Donnerstag, 16. Juni 2022

Handscherkurs 2022 im Harz

Am 25./26.6.2022 gibt es einen Kurs zum Scheren mit der Handschere in Bad Sachsa im Harz.

 

Scheren mit der Handschere macht Spaß aber unabhängig davon gibt noch eine ganz Reihe von Gründen, warum man das als Schafhalter können sollte:
Der Scherer muss kurzfristig absagen und es findet sich kein Ersatz; einige Tiere müssen für die Körung bis zu einem gewissen Termin geschoren sein; man kauft ein ungeschorenes dazu, nachdem der Scherer da war; die Wolle muss aus gesundheitlichen Gründen runter; man möchte unabhängig sein, ...

 

Kursinhalte

Welche Scheren gibt es und welche ist für mich geeignet?


Wie organisiere ich mir die Schur unter meinen Bedingungen? Selbermachen bietet da einiges an Möglichkeiten, um das für sich selber und die Schafe "passend" zu machen.

Wann Scheren?

Und natürlich ausgiebig: WIE schere ich möglichst entspannt für Mensch und Schaf?


Dazu stehen uns nette Shetlandschafe zur Verfügung.

Und natürlich bekommt auch das Thema Wolle Raum! Was habe ich denn da runtergeschoren? Ist das Gartenwolle oder was für Handspinner oder -filzer? Sortieren, aufbewahren, wo und wie anbieten...


Kontakt über die Emailadresse im ersten Photo

 

Freitag, 3. Juni 2022

Pflanzabstände und Anleitungsbefolgungsmentalität

Auf diesen Samentütchen und in Gartenbüchern stehen ja immer Pflanzabstände. Soviel Platz braucht die Pflanze, um genug Licht zu bekommen und ordentlich zu wachsen. Alles klar. Altes Gärtnerwissen, an mich weitergegeben, muss ich die Erfahrungen nicht selber machen.

Nur.... wenn ich die 50cm Abstand zwischen Kohlpflanzen auf 47cm verkürze, dann bekomme ich in die Reihe eine ganze Pflanze mehr rein! Und ich meine.... die wissen doch, dass Leute möglichst viel ins Beet kriegen wollen und dann schlagen die doch was drauf... Oder? Und außerdem: Wenn ich so gucke, dann sind DAS doch mindestens 50cm! Wenn nicht mehr!
Dazu kommt: Wenn sich da hübsche Blümchen ausgesät haben, dann dürfen die natürlich stehen bleiben. Das Auge will ja auch was haben vom Garten!


Wir haben mal eine Anleitung gemacht (nicht fürs Gärtnern), die in mehreren Ländern benutzt wurde. Deutschland, Polen, Großbritannien, USA. Da war es sehr wichtig, dass die Anwender etwas eine Minute lang machen. Alleine, zu Hause. Also stand in der Anleitung: Machen Sie das eine Minute lang.

Die Ergebnisse aus den verschiedenen Ländern haben aber klar gezeigt, dass die gleiche Anleitung ganz unterschiedlich umgesetzt wird!
Dem Deutschen sagste: "Sehr wichtig! EINE Minute!" Dann stellt der sich ne Uhr und wenn die Minute abgelaufen ist, zählt der vorsichtshalber noch 30 Sekunden weiter.
Die polnischen Kollegen haben gelacht und gesagt: "Ja ne! Wenn das wirklich ne Minute sein muss, dann müssen wir mindestens zwei Minuten draufschreiben! Unsere Landsleute fangen an, denken nach wenigen Sekunden, dass jetzt aber mindestens fünf Minuten um sind und legen dann großzügig und weil es ja wichtig ist, eine halbe Sekunde drauf!"
Die polnische Anleitung wurde geändert, die Werte waren top.
Wie das bei den Amerikanern ist, haben wir nicht so richtig rausgefunden. Die Werte haben gezeigt, dass da was falsch läuft aber die US-Kollegen haben sofort gesagt, dass ihre Landsleute ja Amerikaner seien und deshalb ganz automatisch gar nix falsch machen können. Weniger Text, mehr Bilder und ZWEI Minuten hat dann aber was gebracht. Auch bei den Briten, bei denen auf die Frage nach der Mentalität in Bezug auf Anleitungen nur höfliches Schweigen kam.

Bei Pflanzanleitungen bin ich wohl eher polnisch. Ich lese mir das durch. Also wirklich den Text - nicht nur Piktogramme angucken. Und dann schätze ich oder denke "bisserl weniger wird auch reichen!" Und ich frage mich, ob das in Gartenbüchern und auf Samentütchen beachtet wird? Steht in polnischen Gartenbüchern: zwischen Kohlpflanzen mindestens 100cm Abstand?

In britischen Gartenbüchern steht nix anderes als in deutschen. Zumindest nicht in Dig for Victory. Da drin sind die monatlichen Anbauempfehlungen abgedruckt, die die britische Regierung im zweiten Weltkrieg herausgegeben hat, damit jeder möglichst viel eigenes Essen anbauen kann - auch wenn er bisher nur einen Zierrasen und ne Rose im Garten hatte.  


Zusätzlich gibt es Kommentare dazu, was man heute anders macht. Da wird auch mal ein anderer Abstand angegeben aber die wirklich großen Unterschiede zu heute beschränken sich auf die Gifte, die damals eingesetzt wurden. Themen wie Kompost und Förderung von Nützlingen, Erhaltung der Bodengesundheit und ähnliches waren auch damals schon lange bekannt und vielleicht noch wichtiger als heute. Wobei - oder obwohl -  es darum ging, JETZT möglichst viel aus dem Garten herauszuholen. Da stehen also sicherlich keine unnötig großzügigen Abstände drin sondern die, die man für einen maximalen Ertrag braucht.


Montag, 16. Mai 2022

Wann Schafe scheren - der Phänologische Schafkalender

Jahrelang... jedes Jahr wieder... habe ich im Internet Bilder gesehen von einer Skuddenzüchterin, die ihre Schafe mit der Handschere schert. Und jedes Mal dachte ich: Das ist doch vieeel zu früh! Das habe ich nicht nur gedacht sondern auch geschrieben und jedes Mal hat sie mir versichert, die ersten wären da schon so weit gewesen.

Zu früh scheren ist eine Qual! Wolle wächst nicht gleichmäßig sondern hat einen Jahreszyklus. Bei Wildschafen und Haarschafen beinhaltet der einen richtigen Fellwechsel. Bei modernen Rassen (modern in diesem Sinne: Rassen, die so ab dem Mittelalter entstanden sind) und bei alten, primitiven Rassen sieht man mehr oder weniger von diesem Fellwechsel. IN dem Wechsel bzw. ganz kurz davor schert es sich bei manchen Rassen wie durch eine Latexmatratze! Da ist viel Lanolin, Wollschweiß und einzelne Wollhaare, die sich gelöst haben und die Schicht nochmal fester machen.

Über dieser Schicht scheren - also ganz außerhalb des Zyklus - das geht. Machen ja viele, wenn sie die Schafe einstallen. Nur wenn das einmal begonnen hat, dann sollte man MIT der Natur arbeiten. Nicht zu früh!

Mit Claudia (der Skuddenzüchterin, die immer viel früher schert als ich), bin ich darauf gekommen, dass bei ihr alles früher ist. Also alles in der Natur. Alle Zeigerpflanzen, die im phänologischen Kalender die Jahreszeiten anzeigen. Die Zeigerpflanze für Schafschur ist demnach der Holunder! Ihre Schafe und meine sind schurbereit, wenn der Holunder blüht. Vier Wochen später bei mir (Ostsachsen) als bei ihr (Bochumer Ecke). Bei mir blüht da gerade mal der Flieder!


frisch geschoren Skudden unter blühendem Holunder (Bild Claudia Schulte)



Im phänologischen Kalender zeigt die Holunderblüte den Frühsommer an. (Flieder den Vollfrühling).

Viele Leute denken, Schafe würden im Frühjahr geschoren. (Und Frühjahr wäre, sobald die Sonne das erste mal rausguckt). Das stimmt nicht. 

Wir haben in den meisten Jahren in Deutschland eine meteorologische Singularität im Juni. Die Schafskälte. Die so heißt, weil da traditionell die Schafe geschoren wurden und dann in den kühlen Tagen gefroren haben. 

Ich habe für einen Zeitschriftenartikel mal die wissenschaftliche Literatur zum Thema durchsucht. Da gibt es einiges! Neuer und älter. Überwiegend aus Australien und Neuseeland, wo deutlich mehr wissenschaftliches Interesse an Schafen und Wolle besteht. (Bzw. wo mehr Geld dafür ausgegeben wird.) Die Messwerte waren in den verschiedenen Artikeln nicht gleich aber WANN im Jahr die höchsten und niedrigsten Werte erreicht wurden, war sehr ähnlich. 

Da Down Under ja auch die Jahreszeiten Kopf stehen und im September Frühling ist, habe ich mir das übersetzt in Frühjahrestagundnachtgleiche, Sommersonnenwende, usw. Daraus ist eine Graphik entstanden mit Jahreszeit auf der x-Achse und den Werten auf der y-Achse. Die unterschiedlichen Werte habe ich so normalisiert, dass ich Höchstwerte und niedrigste Werte jahreszeitlich einsortiert habe. Die y-Achse hat also keine Einheit und... öhm... ist deshalb ein bisschen "Pfusch"... aber anschaulich. Finde ich...

Wollwechsel im Jahreslauf

 

Dargestellt habe ich den Durchmesser der Wolle und das Längenwachstum. Die Schafe in den Publikationen waren Merinos, Romneys und Wiltshire Horn. Mit Wiltshire Horn (die ihre Wolle selber abwerfen) gab es nur eine Publikation.

Bei allen wird der Faserdurchmesser ab einem Zeitpunkt zwischen Frühjahrestagundnachtgleiche und Sommersonnenwende dünner. (Die Schwankung im  Faserdurchmesser ist laut einer Publikation 70-75% - beim Merino!) Am dünnsten ist er dann zur Herbsttagundnachtgleiche. Ab da muss das Fell gewechselt sein und es wird Zeit, sich einen Winterpelz zuzulegen. Faserdurchmesser und vor allem das Längenwachstum legen jetzt richtig los!

Es ist allerdings nicht nur die Tageslänge, die den Fellwechsel beeinflusst. Direkt verantwortlich ist das Hormon Prolaktin und das wird AUCH von der Tageslänge beeinflusst. Aber zum Beispiel auch durch eine Trächtigkeit. Auch Futter oder eine Änderung im Futter kann eine Rolle spielen (Weideaustrieb) und eben auch "Kleinklima" wie bei den Zeigerpflanzen.

Was das Scheren zur falschen Zeit so schwer macht, ist vor allem die "Abschwitzkante". Die Bildung von viel Lanolin und Wollschweiß wird zu der Zeit des natürlichen Fellwechsels ordentlich angekurbelt. Man kann über dieser Kante scheren oder darunter. Aber nicht darin. Sonst sieht das so aus:

zu früher Scherversuch (ich sag nicht, wer es war...)

Hinten (links im Bild) war die Wolle schon abgewachsen. Vorne keine Chance. Da konnte man nur über der Kante etwas angleichen... (Ich war das nicht! Ich hätte gar nicht erst angefangen! Aber ich hatte die Kamera parat.) So krass ist das nur bei primitiveren Rassen (hier Shetland). Bei solchen mit weniger Fellwechsel kommt man da mit viel Fluchen noch durch.

Schön abgewachsene Wolle mit einer Kante, unter der es sich schneidet wie mit heißem Messer durch Butter, sieht so aus:


Shetlandmix, abgewachsene Wolle

Oder so (Bild von Whiteadder Rare and Native Breeds, @whiteadderwoodlands auf Instagram)

Shetlandschaf, abgewachsene Wolle (Bild Victoria Hedges)

 

Hier noch ein Beispiel mit Skudde. Skudden haben etwas weniger vom Fellwechsel als Shetlandschafe aber ebenfalls eine Abschwitzkante, IN der man nicht freiwillig scheren will aber UNTER der es einfach nur Spaß macht:

Handschur Skudde (an der Schere Saskia Dittgen)

Noch was zum "Abschwitzen": Das kommt vom Wollschweiß. Wollschweiß sind Salze und alkoholische Lanolinbestandteile. Also schon so salzige Ausscheidungen aus der Haut wie unser Schweiß aber Schafe schwitzen nicht so wie wir oder wie Pferde. Also nicht zur Abkühlung bei Hitze oder körperlicher Anstrengung. Die kann man in die Sauna stecken oder Sport machen lassen: Kommt kein extra Schweiß. Der Anteil nimmt aber zur Zeit des (ehemaligen) Fellwechsels zu. Das ist auch öfters mal ein Missverständnis: "Die Schafe müssen abgeschwitzt haben!" wird zu: "Die Schafe müssen geschwitzt haben!" und DAS wird dann so verstanden, dass es zur Schur reicht, wenn den Schafen einmal ordentlich warm geworden ist. Das bedeutet das nicht!

Es macht aber schon einen Unterschied, wie warm es ist und in den Tagen vor der Schur war! Je nach Rasse gibt es viel Lanolin oder wenig, öliges oder festes. Viel festes Lanolin wird geschmeidiger, wenn es warm ist und es lässt sich angenehmer scheren. Das hat aber mit "Abschwitzen" nichts zu tun. Das wird von der Tageslänge gesteuert, von Hormonen und eben auch von der Temperatur. Über eine gewisse Zeit. So wie auch der Holunder "Daten sammelt" und dann blüht, wenn er soweit ist.


Mittwoch, 18. August 2021

Shetlandwolle Probierpaket

Im Frühsommer war ich bei einer anderen Shetlandzüchterin scheren. Und während ich bei der Schur die Schafe und die Wolle bewundert habe (mit Unterbrechungen, wenn der Schweiß in die Augen lief und ich glaube, ich habe gar nix bewundert, als der eine Bock mir ganz fies gegen den Knöchel getreten hat), fiel mir wieder ein, dass mich jemand um eine kleine Probeportion Shetlandwolle gebeten hatte. Meine eigene war da schon vergeben. Also war das die Gelegenheit. Wenn man allerdings paarundzwanzig Vliese in den Händen hat, fällt es echt schwer, diese EINE Portion auszusuchen, die ein perfektes Beispiel für Shetlandwolle ist. Also waren es am Ende vier Vliese, denen ich nicht widerstehen konnte. Alle toll. Alle typisch Shetland. Aber alle anders. Da kann ich nicht EINE Portion raussuchen und sagen, DAS ist es.

Die vier Vliese sind aber sehr gute Beispiele, wie Shetlandwolle ist bzw sein kann. Da vier Vliese dann doch recht viel sind zum Probieren (auch wenn Shetlandvliese, gut sortiert, selten 1kg oder gar mehr wiegen), habe ich zwei Probierpakete draus gemacht. 

Vliese von Shetlandschafen (und anderen alten und auch moderneren Rassen) sind vorne, mitten, hinten anders. Deshalb sind die Vliese der Länge nach halbiert.

Shetlandwolle Probierpaket
 

Vier halbe Vliese in vier verschiedenen Farben und vier unterschiedlichen Vliestypen. Zusammen so 1,3 kg.

Weil ein Probierpaket ja vor allem für Leute gedacht ist, die Shetlandwolle noch nicht kennen, habe ich eine kleine Broschüre gemacht zu Shetlandschafen, ihrer Geschichte, der Wolle und der traditionellen Nutzung der Wolle. 

Shetlandschafe: Format 21cm Quadrat, 20 Seiten farbig

Probedruck

Die Vliese im Detail:

1,3 kg gut sortierte Wolle reicht je nach Kleidergröße für einen Fair-Isle Pullover, einen Pullunder oder verschiedene kleinere Projekte wie einen Lace-Shawl aus den feinsten Partien (nicht "klein" aber braucht wenig Wolle) und mehrere kleine Strickstücke.

Ich würde daraus vermutlich mehrere verschiedene Fair Isle Mützen machen und dabei mit der Spinntechnik spielen und den Möglichkeiten der Vorbereitung. Und mit den Farben. Das katmoget Vlies ist ungewöhnlich hell (normal ist katmoget auf schwarz sehr viel grauer) und hat vielleicht zu wenig Kontrast zu dem weißen. Man könnte da beispielsweise etwas von dem gulmoget beimischen, um den Kontrast zu erhöhen. Oder eines/beide der hellen Vliese färben.

Das gulmoget könnte man in seine helleren und dunkleren Partien trennen, um grau und dunkles zartbitter zu bekommen. Oder die Vliese untereinander in verschiedenen Anteilen mischen für noch mehr Schattierungen...


Shetlandwolle weiß (das Schaf ist gescheckt, die Wolle weiß)


Shetlandwolle schwarz gulmoget 


Shetlandwolle katmoget (ein ungewöhnlich helles katmoget Vlies, silbrig, fast weiß)


Shetlandwolle moorit



Samstag, 14. August 2021

Wolle im Garten

Es gibt tolle Wolle zum Spinnen und Filzen. Und nicht so tolle Wolle. Und welche, die eigentlich toll ist aber total eingesaut und auch an den supertollen Vliesen gibt es Partien, die Müll sind. 

Wobei "Müll" in diesem Fall nicht für die Tonne ist, sondern richtig wertvoll im Garten! Wenn man keine eigene Wolle hat aber einen Garten, sollte man sich Gartenwolle kaufen! 

Wolle als Dünger

 

Wolle speichert Feuchtigkeit und ist ein super Dünger, der sich langsam zersetzt. Sie liefert sehr viel Stickstoff (ca. 12% findet man im Internet als Wert für ungewaschen Wolle) aber das ist nicht alles! Wenn man keinen starken Phosphormangel hat, ist Wolle ein Volldünger. Phosphor ist zwar auch enthalten aber nicht viel. Magnesium und Schwefel ist drin und vor allem viel Kalium. Das brauchen Pflanzen für leckere Früchte und für ihren Wasserhaushalt. Trockenstress und Frost (der im Prinzip für die Pflanze auch Trockenstress ist), sind bei guter Kaliumversorgung für die Pflanzen besser zu meistern. Und Pilzerkrankungen haben es schwerer.

Der Kaliumgehalt ist übrigens ein Grund, warum Brennesseljauche so hilfreich bei allerlei Problemen ist.

Als Dünger also eine super Sache! Die Wolle hebt auch den pH-Wert, was viele Pflanzen gut finden. (Moorbeetpflanzen wie Heidelbeeren allerdings nicht!)

Dünger und Feuchtigkeitsspeicher: Da ist schon mal klar, wo ein Teil der Gartenwolle landet! Unten in Blumenkübeln, Balkonkästen und Hängekörben. Wasserspeicher ohne Vernässung plus Langzeitdünger!

Das ist auch im Hochbeet super. Ein Hochbeet habe ich nicht, aber Kartoffelkisten, die ich jedes Jahr neu fülle Ähnlich wie ein Hochbeet: Äste, Heckenschnitt, Wolle, Kompost, Erde. (Ursprünglich hatte ich die Kisten nur, weil ich gerne Kartoffeln mit dunkler Schale mag aber die im Beet nicht wiederfinde. Die sehen genauso aus wie Erdklumpen. In der Kiste finde ich sie und mit dieser Füllung ist der Ertrag ziemlich beeindruckend!)

Man kann die Wolle auch einfach ins Pflanzloch geben und das natürlich nicht nur bei Kartoffeln. Oder eine tiefe Saatrinne ziehen, Wolle reinlegen, mit Erde bedecken und aussäen. Das dann aber nicht für Wurzelgemüse - die wachsen wohl sehr ulkig, wenn die durch die Wolle müssen.

Wolle als Mulch

Wolle macht sich nicht nur gut IM Boden sondern auch oben drauf! Als Mulchschicht unterdrückt sie Unkraut und verhindert Verdunstung. Als Mulch gibt sie auch Nährstoffe ab aber sehr langsam. Da ist es vor allem der anhaftendene Dünger von Popowolle, der in den Boden sickert. Mit Wurzelkontakt wie in meinen Kartoffelkisten zersetzt sich Wolle innerhalb eines Jahres wogegen sie als Mulch um Obstbäume und Beerensträucher jahrelang hält. 

Das ist ein Grund, warum ich Wolle als Mulch im Gemüsegarten nur probehalber beim Kohl eingesetzt habe. Muss ich das dann im Herbst alles zusammenharken? Kann ich es eingraben? Einfach ne Schicht Kompost drauf und einsäen?

Ich hätte ja gerne Streifen aus lockerem Filz, die ich einfach runternehmen kann... Platten aus Filz gibt es zu kaufen - mit Löchern drin zum Pflanzen. Wie Mulchfolie nur besser, weil aus Wolle. Das ist aber nur was zum Pflanzen, nicht zum Säen.

Wollfilzmulchstreifen

Heute habe ich mit Susanne von Cara Sheep ausprobiert, ob man sich nicht solche lockeren Filzstreifen herstellen kann. Susanne kann nicht widerstehen, wenn es irgendwelche Gadgets oder Maschinen gibt, die man irgendwie für Wollzeug gebrauchen kann. Wie einen 3D-Drucker, mit dem man u.a. Pin Looms herstellen kann (auf ihrer Seite zu bestellen). Oder eine Filzmaschine. Die ist wie eine Nähmaschine mit fünf Obernadeln aber ohne Faden und Unternadel.



Wir haben die Maschine nicht so wirklich ihrem Verwendungszweck entsprechend benutzt aber es ging. Mit ein paar gebrochenen Nadeln und viel Sauerei beim Kardieren der zwar gewaschenen aber vollgekrümelten Wolle.


Am Ende hatten wir ein paar Meter Vliesstreifen, die ich jetzt mal im Garten ausprobieren werde.

Die Alphatester sind ein paar junge Grünkohlpflanzen. Für die erste Zeit hält eine Mulchschicht aus Wolle übrigens auch Schnecken ab.



Montag, 14. Dezember 2020

Mit einer Hand kann man nicht klatschen - Wenn Schafböcke Zeug zerkloppen

Dieser Post ist eigentlich eine Wiederholung. Nur unter einer anderen Überschrift. Es war warum Böcke sich kloppen aber jetzt geht es mir mehr um: Warum machen die Zeug kaputt?

Wenn man Schafe hat, hat man einen ganz besonderen Taktgeber im Jahr. Im Frühjahr kommen die Lämmer, dann ist Schur, dann Heuzeit und im Herbst/Winter gibt es dieses Geräusch... das dumpfe Krachen, wenn Bockschädel und -hörner aufeinanderkrachen. 

Als ich noch die Skudden hatte war das ganz typisch. Tupping time. Krach Bummm! Dabei war da nur ein Bock und zwei Hammel. Einer mit einem Jahr kastriert, der richtige Hörner hatte. Für die Mädels hat er sich nie interessiert. Aber Bockkämpfe hat er gemacht! Wirkte auf mich immer, als wäre das Spaß oder als würde er dem Bock einen Gefallen tun! 

Bei den Shetlandschafen fehlt mir das Geräusch beinahe. Da hatte ich nur Vater und Söhne zusammen und die durften nix! Der Vater hat immer mal gegen eine hölzerne "Schutzhütte" gerungst. Aber die war verschiebbar bzw. war das eine klappbare A-Wand, die irgendwann zusammenklappte. 

Als der Bock dann nach Mecklenburg gezogen ist, hat er ordentlich Zeug zerkloppt. Feste Wände an Unterständen....

In einer Facebook-Gruppe über Shetlandschafe lese ich öfter den Hilferuf, der Bock würde alles kaputt machen. Manche hängen denen dann einen Box-Sack hin. Da können sie kämpfen. 

Aber ich glaube nicht, dass es um Kämpfen oder gewinnen geht. Ich bin mal über einen Artikel eines Verhaltensforschers gestolpert (denn ich mir natürlich nicht gespeichert habe... weshalb ich ich das ganz unhöflich ohne Quellenangabe und nur aus dem Gedächtnis wiedergebe):

Er oder sie hat Bighornschafe in den Rocky Mountains beobachtet. Während man früher der Meinung war, dass die dicksten Dinger den größten Macker machen weil er ja alle besiegen kann, ist man da heute offener. Ist das so? Was ihn/sie zum Zweifeln brachte war ein lütter Jährlingsbock, der sich vor einem wirklich gestandenen Bock aufgebaut hat: Willste Kloppe? Komm doch! 

Der Altbock hätte lachen können. Auf den Knirṕs auch nur eine Kalorie verschwenden war lächerlich. Oder statt lachen einfach platt machen!

Hat er aber nicht. Er ist in nen vollen "Kampf" eingestiegen. Mit viel Krawumms. Der Verhaltensforscher fand das seltsam. Wenn es um Gewinnen geht, warum macht er den nicht platt?

Wie mein Hammel mit dem Bock, bei denen ich auch nicht dachte, es wäre ein echter Kampf...


Aber dann.... nachdem mehrmals Hörner mit diesem typischen Geräusch aufeinandergeprallt waren und dass dumpfe Donnern durch die Rockies hallte... Da kamen die Mädels! Nach und nach kamen sie an und guckten... angelockt von dem Geräusch zweier Hörnerpaare, die mit Schwung aufeinanderprallen. Es geht vielleicht weit weniger um "Ich mach Dich platt" als um dieses sexy Geräusch. Und mit einer Hand kann man nicht klatschen!

Wenn ich mal nen Bock habe, der Zeug zerkloppt, werde ich mal ausprobieren, ob eine "Percussion-Installation" hilft. Meine A-Wand war sowas. Cooles Geräusch! Vielleicht noch ein hohles Metallding.... Wobei lustige Geräusche gegen Frust-Kloppe nicht hilft und Frust hat so ein Bock ja auch mal... wenn der Weg versperrt ist. Und gerade Shetlandschafe finden Lösungen! Riegel öffnen oder sich eben durchboxen. Und wenn alle Intelligenz nix nützt, muss man eben auch mal Dampf ablassen... 

Freitag, 19. Juni 2020

Die Sache mit dem Fleisch...

Vorneweg ein paar Gedanken:
Bei alten Nutztierrassen gilt: Erhalten durch Aufessen. Ohne Nutzung verlieren wir dieses Erbe.
Nutztiere erhalten Artenvielfalt. Der Mensch hat mit seinen Nutztieren Landschaften erschaffen und erhalten, die großteils sehr artenreich sind und einmalige Lebensräume bieten.
Nicht alles Land kann mit Getreide- oder Gemüseanbau genutzt werden - das ist in anderen Regionen häufiger der Fall als bei uns aber gilt auch hier stellenweise.

Aber: Mein Fleisch, meine Wurst war mal ein Tier und das ist jetzt tot.

Ich habe mal einen interessanten Artikel gelesen über das Leben eines Wildtieres im Vergleich zum Nutztier. Krankheit, Hunger, Panik des Beutetieres, etc... Ist auch nicht wie bei Disney. Aber ich kann meine eigenen Tiere nicht essen. Ich esse aber die von Leuten, die ich kenne. Wo ich weiß, die Tiere hatten ein gutes Leben und einen schnellen Tod ohne Stress und Angst. Dieser Punkt ist mir immer wichtiger geworden... Wie sind die Tiere gestorben? Transport zum Schlachthof, Panik, Angst und dann vielleicht nicht mal schnell getötet.
(Da fällt mir ein: In ihrer Autobiographie schreibt Margaret Fay Shaw über ihr Leben auf den Äußeren Hebriden in den 1920er Jahren in einem Nebensatz, dass die Leute ihre eigenen Schafe nicht gegessen haben sondern jeweils die vom Nachbarn. Ohne weitere Erklärung aber ich glaube, denen ging es wie mir.)

Also: Ich esse Fleisch und Wurst und manchmal weiß ich, dass es so produziert wurde, wie ich mir das vorstelle. Aber oft ignoriere ich das einfach. Da nehme ich was aus dem Supermarkt mit. Auf Fleisch steht ja jetzt die Haltungsform drauf. Auf Wurst, die ich mehr esse, ist mir das noch nicht aufgefallen. Aber das ist fast egal, denn bei uns gibt es meist nur 1 und 4. Konventionell Minimalstandard und Bio.

"Der Verbraucher will das so", "Alle labern aber gekauft wird dann doch nur konventionell", "der Verbraucher entscheidet, was produziert wird"...
Ja...irgendwie schon aber man kann doch nicht alle Verantwortung an den Verbraucher abgeben! Was weiß denn ich, wie so ein Schlachtschwein artgerecht gehalten wird? Dafür gibt es doch Experten!
Mir will es nicht in den Kopf, warum die Gesetze nicht eine wirklich gute Haltung vorschreiben. Warum überlassen die Politiker das MIR, mich mit Schweinebauern zu unterhalten und mit Wissenschaftlern und daraus zu schlussfolgern, was ein Mindeststandard sein sollte und wie sich das dann in Haltungsform oder sonstewas für lustige Label übersetzt?

Dazu kommt: Das, was im Supermarkt liegt, stammt von größeren Firmen. Die eben solche Ketten beliefern können. Also ganz sicher auch aus großen Schlachthöfen. Zu denen die Tiere transportiert werden. Auf der Brandenburger Landwirtschaftsausstellung wurde mal ein Tiertransporter vorgestellt. Klimaanlage, genug Platz aber nicht soviel, dass die Tiere in der Kurve durch die Gegend fliegen. Wasser. Da haben wir schon echt gute gesetzliche Vorgaben!

Dass auf den großen Schlachthöfen überwiegend schlecht bezahlte Leute aus Osteuropa arbeiten, war mir auch klar. Und dass Leute unter scheiß Arbeitsbedingungen keine tolle Arbeit leisten können, konnte ich mir auch denken. Temple Grandin hat dazu in Animals in Translation sehr eindrücklich geschrieben wie wichtig es ist, den Mitarbeitern in Schlachtbetrieben zu ermöglichen, einen guten Job zu machen. (Empfehlenswertes Buch übrigens. Auf deutsch: Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier.)
"Das ist in Amerika und die haben da viel schlechtere Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer."

Aber jetzt kann ich mir das nicht mehr schönreden! In Baracken zusammengequetscht, Schimmel, Ratten, katastrophale hygienische Bedingungen. Weil der Verbraucher das so will? 
730 Coronafälle in dem letzten Skandalbetrieb. Ich glaube, das ist der vierte in Deutschland?
Nach meiner Milchmädchenrechnung mit der bisherigen Fallsterblichkeit in Deutschland sind das dort dann vielleicht 30-40 tote Fleischer. Weil ich das so will? 

Mit den Lockerungen zum Wohle der Wirtschaft hat das natürlich gar nichts zu tun. Neeein... Dieser Teil der Wirtschaft läuft ja wie immer und diese Fälle... also die haben ja die Osteuropäer eingeschleppt! Also "wir" haben ja quasi keine...

Hocken die jetzt eigentlich unbezahlt in ihren siffigen Baracken? Bringt denen jemand was zu essen?

"Wir brauchen unbedingt ein staatliches Tierwohl-Label"... Das ist doch lächerlich! Wie wäre es mit gesetzlichen Mindestvorgaben für Mensch und Tier? Damit die Landwirte, die ihren Job gut machen und die Schlachtbetriebe, die ihren Job gut machen und ihre Mitarbeiter menschenwürdig behandeln und bezahlen, nicht mit den gewinnmaximierten Arschlöchern konkurieren müssen?

Fleisch und Wurst aus dem Supermarkt ist ab jetzt Tabu für mich.
War schon praktisch sich da auch Salami oder Schinken mitzunehmen... aber egal, wie billig der Kram da angeboten wird: Das ist es nicht wert!


Was bin ich froh, dass ich über die Schafe Leute kenne über die ich Fleisch aus guter Haltung, mit ordentlicher Schlachtung kaufen kann... da schmeckt's!