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Montag, 14. Dezember 2020

Mit einer Hand kann man nicht klatschen - Wenn Schafböcke Zeug zerkloppen

Dieser Post ist eigentlich eine Wiederholung. Nur unter einer anderen Überschrift. Es war warum Böcke sich kloppen aber jetzt geht es mir mehr um: Warum machen die Zeug kaputt?

Wenn man Schafe hat, hat man einen ganz besonderen Taktgeber im Jahr. Im Frühjahr kommen die Lämmer, dann ist Schur, dann Heuzeit und im Herbst/Winter gibt es dieses Geräusch... das dumpfe Krachen, wenn Bockschädel und -hörner aufeinanderkrachen. 

Als ich noch die Skudden hatte war das ganz typisch. Tupping time. Krach Bummm! Dabei war da nur ein Bock und zwei Hammel. Einer mit einem Jahr kastriert, der richtige Hörner hatte. Für die Mädels hat er sich nie interessiert. Aber Bockkämpfe hat er gemacht! Wirkte auf mich immer, als wäre das Spaß oder als würde er dem Bock einen Gefallen tun! 

Bei den Shetlandschafen fehlt mir das Geräusch beinahe. Da hatte ich nur Vater und Söhne zusammen und die durften nix! Der Vater hat immer mal gegen eine hölzerne "Schutzhütte" gerungst. Aber die war verschiebbar bzw. war das eine klappbare A-Wand, die irgendwann zusammenklappte. 

Als der Bock dann nach Mecklenburg gezogen ist, hat er ordentlich Zeug zerkloppt. Feste Wände an Unterständen....

In einer Facebook-Gruppe über Shetlandschafe lese ich öfter den Hilferuf, der Bock würde alles kaputt machen. Manche hängen denen dann einen Box-Sack hin. Da können sie kämpfen. 

Aber ich glaube nicht, dass es um Kämpfen oder gewinnen geht. Ich bin mal über einen Artikel eines Verhaltensforschers gestolpert (denn ich mir natürlich nicht gespeichert habe... weshalb ich ich das ganz unhöflich ohne Quellenangabe und nur aus dem Gedächtnis wiedergebe):

Er oder sie hat Bighornschafe in den Rocky Mountains beobachtet. Während man früher der Meinung war, dass die dicksten Dinger den größten Macker machen weil er ja alle besiegen kann, ist man da heute offener. Ist das so? Was ihn/sie zum Zweifeln brachte war ein lütter Jährlingsbock, der sich vor einem wirklich gestandenen Bock aufgebaut hat: Willste Kloppe? Komm doch! 

Der Altbock hätte lachen können. Auf den Knirṕs auch nur eine Kalorie verschwenden war lächerlich. Oder statt lachen einfach platt machen!

Hat er aber nicht. Er ist in nen vollen "Kampf" eingestiegen. Mit viel Krawumms. Der Verhaltensforscher fand das seltsam. Wenn es um Gewinnen geht, warum macht er den nicht platt?

Wie mein Hammel mit dem Bock, bei denen ich auch nicht dachte, es wäre ein echter Kampf...


Aber dann.... nachdem mehrmals Hörner mit diesem typischen Geräusch aufeinandergeprallt waren und dass dumpfe Donnern durch die Rockies hallte... Da kamen die Mädels! Nach und nach kamen sie an und guckten... angelockt von dem Geräusch zweier Hörnerpaare, die mit Schwung aufeinanderprallen. Es geht vielleicht weit weniger um "Ich mach Dich platt" als um dieses sexy Geräusch. Und mit einer Hand kann man nicht klatschen!

Wenn ich mal nen Bock habe, der Zeug zerkloppt, werde ich mal ausprobieren, ob eine "Percussion-Installation" hilft. Meine A-Wand war sowas. Cooles Geräusch! Vielleicht noch ein hohles Metallding.... Wobei lustige Geräusche gegen Frust-Kloppe nicht hilft und Frust hat so ein Bock ja auch mal... wenn der Weg versperrt ist. Und gerade Shetlandschafe finden Lösungen! Riegel öffnen oder sich eben durchboxen. Und wenn alle Intelligenz nix nützt, muss man eben auch mal Dampf ablassen... 

Freitag, 22. Mai 2020

Bei Homer waren Schafe violett - Farbsehen und Farbbezeichnungen

(Homer = der olle Grieche, nicht Homer Simpson)

Schafe sind ja alle irgendwie so "naturfarben". Von weiß bis schwarz und allerlei beige, braun, grau dazwischen. Offiziell gibt es da auch nur sehr nüchterne, deskriptive Bezeichnungen zum Eintragen der Farben ins Herdbuch.



Diese Bezeichnungen beschreiben nur den Phänotyp (wie sieht das Schaf aus), nicht die Genetik.
Für mich ist es einfacher und logischer, die Farbe eines Schafes nach dem zu bezeichnen, was vom GENOtyp sieht...
Das geht aber nicht jedem so. Vor Jahren war ich mal auf der Brandenburger Landwirtschaftsausstellung und habe mich zusammen mit Saskia mit jemandem über Farben beim Schaf unterhalten.
"Die Farbe kann man beim Lamm noch nicht erkennen!" sagte er. Und: "Wenn man die Farbe sehen will, muss man auf die Wolle gucken, nicht auf Kopf oder Beine!"
Uns ist die Kinnlade runtergeklappt...

Zusammen mit Saskia habe ich das Buch Bunte Schafe zur Farbvererbung bei Schafen gemacht. Wir gucken also mit einem Farbgenetikblick auf Schafe. Ein schwarzes Schaf ist für uns ein schwarzes Schaf. Völlig rille, ob die langen Wollhaare in der Sonne ausbleichen. Und deshalb gucken wir gerade auf das (noch nicht ausgeblichene) Lamm oder auf Gesicht und Beine, deren derbere Haare weniger ausbleichen. Viele Muster beim Schaf zeigen sich auch nur an Gesicht und Beinen.
Da muss man sich ein bißchen "eingucken".

Und dann gibt es Varianten von Farben. In einer Gruppe auf Facebook, in der es um bunte Skudden geht, ist mir aufgefallen, dass da Namen entstehen.

Ich dachte ja immer, das liegt daran, dass vor allem Frauen das einfach gerne machen. So hübsche Namen vergeben. Für feine Abstufungen. Ist das Türkis oder Petrol? Orange oder Apricot?

Heute habe ich ein Video gesehen, in dem es um Farbsehen geht. Und in dem Video kam etwas Interessantes auf! Im 19Jh ist jemandem aufgefallen, dass Homer ganz seltsame Farbbezeichnungen verwendet. Das weinrote Meer und die violetten Schafe... Und so wie es aussieht, wurde "blau" als Farbbezeichnung lange Zeit kaum verwendet. Vermutlich erst dann, als der Mensch blau färben konnte. Und mit Begriffen scheint die Unterscheidbarkeit einherzugehen. Nicht physiologisch. SEHEN konnte man (also die meisten) das schon vorher. Aber Farbsehen hat auch eine erlernte Komponente: Einsortieren und wiedererkennen und in einer Gruppe nach und nach einen Konsens finden, dass geht mit Begriffen einfacher. Oder überhaupt...

Bei Skudden gibt es manchmal eine besondere Art von braunen Lämmern. "Diese braunen, die so a bisserl dunkler sind als die normalen aber nicht so dunkel wie die schwarzen" taugt nicht für eine Konversation. Aber auch nicht, um unser Gehirn auf das Wiedererkennen der Farbe zu trainieren!

Mit einem Namen geht das besser! Bei den bunten Skudden hat sich dafür der Begriff "havana" eingebürgert. Wie die Katzen. Oder wie Zigarren (aber nicht die hellen sondern die dunklen, die aber nicht so dunkel sind wie....)

Skuddenlamm Ruby, Züchterin Sigrid Heilmann
Im Vergleich: Ein "normal braunes" und ein schwarzes Lamm:



Ich habe übrigens bei Homers Beschreibung von violetten Schafen ein Bild vor Augen. Von einem Schaf, das wir heute vermutlich "grau" nennen würden. (Oder eines der Muster, die eine überwiegend graue Wolle machen).
Überhaupt schien man "früher", recht großzügig bei der Zuordnung von all dem gewesen zu sein, was irgendwie "blau" ist.

roses are are red, violets are blue,....

Quatsch! Violets (Veilchen) sind violett! Nicht blau!

Das man bei Pommernschafen zwischen grau, grau-blau, blau-grau und blau unterscheidet, hat seinen Urpsrung vielleicht auch in einer Zeit, als "Blau" noch nicht so festgelegt und eingeübt war... Zumindest bevor Leute mit blauen Wachsmalern aufgewachsen sind...
Für mich waren das ja erstmal alles verschieden dunkle Grautöne. Aber wenn man sich MIT den Bezeichnungen eingeguckt hat, dann ist ein dunkles Pommernschaf einfach mal blau. Auch wenn ein T-shirt in der gleichen Farbe bei mir anthrazit wäre...


Hier nun das Video (Mailab auf youtube ist übrigens generell empfehlenswert):




Für mich nehme ich da übrigens mit, dass es vielleicht wirklich stimmt: Frauen können im Allgemeinen mehr Farben sehen. Ohne tetrachromatisch zu sehen - einfach nur durch die Auseinandersetzung damit und der Verwendung von mehr Bezeichnungen....

Donnerstag, 13. Juni 2019

Warum Böcke sich kloppen...

Der mit den dicksten Dingern ist der Boss?


Die Verhaltensforschung hat ja so einiges überdacht im  Laufe der Zeit. Mein Lieblingsbeispiel ist der kluge Hans. Erst hat man dem Pferd menschliche Fähigkeiten zugestanden (Rechnen können) und dann war man extrem enttäuscht, dass das Tier gar nicht rechnen kann. Über diese Enttäuschung hat man die wirklichen Fähigkeiten lange Zeit übersehen.
Und auch sonst wurden Tiere aus einem seltsamen Blickwinkel betrachtet. Zum einen sehr menschlich / anthropozentrisch und zum anderen abgrenzend zu uns. Gefühle, Liebe, Spaß oder Fähigkeiten, die wir für besonders gut halten, können die nicht haben. Dafür aber Ambitionen, die wir wiedererkennen. Die vielleicht vor allem die überwiegend männlichen Verhaltensforscher wiedererkannt haben...
Dominanz. Der Stärkste hat Zugang zu Ressourcen. Der stärkste Bock mit den größten Hörnern deckt die meisten Zibben. Der prügelt sich seinen Weg zum Sex. Die Hörner sind Waffen! Je größer, desto besser.
Darwin selber hatte da eine andere Idee. Die selbst von seinen Anhängern ignoriert wurde. Die Evolution der Schönheit. Die besagt, dass die Weibchen eben nach Schönheit selektieren. Das passte lange nicht ins Weltbild und so wurden absolut übertriebenen Merkmalen "Fitnessmerkmale" zugeordnet. Wer mit so irrem Gefieder überleben kann wie so mancher Paradiesvogel, muss ja besonders fit sein. Oder: Diese Phänotpyen sind bestimmt genetisch mit besonderer Fitness gekoppelt und deshalb kommen sie bei den weiblichen Tieren so gut an.
Kann sein. Dass die Kämpfe von Böcken doch überwiegend rituell sind, ist ja klar. Die bringen sich nicht um. Eine Beobachtung fand ich besonders spannend:
Ich weiß leider meine Quelle nicht mehr aber es ging um Bighornschafe. Die wurden in ihrem "Kampfverhalten" beobachtet.
Da war ein gestandener Altbock. Und ein pupsiger Winzling, der ihn aufforderte. Der Alte hätte ihn ignorieren können, wenn es um "gewinnen" ginge. Oder von der Schulter wischen wie einen Fliegenschiss. Er hätte ihn auch mit einer Kopfbewegung wegschleudern können. Hat er aber nicht. Er ist drauf eingegangen. Und das hat zum Glück den Wissenschaftler fasziniert!
Es gab also einen ungleichen Show-Kampf. Mit viel Krawumms. Und dann... kam eine Zibbe um die Ecke. Und noch eine. Angezogen von dem Geräusch.


Mit einer Hand kann man nicht klatschen!
Ohne den pupsigen Lammbock hätte der Altbock niemanden anlocken können!

Und wie immer komme ich auf eine gedankliche Tangente... während so ein Altbock ganz schick rituell seinen "Kampf" vorführt und beschäftigt ist, hat so mancher Winzling seine Chance... Und DAS erinnert mich an einen Freund... Der konnte toll Gitarre spielen und singen. Uih! Was waren die Mädels angetan! Nur... er wusste nicht so recht, was er nach dem Spielen machen sollte. Also hat er weiter gesungen. Bis dann alle Mädels mit einem der anwesenden Jungs abgezogen sind...


Der weiße ist übrigens ein Hammel. Null Interesse an weiblichen Schafen. Aber diese rituelle Krawumms-Nummer fand er gut! Oder er hat seinem Bock-Kumpel den Gefallen getan...



Sonntag, 11. November 2018

Rassestandard Skudde - großartige Neuigkeiten!

Eine gute Skudde hat keine falsche Farbe mehr!

Warum ist das eine wichtige Neuigkeit? Was sind überhaupt Skudden? Was bedeutet so eine Änderung und warum freue ich mich darüber?

Die Fakten: Der VDL - der Verband deutscher Landesschafzuchtverbände - hat Anfang September 2018 beschlossen, den Rassestandard der Skudde zu ändern. Es sind nun alle Farben zugelassen.

Es liegt nun an den einzelnen Verbänden, ob sie diese Änderung übernehmen. Oder nicht. Der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg beispielsweise hat die Änderung im Oktober übernommen.

Der erste gekörte Bock in einer "Sonderlackierung":
Atilla, aus Herdbuchzucht in Sachsen. Gekört in Brandenburg mit 8/7/7 (Wolle, Bemuskelung, Erscheinung). Light Badgerface

Skudde light badgerface
Light Badgerface, Skudde, gekört 2018


Skudden

Skudden sind die kleinste deutsche Schafrasse. Ursprünglich in Ostpreußen zu Hause, sind sie heute beliebte Schafe bei Hobbyhaltern und in der Landschaftspflege. Sie sind eine alte Rasse. Das Schaf des kleinen Landmanns und vermutlich auch eines der Schafe der Wikinger.
Und schon tausende von Jahren vorher gab es Schafe dieses Typs.
Sie sind Kulturerbe und als alte Rasse eine wichtige Genreserve.
Daß sie so klein sind bedeutet nicht, daß sie eine Zwergzüchtung sind. Sie haben einfach noch die Größe, die Schafe früher (ganz früher) hatten.
Daß sie klein sind bedeutet aber, daß sie als Fleischrasse unwirtschaftlich sind. Ihre Mischwolle ist für industrielle Verarbeitung nicht interessant.
Dadurch sind sie selten geworden. Sie sind eine gefährdete alte Nutztierrasse und in einigen Bundesländern wird ihre Haltung gefördert.

bunte Skudde im Herdbuch
Rehlein. Im Vorbuch eingetragen


Der Standard

Der Standard der Skudden ist relativ jung. So ca. 50 Jahre ist er alt.
Mit der Erstellung eines Standards können verschiedene Züchter gemeinsam auf ein Zuchtziel hinarbeiten. Vereinfacht gesagt: Man einigt sich, was man will und hat ein definiertes gemeinsames Ziel.  Geschulte Leute der Verbände überprüfen die Tiere und bewerten sie danach, wie nah sie diesem Idealbild kommen.
Die Zucht nach Standard und im Verband ist generell eine eher neue Erfindung. Die frühesten Standards stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Ein Standard beschreibt ein Ideal. Ein Ziel. Er beschreibt nicht, was existiert. Sonst müßte man nur einfach Schafe vermehren und nicht gezielt züchten.
Bei "neuen" Rassen sind das meist wirtschaftliche Ziele. Da will man mehr Fleisch, feinere Wolle, mehr Lämmer pro Muttertier... Man legt also Ziele fest, die man zukünftig erreichen will.
Bei alten Rassen ist das etwas anderes. Da will man etwas Altes bewahren. Trotzdem spielen da Ziele mit hinein. Manchmal versucht man zu erraten (oder aus Quellen abzuleiten), was die früheren Züchter dieser Rasse wohl für Ziele hatten.
Standards sind wie gesagt Zielbeschreibungen. Manchmal müssen die angepaßt werden. Zum Beispiel, weil die Beschreibung der Ziele nicht eindeutig ist.
Bei Skudden stand früher im Standard, daß sie kleine Ohren haben. Jetzt sind die Ohren laut Standard mittelgroß.
In Punkto Farbe hat der Standard weiße und ungescheckte, einfarbig  braune und schwarze Tiere zugelassen. Wohlgemerkt als ZuchtZIEL. Nicht als Beschreibung der existierenden Farben.
Jetzt läßt der Standard alle Farben zu!

bunte Skudde im Herdbuch
Ophelia, im Vorbuch eingetragen mit gekörtem Deckbock

Vorteile der Änderung

Meiner Meinung nach sollten bei einer alten Rasse - Kulturerbe und Genreserve - auch alte Farben erhalten werden.
Das war im Herdbuch bisher nicht möglich. Die Freunde "bunter" Skudden haben außerhalb des Herdbuchs gezüchtet.
Die Farbvielfalt der Skudden ist faszinierend! Eine solche Vielfalt hat keine andere einheimische Rasse.

Einige Farben sind sogar einzigartig! Die haben hier bei uns nur Skudden. So zum Beispiel "light badgerface". Das sieht auf dem ersten Blick der Farbe eines Kamerunschafes ähnlich, ist aber ein anderes Agouti Allel. Sie sind eindeutig von braunmarkenen Kamerunern zu unterscheiden.
Die nächsten Verwandten mit diesen Farben findet man auf den norwegischen Inseln bei den alten Villsau. Andere Farben findet man in Shetland, Schweden, Finnland, dem Baltikum....  Ein faszinierendes Erbe, das Skudden über lange Zeit bewahrt haben!

Der Genpool der herdbuchgeführten Skudden wird größer, wenn dieses Erbe nicht als Fehler ausgeschlossen wird.

Auch für die Verbände selber ist es vorteilhaft, diese Tiere nicht auszuschließen. Bisher konnten Tiere mit der falschen Farbe nicht in die Zucht. Egal wie gut sie waren. Die beste Skudde aller Zeiten wäre aufgrund der Farbe ausgeschlossen worden!
Und: Die Verbände haben mit der Farbe nicht nur die Tiere ausgeschlossen sondern auch die Leute, die gerade diese Tiere mögen.

Ein anderer Vorteil: Viele potentielle Mitglieder. Das sind nicht nur Mitgliedsbeiträge sondern auch "Stimmen". Es gibt wesentlich mehr Hobbyzüchter als Berufsschäfer. Die Verbände vertreten ALLE Schafhalter. Mehr Mitglieder bedeuten mehr Gehör - auch in politischen Fragen. Unsere Schäfer sterben aus! Unsere Hobbyhalter machen sich stark für ihre Kollegen, die das (haupt-)beruflich machen.
Und die Hobbyhalter profitieren vom Fachwissen, das die Verbände vermitteln.

Skudde light badgerface
Serafina, gekört mit 8/7/6. gescheckte lght badgerface Skudde

Die Bedeutung für die Zukunft

Der VDL hat den Grundstein gelegt dafür, daß mehr Skuddenzüchter im Verband züchten. Zum Vorteil für alle. Verband, Züchter und vor allem für die Skudden!
Mich freut natürlich sehr, daß der Brandenburger Verband die "bunten" aufgenommen hat! Diese Farben sind "alt" und "echt Skudde". Teil des Erbes.
Was jetzt anders ist, ist ihre Aufnahme in das Zuchtziel. Mit der klaren Vorgabe der Dokumentation! DAS finde ich wichtig!
Farbgenetik ist relativ einfach. Ein Schaf in einer bestimmten Farbe zu züchten, ist ein Klacks gegen die Herausforderung, eine gute Skudde zu züchten!
Wenn bestimmte Farben nicht zugelassen werden, werden sie auch nicht dokumentiert. Sie landen bei Skuddenfreunden außerhalb des Herdbuchs oder in der Truhe. Man kann schwerlich nachvollziehen, wer da was vererbt. Sind alle eingetragen, kann jeder züchten, was er mag. Die Informationen sind da.

Allerdings funktioniert Zucht im Verband als Konsens. Der Standard beschreibt nicht, was existiert sondern das, was man sich als gemeinsames Ziel setzt. Die Gemeinschaft der Züchter legt das fest. Gemeinsam.
In Sachsen wurde entschieden, vor allem weiße Skudden zu züchten. Braun und schwarz (einfarbig ungescheckt) ist zugelassen aber nicht das Ideal. Ich finde das schade aber mir gefällt die Begründung, die ich im persönlichen Gespräch auf der Körung erhalten habe:
Wir wollten das so.
Das ist OK. Keine Argumente wie "die Wollindustrie will weiße Wolle" (Ja. Aber keine Skuddenwolle. Kostendeckend kann man Skuddenwolle nur an Faserkünstler verkaufen und DIE wollen oft lieber bunt!)
Oder: "Das war schon immer so" (Stimmt nicht. Die allermeisten Quellen sprechen von melierten und gescheckten Tieren. Braun allerdings wird nicht erwähnt. Das gab es ganz sicher auch "schon immer" aber so selten, daß es nicht erwähnt wurde. Trotzdem sind sie im Standard. Und das ist richtig so!)
Zu sagen, daß man das als Zusammenschluss von Züchtern halt so will, ist OK für mich. Anders hätte ich besser gefunden. Aber DIE züchten ja Skudden. In DIESEM Verband. Die müssen das zusammen festlegen.

bunte Skudde im Herdbuch
Sofi, im Vorbuch. 
Weil Zucht im Herdbuch immer eine GEMEINSAME Zucht ist, ist die Beteiligung der Züchter wichtig! 
Was auch bedeutet, daß Züchter ihre Meinung sagen sollten! Gerade die, die NICHT im Verband sind aber dort durchaus Vorteile sehen (wie die Beurteilung der Tiere durch Experten und die Beratung durch Zuchtleiter) sollten jetzt vielleicht Kontakt aufnehmen. Falls sie bisher vor allem dadurch von Herdbuchzucht abgehalten wurden, daß sie eben die bisherigen Fehlfarben besonders gut finden. Das könnte zukünftig kein Hinderungsgrund sein. 
Verbände müssen aber wissen, was die Mitglieder (und potentiellen Mitglieder) wollen! Es geht ja nicht darum, daß ein Verband irgendetwas will, was die Mitglieder ausführen müssen. Wofür sie dann auch noch zahlen. Es ist ein Zusammenschluß von Züchtern. Die von der Erfahrung von Experten profitieren.  


Alle Bilder auf dieser Seite sind von Sigrid Heilmann, in deren Besitz die Tiere sind.

Dienstag, 6. Dezember 2016

bunte Skudden

Neulich hatte ich die Chance, ein paar der besonders rätselhaften bunten Skudden, deren überraschend spannender Farbgenetik ich auf der Spur bin, "in echt" zu sehen! Ich war zum Groß Kreutzer Schaftag eingeladen und von da ist es gar nicht weit bis zu Sigi und ihren bunten Skudden.
Nachdem ich jetzt schon seit Monaten über den Stammbäumen unzähliger bunter Skudden brüte (und viel mehr von denen auswendig kann, als ich je gedacht hätte), war es schön, mal ein paar von denen persönlich kennenzulernen!

Da hätten wir zuerst einmal: Ralf. Unter Buntskuddenliebhabern auch bekant als "DER Ralf":




Und dann gibt's die Zuchtgruppen. Zum Enträtseln der Farbgenetik und zur gezielten Zucht bestimmter Farben (die bei Schafen eigentlich Muster sind).

Ich geb jetzt mal ein paar Tips ab, was da für Lämmer kommen. 5€ Für jeden Tip. Wenn ich richtig liege, kaufe ich mir davon was schönes.... Ein Schaf oder .... Diesel für 'ne Tour zu den ganzen anderen Skuddenzüchtern, die ich gerne kennenlernen würde (und deren Skudden mir "virtuell" so vertraut sind!)

Wenn ich falsch liege, ist es ja immer noch mein Geld. Ich wette ja mit mir selber. Was mach ich dann damit? Verlierergeld... mmmhhh.... vielleicht geh ich in die Innenstadt bummeln? (Pfui! Örrgs! Bäh! Ganz schön fies!)

Ich schreib jetzt nicht, was alles möglich ist an Lämmerfarben aus den Kombis - das wäre langweilig. Ich setze einfach auf eine Möglichkeit. Eigentlich ist das meine Wunschliste, um die Genotypen zu bestätigen bzw. eine Auswahl daraus....

Meine Lämmervorhersage 2017: 


Zuchtgruppe 1 mit dem kleinen Peppi. Nonagouti, schwarz wie die Nacht:


Eclipse: Wildfarbenes Lamm


Babette: Zwillinge, eins grau (Ag), eins wildfarben


Muffin: Grau (Ag). Oder wildfarben. Sehr riskanter Einsatz.....


Foggy: Zwillinge, einmal wildfarben, einmal einfarbig (nonagouti)



Zuchtgruppe 2 ist größer und hat einen drolligen kleinen Lammbock in wildfarben. Grizu.


Jiggit: Zwillinge, mindestens eins wildfarben ("Zorro-Typ" für die Eingeweihten), das andere grau, weißfleckig....

Nighty: Schwierig.... die ist gar nicht "normal grau"... schade, hätte man das geahnt, wäre sie in der Peppi-Zuchtgruppe besser gewesen. So setze ich meine 5€ auf ein goldenes, wildfarbenes Lamm wie Eclipse.



Lilly: Auch nicht einfach ..... so viele Möglichkeiten.... Ich setze mal meine 5€ auf weiß! Das ist weniger unwahrscheinlich als es klingt aber dafür erwarte ich trotzdem eine höhere Quote!


Obwohl - ein weißes von Nighty und ein "Eclipse-goldenes" von Lilly wäre eigentlich cooler.... Ich mach 'ne Kombi-Wette: Eine so, eine so....


Dann sind da noch ein paar, von denen ich keine Bilder habe - es wurde schon dunkel. Da wird es noch ein paar wildfarbene Lämmer geben und mindestens ein english blue Lamm. 

Und wie sich das für Skuddenlämmer gehört werden die alle unglaublich niedlich! 

Mist! Gerade merke ich, daß meine Lämmervorhersage bzw. mein Wetteinsatz nicht für ein Schaf reicht.... ich such mir am besten noch ein paar zum drauf wetten....

Wenn ich dann mal Zeit und Langeweile haben, mach ich ein Buntskudden-Memory. Bei dem muß man Lammbilder zu Bildern der Erwachsenen sortieren.... vielleicht noch ein drittes dazu von zwischendurch, damit es nicht zu einfach wird....

Die Jiggit-Reihe: Von Lamm zu erwachsen....




Oh und wer Interesse an bunten Skudden hat, kann sich gerne an mich wenden! Ich kenne da ein paar Züchter.... (oder an die IG bunte Skudden oder auf Facebook nach bunten Skudden suchen)

Donnerstag, 5. Mai 2016

Skudden: The Mystery of Ralf

This is a blog post to vent some of my thoughts about this "new old" colour that Skudde sheep seem to have. It is slightly....nerdish but... there are pictures of sheep for all those people who don't get excited about sheep colour genetics!!

It's in english so I can easily share these thoughts with people who know much more about this than I do in the hope that they come up with ideas to explain the mystery of Ralf. And it assumes that readers have a basic knowledge of sheep colour genetics.
"The mystery of Ralf" is all about a sheep colour that I came to think of as "grouflon" because they look a bit like the grey mouflons that Adalsteinson  described. (Postulating the existance of an allel that combines components of "grey" Ag and "mouflon" At.).
There are examples of what we see in a previous blog post. I've been collecting pictures and pedigree information of quite a few grouflon Skudde. Well, explaining this colour seemed easy, seemed complicated, seemed impossible, easy again, impossible again....


What I know:
1. There is grey in the breed that is similar to other breed's grey. Lambs are born black with a few telltale white hairs at the mouth and inside ears. They quickly grow lighter at the mouth and eyes and the wool turns to a mixture of white and black hairs, giving the impression of grey.
The "new colour" looks similar in an adult but starts out differently: Lambs look a bit like "wild sheep". There is phaeomelanin on legs, ears, sides. Some of the hairs are typical agouti - "banded" like in a wild rabbit. As adults they tend to have more phaeomelanin than "ordinary grey" Skudde sheep. Especially on the legs. Sometimes there is a "pattern" on the face. (When I write "grey" I refer to the pattern - regardless of base colour. So grey includes fawn sheep)

2. There is a "popular sire" who is the ancestor of most of the grouflons. Ralf.
Ralf adult

Ralf lamb

He is not the ancestor of all them! There are two more rams (TC, base colour brown) and a "grey" (black based) ram. Plus two ewes. None of these four animals seems to be related to Ralf. Three of them are not from registered flocks so we don't have information from way back... There might be a connection somewhere....

TC

nameles grey
3. There is a dark and a light phenotype in the adults. Ralf is an example of the dark adult type.
I can't find a good picture right now but this ewe is an example of the light type. Looks like pure phaeomelanin in a lot of the animals but I'm not sure that's true for all (this one included). Skudde sheep can be brown based or black based which will affect the perception of "light" and "dark"

Foggy as a lamb with very light coloured mother

The lamb in the picture above is the darker type that grows into a dark (and black based) adult
Foggy as adult, lamb by a brown ram (possibly grouflon)

4. I see a difference in the adults that might have something to do with this. Regardless of basecolour. If you compare Ralf and TC and try to ignore that one is black based and one brown based, Ralf seems much "clearer" in colour. As does the ewe in the picture above. A bit like the colour on their faces has been "blurred" or "smudged" with photoshop.....But they have a "quality" of colour that made me think of "dilute". I couldn't find references for dilute in sheep but I found the opposite! Great thanks to Roger Lundie who mentioned it yesterday. After re-reading some of his excellent work I started to think "dark modifier" instead of dilute. "Modifiers" are usually wild-cards that people talk about when they can't make things work out but this one has been shown to exists. Whatever it is....
This modifier has been shown for Gotlands and Gutefar and Romanovs. I can easily see a connection between Romanovs and Skudde. One being from north west Russia, the other from east Poland. Plus: Romanovs are aseasonal and were used to improve "fertility" in other breeds. Skudde and Romanovs are the only aseasonal northern short tailed breeds that I know of. (Not sure about the polish heath sheep)

5. This phenotype exists as a spotted version and not-spotted version






6. Lambs that look very dark can grow into a light adult type. This lamb is by Ralf and a solid nonagouti brown ewe (Ralf carries brown as well)


She is the one in the middle of this picture, without horns and looks like pure phaeomelanin.


A different type of dark lamb. Mother is shown, father TC

Zorro1

Zorro1

Zorro1 adult


7. Grouflons can produce white offspring with greys and solid coloured sheep!
There might be E-Locus dominant black in the breed but I haven't heard of it. There are a couple of unexpected white lambs from grouflons (including Ralf and TC). Ralf carries spotting so there might be one or two that are just extreme spotting.
Edit: Not absolutely sure about the solid coloured ones. One turned out to be grey on closer inspection, the other one still needs closer inspection.

8. Grouflons can produce offspring that looks like white with strong tan. The tan being presented in a "mouflon" like pattern in a young lamb. Turning into "gold" in a grey-like pattern in adults.

Jacob. Still a lamb - no adult pictures. Brown ewe Muffin X Romeo 
Romeo adult, sire: Ralf

Eclipse, same brown ewe Muffin above X Ralf
Eclipse could be white with strong tan. Her twin is white without tan. Both parents carry spotting which is supposed to turn off tan in a homozygous animal (but not in the darker grouflon lambs). Does this make Ralf a white sheep?

Eclipse with her white twin
Eclipse adult

wool eclipse, reminds me of Shetland mioget

There are a couple of possible explanations for the "mystery of Ralf":

1. All of them are white! Including Ralf. That would require something else going on to make him look the way he looks! Some extreme form of darkening

2. They are single gene grey mouflons. That theorie works very well on most of the "pedigrees" I have. The "golden" animals could be grey Ag plus grey mouflon Agt making them loose most of the eumelanin and turning golden. It does not explain all of the white lambs. There could be dominant black in some of the ewes and there could be some extreme spotting in some of the lambs.... but that sounds like stuff being brought in to make a theory work..

3. They share some of the colour genetics of gutefar and Romanov. Roger Lundie describes three grey alleles plus a darkening modifier. I'm not too sure about the greys... I need two greys to make this theory fit on my pedigrees. And I need the darkening modifier. And I'm still not sure.... In Skudde sheep we'd have:
At least two greys plus a darkening modifier plus some of the sheep are whites with either strong tan or the darkening modifier. I know of the existence of very strong tan (and a whole range of phenotypically "white with tan" exists in different breeds - see Coburger Fuchs for one example, DNA sequence shows a couple of variants, too) and I have pictures that hint at the existence of the modifier in Skudde sheep. (This modifier is needed to explain "colour" other than reddish yellow phaeomelanin on white sheep).

This lamb is out of two pedigree sheep. Brown and white. It turned into a white sheep (haven't seen pictures so I don't know about the amount of phaeomelanin). This is what I imagine the modifier does on a white sheep...


Another example that might be dark modifier on white. Mother is shown, father is white (no picture, I don't know how white he is)

lamb, the mother is a sister to the mother of Zorro1

adult