Freitag, 29. November 2019

Die Geschichten sind schon da...

Ich war heute mal kurz abgelenkt... Mit Hans der Gans.
Hans ist die mutigste Gans auf dem ganzen Bauernhof und der Star in einem Kinderbuch von Conny Hahn, für das ich die Illustrationen gemacht habe. Das Buch ist super! Echt! Wir müssen nur noch rausfinden, wie man ein Pappbuch in Farbe zu einem einigermaßen bezahlbaren Preis drucken lassen kann.

Heute hat Hans mir eine andere Geschichte erzählt. Und ich bin begeistert, wie sich eine Geschichte auch in Bildern entwickelt...
Meine erste Idee war: Hans im Winter. Und ein gruseliger Schneemann (ich hab nicht wirklich an "Kinderbuch" gedacht...)

So sieht er aus:

Steht plötzlich da. Und dann woanders....

Also genau das Buch, dass man mit seinen Kindern anguckt, wenn man im Winter ne kleine Holzhütte mitten im verschneiten Wald gemietet hat und alles... seltsam ist. Komische Geräusche, Lichter in der Dunkelheit....

Aber Hans ist ja die mutigste Gans auf dem ganzen Bauernhof...  ob er mutig genug ist?


danach hab ich dann überlegt, wie die Geschichte gehen könnte... Ist er mutig genug und besiegt den fiesen Schneemann? "Stell Dich Deinen Ängsten" blablabla...?

Da kamen keine Bilder... erst das nächste:


und das geht für alle möglichen Geschichten. Er hat ihn besiegt! Oder der Frühling hat alle gerettet... oder ganz anders... 
Ich mag, wie die Bilder kamen. Ohne nachzudenken. Weil die Geschichte da war...



Ich werde wohl niemals schaffen, eine wirklich gruselige Geschichte zu schreiben (oder zu zeichnen)...
Natürlich war der Schneemann ein Arsch - aber kein Monster und er wird Hans Freund und dann kommt der Frühling... und man lässt Freunde nicht in Stich!

Mittwoch, 20. November 2019

Auf den Spuren der Wikingerschafe - das Buch

Schafe - vor allem die nordischen - finde ich ja ganz interessant. Warum gibt es die überhaupt noch, die alten Rassen? Wie sieht es da aus, wo sie zu Hause sind? Warum hält man die noch? Wer tut das?
Gehe ich doch mal gucken.

Das war so die Überlegung, bevor ich mich für ein halbes Jahr auf die Reise gemacht habe. Mit Pocketcamper, Hütehund, Schafschere und Flute.

Einfach mal gucken. So ist auch dieser Blog entstanden (mehr in der Kategorie Reise)
Ich hatte Spaß, ich hab viel gelernt und ich schreibe gerne. Mache ich doch ein Buch draus!



Das habe ich tatsächlich gemacht. Ein Buch über die nordischen Schafrassen, die ich in ihrer Heimat besucht habe. Ich habe viel recherchiert zu Domestikation, zur Geschichte der Schafe (die unsere weit mehr beeinflusst hat, als man so denkt), aktuellen Forschungen über ihre Genetik, ...
und dann habe ich gemerkt, dass ich mich selber damit langweile!

Ja: Das war eine Reise zu den Schafen. Und eine Reise in unsere gemeinsame Geschichte. Aber was es eigentlich war, war eine Reise zu den Menschen!

Menschen auf abgelegenen Inseln vor allem in Schottland (und später auch in Norwegen). Eine Reise, auf der der "Arsch der Welt" zum Mittelpunkt wurde. An dem die Menschen ihre Türen öffneten, um mit leuchtenden Augen über Schafe zu reden.

Also habe ich das Buch neu konzipiert, so wie es "richtig" ist. Für mich.
Es ist eine Reise. Zu Menschen, zu Schafen, in grandiose Landschaften und auch zu mir selber.
Ich hab alles umgeworfen und es so gemacht, wie es für mich "rund" ist.






Von Agenten habe ich tolles Feedback bekommen aber leider auch gehört, dass es dafür keinen Markt gibt. Schafe sind ja eher ein Nischenthema und die Mischung mit Reisegeschichten macht es nochmal schwieriger. Das kann man nicht so einfach in den Buchladen stellen, weil es dafür nicht EIN Regal gibt.
Reisebuch oder Sachbuch Schaf?

Es ist beides und es MUSS beides sein. Man kann Schottland und seine Inseln nicht wirklich erleben, wenn man nichts über die Schafe weiß. Man kann die Schafe nicht verstehen, wenn man nichts über die Landschaft weiß, aus der sie stammen, über deren Geschichte und die Menschen dort.

Für die großen Verlage ist das keine sinnvolle Investition.
Selber verlegen? Klingt einfach aber da gibt es ein paar Haken. Selber verlegen bedeutet selber machen bzw. sich die Expertise besorgen, die man braucht. Lektorat, Buchsatz, Cover...
Das geht. Aber: Es gibt kein Team, keine Deadline die man nicht nach Lust und Laune verschieben kann, kein Feedback, keinerlei Vorgaben oder Erfahrungswerte, keinen Tritt in den Hintern und kein Lob für Erreichung von Zwischenzielen. Keine Bestätigung, dass das richtig ist und gut und wichtig.

So wie es jetzt ist, stecken da schon Jahre drin! Mit Zeiten, in denen ich euphorisch recherchiert und geschrieben habe und langen Pausen, in denen der Berg zwischen erstem Manuskript und fertigem Buch unerklimmbar schien. Immer mit der Hoffnung, vielleicht doch einen Verlag zu finden, der das Buch darüber trägt. Ich habe mein Exposé aber gar nicht weiter an Verlage geschickt... und von alleine klopfen die einfach nicht an meine Tür...

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Ich mach das. So wie es sein muss!
Und ich werde darüber immer mal hier berichten. Ich sehe das als eine Art crowdfunding. Nur nicht mit Geld sondern mit Motivation und Begeisterung, die sicherlich auf dem Weg immer mal knapp werden.


Freitag, 1. November 2019

Outrage Porn oder: Wer das teilt, ist doof!

Wir haben ein paar ziemlich dufte Wörter! Kopfkino, Fremdschämen, Verschlimmbessern,...
für "outrage porn" habe ich noch keins gelesen, was so richtig passt... Übersetzt ist das "Empörungspornografie". Vielleicht auch eher "Empörungsgeilheit".
Vielleicht haben wir deshalb kein Wort, weil uns das gar nicht so auffällt....

Wem das noch nicht aufgefallen ist und wer sich jetzt fragt, was DAS denn sein soll:
Outrage Porn gibt es schon lange. Aber mit dem Internet und den sozialen Netzwerken hat es Fahrt aufgenommen: Leser generieren, die voll auf ein Thema abfahren und Beiträge teilen und weitere Leser generieren. Super Sache! Reichweite! Werbeeinnahmen. Influencen.

Wie funktioniert das nun?
Das ganze beruht auf Empörung. Also braucht  man ein Thema, das möglichst viele Leute emotional sehen.
In meiner speziellen Blase hat das lange mit dem Thema "Wolf" funktioniert. Das nehme ich mal als Beispiel. Ich suche mir also eine extreme These, die Empörung hervorrufen wird, formuliere die mit nicht zu vielen und nicht zu schwierigen Wörtern. Dazu ein emotionales Bild oder eine Grafik. Gerne mit Scheinkorrelation oder verzerrenden Spielereien mit den Einheiten meiner Achsen im Diagramm.

"Der Wolf ist gar kein Problem."
Dazu formuliere ich mehr oder weniger deutlich
"Die Schäfer sind nur zu blöd/ zu faul".
Das teile ich dann in einer Schäfergruppe.
So als Schafhalter fühle ich mich da beleidigt. Angepisst. Empört. Also kommentiere ich: "So ne Scheiße! Das kann doch nur ein naturentfremdeter Balkonbiologe sagen!".

Wut rausgelassen! Beleidigung zurückgespielt! Andere tun das auch. "Jawoll! Alle blöd!". Die Empörung ist so groß, dass dieser blöde, beleidigende Beitrag geteilt wird. "Guckt mal, wie bekloppt die sind!"

Damit habe ich schon mal Reichweite. Super Sache, wenn deshalb auf meine Seite geklickt wird. Selbst, wenn ich da gar keine Werbung geschaltet habe.
Aber Outrage porn hört da nicht auf! Ich lasse die Leute schön ihre Empörung in emotionalen und entrüsteten (und deshalb oft beleidigenden) Kommentaren entladen. Und DANN nehme ich diese Kommentare und teile die auf einer anderen Seite. Bei Wolfsfreunden beispielsweise.

Da lese ich nun auch. Also jetzt nicht "ich, der ursprüngliche Beitragsersteller" und auch nicht "ich, der empörte Schäfer" sondern jetzt "ich der Biologe (ohne Balkon)". Und ich fühle mich beleidigt. Die Kommentare sind flach und garstig. Dass die originale Botschaft flach und garstig war, sehe ich genausowenig wie die Schafhalter, die darauf angesprungen sind. Also lasse ich meiner Empörung nun auch freien Lauf mit einem Kommentar und teile fleißig um zu zeigen, wie dumm DIE sind...

So kann man ganz bequem mit EINEM dämlichen Beitrag Empörung und Konter-Empörung und vermutlich Konter-Konter-Empörung auslösen!

Und wir fallen da (fast) alle drauf rein! Ich bin da empört! Und oft bin ich über Beitrag UND Kommentare gleichzeitig empört!

Als Politiker kann man das auch super ausnutzen. Statistik zu irgendwas mit Bäumen. (Nicht mit Zahlen. Nur so Tortendagramme oder so. Schön plakativ). Dazu nen eingängigen Satz, dass ja damals auch "so ein Theater wegen Waldsterben gemacht wurde. Und? Isser gestorben? Ne! Hysterie!"




Das bringt mir ein paar "jawoll". Wenn ich es geschickt platziere, brauche ich selber gar nicht direkt beleidigen, dann reicht eine dumme Aussage wie diese und ein Kommentator schreibt: "Genau! Darf man ja nicht sagen. Da wird man vom linksgrünversifften Pack zensiert."
Et Voilà! Los geht's. Der ein oder andere wird noch zu erklären versuchen, warum die Aussage des Originalbeitrags Pfeffer ist aber garantiert schreibt auch jemand "Au man! Ihr seid alle so blöd!"
Ihr? Alle? Empörung! Bei allen! Und Konter-Empörung.
Als Politiker brauche ich gar nix weiter sagen. Die eine Gruppe der Empörten denkt, ich würde ihre Meinung vertreten. (Ich sag Schtonk, Du sagst Jawoll, der Typ dadrüben sagt deshalb zu Dir Blödmann. Also da müssen Du und ich ja wohl auf einer Seite sein! Und der ist unser Feind!)

Ich lese immer wieder, wer alles die Leute spaltet. Ganz schlimmer Vorwurf! Das Volk spalten! Pfui! Nur sind es meist die, die diesen Vorwurf machen, die Spaltung sehen (und säen), wo nur verschiedene Meinungen und Prioritäten sind.

Darauf nicht hereinzufallen, ist gar nicht so einfach... wir reagieren halt alle auf Beleidigungen beleidigt.

Ich hab mich bisher noch nicht verleiten lassen, beleidigende Kommentare zu schreiben. Ich lass mich aber gerne verleiten, die Aussagen zu googeln, Statistikseiten zu befragen, nachzurechnen. Und dabei bin ich gerne mal empört.
Wenn es richtig blöd ist, kommt man übrigens mit wenigen Rückverfolgungsschritten oft zur AfD. Auch bei Themen, die man gar nicht mit denen in Verbindung bringt und die sie jetzt gar nicht so auf der Agenda haben. Outrage Porn ist immer gut. Da sind se dabei...

Was also tun? Für den eigenen Seelenfrieden ist "weiterscrollen" ziemlich gut. Andererseits ist es gut, in Blasen zu pieken. Das sollte man aber nicht beleidigend machen - damit verhärtet man die Sache nur. Und nicht mit langem Text. Und auch nicht, wenn da schon uffdundruffzig voll depperte Kommentare stehen. Dann ist der Drops gelutscht. Aber bei solchen Beiträgen aus dem eigenen "Freundeskreis" kann man oft - am Anfang - so kommentieren, dass aus Outrage Porn eine echte Diskussion wird. Und wenn man nur "das glaube ich nicht, weil..." kommentiert. Wenn es dann eine Diskussion wird, dann bekommt man gerne mal seine eigene Blase zerpiekst. Und das ist gut!

Wenn man selber findet, dass ein Meme irgendetwas wunderbar ausdrückt:
Ist es beleidigend/stellt es jemanden als Deppen dar? Ja?
Wenn man das unkommentiert will: Bitteschön. Da ist man selber als Teilender ein überheblicher Arsch und sollte sich ganz sicher sein, dass man da keinen Pfeffer teilt.

Will man aber eher Meinungen ändern, dann sollte man das nicht mir Überheblichkeit angehen! Da reicht dann schon ein kurzer einladender Kommentar zu dem Beitrag. Oder die Frage: Ist das so? Liege ich richtig damit, das gut zu finden?

Montag, 21. Oktober 2019

Schafstassen / Rassetassen - making off

Angefangen hat das mit einer Infographic... Ich wollte eine machen zum Eintragen von Farben bei Shetlandschafen. (In UK und US)
Nur sahen die Schafe nicht wirklich wie Shetlandschafe aus. Warum? Wie so ein Polizeizeichner kam ich mir vor. Die Augen etwas kleiner und weiter nach oben, die Ohren tiefer....

typische Schafgesichter - erster Versuch

Als ich dann ein Shetlandschaf getroffen hatte, wollte ich wissen, was an einer Skudde denn anders ist. So vereinfacht gezeichnet...

Wer sehen will, muss zeichnen!

Im Biologie-Studium haben wir ständig gezeichnet. Und zwar exakt das, was wir sehen. Mit allen Details.
Hier ist es andersrum. Mit wenigen Strichen, mit "Punkt, Punkt, Komma, Strich" die Essenz einer Rasse darstellen!
Die Struktur der Wolle, die Hörner, Körperform, Gesichter! Vor allem die Gesichter! 

Tassen mit Schafrassen

So kommt dann eine Rasse zur anderen.

Making of Rassetasse 


Ich erstelle die Graphiken in Inkscape. Einem Vektorgrafikprogramm. 
Rassen die ich gut kenne, zeichne ich aus der Erinnerung. Denn dort sind die genau so abgespeichert, wie ich sie brauche. Nicht als Cartoon oder Vektorgrafik aber eben "die Essenz". 

Jetzt wurde ich gebeten, doch eine Tasse mit einem Manech á téte noir* zu machen. Oha!
Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Schafrassen es gibt, von denen ich noch nicht gehört habe! Geschweige denn, dass ich auch nur eins davon je persönlich getroffen habe!

Ein paar Bilder habe ich dazu bekommen. Irgendwie ein wenig wie Heidschnucke. Und wie Tiroler Steinschaf. Tiroler Steinschaf steht noch auf meiner Warteliste also habe ich mir ein Krainer Steinschaf genommen. (Die sehen natürlich anders aus als die Tiroler und Montaforer Steinschafe aber für den Anfang muss es reichen.)

Heidschnucke, Krainer Steinschaf

Auf den Photos haben mich die Augen und auch das Gesicht ein wenig an Milchschafe erinnert. (diese baskische Rasse wird auch tatsächlich gemolken). KleineAugen, recht weit oben. Tief angesetzte Ohren, lang, nicht stehend, nicht so hängend wie beispielsweise beim Karakul. Das Gesicht eher lang und schmal (im Profil mit mehr oder weniger Ramsnase). Daraus entsteht ein erster Entwurf: 

Heischnucke, Krainer Steinschaf, ostfriesisches Milchschaf - erster Entwurf

Dann die Hörner. Und zwar solche, die für mich zu den alten alpinen Rassen gehören. Oder zu süd-/osteuropäischen. Walachenschafe haben solche Hörner. (Bei Waldschafen gehen die auch ein klein bißchen in die Richtung aber sind doch eher wie die der nordischen... das nur so am Rande.)

erster Entwurf Manech á tète noir und Walachenschaf

Ich habe nicht genug Bilder mit Hörnern - also google Bildersuche. Da gibt es einige beeindruckende Böcke zu sehen! Hörner mit großer Biegung und kleiner, weit ausladend und weniger ausladene. Die von meinem Walachenschaf passen nicht ganz zu dem, was ich da als Essenz raus ziehe. Also wird als nächstes an den Hörnern geschraubt:

rumschrauben an Schraubenhörnern

Dann ist die Farbe dran. Schwarzer Kopf (und Beine) und grauer Körper. Was schwierig ist, denn ich kann den Kopf nicht wirklich schwarz machen. Dann sieht man Augen und Nase nicht mehr. Daher mache ich schwarze Köpfe je nach Rasse sehr dunkel braun oder sehr dunkel grau. Auf dem leuchtenden Computerbildschirm sieht man den Kontrast besser, als auf der fertig bedruckten Tasse. Beim Pommernschaf (ebenfalls grau mit schwarzem Kopf) musste ich nachbessern. Deshalb habe ich das jetzt als Vergleich genommen. Habe den Kopf aber trotzdem etwas dunkler gemacht.  

Anpassung der Vliesfarbe und Hörnerwindung

Den Kragen vom Steinschaf habe ich entfernt. Aber so richtig stimmt die Struktur der Wolle / der Gesamteindruck des Vlieses noch nicht... 

welche Version gibt die Vliesstruktur besser wieder?
Auf einer französischen Seite über die Rasse rate ich mir zusammen, dass die Wolle besonders lang ist. Bis 30 cm. Also doch eher wie die Heidschnucke. Allerdings sind die Schafe nicht so schmal und mit weniger zierlichen Beinen... 

Fertig! Oder doch nicht? Manech á tète noir? Nicht ganz...

Das stimmt immer noch nicht... die Hörner ... die Ohren sind auch noch falsch... knapp vorbei...
Passt schon ganz gut. Allerdings heißen die Manech tête noir!
So schon eher.... Ich lasse das erstmal sacken. Dann google ich nochmal (ohne vorher meinen Entwurf anzugucken).


Tassen mit Rassen kann man übrigens kaufen. Mehr zu Schafstassen hier (driftwool.de).


* Korrektur: Die Rasse heißt Manech tête noir! Zum Glück war diese Tasse eine Spezialanfertigung und meine falsche Schreibweise wurde noch rechtzeitig korrigiert!

***


Dieser Blogbeitrag wurde zusammen mit der roten Henne (aka der rote Raptor) geschrieben:






Mittwoch, 2. Oktober 2019

3. Oktober - Nationalstolz - wir haben aber sowas von den coolsten Nationalfeiertag!

Nationalfeiertag. Andere hüllen sich da in ihre Nationalflagge, singen inbrünstig die Hymne und sind ganz furchtbar stolz auf irgendwas. Ihren Pass oder so. 
Wir... sind eher nicht so stolz. Die einen sehen in ihrer Nationalität nix zum Stolz sein, die anderen sind ganz fürchterlich stolz und sagen das auch aber hinterher kommt 'darf man ja nicht sagen'. So ein Pfeffer! Meinungsfreiheit geht hier bei uns deutlich weiter, als die moralische Schmerzgrenze. Oder auch einfach die Spaßgrenze.

Also ich bin ganz, ganz fürchterlich stolz. Nicht darauf, deutsch zu sein. Ich würde meinen Pass auch eintauschen. Um Theresa May zu praphrasieren: Ich hätte gerne nicht nur einen EU Pass (was sie mit "citizens of nowhere" verunglimpft hat - für die, die von ihren Reden weniger mitbekommen haben) sondern einen "Citizen of everywhere" Pass.

Ich heiße mit Nachnamen Böhme. Das bedeutet, ein Vorfahre kam mal aus Böhmen woandershin und war dann halt "der Böhme". Böhmen ist in der Tschechischen Repubik. War aber mal Österreich Ungarn. Deutsch war's auch mal. Kriege, Hochzeiten und sicherlich auch die ein oder andere Wettschuld haben Grenzen verschoben.
Ich hab also irgendwie mehr oder weniger zufällig diesen Pass.
Und ich bin stolz.
Ich bin stolz auf die Leute in Deutschland. Auf uns. Dabei gibt es hier durchaus so einige, die ich für Volldeppen halte. Für die schäme ich mich und manchmal habe ich Mitleid.

Buhuhu wir dürfen nicht stolz sein, weil da diese "Geschichte" ist? Auf die kann man nun echt nicht stoz sein. Unser Umgang damit ist aber gar nicht sooo schlecht!
"Was haben wir da für eine Scheiße gebaut!" Reflexion, lernen, wachsen. Besser machen!
Anderen Nationen fehlt das ein bißchen...
Die weniger heldenhaften Taten der Vergangenheit werden gerne ausgeblendet und sind ja eh vergangen...
Ein Fliegenschiss in der Geschichte? Von wegen!

Ich bin jetzt hier mal ganz öffentlich stolz! Wir haben nämlich den coolsten Nationalfeiertag! Von allen!
Es gibt immer ein paar Reden von Politikern und alle (fast) haben frei.
(Da mal ein keines "Danke" zwischenrein an die, die nicht frei haben. Bauern, die... irgendwas machen, damit es auch nächstes Jahr wieder wächst; Busfahrer, die uns zu unseren Ausflugszielen kutschen; Rettungssanitäter, die uns aufsammeln, wenn bei unserem Freizeitspaß was schief geht.... )

Wir hauen uns an diesem Tag nicht selber oder gegenseitig auf die Schulter ob unserer wahnsinns Leistung.
Dabei gäbe es da einiges zu feiern! Erfolgreiche Wirtschaftsnation, recht gutes Sozialsystem, halbwegs funktionierende Demokratie (mehr politische Bildung wäre nicht schlecht aber das nur so am Rande):
Das ist schon was! Haben wir auch alle irgendwie unseren Anteil dran.
Und dann ist da noch 'Landschaft'. Haben wir auch einiges zu bieten. Und lustige Gerichte, regionale Bräuche, echt witzige Dialekte. Sagengestalten vom Feinsten:
Der Haarlecker aus der Pfalz, der nachts ein beklemmendes Gefühl in der Brust macht, weil er draufsitzt und der uns mit nassen Haaren aufwachen läßt. 
Rotkäppchen, die seit der Rückkehr der Wölfe wieder in aller Munde ist. Radagast der Braune aus dem Herrn der Ringe basiert auf einer slawischen Figur "von hier". Radeberg heißt nach dem. Also ist Radeberger Bier quasi ein Zaubertrank! 
Ein Prost auf unsere coole Sprache! Weltschmerz, Kopfkino, Fremdschämen!

Könnte man alles mal feiern.

Aber was 'wir' aus diesem Tag gemacht haben, ist der Hammer! Hintenrum irgendwie...

Ein freier Tag. Meist sogar mit nettem Herbstwetter. Großartige offizielle Feierlichkeiten gibt's nicht wirklich. Schulterklopfen für unseren Pass oder... irgendwas Obskures finden wir seltsam.  Also machen wir 'was Schönes'. Mit Freunden.
Seit ich auf Facebook bin, sehe ich abends am 3. Oktober immer Posts von Leuten, die genau das gemacht haben. Was Schönes mit Freunden. Und ganz oft sind das Ost-West Freundschaften. Oder auch solche zwischen Leuten mit verschiedenen Pässen.
(Manche reflektieren auch, wie ihr Leben so gelaufen wäre, würde die Mauer noch stehen.) 
Witzig übrigens, dass es Ost-West ist. West-Ost klingt doof. Dabei lesen wir von links nach rechts und auf der Landkarte ist Westen links. Aber im Osten geht die Sonne auf.... mmmhhhh)

Ohne Tamtam, ohne Ansage und ohne offiziellen Status haben wir einen 'Tag der Freundschaft' geschaffen.

Wir haben ja nix, worauf wir stolz sein können? Oh doch! 
Wir haben uns gefunden. Und wir starten jeden Tag neu. Von hier. Mit Lektionen aus der Vergangengenheit und Visionen für die Zukunft!
Miteinander! 

Leute: Macht was draus! Einfach nur "was Schönes". 

Was ich auch genial finde: Ich habe gerade googe fotos befragt nach einem Bild für diesen Beitrag. Suchbegriff "Grenze": Null Treffer! Dabei habe ich schon mal (psssst!) während der Fahrt fotografiert, als ich die Grenze nach Polen, in die Niederlande, nach Dänemark und in die Tschechei überquert habe. Weil ich es so geil finde, dass da nur steht, wie schnell naml fahren darf. Und ich finde es super, in "einem anderen Land" zu sein! Zum Thema Freundschaft hat der Algorithmus mir unter anderem dieses gebracht:

Die Freiwillige Feuerwehr Goldbach (?) beim Hexenbrennen



Genießt Eure Freunde! Habt Spaß!

Sonntag, 11. August 2019

Sheep can heal hearts - social competence in small ruminants

I heard the other day that the Navajo say that sheep heal hearts.
Sheep are social animals. That's not news. What many people don't know is that their leadership skills surpass those of primates (including humans).
One of my favourite topics: if you want to be an exceptionally good leader, don't lead like a lion. Lead like a sheep!
More about that and some research and anecdotes behind that later. And probably as a book.
Just now I... want to contemplate a thought I had. In English because I hope for lots of feedback and stories that people might be willing to share.

Let me start with a little background for readers who are not 'half sheep'...
Sheep are social. Sheep are flock animals. Which means they don't only need 'a mate'. They need a flock. Some people say three sheep are minimum, some say 15. I say: it depends. Every sheep needs to see other sheep. At all times. Or at least know that one is over there. Some sheep and some breeds of sheep (like Shetland sheep) are brave and clever and content. Others are flighty and easily scared (and often extremely clever too - to escape dangers!)
So an average sheep, as a flock animal, grazes with a little distance to others. They have good peripheral vision but a predator stalking them could still creep up. Every sheep looks out for them while grazing. To feel calm and safe a sheep wants to see other sheep being calm. Knowing that they are watching out too. Put simply: the more calm sheep (who are all constantly watching out for dangers) are in one individual's field of vision, the safer the world is.
If one sheep in a flock is suddenly alert but lots of others are still calm, one individual who sees the alert sheep will not panic. But if a critical mass of others stop grazing and look up, it will look up too. (In case the first one sees danger that nobody else sees, she will give a warning whistle!)

OK. So that's sheep behaviour in a nutshell to set off what I was wondering about the other day.

To go and sit with my sheep is soothing. They ground me with routines I do and they go with the seasons. That connects me. They are good for heart and head. Lambs having fun are great to watch. Sheep are good for calming the mind. Most animals are. A dog will come and try to make you smile. Dogs often seem to apoplogise when we seem sad or angry. Sheep don't do that.

On a normal day when I sit with my sheep they do what they do. Graze or chew cud or bounce over the pasture. But when I am really, really sad and the world gets too much they... come and lie at my side. They lie down close by and chew cud and are as relaxed as only sheep can be. Not just one. Enough to be a critical mass.
And the place I sit down is not one they normaly lie.

Sheep are extremely good at reading other species' thoughts. Neighbours cat out walking? Fine. Neighbour's cat in hunting mode? Whistle. A dog on a walk? Fine! Sheepdog? Stand to attention! Same with me when I have a knife in my pocket to trim feet. I can't pretend innocence enough to fool a sheep! Lying to a human is comparatively easy, lying to a sheep impossible. Sheep can be lead with heartfelt confidence but not with insecurity in a pretend shell. Watch a real shepherd with a huge flock!

So this is what I thought the other day: it is not a coincidence! Sheep are not only soothing because they give structure to a day and force us out from under the blanket where we would love to hide. It is not only soothing because we watch gentle creatures being content and chew cud. I am convinced they do this on purpose. When I am sad and feel lost they make it so that I see as many of them as possible being content and calm. Not trying to cheer me up. Just saying - very clearly -  that all is well for now!

Sheep can heal hearts

Maybe there's a lesson here for us.


Any anecdotes or moments you are willing to share: please do so! Either as a comment here or drop me an email.
books(at)driftwool.de

Donnerstag, 13. Juni 2019

Warum Böcke sich kloppen...

Der mit den dicksten Dingern ist der Boss?


Die Verhaltensforschung hat ja so einiges überdacht im  Laufe der Zeit. Mein Lieblingsbeispiel ist der kluge Hans. Erst hat man dem Pferd menschliche Fähigkeiten zugestanden (Rechnen können) und dann war man extrem enttäuscht, dass das Tier gar nicht rechnen kann. Über diese Enttäuschung hat man die wirklichen Fähigkeiten lange Zeit übersehen.
Und auch sonst wurden Tiere aus einem seltsamen Blickwinkel betrachtet. Zum einen sehr menschlich / anthropozentrisch und zum anderen abgrenzend zu uns. Gefühle, Liebe, Spaß oder Fähigkeiten, die wir für besonders gut halten, können die nicht haben. Dafür aber Ambitionen, die wir wiedererkennen. Die vielleicht vor allem die überwiegend männlichen Verhaltensforscher wiedererkannt haben...
Dominanz. Der Stärkste hat Zugang zu Ressourcen. Der stärkste Bock mit den größten Hörnern deckt die meisten Zibben. Der prügelt sich seinen Weg zum Sex. Die Hörner sind Waffen! Je größer, desto besser.
Darwin selber hatte da eine andere Idee. Die selbst von seinen Anhängern ignoriert wurde. Die Evolution der Schönheit. Die besagt, dass die Weibchen eben nach Schönheit selektieren. Das passte lange nicht ins Weltbild und so wurden absolut übertriebenen Merkmalen "Fitnessmerkmale" zugeordnet. Wer mit so irrem Gefieder überleben kann wie so mancher Paradiesvogel, muss ja besonders fit sein. Oder: Diese Phänotpyen sind bestimmt genetisch mit besonderer Fitness gekoppelt und deshalb kommen sie bei den weiblichen Tieren so gut an.
Kann sein. Dass die Kämpfe von Böcken doch überwiegend rituell sind, ist ja klar. Die bringen sich nicht um. Eine Beobachtung fand ich besonders spannend:
Ich weiß leider meine Quelle nicht mehr aber es ging um Bighornschafe. Die wurden in ihrem "Kampfverhalten" beobachtet.
Da war ein gestandener Altbock. Und ein pupsiger Winzling, der ihn aufforderte. Der Alte hätte ihn ignorieren können, wenn es um "gewinnen" ginge. Oder von der Schulter wischen wie einen Fliegenschiss. Er hätte ihn auch mit einer Kopfbewegung wegschleudern können. Hat er aber nicht. Er ist drauf eingegangen. Und das hat zum Glück den Wissenschaftler fasziniert!
Es gab also einen ungleichen Show-Kampf. Mit viel Krawumms. Und dann... kam eine Zibbe um die Ecke. Und noch eine. Angezogen von dem Geräusch.


Mit einer Hand kann man nicht klatschen!
Ohne den pupsigen Lammbock hätte der Altbock niemanden anlocken können!

Und wie immer komme ich auf eine gedankliche Tangente... während so ein Altbock ganz schick rituell seinen "Kampf" vorführt und beschäftigt ist, hat so mancher Winzling seine Chance... Und DAS erinnert mich an einen Freund... Der konnte toll Gitarre spielen und singen. Uih! Was waren die Mädels angetan! Nur... er wusste nicht so recht, was er nach dem Spielen machen sollte. Also hat er weiter gesungen. Bis dann alle Mädels mit einem der anwesenden Jungs abgezogen sind...


Der weiße ist übrigens ein Hammel. Null Interesse an weiblichen Schafen. Aber diese rituelle Krawumms-Nummer fand er gut! Oder er hat seinem Bock-Kumpel den Gefallen getan...



Dienstag, 28. Mai 2019

Schafe und Wolle in Europa - das Buch in der Vorschau

"Gibt es eigentlich ein Buch, in dem die Wolle der verschiedenen Schafrassen beschrieben ist?"
Ja
"Auf deutsch?"
Nö. Aber bald!
Ich freue mich sehr, das hier schon mal vorstellen zu können:

Wolle europäischer Schafrassen
Mit der niederländischen Autorin bin ich durch die Shetlandschafe in Kontakt gekommen. In Zusammenhang mit dem Buch hatte ich angeboten, dass ich ja mal drübergucken könnte... nicht, dass in der Übersetzung Fachbegriffe falsch (oder "ungewöhnlich") übersetzt wurden.
Also: Ich hab mal drübergeguckt! Und glaube, dass wird eine echt nützliche Ressource für all die experimentierfreudigen Spinner und Filzer (und bestimmt auch für Schafhalter), die Interesse an der unglaublichen Vielfalt der Schafe haben!

Betty war so nett, mir einen Text über sich und die Idee zum Buch zu schreiben, den ich für den Blogbeitrag übersetzt habe.
Eine Beispielseite gibt es auch, allerdings auf niederländisch:

Wollbuch - Beispielseite Texelwolle

Betty Stikkers, Schafe und Wolle in Europa


Mein Name ist Betty Stikkers. Ich wohne in dem wunderschönen Dorf Oijen, an der Maas. Zusammen mit meiner Freundin Linda züchte ich seit 25 Jahren Shetlandschafe.
Außerdem züchten wir Sherinos. 75% Shetland und 25% Merino. Schöne Schafe mit toller Wolle - die allerdings sehr fein ist und nicht jedem Spinner liegt.
Wir haben angefangen, die Sherinos mit Longwools zu kreuzen. Das gibt wunderschöne Tiere mit klasse Wolle. Sehr vielfältig!

Die Frage “Wieviele Rassen gibt es und wie ist deren Wolle?” war der Auslöser dafür, Bücher über Schafe und Wolle zu schreiben. Das sind vor allem Nachschlagewerke mit vielen Bildern und vielen Informationen. Zuerst gab es eine Niederländische Version. Wir haben viele Schafrassen hier. 69 Wollrassen. Immer mehr Menschen begeistern sich für das Spinnen und Filzen und suchen Informationen zu diesen Rassen.

Dann habe ich angefangen, über einen weltweiten Wollführer nachzudenken. Aber Veranstalter von Wollkursen hier und im Ausland haben mich zuerst um eine englische und Deutsche Version gebeten.
Glücklicherweise habe ich die Zeit dazu und kann das Buch selber erstellen, was die Kosten unter Kontrolle hält.

Von all der Wolle die ich bekommen, lasse ich den Mikronwert testen. Dann teste ich eine Probe: filze 20g und weitere 20g werden von Theres Akkermans versponnen, die eine sehr erfahrene Spinnerin ist.
Gefilzt wird die Wolle aus dem rohen, ungewaschenen Vlies. Alle zur gleichen Göße ausgelegt und gefilzt in der Waschmaschine unter gleichen Bedingungen (2x bei 60°, 1,5h).
Natürlich kann man Wolle wunderbar mit der Hand filzen aber mir geht es darum, eine Einschätzung abzugeben, wie gut die Wolle filzt, wie stark sie schrumpft, etc.

Theresa geht mit ihrer Erfahrung ähnlich vor.
Besonders wichtig in dem Buch sind die Bilder! Sie sollen die Eigenschaften und den Charakter der Schafe wiedergeben aber sie sollen auch einfach schön sein! Das hat besonders lange gedauert. Es gibt wunderbare Bilder im Internet, die hervorragend geeignet wären. Dazu muss man “nur” den Fotografen ausfindig machen und die Nutzungserlaubnis einholen.
Geplant ist, dass die englische und die deutsche Version Ende Juni erhältlich sind!


Update

Es ist erhältlich! Mehr hier


Dienstag, 23. April 2019

Papageienliebe

Mal wieder eine Geschichte aus der Wissenschaft. Genauer gesagt: Ein Nebenprodukt. Eine Geschichte am Rande, die schon viele Jahre her ist... Fiel mir heute ein, weil ich an Papageien gedacht haben.
Also: Graupapagei Alex. Da Papageien ja sprechen lernen können, hat sich eine Biologin mal näher damit beschäftigt. Alex sollte aber nicht einfach lernen, Laute nachzuahmen. Es ging darum herauszufinden, ob ein Sprachverständnis möglich ist. Also hat sie dem Papagei das Sprechen im Kontext beigebracht. Zwei Menschen sind im Raum mit Alex, einer sagt "Erdnuß" und bekommt vom anderen eine Erdnuß. So in der Art. Auf diese Art hat Alex beispielsweise Konzepte wie "größer und kleiner" gelernt. Es gibt dazu auch Veröffentlichungen.
Die Biologin, die sich viele Jahre mit Alex beschäftigt hat, hat sicher auch einen Namen. An den kann ich mich aber nicht erinnern...
Die charmante Geschichte spielt am Rande. Alex mußte zum Tierarzt. Vielleicht musste ihm der Schnabel gekürzt werden... Also hat die Biologin ihn zum Tierarzt gebracht. Alex fand das ziemlich furchterregend und hatte echt Angst. Also hat er in seinem Kopf gekramt nach etwas, was er sagen könnte. Etwas, was ihm in dieser Situation hilft, ihn vielleicht sogar dort rausholt....  Er sagte "I love you"!
Ich wäre dahingeschmolzen! Aber unabhängig davon ist das total faszinierend. Er zeigte damit ein ziemlich komplexes Verständnis von Kommunikation. Er konnte die Emotionen oder Reaktionen auf seine Wörter einordnen. Und zwar die Reaktion einer komplett anderen Spezies auf Laute, die er in seinem natürlichen Umfeld nicht machen würde. In seinem Vokabular war das der Satz, der für "bitte lass nicht zu, dass mir weh getan wird" steht. Oder "Ich hab Angst. Mach, dass das weg geht". "I love you" ist ja kein konkreter Satz. Nicht wie "gibt mir bitte eine Erdnuss". Der Kontext, in dem der Satz vorher gefallen ist, war aber sicherlich immer sanft und gut und ... lieb. Worte in Situationen, die das Gegenteil von seiner jetzigen waren.

Hühnchen. Ich hab kein Bild von nem Graupapagei

Mich erinnert das an Vivienne. Ein kleines Mädchen in Irland. Ich hab als Au-pair auf sie aufgepasst. Sie war 1,5 als ich kam und hat mit Sprechen auf Deutsch und Englisch angefangen. Mit ziemlich coolem Verständnis dafür, was welche Sprache ist und wer die spricht. Mit der Ausnahme, dass gelber Löffel und yellow spoon zu "gelb spoon" und "lellow Löffel" wurden. In diesen Kombis klingt das auch viel passender... Worauf ich hinauswill: Als ich ging, konnte sie ja noch nicht sonderlich viel sprechen. So ein Jahr später war ich wieder da und hab sie gefragt, ob wir deutsch reden wollen (auf deutsch). Das war ganz schön viel verlangt. Man konnte es rattern sehen in ihrem Kopf. Das war eine Frage und sie suchte eine Antwort. Sie sagte "Schmetterling". Das einzige Wort, dass sie noch lange verwendet hatte. Auch, weil die Eltern das immer mal gesagt haben (weil sie es so cool fanden). 
Sie hätte einfach "Häh?" sagen können. Oder - wenn sie die Frage wirklich verstanden hat - "Nein". Aber sie wollte ja. Und hatte darauf nur eine einzige Antwort. Schmetterling.

Mittwoch, 20. März 2019

Spieglein, Spieglein an der Wand....

Über Schafe gibt es spannende Forschung. Die Sache mit der Gesichtserkennung ist ja schon ein alter Hut.
Einige Publikationen klingen erstmal langweilig. Und wenn es um Neurologie geht, klingen sie auf den zweiten Blick ganz schön kompliziert. Aber in fast jedem Paper finden sich Schätze. Z.B., dass Schafe sich aus diesen und jenen Gründen als Modell für neurologische und psychiatrische Störungen eignen. 
Psychiatrisch?
Das ist ein weiter Weg von Descartes, der einen Hund an ein Scheunentor genagelt hat um zu demonstrieren, dass das Tier KEINEN Schmerz empfindet sondern rein mechanische Laute von sich gibt.
Und es ist auch ein weiter Weg vom "klugen Hans". Das Schreckgespenst der Verhaltensforscher: In die "kluger Hans-Falle" zu tappen! Wer den klugen Hans nicht kennt: Das war ein Pferd. So um 1900. Das gehörte einem Lehrer der meinte, ALLES und JEDEN unterrichten zu können. Also hat er seinem Pferd beigebracht, zu rechnen. Erfolgreich! Hans konnte rechnen! Er hat mit dem Huf die Antwort geklopft. Die Menschen waren begeistert! Und Hans konnte richtig schwierige Sachen ausrechnen. Jeder dachte, das wäre ein Trick. Pferde können sowas nicht. Der Besitzer gibt doch heimlich Zeichen! Aber auch, wenn der Besitzer gar nicht dabei war und ein völlig Fremder die Aufgabe gestellt hat, hat er richtig gerechnet! Eine Sensation!
Irgendwann kam man dahinter, dass das gar nicht stimmt. Wenn NIEMAND der Anwesenden die Lösung wußte, wußte Hans die auch nicht. Der hat einfach nur geguckt, wann jemand so guckt, als wäre DAS der spannende Moment zum Aufhören! Nix Rechnen! Der Besitzer war so enttäuscht! Ich glaub sogar, er hat das Pferd geschlachtet. 
Nun ja: In diese Falle dürfen wir nicht tappen! Glauben, dass ein Tier mehr kann, als es kann. Uns täuschen lassen. Falsche Schlüsse ziehen! Bloß nicht in die "kluger Hans Falle" tappen!
"Die Wissenschaft" war peinlich berührt, diesen Fehler gemacht zu haben. 
Und ist darüber in die wahre "kluger Hans Falle" getappt: Sie haben völlig übersehen, WAS das Pferd konnte! Es konnte die Erwartungshaltung einer anderen Spezies lesen. Dazu reichte ein einziger Mensch in einer Menge, der das Ergebnis kannte. Immer neue Menschenmengen, unklar, wer der Signalgeber ist und wie seine/ihre individuellen Signale aussehen. 
Zur wahren kluger Hans Falle gehört auch, dass Berichte von Tierhaltern nicht ernst genommen wurden. "Der versteht jedes Wort". Vermutlich nicht aber: WAS tut er? Ist das vielleicht viel cooler, als "Wörter verstehen"? Border Collie Rico hat mit seinem Wetten, dass? Auftritt eine Revolution ausgelöst. Was kann der wirklich? Und wie macht er das? Wie können wir das herausfinden, ohne in Fallen zu tappen?

Was ist mit den "dummen" Tieren? Was können die? Wie machen die das? Was ist in ihrer Welt wichtig? Das ist ihre Intelligenz. 

Ich liebe es, den Versuchsaufbau zu lesen. Bei Schafen ist das auch die Sache, dass sie eben Herdentiere sind. Das sind wir auch. Nicht so sehr aber auch wir bekommen Angst, wenn die meisten rings um uns rum Angst haben. 
Es gab da mal einen Fall in London, da hat in der U-Bahn einer jemanden angepöbelt. Der hat zurückgschubst und die Leute ringsum sind nen Schritt zur Seite gegangen. 
Zur rush hour wurde das ganz schnell zu einer Massenpanik! Dank Twitter und Co wurden daraus binnen Minuten Schüsse im Einkaufszentrum über der U-Bahn-Station! 

Schafe haben das "eingebaut" auf die anderen zu achten. Das macht Einzeltests schwieriger. 

Schafe im Spiegel

Aber jetzt endlich zum Spiegel: Ich habe ein Abstract gefunden, in dem Spiegeltests gemacht wurden. Können Schafe ein Spiegelbild zur Orientierung nutzen? Ich habe den Artikel noch gar nicht aber der Abstract war vielversprechend. Die Schafe konnten Schüsseln mit Belohnungen finden. Ein Teil der Schafe wurde mit Spiegeln vertraut gemacht, die scheinbar eine Zeit lang einfach da standen. Ein anderer Teil kannte keinen Spiegel. Beim Test konnten sie dann die Schüssel im Spiegel sehen aber ohne Spiegelbild konnten sie sie nicht sehen. Es ging darum herauszufinden, ob ihnen das Spiegelbild einen Vorteil bringt und sie die Schüssel schneller finden, als sie das ohne Spiegel tun. Spoiler: Nö! 

ABER: Es waren verschiedene Rassen im Test und die haben sich bei der Spiegelgewöhnung deutlich unterschiedlich verhalten! Black Welsh Mountain haben viel mehr Zeit vor dem Spiegel verbracht als Norfolk Horn!

Wie gesagt: Ich habe den Artikel noch nicht. Aber die Unterschiede sind spannend! Kommen die verschiedenen Schafe der gleichen Rasse aus der gleichen Herde mit der gleichen Geschichte?Aber egal wie: Es gibt da Unterschiede und es gibt Gruppenunterschied e. Schafe sind rassistisch. Das hört man als Anekdote immer wieder. Aber warum? Was läßt sie ihre Bezugsgruppe erkennen? Aussehen? Körpersprache? Da finde ich "bunte Schafe" wieder sehr spannend! Für uns Menschen ist ein weißes Schaf erstmal was anderes als ein schwarzes. 
Lass jemanden, der keine Schafe kennt, eine graue und eine weiße Heidschnucke und ein graues und weißes Shetlandschaf sortieren in zwei Gruppen: Die meisten werden weiß zu weiß sortieren. DAS machen Schafe nicht! Trotzdem war von meinen ersten zwei Shetlandschafen das, das farblich besser passte, auch schneller akzeptiert. Aber die hat auch einen anderen Charakter. Kann also sein, dass auch die Farbe eine Rolle spielt, muss nicht. 
Überwiegend weiße Border Collies haben es schwer. Braune auch.

Schafe SIND unser Spiegelbild. Aber wie im Spiegelkabinett ist nicht alles so, wie es scheint! 
Shetlandschafe im Spiegel

Ich habe gestern einen Spiegel mit rausgenommen, um für diesen Beitrag ein Bild zu machen. Boah! Ist das spannend!
Mein klügstes und mutigstes Schaf (Gan Ainm) war begeistert. Ich wollte ein schickes Bild und nicht wirklich die Reaktion beobachten aber das werde ich nachholen! 
Gan Ainm wirkte freudig. Und dann irritiert von der Reaktion des Spiegelbilds. 
Ich habe von netten Menschen Videos bekommen, wie Schafe sich kennenlernen. 
Ich kann mich recht gut erinnern an "neues Schaf in Herde". Aber nicht gut genug. Wenn die aufeinander zugehen, tun die das gleichzeitig? Oder geht eins, während das andere steht und dann andersrum? Wirkte Gan Ainm erschrocken, weil es ein Geräusch gab, als ihre Nase den Spiegel bwrührte? Weil sie ein anderes Gefühl oder einen anderen Geruch erwartet hat? Oder eine andere Reaktion? 

Die dicke Dörthe schien eher selbstverliebt. Aber sie ist auch gegenüber echten fremden Schafen ruhig, offen und tiefenentspannt. 

Und ich überlege jetzt, ob ich den Spiegel hinter einer Horde (gegen Verletungsgefahr) aufstelle. Mit Webcam drauf. Nicht wirklich wissenschaftlich aber interessant!


Käpt'n Mini Moi im Spiegel

Mittwoch, 13. März 2019

Genau die richtigen Worte finden...

... ist eine Kunst! Dies ist der Anfang eines Buches über Wissenschaft. In dem es darum geht, dass dieses wissenschaftliche "Auseinandernehmen" der Welt ihr nichts von ihrem Zauber nimmt. 

“We are going to die, and that makes us the lucky ones. Most people are never going to die because they are never going to be born. The potential people who could have been here in my place but who will in fact never see the light of day outnumber the sand grains of Arabia. Certainly those unborn ghosts include greater poets than Keats, scientists greater than Newton. We know this because the set of possible people allowed by our DNA so massively exceeds the set of actual people. In the teeth of these stupefying odds it is you and I, in our ordinariness, that are here.We privileged few, who won the lottery of birth against all odds, how dare we whine at our inevitable return to that prior state from which the vast majority have never stirred?” 
― Richard Dawkins, Unweaving the Rainbow: Science, Delusion and the Appetite for Wonder


Mir fällt da nur ein: Hammer! Wow! Wie macht er das? Ist das nicht schön? Und: DAS will ich können!

Montag, 4. März 2019

der Geruch des Nordlichts....

Das hier... ist der Geruch der Hjaltland. Der Fähre nach Shetland.

Nordlicht - Mirrie dancers

Schon witzig, wie Erinnerungen funktionieren und Zeug miteinander verbinden!
Ich hab es mir neulich gemütlich gemacht, hab mir die Flute genommen und in Erinnerungen geschwelgt. Mal gucken, welche Tunes mir einfallen, wenn ich an alle möglichen Orte und Menschen denke, an und mit denen ich Musik gemacht habe.
Toronto, vor vielen, vielen Jahren hat "the thing that I saw is gone" und die Erinnerung an einen sehr sympathischen (und gutaussehenden) Box-Spieler.
An meinen Radio-Auftritt! Was war ich aufgeregt! (Ich hab da "nur" gesprochen aber das reichte!)
An ein deutsches Lied aus den 20ern, das ein Engländer gesungen hat, der gar kein deutsch kann. Hat er sich rausgehört. Witziges Lied! In meiner Erinnerung ist es "Tante Erna liegt im Bett und ißt Tomaten". Google sagt, dass wäre Tante Paula gewesen.
Dann sprangen die Erinnerungen nach San Francisco und zu einem Tune, den wir "den San Francisco Slide" nennen, obwohl es ein schottischer Jig ist und weiter nach St. Andrews und ... irgendwie auch Charlie Chaplin. Weil mich ein Freund aus San Francisco mal besucht hat und ich ihn in Potsdam auf einer Session abgeholt habe, die in einem Hotel stattfindet, in der Charlie Chaplin mal Gast war. Wir hatten die Idee, mal alle Tunes zu spielen, die mit Bauernhoftieren zu tun haben. Das sind echt viele! In St. Andrews hat die Flute Spielerin vorgeschlagen, wir könnte doch mal alle Tunes mit "Schaf" im Namen spielen.

So schnell, wie sich Erinnerungen vernetzen, kann ich gar nicht spielen!

Wroclaw verbindet sich mit Shetland, Orkney mit Barcelona und das Nordlicht auf den Lofoten mit Northumberland und dem Geruch eines Schiffes!
So riecht aber auch sonst keins! Doch, die anderen Schiffe auf der Linie riechen genauso aber sonst keine. Und ich war ja durchaus auf vielen Fähren unterwegs...

Ich hab das gar nicht gemerkt. Erst letztes Jahr. Bis dahin dachte ich, das wäre das Waschpulver einer Freundin, die mir Swifts Hundedecke gewaschen hat. In Northumbria. Dieser Geruch ging aus der Hundedecke gar nicht mehr raus. Da hingen ganz besondere Erinnerungen dran. Und bei unserer ersten Begegnung hat sie ein Tunebuch rausgeholt und wir haben zusammen was draus gespielt. Starry nights in Shetland. Zweistimmig. Klang total nett und wir haben überlegt, ob das in Shetland wohl jemand kennt oder ob das ein Tourist in Erinnerung geschrieben hat... Und DAS habe ich dann auf den Lofoten gespielt und das Nordlicht hat dazu getanzt. Sehr cool!
Die Erkenntnis, dass der Geruch von der Fähre kommt, hat das alles verknüpft und jetzt riecht das Nordlicht wie ein Walzer aus Shetland klingt und lässt mich an Fransje und Peter denken.

War ne lange Nacht mit schönen Erinnerungen!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Entweder man hat zuviel Schafe oder zuwenig.....

Letztes Jahr hatte ich die Idee, mal eine Infographik zu machen über Farben und Abzeichen beim Shetlandschaf. Dazu hab ich Schafe als Vektorgrafik gezeichnet. Die aber nicht gar so sehr wie Shetlandschafe aussahen. Also habe ich probiert. Als ich dann Shetlandschafe "konnte", war der Ehrgeiz erwacht, die Besonderheiten anderer nordischer Schafe herauszuarbeiten. Und dann die von "nicht-nordischen".

Boah! Da kann aber auch eine Sammelleidenschaft erwachen! Dann sollten Poster draus werden. Dafür fehlt dann garantiert eins. Und wenn man gerade so schön dabei ist, hat man mit einem mal drei zuviel!
Aber jetzt ist es entschieden! Ab morgen gibt es Poster! Eins mit "Wikingerschafen" und eins mit allen möglichen Schafen. Und diese drei sind beim "Schafe-Poster" nicht dabei:

Driftwool Schafe

Zuviele Schafe habe ich auch gerade hinter dem Haus stehen. Fast. Noch nicht wirklich zuviele aber die Kapazitätsgrenze ist erreicht bei einem Sommer wie dem letzten. Der Nachbar hat mir seine Wiese dazugegeben und da dachte ich noch, das würden die nie schaffen! Viel zu wenig Schafe! Dann hat es gerade so gereicht. Deshalb steht da jetzt auch kein Bock dabei. Ein Frühjahr ohne Lämmer - das bereue ich jetzt schon!




So ein paar lumpige Litzen habe ich übrigens nur hier um den Auslauf am Haus. Der grenzt an ein eingezäuntes Grundstück und ist mitten im Dorf. Das eingezäunte ist allerdings nicht meins und  dieses niedliche braune Shetlandlamm mit der supertollen Wolle hat gelernt, wie man sich da durchfädeln kann. So, daß nur die dicke Wolle an den Draht kommt. OK - ich habe übersehen, daß die untere Litze aus einem Isolator gerutscht ist aber ich glaube, die hat das jetzt einfach raus.
Kluge, unerschrockene Schafe sind praktisch. Kann man herrlich einfach trainieren. Dummerweise lernen die auch jeden Unfug schneller, als man so denkt! Jetzt steht da noch ein Netz. Mit ordentlich Wumms drauf!

Montag, 7. Januar 2019

Hunde haben uns menschlich gemacht...

... dogs have made us human...
"human" ist in dem Fall "menschlich" und gleichzeitig "zum Menschen". Das ist eine der faszinierendsten Theorien, die ich zum Hund gelesen habe. Schaut man in die Frühgeschichte und guckt, wann der Wolf zum Hund wurde, hat man ein Problem: In Knochenfunden kann man erst dann einen "Hund" erkennen, wenn er sich morphologisch vom Wolf entfernt hat.
Es gibt Forschungsgruppen, die mit DNA-Analysen zurückgerechnet haben, wann der Wolf zum Hund wurde.

Was nach ihrer Berechnung zu der Zeit war, als Homo erectus zu Homo sapiens wurde. UndHomo sapiens zeigt ganz deutliche "Domestikationsmerkmale".
Wer war das? Wer hat uns domestiziert? Man nimmt an, dass wir das selber waren.
Diese Forschergruppe wirft allerdings den Gedanken in den Raum, dass es der Hund/Wolf war. Wir die - und die uns. Gegenseitig.
(Ich finde den Gedanken ganz sympathisch aber man muss dabei beachten, dass sich völlig utopische Divergenzzeiten ergeben, wenn man die aus der genetischen Distanz von Haustieren so berechnet, wie bei natürlichen Populationen. Schweine beispielsweise wurden "kurz" nach den Schafen domestiziert. Das mit den Schweinen ist so 9.500 Jahre her. Die berechnete Divergenzzeit zwischen einzelnen Schweinerassen liegt aber bei MILLIONEN Jahren.)

Eine andere wissenschaftliche Erkenntnis: Unser Unterbewusstsein ist klüger als unser Bewusstsein. Da gibt es einen Versuch, über den ich bestimmt schon mal geschrieben habe: Eine Gruppe Studenten als Versuchskaninchen. "Gehen Sie in diesen Raum und suchen Sie sich aus den Postern, die dort hängen, eines aus. Das dürfen Sie dann behalten." Eine Gruppe bekam wenige Sekunden Zeit. Rein, aussuchen, raus. Die andere bekam viel Zeit und die Aufgabe, ein Essay zu schreiben, in dem sie ihre Entscheidung ausführlich begründen. Nach einem Jahr wurden alle Studenten befragt: Wer hat das Poster immer noch?
Die "Bauchgefühl-Leute" fanden es immer noch geil. Die anderen hatten recht schnell gemerkt, dass sie es dann doch nicht so toll fanden.

Das ist keine "Herz/Bauch gegen Hirn" Entscheidung. Das ist beides Hirn. Nur, dass man - vereinfacht gesagt - nicht alles im großen Referenzsystem abspeichert. Wichtige (erkennbar wichtige) Informationen werden mit entsprechenden Etiketten in entsprechende Schubladen gelegt und Querverweise erstellt. Damit wir sie jederzeit rausholen und auf andere, ähnliche Situationen übertragen können.
Was dagegen so aussieht, als wäre es unwichtig, einmalig, überflüssig, landet nicht in diesem System. Gespeichert wird es trotzdem.
Das "Unterbewusstsein" hat mehr Informationen. Erinnerungen, die wir als "Geruch" gespeichert haben und solche, die wir mit einer "Farbe" assoziieren. Wir  haben so viele Erfahrungen, dass wir sie nicht alle kategorisieren können.
Die stehen nur zur Verfügung, wenn wir so unentschlossen sind, dass wir eine Münze werfen. Und uns entweder sehr freuen über das Ergebnis oder sehr enttäuscht sind.

Mit den Schubladen im Hirn jetzt wieder zurück zu Hunden: Mit Hunden ist es manchmal wie mit dieser Schublade bei der Oma. Die "unsortiert" Schublade. Da sind Schnippsgummis drin und komische Küchenwerkzeuge, von denen niemand weiß, wofür sie gut sind. Und eine kleine Schachtel mit Stiften und ein alter Anstecker, von dem die Anstecknadel abgefallen ist und so eine kleine alte Spieluhr und ein altes Foto, auf dem man niemanden kennt....
KEINE Schublade ist so faszinierend wie diese! Man muss nicht wissen, was das alles ist und erst recht nicht, wie es funktioniert oder "wofür das gut sein soll". Es ist einfach toll.
So sind Hunde.

Manchmal hilft nix. Da braucht man einfach einen kleinen Welpen.



Eigentlich wollte ich was anderes schreiben. Über Hunde. Da kam mir mein Vater mit seinem Welpen dazwischen. Was ich über MICH und Hunde schreiben wollte, bezieht sich auf eine Anekdote von Konrad Lorenz oder Eberhard Trummler. Und zwei benachbarte Hunde. Die haben sich jeden Tag durch den Zaun beschimpft. Sind von einer Seite des Grundstücks zur anderen gerannt. Immer am Zaun lang. Schimpfend und drohend. "Ich würde dich platt machen!"
Bis.... eines Tages ein Stück Zaun fehlte und sie sich gegenüber standen. Da haben sie gestutzt. Und sind blitzschnell dahin zurück gerannt, wo noch Zaun war! Und haben sich weiter angebrüllt! "Ich würde dich platt machen! Wenn nur der Zaun nicht wäre!" 
Ich will jetzt niemanden platt machen. Aber zurück hinter den Zaun rennen, kommt mir sehr bekannt vor. Das geht gegen alles, was das Herz sich wünscht und trotzdem - oder gerade deswegen - traut man sich nicht....
Und jetzt, wo ich mich dabei ertappt habe, muss ich schon auch lachen! So'n bisschen. Über mich selber. 


Zwei Seehunde. Ohne Zaun. War das passendste Bild, das ich finden konnte 

Aber gut zu wissen, dass da diese Lücke ist. 

Donnerstag, 3. Januar 2019

Ich schmeiß alles hin!

Verdammter Mist! Ich krieg das nicht hin!
Wenn man alleine arbeitet, muß man das auch alles alleine hinbekommen und ich komm nicht weiter!
Ich kann keine Geschichte erzählen, ohne die Geschichte zu erzählen...

Und da ich keinen habe, bei dem ich mich damit mal ausheulen kann, heule ich halt hier! Manchmal hilft Schimpfen!

Also: Ich war unterwegs auf den Spuren der Wikingerschafe. Und habe lange überlegt, da ein Buch draus zu machen. Nur das Konzept wollte nicht so recht entstehen.
Ein reines Sachbuch über die nordischen Schafe? Das ist doch grottenlangweilig!
Außerdem kann man über Schafe erstaunlich wenig wirklich sicher sagen!

Nicht mal, ob die nun wirklich ausschließlich vom Mufflon abstammen. Nicht mal, wie das Mufflon systematisch einzusortieren ist. Oder wieviele verschiedene Arten von Wildschafen es gibt. Wie die Rassen des Hausschafes miteinander verwandt sein? Wie sie wann von hier nach da kamen? Alles vage. 

Unsere ersten domestizierten Tiere nach dem Hund und die, die unsere Gesellschaft und Geschichte mehr geprägt haben, als alle anderen. Von Religion über die industrielle Revolution bis zur Biotechnologie. Also spannend ist das schon. Aber nicht in einem Sachbuch, in dem man zu Vielem nur spekulieren kann. Oder abschreiben von nur einer Quelle, in der jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt mal dachte, er/sie wüßte was....

Andererseits ist da die Reise. Zu Menschen mit alten, nordischen Schafen. In eine Landschaft, die mit etwas Wissen über Schafe und unsere gemeinsame Geschichte viel mehr Sinn macht. Ein paar Abenteuer und lustige Begebenheiten und tolle Menschen.

Das zu vermischen war eine Idee, die mir gefallen hat. 
Verlage haben lieber Bücher, die man EINEM Regal im Buchladen zusortieren kann. Reise- oder Sachbuch?
Als Leser sehe ich das anders. Ich lese echt gerne Sachbücher. Nur sind die oft zäh und wenig unterhaltsam geschrieben. "How to" - also Anleitungsbücher - sind da meist besser zu lesen als Bücher, die (populärwissenschaftlich) Wissen vermitteln.
Reisebücher hab ich auch einige. Und fast keines weiter als bis zur Hälfte gelesen. Da passiert zwar immer was anderes aber eigentlich auch nicht. Eigentlich passiert immer wieder das Gleiche, nur anderswo...
Bücher, in denen einen der Autor tief in sein Innerstes blicken läßt und in denen seeehr private Dinge erzählt werden, bleiben spannend. Aber das sind wenige und sowas muß man auch schreiben (und veröffentlichen!) wollen!
Bill Brysons Reise durch Europa ist da eine große Ausnahme. Das ist extrem unterhaltsam (und interessant), ohne privat oder gar exhibitionistisch zu werden. Es geht ja gerade darum, was jeweils ANDERS ist.
Auch seine "Short History of Living at Home" hab ich nicht nach der Hälfte weggelegt. Und ein klein wenig ist auch das ein Sachbuch, das die Themen im Rahmen einer Reise aufnimmt. Wobei die Reise "nur" eine Reise durch sein Haus ist.
Douglas Adams "Last Chance to see": Das ist doch herrlich! Ein Vor-Ort Blick eines neugierigen Aussenstehenden. Der die Skurrilität sieht, die die Forscher vor Ort für normal halten oder die sie einfach deshalb nicht veröffentlichen, weil sich das in einer wissenschaftlichen Publikation nicht so gut macht...

Mir gefällt das immer noch gut. Den Leser mitnehmen auf eine Reise. Die auch eine Reise in die Vergangenheit ist und ein klein wenig eine Reise in die Wissenschaft. Herrjeh! Ich hab einen der Erfinder von Dolly dem Klonschaf auf ner Session getroffen! (Wobei genau das gar nicht vorkommen wird. Diese Begegnung war mir aus anderen Gründen wichtig.)

Aber es wird nicht rund. Also eigentlich ist es "rund". Prinzipiell sogar die klassische "Heldenreise", in der jemand aufbricht mit einer Aufgabe, unterwegs viele Abenteuer erlebt und sich im Laufe der Reise ändert. Die äußere Reise wird auch eine Innere und am Ende ist er/sie wieder zu Hause. Da geht es dann meist um die "eigentliche" Frage. Eine, die nur durch die Wandlung bzw. das "Wachstum/die Reife" beantwortet werden kann.

Ich bin überzeugt, daß das gut werden kann. Eine gut erzählte Geschichte, in der historische und wissenschaftliche Themen alles andere als ein langweiliger Einschub sind sondern auch dem Leser einen spannenden, "anderen" Blick auf diese Gegenden, auf uns und auf Schafe ermöglichen.

Kann
Könnte
Kann ich nicht...
Kleine Zettel mit Kapiteln und Themen hin- und herschieben hilft da auch nicht.


Ich könnte das alles in die Tonne treten. Und heulen...