Samstag, 17. November 2018

Der Preis von Wolle -1814 in Schottland

Ist jetzt nicht wirklich nen Blogbeitrag wert aber ich vergnüge mich gerade mit nem alten Report aus Schottland. Interessanterweise liest sich der Text gar nicht altmodisch. Man muß aber dauernd Kopfrechnen!

When the snow is so deep as completely to cover the herbage, about two stones avoirdupois of hay are allowed to a score of sheep daily

Wieviel Heu bekommt ein Schaf pro Tag?

it appears that the medium price of white (unsmeared) wool, for a number of years past, may be about 8s. 8 d. per stone,” of 16 lb. of 23 ounces, or 4½ d per pound avoirdupois

Wenn man das jetzt noch umrechnet in heutigen Geldwert bezogen auf Löhne, kommt man auf ca. £38 pro Vlies vom Scottish blackface. Man kann aber auch anders umrechnen auf heutigen Geldwert und landet zwischen £4,40 und £124. Da ist es auch egal, wieviel Geld pro wieviel Gewicht das damals war...

Shetlandwolle - einfach, damit hier ein Wollbild ist

Auch interessant:

These sheep were first introduced into the West Highlands of Scotland, about the year 1762, and were soon found far more profitable than cattle for the higher parts of the country. It does not belong to this part of the work to give any account of the change which this stock produced upon the population of the Highlands, [...] One thing is indisputable; a much greater value of mutton and wool, than of beef, was speedily obtained from the higher grounds. The best interests of the nation at large, as well as of proprietors, were therefore promoted by this change.

Das klingt ja schon so, als ob der Autor zumindest bemerkt hat, daß da ganze Landstriche entvölkert wurden... darüber zu schreiben traut er sich nicht... Das ist ein Report an die Regierung. Und vorsichtshalber betont er noch, daß das ja zum Besten der Nation und der Landbesitzer ist...


General Report of the Agricultural state, and political Circumstances, 1814


Wie man damals kastriert hat schreib ich jetzt nicht. Aber küssen wollte man so nen Schäfer vermutlich nicht an den Tagen...



Sonntag, 11. November 2018

Rassestandard Skudde - großartige Neuigkeiten!

Eine gute Skudde hat keine falsche Farbe mehr!

Warum ist das eine wichtige Neuigkeit? Was sind überhaupt Skudden? Was bedeutet so eine Änderung und warum freue ich mich darüber?

Die Fakten: Der VDL - der Verband deutscher Landesschafzuchtverbände - hat Anfang September 2018 beschlossen, den Rassestandard der Skudde zu ändern. Es sind nun alle Farben zugelassen.

Es liegt nun an den einzelnen Verbänden, ob sie diese Änderung übernehmen. Oder nicht. Der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg beispielsweise hat die Änderung im Oktober übernommen.

Der erste gekörte Bock in einer "Sonderlackierung":
Atilla, aus Herdbuchzucht in Sachsen. Gekört in Brandenburg mit 8/7/7 (Wolle, Bemuskelung, Erscheinung). Light Badgerface

Skudde light badgerface
Light Badgerface, Skudde, gekört 2018


Skudden

Skudden sind die kleinste deutsche Schafrasse. Ursprünglich in Ostpreußen zu Hause, sind sie heute beliebte Schafe bei Hobbyhaltern und in der Landschaftspflege. Sie sind eine alte Rasse. Das Schaf des kleinen Landmanns und vermutlich auch eines der Schafe der Wikinger.
Und schon tausende von Jahren vorher gab es Schafe dieses Typs.
Sie sind Kulturerbe und als alte Rasse eine wichtige Genreserve.
Daß sie so klein sind bedeutet nicht, daß sie eine Zwergzüchtung sind. Sie haben einfach noch die Größe, die Schafe früher (ganz früher) hatten.
Daß sie klein sind bedeutet aber, daß sie als Fleischrasse unwirtschaftlich sind. Ihre Mischwolle ist für industrielle Verarbeitung nicht interessant.
Dadurch sind sie selten geworden. Sie sind eine gefährdete alte Nutztierrasse und in einigen Bundesländern wird ihre Haltung gefördert.

bunte Skudde im Herdbuch
Rehlein. Im Vorbuch eingetragen


Der Standard

Der Standard der Skudden ist relativ jung. So ca. 50 Jahre ist er alt.
Mit der Erstellung eines Standards können verschiedene Züchter gemeinsam auf ein Zuchtziel hinarbeiten. Vereinfacht gesagt: Man einigt sich, was man will und hat ein definiertes gemeinsames Ziel.  Geschulte Leute der Verbände überprüfen die Tiere und bewerten sie danach, wie nah sie diesem Idealbild kommen.
Die Zucht nach Standard und im Verband ist generell eine eher neue Erfindung. Die frühesten Standards stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Ein Standard beschreibt ein Ideal. Ein Ziel. Er beschreibt nicht, was existiert. Sonst müßte man nur einfach Schafe vermehren und nicht gezielt züchten.
Bei "neuen" Rassen sind das meist wirtschaftliche Ziele. Da will man mehr Fleisch, feinere Wolle, mehr Lämmer pro Muttertier... Man legt also Ziele fest, die man zukünftig erreichen will.
Bei alten Rassen ist das etwas anderes. Da will man etwas Altes bewahren. Trotzdem spielen da Ziele mit hinein. Manchmal versucht man zu erraten (oder aus Quellen abzuleiten), was die früheren Züchter dieser Rasse wohl für Ziele hatten.
Standards sind wie gesagt Zielbeschreibungen. Manchmal müssen die angepaßt werden. Zum Beispiel, weil die Beschreibung der Ziele nicht eindeutig ist.
Bei Skudden stand früher im Standard, daß sie kleine Ohren haben. Jetzt sind die Ohren laut Standard mittelgroß.
In Punkto Farbe hat der Standard weiße und ungescheckte, einfarbig  braune und schwarze Tiere zugelassen. Wohlgemerkt als ZuchtZIEL. Nicht als Beschreibung der existierenden Farben.
Jetzt läßt der Standard alle Farben zu!

bunte Skudde im Herdbuch
Ophelia, im Vorbuch eingetragen mit gekörtem Deckbock

Vorteile der Änderung

Meiner Meinung nach sollten bei einer alten Rasse - Kulturerbe und Genreserve - auch alte Farben erhalten werden.
Das war im Herdbuch bisher nicht möglich. Die Freunde "bunter" Skudden haben außerhalb des Herdbuchs gezüchtet.
Die Farbvielfalt der Skudden ist faszinierend! Eine solche Vielfalt hat keine andere einheimische Rasse.

Einige Farben sind sogar einzigartig! Die haben hier bei uns nur Skudden. So zum Beispiel "light badgerface". Das sieht auf dem ersten Blick der Farbe eines Kamerunschafes ähnlich, ist aber ein anderes Agouti Allel. Sie sind eindeutig von braunmarkenen Kamerunern zu unterscheiden.
Die nächsten Verwandten mit diesen Farben findet man auf den norwegischen Inseln bei den alten Villsau. Andere Farben findet man in Shetland, Schweden, Finnland, dem Baltikum....  Ein faszinierendes Erbe, das Skudden über lange Zeit bewahrt haben!

Der Genpool der herdbuchgeführten Skudden wird größer, wenn dieses Erbe nicht als Fehler ausgeschlossen wird.

Auch für die Verbände selber ist es vorteilhaft, diese Tiere nicht auszuschließen. Bisher konnten Tiere mit der falschen Farbe nicht in die Zucht. Egal wie gut sie waren. Die beste Skudde aller Zeiten wäre aufgrund der Farbe ausgeschlossen worden!
Und: Die Verbände haben mit der Farbe nicht nur die Tiere ausgeschlossen sondern auch die Leute, die gerade diese Tiere mögen.

Ein anderer Vorteil: Viele potentielle Mitglieder. Das sind nicht nur Mitgliedsbeiträge sondern auch "Stimmen". Es gibt wesentlich mehr Hobbyzüchter als Berufsschäfer. Die Verbände vertreten ALLE Schafhalter. Mehr Mitglieder bedeuten mehr Gehör - auch in politischen Fragen. Unsere Schäfer sterben aus! Unsere Hobbyhalter machen sich stark für ihre Kollegen, die das (haupt-)beruflich machen.
Und die Hobbyhalter profitieren vom Fachwissen, das die Verbände vermitteln.

Skudde light badgerface
Serafina, gekört mit 8/7/6. gescheckte lght badgerface Skudde

Die Bedeutung für die Zukunft

Der VDL hat den Grundstein gelegt dafür, daß mehr Skuddenzüchter im Verband züchten. Zum Vorteil für alle. Verband, Züchter und vor allem für die Skudden!
Mich freut natürlich sehr, daß der Brandenburger Verband die "bunten" aufgenommen hat! Diese Farben sind "alt" und "echt Skudde". Teil des Erbes.
Was jetzt anders ist, ist ihre Aufnahme in das Zuchtziel. Mit der klaren Vorgabe der Dokumentation! DAS finde ich wichtig!
Farbgenetik ist relativ einfach. Ein Schaf in einer bestimmten Farbe zu züchten, ist ein Klacks gegen die Herausforderung, eine gute Skudde zu züchten!
Wenn bestimmte Farben nicht zugelassen werden, werden sie auch nicht dokumentiert. Sie landen bei Skuddenfreunden außerhalb des Herdbuchs oder in der Truhe. Man kann schwerlich nachvollziehen, wer da was vererbt. Sind alle eingetragen, kann jeder züchten, was er mag. Die Informationen sind da.

Allerdings funktioniert Zucht im Verband als Konsens. Der Standard beschreibt nicht, was existiert sondern das, was man sich als gemeinsames Ziel setzt. Die Gemeinschaft der Züchter legt das fest. Gemeinsam.
In Sachsen wurde entschieden, vor allem weiße Skudden zu züchten. Braun und schwarz (einfarbig ungescheckt) ist zugelassen aber nicht das Ideal. Ich finde das schade aber mir gefällt die Begründung, die ich im persönlichen Gespräch auf der Körung erhalten habe:
Wir wollten das so.
Das ist OK. Keine Argumente wie "die Wollindustrie will weiße Wolle" (Ja. Aber keine Skuddenwolle. Kostendeckend kann man Skuddenwolle nur an Faserkünstler verkaufen und DIE wollen oft lieber bunt!)
Oder: "Das war schon immer so" (Stimmt nicht. Die allermeisten Quellen sprechen von melierten und gescheckten Tieren. Braun allerdings wird nicht erwähnt. Das gab es ganz sicher auch "schon immer" aber so selten, daß es nicht erwähnt wurde. Trotzdem sind sie im Standard. Und das ist richtig so!)
Zu sagen, daß man das als Zusammenschluss von Züchtern halt so will, ist OK für mich. Anders hätte ich besser gefunden. Aber DIE züchten ja Skudden. In DIESEM Verband. Die müssen das zusammen festlegen.

bunte Skudde im Herdbuch
Sofi, im Vorbuch. 
Weil Zucht im Herdbuch immer eine GEMEINSAME Zucht ist, ist die Beteiligung der Züchter wichtig! 
Was auch bedeutet, daß Züchter ihre Meinung sagen sollten! Gerade die, die NICHT im Verband sind aber dort durchaus Vorteile sehen (wie die Beurteilung der Tiere durch Experten und die Beratung durch Zuchtleiter) sollten jetzt vielleicht Kontakt aufnehmen. Falls sie bisher vor allem dadurch von Herdbuchzucht abgehalten wurden, daß sie eben die bisherigen Fehlfarben besonders gut finden. Das könnte zukünftig kein Hinderungsgrund sein. 
Verbände müssen aber wissen, was die Mitglieder (und potentiellen Mitglieder) wollen! Es geht ja nicht darum, daß ein Verband irgendetwas will, was die Mitglieder ausführen müssen. Wofür sie dann auch noch zahlen. Es ist ein Zusammenschluß von Züchtern. Die von der Erfahrung von Experten profitieren.  


Alle Bilder auf dieser Seite sind von Sigrid Heilmann, in deren Besitz die Tiere sind.

Freitag, 12. Oktober 2018

Was Shetlander sich in den Garten stellen...

Was man sich in Shetland in den Garten stellt, braucht wohl eine gewisse Masse. Sonst weht es einfach weg.
In Shetland ist es einfach mal etwas windiger als anderswo. Weshalb alles Mögliche ordentlich festgezurrt und gesichert wird!
Da, wo ich einfach ein Stück Presskordel nehmen und ne Schleife machen würde, nimmt man dort dickes Tau und macht eindrucksvolle Seemannsknoten.

Was mich gedanklich zu den neuen Mülltonnen in Shetland bringt. Die man sich zwar nicht in den Garten stellt, sondern vor's Haus... aber da kommt man ja vorbei auf dem Weg in den Garten...
Also: Mülltonnen. Neues Modell. Ich glaube, es ging da erstmal nur um die Mülltrennung, bei der Shetland ein wenig hinterher hinkte. Aber dazu gehörten halt auch diese Tonnen und das sind solche mit Rädern.

Das geht nicht! Hier ist Wind! Die wehen doch einfach weg!

Ich kann mir schlecht vorstellen, daß Mülltonnen mit Rädern leichter wegwehen als solche ohne. Aber einfach so hinstellen kann man die nicht. Die wehen weg...
Diese Diskussion fiel mir wieder ein, als ich hinter 'nem Müllauto in Shetland hergefahren bin.

Lostüddeln, zum Müllwagen rollen, leeren, zurück und wieder festtüddeln.

Man muß seine neuen Mülltonnen einfach mal mit cleveren Vorrichtungen sichern.
Und dazu gab es eine Werbung in der Zeitung, die mir ins Auge sprang: Die bewarb eine Halterung, die 70 Jahre hält. In Shetland. Anderswo 120 Jahre!
War ne echt blöde Werbung aber die Idee ist interessant: Der plumpe Versuch, den Lokalstolz zu bauchmiezeln. Wobei sie gleichzeitig sagt, daß das Ding bis ans Lebensende hält, wenn man davon ausgeht, daß ein Eigenheimbesitzer vermutlich 30+ ist.

Zurück zu "was Shetlander sich in den Garten stellen": Es sollte schwerer sein als eine Mülltone auf Rädern. Und ein wenig dekorativer. Es kann auch einfach etwas sein, was man immer schon mal haben wollte. Oder etwas, über das man nie nachgedacht hat aber dem man nicht widerstehen konnte, als sich die Gelegenheit bot....

Zum Beispiel ein roter Doppeldeckerbus, der mal ein Café war. Wer kann da schon 'Nein' sagen?

Shetland
Doppedeckerbus - paßte dann doch nicht in die Garage

Oder so ein geschlossenes Hochsee-Rettungsboot. Das kann man als tiny house umbauen und über airbnb vermieten! 

Shetland
Rettungskapsel - kann man immer mal brauchen

Es gibt auch noch andere Gelegenheiten, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen kann:

Shetland
Gartendeko in Shetland

Da fragt man sich so einiges: Wie kommt das da hin? Hat das jemand hingefahren? Ist es dort gelandet? Und: Verkleiden sich die neuen Besitzer manchmal als Steward und Stewardess und/oder Pilot/Pilotin und spielen lustige Rollenspiele? (Notausgänge hier und dort und da drüben... und was denen sonst noch so einfällt...?)

Vor einigen Jahren hatte jemand in Unst eine Tardis im Garten stehen. Die wollte ich gerne für diesen Beitrag fotografieren aber die ist nicht mehr da.... Vielleicht ist so eine Tardis mittlerweile echt was wert und wurde für eine horrende Summe auf Ebay vertickt... Oder der Besitzer ist einfach umgezogen und hat sie mitgenommen....

Das riesige kanadische Kanu hab ich auch nicht fotografiert. Stand nicht in nem Garten, sondern am Straßenrand. Hab mich aber gefreut, sie zu sehen...


Shetland
Zwerge in Shetland

Normale Gartendeko wie 'Zwerge' sieht man dagegen nur außerhalb von Gärten. Irgendwo in der Landschaft.
Ich glaub, das fing an mit so einem halbnackten, dicken Zwerg, der sich lasziv räkelt und der mal hier und mal da rumstand. Da hat man sich gefreut, wenn man den zufällig gefunden hat.
Der laszive Zwerg ist mittlerweile kaputt. Und Shetland voller Gartenzwerge!
Nur in den Garten, da stellt man sich was anderes... 

Eine andere, ältere Sitte in Shetland ist es wohl, bei einer bevorstehenden Hochzeit Figuren aufzustellen, die das Brautpaar darstellen. Zumindest ist das in der'Shetland' Krimiserie so. In einer Folge wurde die Bräutigam-Puppe durch den Leichnam des Bräutigams ersetzt. 
Ich hab ein solches Puppenpaar fotografiert. Das echt gruselig aussah! Vor allem der Bräutigam! Das hätte gut und gerne eine Moorleiche sein können. Ich zeig das Bild nicht. Ich bin nämlich sicher, daß die beiden super sympathisch sind und sich darüber beömmeln, daß Ihre Freunde so gar kein Talent als Puppenbauer haben. Wenn ich die mal kennenlerne frage ich, ob sie das genauso amüsant schaurig schön finden wie ich. Wenn ja, dann zeige ich das Bild!

Freitag, 28. September 2018

Maude, Elizabeth und Stefans Oma...

Bei Stefans Oma bin ich mir gar nicht so sicher... könnte auch die alte Nachbarin aus Ostpreußen gewesen sein...aber das ist egal, weil ich die Geschichte vermutlich eh ganz falsch in Erinnerung habe... Aber so, wie ich sie erinnere, ist sie eine der Lieblingsgeschichten meiner früheren Kollegin Katja und mir.

Katja und ich haben des öfteren mal überlegt, wie das wohl mal wird. Wenn man dann RICHTIG alt ist. Wir haben uns dann mit Rollator durchs Labor rollern sehen. Gleichzeitig hatten wir aber auch einen Gehstock. Der ist wichtig. Den braucht man, um Leute anzupieken und seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
Wahlweise kann man auch "irre Katzentante" werden aber das ist nicht so reizvoll.
"Mad sheep lady" wäre noch eine Option...
Oder "wise sheep woman". So eine gibt es nämlich auf jeder Insel im Nordantlantik, die mir besonders gut gefallen hat.
Es gibt auch schöne Inseln ohne so eine weise Schafsfrau aber diese weisen Frauen strahlen eine tiefe Liebe und Verbundenheit mit ihren Inseln aus und das hat mich mitgerissen. Vaerlandet, Foula, North Ronaldsay,...
Hätte mir der Berufsberater damals gesagt, daß DAS eine Berufung ist... wüßte ich jetzt vielleicht weniger über Genetik....

Aber jetzt gerade denke ich an die 'irren' alten Frauen. Sowas wie Maude aus Harold and Maude.
... die hat Harold ein Banjo geschenkt :)



Als ich Elizabeth gesehen habe, mußte ich an Maude denken. Das war auf Unst.
Unst ist die nördlichste der Shetland Inseln. Als wir dort von der Fähre kamen stand da ein Schild: Chinese Takeaway, Uyeasound Hall. Das war so verlockend!
Alle zwei Wochen kommt ein Chinese (oder chinesisch kochender Gastronom) und macht da Essen in der Hall - im Dorfgemeinschaftshaus. Leider nicht, als wir da waren. Da war zwar auch "Essen im Dorgemeinschaftshaus" aber leider nur Fish and Chips.

Die Hall erinnert an Jugendherberge - stapelbare Plastikstühle, helles Holz... und so wie es aussah, waren alle da. Auch mein einziger Bekannter aus Unst, dessen Namen ich gar nicht mehr weiß. Wir nennen ihn "den Norweger", weil wir ihn auf den Lofoten kennegelernt haben...
Und dann kam Elizabeth. Auffällig. Verrückte Alte. Lila Plüschanzug. Dazu ein weißes Häkelhäubchen, unter dem kurze rote Strähnen hervoguckten. Das Geschicht voller Lachfalten. Und nit voller Lachfalten meine ich VOLLER Lachfalten!

Wir waren natürlich klar als "Fremde" erkennbar und sie hatte uns sofort im Visier..
Ich mag ja, wenn das nicht nur gesehen sondern auch "genutzt" wird. Es gibt Leute, die lieben ihren Ort so sehr, daß sie ihn teilen wollen. "Du bist fremd? Lass mich Dir erzählen, wie toll es hier ist!"
Bei Elizabeth mußte ich an Maude denken und vielleicht habe ich sie deshalb falsch verstanden. Dialekt ist manchmal schwierig... und sorgt für lustige Mißverständnisse, mit denen man lange Konversationen haben kann, bevor man sie realisiert!
Wir sprachen über alles mögliche - die Art, Zahlen zu schreiben und ... über die Hanse. Die haben damals Stockfische gekauft und gegen Salz gehandelt. Und gegen "Hasch". Das klang so! Weed! Weil das in Shetland nicht wächst!
Am Tag vorher habe ich vor nem Haus einen Kübel mit Pflanzen gesehen, die sehr nach Cannabis aussahen. Das hat mich vielleicht auch beeinflußt... Jan hat im Hintergrund fragende Augen gemacht und dazu eine "ich rauche eine Tüte"- Handbewegung...
Es ging dann doch nur um Wheat = Weizen.

Lila Plüsch und weißes Häkelhäubchen kann ich mir noch nicht vorstellen aber die Freude am Kennenlernen kann ich nachvollziehen! Mal gucken, wie ich so werde...



Neben "schrill fröhlich" kann man natürlich auch verkniffen und garstig werden. Ist auch eine Option. Klingt jetzt nicht so sympathisch aber macht bestimmt auch Spaß!
Oder man wird einfach ein alter Mensch mit ganz festen Prinzipien. Da braucht man dann den Gehstock. Das kommt einfach besser, wenn man mit einem Stock rumfuchtelt. In Rinteln gab es früher eine Frau von dieser Sorte. Die hatte was dagegen, daß Kinder auf dem Fußweg Fahrrad fahren. Da hat sie einem einfach den Stock in die Speichen gesteckt. Während der Fahrt. Als ich Radfahren gelernt hab, gab es sie nicht mehr. Deshalb kann ich auch nicht so gut Fahrradfahren (und spontan ausweichen) wie der Jahrgang meines Bruders.

Bei Stefans Oma war auch der Stock wichtig. Stefan brachte zum ersten mal seine große Liebe mit nach Hause. Oma saß im Sessel, den Stock an der Seite. Und hat kritisch begutachtet, was der Enkel da so mitbringt. Dann nahm sie den Stock, stocherte der jungen Frau am Bein rum und sagte:" Na ja! Ganz schön dicke Waden hat 'se. Aber ihm muß sie ja gefallen!"

Freitag, 7. September 2018

Kaltes Wasser - die erfrischendsten Badeerlebnisse

In diesem gnadenlos heißen Sommer hatte man ja öfter das Bedürfnis nach einem eiskalten Bad. Deshalb mal meine Top-weißnochnichtwieviele der erfrischendsten Badeerlebnisse.

Kalifornien

Wirklich unerwartet kalt: Der Pazifik in Kalifornien im Juli!
San Francisco ist in Sachen Wetter nicht das, was man von Kalifornien erwartet. Und der Pazifik ist eh kälter, als man so denkt. Beides zusammen: Wirklich kalt! Dafür badet man mit Pelikanen und mit ganz viel Glück sogar mit Delphinen!

Baker Beach, San Francisco
Mein Lieblingsstrand in San Francisco ist Baker Beach. Man muß etwas auf die Strömung acht geben. Oder nur vorne in den Wellen planschen.
Die Strömung ist der Grund, warum Alcatraz hier in der Bucht gebaut wurde. Von der Insel auf's Festland zu schwimmen, ist fast unmöglich. Dazu das eiskalte Wasser! Das war übrigens der Grund, warum Alcatraz das erste Gefängnis mit Warmwasser zum Duschen war: Die Gefangenen sollten keine Chance haben, sich abzuhärten.
Warmduscher schwimmen hier nicht im Pazifik!

Lofoten

Kalt - aber nicht überraschend: Lofoten im September. Die Lofoten haben überwältigend schöne Strände. Abends Nordlichter gucken und tagsüber an weißen Stränden in türkisenes Wasser hüpfen: Herrlich!

Nordlicht in Norwegen

Strand in Hauckland

Sandbotn, Ytresand, Norwegen

Shetland

Ebenfalls nicht unerwartet kalt aber unerwartet tolles Baden: Shetland. Wenn man einmal drin ist, ist es traumhaft! Da kann man ewig in den Wellen planschen. Und man läuft nicht mal blau an! Und wenn der Wind sich so zurückhält wie jetzt gerade, wird man nicht mal gesandstrahlt, wenn man aus dem Wasser kommt!

St. Ninian's Beach, Shetland

weil mir die Wikingerschafschifftasse so gut gefällt....

Rheinland-Pfalz

Vollkommen unerwartet kalt: Der Helmbachweiher bei Elmstein! Es war unerträglich heiß zur Irish Music Summer School. 38°C und gefühlt noch viel mehr. Im Campingbus wurde man ab um 6:00 Uhr aus dem Schlaf gebraten. Da war die Vorstellung vom kühlen Weiher - gespeist aus einem Gebirgsbach - sehr verlockend. Wenn man allerdings da war und reingelaufen ist, hat man sich gefragt, wie man bloß auf diese bekloppte Idee kommen konnte!

(Ohne Bild - die Hände haben zu sehr gezittert...)

Norwegen, Polarkreis

Eindeutig am Kältesten: Ein reissender Gebirgsfluss in Norwegen am Polarkreis.


Saltdal, Norwegen
Polartaufe. Da ist 'kalt' ja quasi Pflicht. 



Bei den anderen könnte ich gar nicht sagen, wo es kälter war. Platz eins für ''am Schönsten" teilen sich jedenfalls die Lofoten und Shetland.



Samstag, 1. September 2018

Hunde im Urlaub... und ein paar Schafe....



Schottland im Schnelldurchlauf.... da ist fast keine Zeit zum Schreiben.... 

Aber los geht es in Nordengland. Ne - los geht es in Dresden. Richtung Amsterdam. Mit einer kurzen Panik unterwegs: Was ist, wenn Loris Microchip gar nicht lesbar ist? Lori ist zwölf, der Chip elf. Der wurde nur einmal gelesen - als sie aus Irland kam. Wenn wir jetzt an der Fähre ankommen und der Chip ist nicht auffindbar, können wir gleich wieder umdrehen! Also schnell einen Zwischenstopp bei nem Tierarzt in Osnabrück eingelegt und geguckt. Ist lesbar!

Der nächste Stimmungsdämpfer auf der Fähre nach Newcastle: Hunger! Sobald ich auf eine Fähre gehe, bekomme ich Hunger. Hier gibt es zwar was zu Essen aber nur im Restaurant. Für 34,95€. Sowas will ich gar nicht. Ich möchte Pommes. Mit Mayo!
Wenn hier mal einer nen Bauchladen mit Friteuse aufmacht, kann er gut Geld machen! 
Merken für die Rückfahrt: Alles Essen aus dem Auto mit hoch nehmen!

Dann aber! Ankunft in Newcastle. Direkt hinter der Fähre ist "Roundabout Bootcamp". Ein mehrspuriger Kreisverkehr nach dem anderen. Da hat man das auch gleich wieder drin! 
Die Navi-App zeigt die blöderweise in die falsche Richtung an aber wenn man da nicht hinguckt (also auf die App), dann geht es. 

Gar nicht weit weg von Newcastle wohnen Fransje und Peter. Da gibt es was zu Essen und nette Gespräche und Schafe!!!
Und: A loo with a view! 


Wir übernachten auf Deneburn Meadows und helfen am nächsten Tag, die Lämmer von den Müttern zu trennen und auf ihre neue Weide zu bringen. Swift ist begeistert! So stellt sich ein Hütehund den perfekten "Urlaub" vor!




Ebenfalls zu einem richtigen Hundeurlaub gehören Strände. Da sind sich Swift und Lori einig. Swift ist ganz Border Collie - getriggert von den Bewegungen und Geräuschen der Wellen rast sie am Strand hin und her. Ich hab da lange mit ihr geübt. Bzw. habe ich den Kontrollfreak raushängenlassen, damit der canine Kontrollfreak sich nicht geistig in ein Paralleluniversum abschießt... Immer abrufbar und mit einem Wort aus ihrer Wellenwelt herausrufbar. Weiter geht es nur, wenn sie entspannt am Strand gehen kann. Dann darf sie auch Wellen jagen. Oder was auch immer sie da tut.

Lori hat ein ganz anderes Strandvergnügen für sich entdeckt: Im Sand wälzen!   




Und weil hier gerade mal Internet ist, noch ein paar Bilder....
Spießerkarre in schöner Landschaft:



Black Cheviot in schöner Landschaft:

schwarzes Cheviot
Schöne Landschaft. Mit Schild, ohne Lämmer.....


Weiße Cheviots mit schönem Strand....


Hebridenschafe... hier gibt es echt viele davon!

Hebridenschafe

Donnerstag, 23. August 2018

Der Verbraucher ist Schuld!

Hab ich gerade mal wieder gelesen.... Die Landwirte haben echt ein scheiß Jahr.... In einigen Gegenden (wie hier) wächst nichts.... In den Diskussionen um finanzielle Unterstützung kommt jetzt aber wieder der Verbraucher ins Spiel. Der will nämlich nichts zahlen, damit er sich das uffdundruffzigste Handy oder nen tollen Urlaub kaufen kann.

Es gibt so einige Statistiken die sagen, daß viele Verbraucher angeben, gerne mehr zu zahlen für gute Tierhaltung und nachhaltige Landwirtschaft. Guckt man ihnen im Supermarkt über die Schulter, tun sie das aber gar nicht.

Nur Lippenbekenntnisse?

Ich möchte das mal aus Verbrauchersicht schildern: Ich bin im Supermarkt. Da gibt es Billigfleisch. Da kann ich mir denken, daß das nicht sonderlich toll produziert worden ist. Dann gibt es das Fleisch für nen Euro mehr und das richtig teure. In wessen Tasche landet die Differenz? Sehe ich nicht. Kommt das beim Landwirt an? Oder beim Händler? Und wenn es beim Landwirt ankommt: Ist das verdient?

Macht er das wirklich besser als der vom Billigfleisch? Vielleicht hat der vom Billigfleisch einfach einen effizienteren Verarbeiter und einen größeren Markt / bessere Deals?

Ich kaufe mein Heu bei nem Landwirt aus dem Nachbardorf. Der verkauft auch manchmal Fleisch. Der hält seine Tiere gut, hat Grünland, das echt gut ausschaut und ist ein netter Kerl. Wenn der nun seine Tiere einem Händler verkauft und die landen dann im Supermarkt: Erkenne ich doch nicht!

Im Supermarkt gibt es Heumilch und Weidemilch und Biomilch und einfach nur Milch - von Marken oder unter so Labels wie "Ja". Was ist jetzt besser?

Ja klar kann ich gucken, wo es eine Milchtankstelle gibt für Milch von einem Hof aus der Region. Aus der Region ist ja schon mal besser als von anderswo. Vielleicht... da gehe ich doch zum Tag des offenen Hofes mal gucken....

Dann gibt es auch nen "Eierautomaten". Tolle Sache. Bei denen führt der Wanderweg quasi durchs Betriebsgelände und das sieht super aus.

Und dann gibt es Hofläden, die Fleisch aus eigener Schlachtung verkaufen. Einmal Bio, einmal konventionell (und groß). Beiden nehme ich ab, daß die Tiere nur einen schlechten Tag im Leben hatten. (Mir ist wichtig, wie Tiere sterben, die als Fleisch auf dem Teller landen.)



Dann gibt es auch noch eine Mühle mit Mühlenladen. Total regional und super sympathisch. Bauen die Landwirte besser an als ihre Konkurrenz im Supermarkt?
Glaube ich - so pauschal - mal nicht. Ich glaube, daß viele Landwirte einen super Job machen.

Solche Hofläden haben Öffnungszeiten, die nicht dazu passen, nach Feierabend eine 50km Tour zu machen. Die wollen auch Feierabend. Ich find es super, daß auf meinem Heimweg mehrere Supermärkte liegen. Einige sind teurer als andere. Kommt da mehr beim Landwirt an? Eher nicht.

Was soll ich machen? Jeden Monat nen Tag frei nehmen und ne Tour machen? Oder an der Supermarktkasse einfach mal 20€ extra hingeben und sagen: "Hier! Für mein gutes Gewissen?"

Die Verantwortung auf den Verbraucher zu schieben ist ungerecht! Ich interessiere mich für Themen aus der Landwirtschaft aber ich bin einfach mal nur Verbraucher. Ich habe Vorstellungen und Ansprüche und bin bereit, dafür zu bezahlen... Es ist irgendwie auch mein Land und meine Umwelt. Ich gehe spazieren zwischen Feldern und mag da gerne Vielfalt sehen  Ich möchte, daß Nutztiere ein gutes Leben haben und einen Tod, der ganz unerwartet und stressfrei kommt.

Wer das liefern kann, der soll das bezahlt bekommen. Richtig, richtig gut. Aber ICH kann das nicht erkennen! Biosiegel? Was heißt denn das? Ich kenne konventionelle Höfe, die spitze sind.

Liebe Landwirte: Macht die Kluft nicht noch weiter auf. Die Verbraucher sind nicht Eure Feinde! Im Gegenteil! Viele von uns würden mehr bezahlen! Aber nicht einfach so. Nicht an den Unternehmer, der Euch einen miserablen Preis bezahlt.
Macht Euch stark dafür, daß die Standards angehoben werden auf das Niveau, das IHR für gute Landwirtschaft haltet! Ihr seid die Experten! Ihr seid die, die das Land lieben und die Tiere und die ein Erbe bewahren!
Wenn es nicht mehr darum ginge, im Preiskampf zu existieren sondern darum, was Ihr für Euer Land und Eure Tiere wollt, dann hätten wir alle gewonnen.

Der Verbraucher kann das nicht leisten. Standards anheben... Ich möchte wissen, daß alles mindestens gut produziert wurde. Wenn ich dann noch etwas Besonderes will, dann fahre ich dafür auch. Aber im Supermarkt sehe ich nicht, ob Ihr das seid, die da mehr Geld bekommen.

Macht Euch beim Bauernverband stark!

Was wäre das schön wenn ich wüsste: Es gibt hier einfach mal nix zu kaufen, hinter dem keine Wertschätzung für die Landwirtschaft steckt.
Mindeststandards die so sind, wie IHR Euch das vorstellt.
Nicht schneller, höher, weiter. sondern: Besser!