests. Fast - aber nicht ganz.
Im dümmsten Fall ist die Brücke mal komplett voll: Würde man ALLES, was auf die Brücke passt, gleichzeitig draufstellen dann könnte es sein, daß sie nicht hält...
Auch eher unwahrscheinlich, weil solche Grenzwerte ja immer auf der sicheren Seite sind. Aber der berechnete Wert wird gaaaanz knapp überschritten. Und manchmal kommt es dumm auf dumm.... die Bremer Version der Love Parade auf dem Fußweg und oben ist gerade eine zufällige Häufung von LKW und in der Gegenrichtung ein Schwerlasttransporter.

Die eigentliche Geschichte ist die von einer Maßnahme, die völlig bekloppt wirkt (Gewicht auf der Brücke sparen, indem man einen von zwei Radfahren hinter statt neben den anderen zwingt. Wow!) aber in Wirklichkeit verdammt clever ist! Diesen extrem unwahrscheinlichen Fall, daß ALLES voll ist und die Brücke um ein paar kg über den Grenzwert kommt: DIE muß man verhindern!

Brücke zu schwer: Autospur sperren! Das würde man erwarten. Gibt täglich Stau und genervte Leute...
Oder: Halben Radweg sperren. Da fahren so wenige Leute, daß sie überhaupt nicht behindert werden von einer halbierten Spur. Aber es passen auch nicht mehr soviele drauf, daß das theoretische "worst case scenario" erreicht werden kann. Katastrophe verhindert. Ohne, daß irgendwer behindert wird. WOW!

Diese Nachricht von den Bremer Schildbürgern kommt mir immer mal wieder in den Sinn. Man kann sich so herrlich amüsieren - oder aufregen - über Nachrichten, die ins Weltbild passen. Witzig. Lächerlich. Diese Deppen!
Dahinter steckt fast immer MEHR. Manchmal muß man tief graben.

Wußte ich's doch, das sind Deppen ist ein Hinweis dafür, daß man zu wenig Ahnung hat. 

Samstag, 24. November 2018

DAS IST MEINS! Tiere und Besitz

Meine Schafe haben ja nach diesem Sommer nichts mehr zu Fressen auf der Weide. Also gibt es Heu. Und weil Heu auch knapp ist, gibt es auch Luzerne-Pellets. Finden sie klasse.
Die eiweißreichen Luzerne-Pellets füttern, um das Heu zu strecken, ist schon etwas schräg aber die Schafe sind begeistert.
Und jeden Tag denke ich dabei an "Tiere und Besitz". Bei mir gibt es Schüsseln und Tröge mit Luzerne und täglich ein hektisches hin- und her, weil immer geguckt werden muß, was es anderswo gibt.

Also: Tiere und Besitz. Und Neid. Und Eifersucht.

Ich fange mal an mit einem Film, der vor Jahren durch's Internet ging:



Ich finde den witzig aber was mich besonders fasziniert: Die Hunde haben Respekt vor fremdem Besitz. Ganz sicher halten die diese Handpuppe nicht für einen anderen Hund. Sie wissen nicht, WAS das ist aber sie wissen ganz genau, daß der Knochen diesem Plüschtier gehört. Den Knochen zu nehmen, könnte Ärger bringen. Das antizipieren sie. Sie wissen, daß sie stehlen!
Nur der niedliche Welpe nicht. Der ist da noch ganz unbedarft.

Und daß der Hund, der am Ende den Knochen klaut, ein Labrador ist, ist auch witzig.

Meine Hunde würden nicht wagen, an den Napf des anderen zu gehen. Mit Swift habe ich geübt, daß Menschen an Näpfe gehen dürfen. Ich bin an ihren Napf gegangen und habe etwas HINEIN getan. Wenn sie mir etwas Fressbares gegeben hat, hat sie etwas Besseres dafür bekommen. Swift hätte man auch so alles wegnehmen können aber es kostet ja nix, ihr den Napf halbvoll hinzustellen und immer mal was nachzulegen. Swift glaubt ernsthaft, daß Menschen nicht stehlen!

Hunde wissen, was ihres ist und was jemand Anderem gehört! Sie haben auch einen Gerechtigkeitssinn. Nicht in dem Sinne, daß sie Gerechtigkeit für alle Hunde fordern. Denke ich mal. Sie wissen aber, wenn sie selber weniger für gleiche Leistung bekommen. Dazu gibt es Versuche. Der benachteiligte Hund wird immer unmotivierter.

Schafe haben eine andere Gesellschaftsordnung. Und ihre Intelligenz setzen sie anders ein. Das wirkt auf uns manchmal dumm. Weil wir Intelligenz daran messen, was UNS wichtig ist und was wir für schwierig halten. Es gibt da eine Primatenforscherin, deren Name mir leider gerade nicht einfällt. Was ich jetzt nacherzähle, ist auch von mir und meiner Erinnerung gefiltert aber im Prinzip: Der fiel auf, daß wir die Intelligenz-Latte dahin hängen, wo sie für uns ist. Tiere, die Werkzeuge benutzen oder den Weg aus einem Labyrinth finden, sind clever. Sie hat sich überlegt, daß man die Intelligenz daran messen muß, was für die Tiere wichtig ist - nicht für uns!

Deshalb hat sie sich statt mit Affen mal mit Tieren beschäftigt, die ganz anders ticken als wir. Und die als dumm gelten: Schafe!
Eine ihrer Erkentnisse war, daß Schafe uns in punkto Führungsstärke um Welten überlegen sind.
Zu Fragen aus dem Bereich Dominanz und Hierarchie hat sie auch Versuche gemacht. Sie wollte wissen, welches Dominanzverhalten mit knappen Ressourcen zu tun hat und hat ihrer kleinen Herde Schüsseln mit Futter hingestellt. Und zwar eine Schüssel mehr, als sie Schafe hat. Darüber habe ich nur aus zweiter Hand gelesen und ich habe keine Ahnung, was sie damit herausgefunden hat.

Meine Schafe bekommen weniger Schüsseln aber zusammen mit den Trögen hat jeder gut Freßplatz. Es gibt zwei lange Tröge und vier Schüsseln. (Die Schüsseln deshalb, damit ich eine Chance habe, mit dem Eimer bis zu den Tröge zu kommen!) Ich habe da noch keine großartigen Erkenntnisse aber es ist spannend, welche Tiere Schüsseln besetzen, welche mit an die Schüssel gehen (abhängig davon, wer da schon frißt) und wer sich ganz frech eine besetzte Schüssel erobert und für sich selbst beansprucht.
Die drei großen Weißen schubsen einfach die anderen weg. Das kann reine körperliche Überlegenheit sein. Es gibt aber auch einen kleinen Hammel, der immer eine Schüssel für sich hat. Der droht anderen mit einer Kopfbewegung und die bleiben weg. Aber die anderen sollten wissen, daß er kein Prügler ist und gar nicht stark. Er haut auch niemanden. Das ist einfach Ausstrahlung. Der will das nicht. Wirklich nicht.

Was ebenfalls interessant ist: Respekt für anderer Schafe Schüsseln gibt es nicht! Anders als bei den Hunden in dem Film. Kein Schaf nähert sich vorsichtig, beobachtend. Man geht zu Schüssel oder Trog und versucht, seine Nase ins Futter zu stecken. Man läßt sich davon abhalten aber ich sehe da keinen Sinn für "anderer Schafe Besitz".
Was ich sehe: Neue Schüssel, neues Glück. Ich kann die Schüsseln ja nicht gleichzeitig hinstellen und die Tröge gleichzeitig füllen. Eingeweichte Luzernepellets sind wohl ziemlich geil. Aber "der Spatz in der Hand" reicht nicht! Die andere Schüssel könnte besser sein. Es gibt ein ganz schönes Hin- und Hergerenne, um alle Schüsseln zu inspizieren. Obwohl sich um die neuen Schüsseln mehr Schafe drängeln! (Von daher glaube ich nicht, daß "eine Schüssel mehr" bedeutet, daß es keine Ressourcenknappheit gibt. Es könnte ja in jeder Schüssel was anderes sein!

Eimer auslecken ist auch immer sehr beliebt! DER EIMER! Quell alles Guten!

Hätten Schafe nicht die Grundeinstellung, daß alles Essen für alle Schafe ist, würden sie das vermutlich nicht machen. Dann würden rangniedrigere Schafe lieber bei der Schüssel vor'm Maul bleiben. Was man hat, hat man. Hat man aber nicht und etwas Besseres ist immer verlockend. Was die Anderen machen, ist auch immer verlockend!

Schafe stehlen nicht. Sie haben nicht wirklich einen Sinn für Besitz. Das ein Schaf verteidigt, was es hat, ist etwas anderes als die Erkenntnis von Unrecht oder Gefahr, den die Hunde in dem Video haben. Wenn sie sich dem fremden Besitz nähern.
Sogar der Labrador hat das!

Die alte Lilly - 10Jahre lang unnahbar, jetzt ein Kuschelschaf und verrückt nach Walnüssen. Dazu braucht sie mich. Sie kann die nicht selber knacken....

Schafe können aber Lügen! Spatzen auch! Wenn mich jemand daran erinnert, erzähle ich das auch mal...

Freitag, 23. November 2018

Der em-dash ist mein liebster Dash! Oder: Die 80:20 Regel

In einem früheren Leben bin ich ja oft in den Genuß von Management-Trainings gekommen.
Da lernt man wirklich spannende Sachen über Menschen! Und hört die ein oder andere steile These!
Einiges ist gar nicht mal schlecht aber wird gerne falsch aufgefasst.
Die 80:20 Regel zum Beispiel!
Die besagt, daß man 80% der Arbeit in 20% der Zeit erledigt und für die restlichen 20% viel mehr Zeit braucht. Nämlich 80%.
Das wird sehr gerne so ausgelegt, daß man doch gar nicht auf 100% gehen muß. Kann man doch mit 80% gut sein lassen. Da schafft man 5 mal soviele Projekte in der gleichen Zeit!

Aber das stimmt so nicht!

Wenn man ein Projekt plant, dann legt man fest, wann es erreicht ist. Perfekt wird es selten und besser geht immer aber so ungefähr sollte dieses Ziel auch das Ziel sein.

Das bedeutet, daß man sehr schnell sehr weit kommt. Und das man dann Ewigkeiten damit verbringt, den Kleinkram in Ordnung zu bringen.

Oft ist es das Qualitätsmanagement, das 100% seiner Zeit auf diese letzten 20%  verwendet. Und damit allen auf die Nerven geht. Weil doch alles eigentlich so gut wie fertig ist...

Krümelkacker! (So werden sie dann gerne mal gesehen. Als ob ohne dieses Leute irgendwas fertig würde!)

Ich sitze gerade an diesen 20%, die so verdammt viel Arbeit machen. Satz und Layout von der englischen Version von Bunte Schafe.

Und da geht es um einen Millimeter zwischen Grafik und Text und um Gedankenstrich oder Bindestrich. Hyphen, En-dash oder Em-dash. Der Em-dash ist mir der liebste Dash. Der ist so schön lang! Aber der gehört niemals an den Zeilenanfang. Wenn das Programm das falsch macht, muß man da ein geschütztes Leerzeichen davor setzen. Oder gar keins? Was ist im englischsprachigen Raum üblich?

Kluge Dinge hübsch aufschreiben ist eine Sache. Die gut zu präsentieren, eine andere: Komplizierter Inhalt braucht viel Platz. White Space. Locker. Lustige Grafiken. Erzählender Inhalt dagegen möchte im Fluß präsentiert werden.

Ich bin nicht sicher, ob das mit den 80:20 so stimmt. Den Inhalt bereitstellen mag wie 80% der Zielerreichung wirken aber meist ist das ein falscher Eindruck. Was nützt die beste wissenschaftliche Arbeit, wenn man die nicht darstellen kann? Die beste Story, wenn man sich verhakelt?

Oder im Fall des Farbgenetikbuches: Toller Text, tolles Konzept. Da hab ich Saskia und mir schon nach 20% der Arbeit ganz doll auf die Schulter geklopft! Und wir dachten, wir wären "fast fertig"... Aber Testleser haben genau da eine Pause machen müssen (da wurde es zu schwer) wo der Layout-Profi bemerkt hat, daß die Optik zu dicht wird. Dichte des Inhalts und Luftigkeit des Layout abstimmen dauert ein bißchen....

DAS übertragen auf einen Text in einer anderen Sprache, deren Konventionen ich noch recherchieren muß, und in ein anderes Buchformat: Puh!

Angeblich ist dieses Format ja auch DAS übliche Buchformat. Ich habe mal im Bücherregal geguckt: Da ist mehr als die Hälfte englisch und nur ein einzige Buch hat dieses Format! Das ist aber eines meiner liebsten Sachbücher zum Thema Schaf und von daher bleibe ich bei dem Format.



Also wer zufällig ein Buch sucht zur Schafhaltung als Neu-Einsteiger / Hobbyhalter: Living with sheep ist toll! Nicht alles, was für die USA gilt, kann man übertragen aber die verschiedenen Optionen der Schafhaltung und warum Schafe überhaupt so toll sind, erklärt dieses Buch einfach mal am Besten!

Die beiden Bücher darunter sind auch toll! Sheep von Philllip Armstrong ist auf Englisch. Bunte Schafe demnächst auch....


Samstag, 17. November 2018

Der Preis von Wolle -1814 in Schottland

Ist jetzt nicht wirklich nen Blogbeitrag wert aber ich vergnüge mich gerade mit nem alten Report aus Schottland. Interessanterweise liest sich der Text gar nicht altmodisch. Man muß aber dauernd Kopfrechnen!

When the snow is so deep as completely to cover the herbage, about two stones avoirdupois of hay are allowed to a score of sheep daily

Wieviel Heu bekommt ein Schaf pro Tag?

it appears that the medium price of white (unsmeared) wool, for a number of years past, may be about 8s. 8 d. per stone,” of 16 lb. of 23 ounces, or 4½ d per pound avoirdupois

Wenn man das jetzt noch umrechnet in heutigen Geldwert bezogen auf Löhne, kommt man auf ca. £38 pro Vlies vom Scottish blackface. Man kann aber auch anders umrechnen auf heutigen Geldwert und landet zwischen £4,40 und £124. Da ist es auch egal, wieviel Geld pro wieviel Gewicht das damals war...

Shetlandwolle - einfach, damit hier ein Wollbild ist

Auch interessant:

These sheep were first introduced into the West Highlands of Scotland, about the year 1762, and were soon found far more profitable than cattle for the higher parts of the country. It does not belong to this part of the work to give any account of the change which this stock produced upon the population of the Highlands, [...] One thing is indisputable; a much greater value of mutton and wool, than of beef, was speedily obtained from the higher grounds. The best interests of the nation at large, as well as of proprietors, were therefore promoted by this change.

Das klingt ja schon so, als ob der Autor zumindest bemerkt hat, daß da ganze Landstriche entvölkert wurden... darüber zu schreiben traut er sich nicht... Das ist ein Report an die Regierung. Und vorsichtshalber betont er noch, daß das ja zum Besten der Nation und der Landbesitzer ist...


General Report of the Agricultural state, and political Circumstances, 1814


Wie man damals kastriert hat schreib ich jetzt nicht. Aber küssen wollte man so nen Schäfer vermutlich nicht an den Tagen...