Donnerstag, 2. April 2020

Langeweile? Hans die Gans zum Ausmalen

Ich dachte mir, dass ja momentan viele Kinder beschäftigt werden  müssen. Und auch Erwachsene. Also habe ich mich damit beschäftigt, Malvorlagen zu machen...




Letztes Jahr habe ich zusammen mit Conny ein Kinderbuch gemacht: Hans die Gans und das Gewitter

Hans ist die mutigste Gans auf dem Hof. 
Vielleicht auf der ganzen Welt.
Bis er im Gewitter losziehen muss, um seinen großen Bruder zu retten...

Das Buch gibt es (noch) nicht zu kaufen aber ich werde nach und nach pdfs machen zum selber Colorieren.

Das ist aufwändiger als ich dachte, deshalb gibt es pro Tag ein Bild. Quasi wie ein Osterkalender ab heute bis Ostersonntag....

Bild eins zum Download hier
Und so sieht es in der Vorschau aus:



Vorschau aller Bilder in Farbe:


Dienstag, 11. Februar 2020

Schafe und Wolle in Europa - das Buch zu unseren Schafrassen


Es ist soweit!
Es gibt ein Buch zu den Schafrassen Europas und ihrer Wolle! Geschrieben von der niederländischen Schaf- und Wollexpertin Betty Stikkers. 
Ich habe es ja schon angekündigt und nun ist es "fertig" (fertig wird es nie!)

Bekommen kann man das Buch in Deutschland über mich. Am besten eine Email schreiben an books@driftwool.de

Wollbuch
Schafe und Wolle in Europa
Schafe und Wolle in Europa hat insgesamt 220 Seiten in Ringbindung und kostet 39,50 plus Porto.
Auf den ersten 61 Seiten gibt es einen Einblick in die Geschichte der Schafe, Hintergrundinfos zu Wolle, Vliestypen, Schur, zum Waschen und Verarbeiten. 


Informationen zu Wolleigenschaften

Vliestypen und Rassen, bei denen man sie findet 
 Anschließend werden 134 Schafrassen (und gängige Kreuzungen) sowie andere Wollträger (wie Alpaka, Angorakaninchen, Yak,...) in Porträts vorgestellt mit besonderem Augenmerk auf ihre Wolle und deren Filz- und Spinneigenschaften. 


Wollbuch
Schafrassen im Porträt

Vorwort zur deutschen Übersetzung


Schafe. Die sehen alle gleich aus, sind ein bisschen blöd und Wolle kratzt?
Mitnichten! Sie sind unsere ältesten Nutztiere, die es in einer unglaublichen Vielzahl an Rassen und regionalen Schlägen gibt.
Wolle ist nicht nur ein nachwachsender Rohstoff, sondern eine Faser mit unglaublichen Eigenschaften, an die keine Kunstfaser herankommt.
Durch die Vielzahl verschiedener Schafe gibt es Wolle in ganz verschiedenen Ausführungen. Jede für eine andere Art der Verarbeitung und für andere Produkte geeignet.
Dieses Buch ist ein umfangreicher Ratgeber, der Lust macht, die verschiedenen Wollsorten auszuprobieren und der hilft, die richtige Wolle für ein bestimmtes Projekt zu finden.
Vorab bekommt der Leser Informationen zu Schafen in Europa, zu ihrer Geschichte und zu Wolle an sich. Woraus besteht die Faser? Wie wird sie gebildet? Was sind Stapellänge und Kräuselung? Welche Vliestypen gibt es?

Die Mitarbeit an der deutschen Übersetzung war faszinierend! Wie sagt man auf deutsch? Da gab es bestimmt mal Begriffe, aber die sind teilweise verloren gegangen. Deshalb gibt es in der Übersetzung Begriffe, die ich in alten Quellen gefunden habe und solche, die sich ganz modern im Internet durchgesetzt haben. Und manchmal einfach die englischen.

Noch faszinierender waren die inhaltlichen Diskussionen mit Betty. Stimmt die Zeitangabe? Sind das wirklich verschiedene Rassen? Ist das wirklich dieselbe unter verschiedenen Namen?
Wir wissen so vieles nicht über unsere ältesten Nutztiere. Vieles sind Annahmen, Hypothesen und manchmal einfach Mythen.

Ich hätte verstanden, wenn Betty zu meinen Anmerkungen gesagt hätte: Ich lass das jetzt so stehen, stand ja auch so in Quelle XYZ. Es gab auch einen Punkt, an dem ich dachte, ich frag jetzt nicht nach. Wird schon passen.
Dann schrieb mir Betty, dass sie das Buch der Erinnerung an einen guten Freund widmet, der viel für seltene Schafrassen in den Niederlanden getan hat. Und mir wurde klar, dass dieses Buch mehr ist als ein Ratgeber für verschiedene Wollsorten. Es ist eine Hommage an die guten Hirten; die vor uns da waren, mit uns da sind, nach uns da sein werden. In der Vielfalt der Schafrassen steckt das Herzblut von 10.000 Jahren!
Dieses Buch wird nie vollständig sein. Es wird Fehler haben. Aber keinen, weil es egal war!

Die Begeisterung und der Perfektionismus, mit denen Betty bei jeder meiner Anmerkungen recherchiert, war mitreißend! Sie hat Experten in den Heimatländern der Rassen befragt und Wissenschaftler, die sich mit DNA Analysen beschäftigen, hat Quellen überprüft und sich weitere Wollproben besorgt.

Wenn ich schreibe, dass ich in der Zusammenarbeit mit Betty viel gelernt habe, ist das untertrieben. Danke Betty!



Stricksack - ganz besondere Wolle, ganz besonders verstrickt

So! Jetzt aber Marketingsprech!

Grandios! Bombastisch! Einzigartig!

Strickpaket Dornröschen
Stricksack Dornröschen
äähhh.... Ich mach's doch lieber anders... Ich habe schon lange diese Idee, dass man regionale Wolle anders anbieten müßte. Die kann nicht mit dem Zeug im Strickladen konkurieren. Da gibt es riesige Auswahl in riesigen Chargen und zu ganz unterschiedlichen Preisen. Eine kleine Charge, von nur einem Schäfer / nur einer Schafrasse: Das wird teuer! Und die kann man eher selten als Ersatz für super fluffige, in tausend Farben gefärbte Wolle aus Übersee nehmen.
Dabei hat die mehr Seele und die Schafe erhalten unsere schöne Landschaft. Und die Wolle verschiedener Rassen ist so unterschiedlich - für jeden Zweck was dabei! Da gibt es ein wahnsinns-Material gleich um die Ecke!
Viele Leute, die selber Spinnen oder Filzen, wissen das zu schätzen.
Aber für Leute, die einfach nur Stricken wollen - mit fertiger Wolle, ohne selber zu designen.... da gibt es nur was mit "Industriewolle".

Das müsste man mal ändern.... So ein rundum sorglos Strickpaket mit ganz besonderer Wolle, abgepackt für ein bestimmtes Strickstück, mit Anleitung und allem dabei.

Wenn man Schafe hat, lernt man Menschen kennen! Ich hab Cara kennengelernt!

Cara ist Macher und Techniker und... Wollsüchtel. In Kombination ist dann tatsächlich der Stricksack entstanden. Jetzt schon der zweite!
Was wir machen:  Wir suchen uns ganz besondere Strickwolle aus einer bestimmten Region. Von Schäfern, die für ihre Sache brennen! Und daraus entsteht ein Mützendesign, das die Region thematisch aufgreift. Kombiniert mit einer traditionellen Stricktechnik!

Stricksack nummer eins  - die Fischlimütze - hat Wolle von Schäferei Drutschmann in Sachsen, die Mütze hat die Fischteiche der Lausitz als Thema und ist im Fair Isle Stil gestrickt. Für Einsteiger ins mehrfarbige Stricken.

Stricksack zwei - Dornröschen - hat Wolle von Pommernschafen. Geniale Wolle. Handspinner wissen das. "Nur Stricker" kommen selten in den Genuß und das wollten wir ändern! Pommernwolle aus meiner alten Heimat, dem Weserbergland. Ich denke da immer an Märchen. Also gibt es ein Rosendesign und als Stricktechnick gehen wir nach Lettland.

Beide Stricksäcke kann man bei Cara kaufen



Strickpaket Pommernwolle
Stricksack - Pommernwolle


Freitag, 29. November 2019

Die Geschichten sind schon da...

Ich war heute mal kurz abgelenkt... Mit Hans der Gans.
Hans ist die mutigste Gans auf dem ganzen Bauernhof und der Star in einem Kinderbuch von Conny Hahn, für das ich die Illustrationen gemacht habe. Das Buch ist super! Echt! Wir müssen nur noch rausfinden, wie man ein Pappbuch in Farbe zu einem einigermaßen bezahlbaren Preis drucken lassen kann.

Heute hat Hans mir eine andere Geschichte erzählt. Und ich bin begeistert, wie sich eine Geschichte auch in Bildern entwickelt...
Meine erste Idee war: Hans im Winter. Und ein gruseliger Schneemann (ich hab nicht wirklich an "Kinderbuch" gedacht...)

So sieht er aus:

Steht plötzlich da. Und dann woanders....

Also genau das Buch, dass man mit seinen Kindern anguckt, wenn man im Winter ne kleine Holzhütte mitten im verschneiten Wald gemietet hat und alles... seltsam ist. Komische Geräusche, Lichter in der Dunkelheit....

Aber Hans ist ja die mutigste Gans auf dem ganzen Bauernhof...  ob er mutig genug ist?


danach hab ich dann überlegt, wie die Geschichte gehen könnte... Ist er mutig genug und besiegt den fiesen Schneemann? "Stell Dich Deinen Ängsten" blablabla...?

Da kamen keine Bilder... erst das nächste:


und das geht für alle möglichen Geschichten. Er hat ihn besiegt! Oder der Frühling hat alle gerettet... oder ganz anders... 
Ich mag, wie die Bilder kamen. Ohne nachzudenken. Weil die Geschichte da war...



Ich werde wohl niemals schaffen, eine wirklich gruselige Geschichte zu schreiben (oder zu zeichnen)...
Natürlich war der Schneemann ein Arsch - aber kein Monster und er wird Hans Freund und dann kommt der Frühling... und man lässt Freunde nicht in Stich!

Mittwoch, 20. November 2019

Auf den Spuren der Wikingerschafe - das Buch

Schafe - vor allem die nordischen - finde ich ja ganz interessant. Warum gibt es die überhaupt noch, die alten Rassen? Wie sieht es da aus, wo sie zu Hause sind? Warum hält man die noch? Wer tut das?
Gehe ich doch mal gucken.

Das war so die Überlegung, bevor ich mich für ein halbes Jahr auf die Reise gemacht habe. Mit Pocketcamper, Hütehund, Schafschere und Flute.

Einfach mal gucken. So ist auch dieser Blog entstanden (mehr in der Kategorie Reise)
Ich hatte Spaß, ich hab viel gelernt und ich schreibe gerne. Mache ich doch ein Buch draus!



Das habe ich tatsächlich gemacht. Ein Buch über die nordischen Schafrassen, die ich in ihrer Heimat besucht habe. Ich habe viel recherchiert zu Domestikation, zur Geschichte der Schafe (die unsere weit mehr beeinflusst hat, als man so denkt), aktuellen Forschungen über ihre Genetik, ...
und dann habe ich gemerkt, dass ich mich selber damit langweile!

Ja: Das war eine Reise zu den Schafen. Und eine Reise in unsere gemeinsame Geschichte. Aber was es eigentlich war, war eine Reise zu den Menschen!

Menschen auf abgelegenen Inseln vor allem in Schottland (und später auch in Norwegen). Eine Reise, auf der der "Arsch der Welt" zum Mittelpunkt wurde. An dem die Menschen ihre Türen öffneten, um mit leuchtenden Augen über Schafe zu reden.

Also habe ich das Buch neu konzipiert, so wie es "richtig" ist. Für mich.
Es ist eine Reise. Zu Menschen, zu Schafen, in grandiose Landschaften und auch zu mir selber.
Ich hab alles umgeworfen und es so gemacht, wie es für mich "rund" ist.






Von Agenten habe ich tolles Feedback bekommen aber leider auch gehört, dass es dafür keinen Markt gibt. Schafe sind ja eher ein Nischenthema und die Mischung mit Reisegeschichten macht es nochmal schwieriger. Das kann man nicht so einfach in den Buchladen stellen, weil es dafür nicht EIN Regal gibt.
Reisebuch oder Sachbuch Schaf?

Es ist beides und es MUSS beides sein. Man kann Schottland und seine Inseln nicht wirklich erleben, wenn man nichts über die Schafe weiß. Man kann die Schafe nicht verstehen, wenn man nichts über die Landschaft weiß, aus der sie stammen, über deren Geschichte und die Menschen dort.

Für die großen Verlage ist das keine sinnvolle Investition.
Selber verlegen? Klingt einfach aber da gibt es ein paar Haken. Selber verlegen bedeutet selber machen bzw. sich die Expertise besorgen, die man braucht. Lektorat, Buchsatz, Cover...
Das geht. Aber: Es gibt kein Team, keine Deadline die man nicht nach Lust und Laune verschieben kann, kein Feedback, keinerlei Vorgaben oder Erfahrungswerte, keinen Tritt in den Hintern und kein Lob für Erreichung von Zwischenzielen. Keine Bestätigung, dass das richtig ist und gut und wichtig.

So wie es jetzt ist, stecken da schon Jahre drin! Mit Zeiten, in denen ich euphorisch recherchiert und geschrieben habe und langen Pausen, in denen der Berg zwischen erstem Manuskript und fertigem Buch unerklimmbar schien. Immer mit der Hoffnung, vielleicht doch einen Verlag zu finden, der das Buch darüber trägt. Ich habe mein Exposé aber gar nicht weiter an Verlage geschickt... und von alleine klopfen die einfach nicht an meine Tür...

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Ich mach das. So wie es sein muss!
Und ich werde darüber immer mal hier berichten. Ich sehe das als eine Art crowdfunding. Nur nicht mit Geld sondern mit Motivation und Begeisterung, die sicherlich auf dem Weg immer mal knapp werden.


Freitag, 1. November 2019

Outrage Porn oder: Wer das teilt, ist doof!

Wir haben ein paar ziemlich dufte Wörter! Kopfkino, Fremdschämen, Verschlimmbessern,...
für "outrage porn" habe ich noch keins gelesen, was so richtig passt... Übersetzt ist das "Empörungspornografie". Vielleicht auch eher "Empörungsgeilheit".
Vielleicht haben wir deshalb kein Wort, weil uns das gar nicht so auffällt....

Wem das noch nicht aufgefallen ist und wer sich jetzt fragt, was DAS denn sein soll:
Outrage Porn gibt es schon lange. Aber mit dem Internet und den sozialen Netzwerken hat es Fahrt aufgenommen: Leser generieren, die voll auf ein Thema abfahren und Beiträge teilen und weitere Leser generieren. Super Sache! Reichweite! Werbeeinnahmen. Influencen.

Wie funktioniert das nun?
Das ganze beruht auf Empörung. Also braucht  man ein Thema, das möglichst viele Leute emotional sehen.
In meiner speziellen Blase hat das lange mit dem Thema "Wolf" funktioniert. Das nehme ich mal als Beispiel. Ich suche mir also eine extreme These, die Empörung hervorrufen wird, formuliere die mit nicht zu vielen und nicht zu schwierigen Wörtern. Dazu ein emotionales Bild oder eine Grafik. Gerne mit Scheinkorrelation oder verzerrenden Spielereien mit den Einheiten meiner Achsen im Diagramm.

"Der Wolf ist gar kein Problem."
Dazu formuliere ich mehr oder weniger deutlich
"Die Schäfer sind nur zu blöd/ zu faul".
Das teile ich dann in einer Schäfergruppe.
So als Schafhalter fühle ich mich da beleidigt. Angepisst. Empört. Also kommentiere ich: "So ne Scheiße! Das kann doch nur ein naturentfremdeter Balkonbiologe sagen!".

Wut rausgelassen! Beleidigung zurückgespielt! Andere tun das auch. "Jawoll! Alle blöd!". Die Empörung ist so groß, dass dieser blöde, beleidigende Beitrag geteilt wird. "Guckt mal, wie bekloppt die sind!"

Damit habe ich schon mal Reichweite. Super Sache, wenn deshalb auf meine Seite geklickt wird. Selbst, wenn ich da gar keine Werbung geschaltet habe.
Aber Outrage porn hört da nicht auf! Ich lasse die Leute schön ihre Empörung in emotionalen und entrüsteten (und deshalb oft beleidigenden) Kommentaren entladen. Und DANN nehme ich diese Kommentare und teile die auf einer anderen Seite. Bei Wolfsfreunden beispielsweise.

Da lese ich nun auch. Also jetzt nicht "ich, der ursprüngliche Beitragsersteller" und auch nicht "ich, der empörte Schäfer" sondern jetzt "ich der Biologe (ohne Balkon)". Und ich fühle mich beleidigt. Die Kommentare sind flach und garstig. Dass die originale Botschaft flach und garstig war, sehe ich genausowenig wie die Schafhalter, die darauf angesprungen sind. Also lasse ich meiner Empörung nun auch freien Lauf mit einem Kommentar und teile fleißig um zu zeigen, wie dumm DIE sind...

So kann man ganz bequem mit EINEM dämlichen Beitrag Empörung und Konter-Empörung und vermutlich Konter-Konter-Empörung auslösen!

Und wir fallen da (fast) alle drauf rein! Ich bin da empört! Und oft bin ich über Beitrag UND Kommentare gleichzeitig empört!

Als Politiker kann man das auch super ausnutzen. Statistik zu irgendwas mit Bäumen. (Nicht mit Zahlen. Nur so Tortendagramme oder so. Schön plakativ). Dazu nen eingängigen Satz, dass ja damals auch "so ein Theater wegen Waldsterben gemacht wurde. Und? Isser gestorben? Ne! Hysterie!"




Das bringt mir ein paar "jawoll". Wenn ich es geschickt platziere, brauche ich selber gar nicht direkt beleidigen, dann reicht eine dumme Aussage wie diese und ein Kommentator schreibt: "Genau! Darf man ja nicht sagen. Da wird man vom linksgrünversifften Pack zensiert."
Et Voilà! Los geht's. Der ein oder andere wird noch zu erklären versuchen, warum die Aussage des Originalbeitrags Pfeffer ist aber garantiert schreibt auch jemand "Au man! Ihr seid alle so blöd!"
Ihr? Alle? Empörung! Bei allen! Und Konter-Empörung.
Als Politiker brauche ich gar nix weiter sagen. Die eine Gruppe der Empörten denkt, ich würde ihre Meinung vertreten. (Ich sag Schtonk, Du sagst Jawoll, der Typ dadrüben sagt deshalb zu Dir Blödmann. Also da müssen Du und ich ja wohl auf einer Seite sein! Und der ist unser Feind!)

Ich lese immer wieder, wer alles die Leute spaltet. Ganz schlimmer Vorwurf! Das Volk spalten! Pfui! Nur sind es meist die, die diesen Vorwurf machen, die Spaltung sehen (und säen), wo nur verschiedene Meinungen und Prioritäten sind.

Darauf nicht hereinzufallen, ist gar nicht so einfach... wir reagieren halt alle auf Beleidigungen beleidigt.

Ich hab mich bisher noch nicht verleiten lassen, beleidigende Kommentare zu schreiben. Ich lass mich aber gerne verleiten, die Aussagen zu googeln, Statistikseiten zu befragen, nachzurechnen. Und dabei bin ich gerne mal empört.
Wenn es richtig blöd ist, kommt man übrigens mit wenigen Rückverfolgungsschritten oft zur AfD. Auch bei Themen, die man gar nicht mit denen in Verbindung bringt und die sie jetzt gar nicht so auf der Agenda haben. Outrage Porn ist immer gut. Da sind se dabei...

Was also tun? Für den eigenen Seelenfrieden ist "weiterscrollen" ziemlich gut. Andererseits ist es gut, in Blasen zu pieken. Das sollte man aber nicht beleidigend machen - damit verhärtet man die Sache nur. Und nicht mit langem Text. Und auch nicht, wenn da schon uffdundruffzig voll depperte Kommentare stehen. Dann ist der Drops gelutscht. Aber bei solchen Beiträgen aus dem eigenen "Freundeskreis" kann man oft - am Anfang - so kommentieren, dass aus Outrage Porn eine echte Diskussion wird. Und wenn man nur "das glaube ich nicht, weil..." kommentiert. Wenn es dann eine Diskussion wird, dann bekommt man gerne mal seine eigene Blase zerpiekst. Und das ist gut!

Wenn man selber findet, dass ein Meme irgendetwas wunderbar ausdrückt:
Ist es beleidigend/stellt es jemanden als Deppen dar? Ja?
Wenn man das unkommentiert will: Bitteschön. Da ist man selber als Teilender ein überheblicher Arsch und sollte sich ganz sicher sein, dass man da keinen Pfeffer teilt.

Will man aber eher Meinungen ändern, dann sollte man das nicht mir Überheblichkeit angehen! Da reicht dann schon ein kurzer einladender Kommentar zu dem Beitrag. Oder die Frage: Ist das so? Liege ich richtig damit, das gut zu finden?

Montag, 21. Oktober 2019

Schafstassen / Rassetassen - making off

Angefangen hat das mit einer Infographic... Ich wollte eine machen zum Eintragen von Farben bei Shetlandschafen. (In UK und US)
Nur sahen die Schafe nicht wirklich wie Shetlandschafe aus. Warum? Wie so ein Polizeizeichner kam ich mir vor. Die Augen etwas kleiner und weiter nach oben, die Ohren tiefer....

typische Schafgesichter - erster Versuch

Als ich dann ein Shetlandschaf getroffen hatte, wollte ich wissen, was an einer Skudde denn anders ist. So vereinfacht gezeichnet...

Wer sehen will, muss zeichnen!

Im Biologie-Studium haben wir ständig gezeichnet. Und zwar exakt das, was wir sehen. Mit allen Details.
Hier ist es andersrum. Mit wenigen Strichen, mit "Punkt, Punkt, Komma, Strich" die Essenz einer Rasse darstellen!
Die Struktur der Wolle, die Hörner, Körperform, Gesichter! Vor allem die Gesichter! 

Tassen mit Schafrassen

So kommt dann eine Rasse zur anderen.

Making of Rassetasse 


Ich erstelle die Graphiken in Inkscape. Einem Vektorgrafikprogramm. 
Rassen die ich gut kenne, zeichne ich aus der Erinnerung. Denn dort sind die genau so abgespeichert, wie ich sie brauche. Nicht als Cartoon oder Vektorgrafik aber eben "die Essenz". 

Jetzt wurde ich gebeten, doch eine Tasse mit einem Manech á téte noir* zu machen. Oha!
Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Schafrassen es gibt, von denen ich noch nicht gehört habe! Geschweige denn, dass ich auch nur eins davon je persönlich getroffen habe!

Ein paar Bilder habe ich dazu bekommen. Irgendwie ein wenig wie Heidschnucke. Und wie Tiroler Steinschaf. Tiroler Steinschaf steht noch auf meiner Warteliste also habe ich mir ein Krainer Steinschaf genommen. (Die sehen natürlich anders aus als die Tiroler und Montaforer Steinschafe aber für den Anfang muss es reichen.)

Heidschnucke, Krainer Steinschaf

Auf den Photos haben mich die Augen und auch das Gesicht ein wenig an Milchschafe erinnert. (diese baskische Rasse wird auch tatsächlich gemolken). KleineAugen, recht weit oben. Tief angesetzte Ohren, lang, nicht stehend, nicht so hängend wie beispielsweise beim Karakul. Das Gesicht eher lang und schmal (im Profil mit mehr oder weniger Ramsnase). Daraus entsteht ein erster Entwurf: 

Heischnucke, Krainer Steinschaf, ostfriesisches Milchschaf - erster Entwurf

Dann die Hörner. Und zwar solche, die für mich zu den alten alpinen Rassen gehören. Oder zu süd-/osteuropäischen. Walachenschafe haben solche Hörner. (Bei Waldschafen gehen die auch ein klein bißchen in die Richtung aber sind doch eher wie die der nordischen... das nur so am Rande.)

erster Entwurf Manech á tète noir und Walachenschaf

Ich habe nicht genug Bilder mit Hörnern - also google Bildersuche. Da gibt es einige beeindruckende Böcke zu sehen! Hörner mit großer Biegung und kleiner, weit ausladend und weniger ausladene. Die von meinem Walachenschaf passen nicht ganz zu dem, was ich da als Essenz raus ziehe. Also wird als nächstes an den Hörnern geschraubt:

rumschrauben an Schraubenhörnern

Dann ist die Farbe dran. Schwarzer Kopf (und Beine) und grauer Körper. Was schwierig ist, denn ich kann den Kopf nicht wirklich schwarz machen. Dann sieht man Augen und Nase nicht mehr. Daher mache ich schwarze Köpfe je nach Rasse sehr dunkel braun oder sehr dunkel grau. Auf dem leuchtenden Computerbildschirm sieht man den Kontrast besser, als auf der fertig bedruckten Tasse. Beim Pommernschaf (ebenfalls grau mit schwarzem Kopf) musste ich nachbessern. Deshalb habe ich das jetzt als Vergleich genommen. Habe den Kopf aber trotzdem etwas dunkler gemacht.  

Anpassung der Vliesfarbe und Hörnerwindung

Den Kragen vom Steinschaf habe ich entfernt. Aber so richtig stimmt die Struktur der Wolle / der Gesamteindruck des Vlieses noch nicht... 

welche Version gibt die Vliesstruktur besser wieder?
Auf einer französischen Seite über die Rasse rate ich mir zusammen, dass die Wolle besonders lang ist. Bis 30 cm. Also doch eher wie die Heidschnucke. Allerdings sind die Schafe nicht so schmal und mit weniger zierlichen Beinen... 

Fertig! Oder doch nicht? Manech á tète noir? Nicht ganz...

Das stimmt immer noch nicht... die Hörner ... die Ohren sind auch noch falsch... knapp vorbei...
Passt schon ganz gut. Allerdings heißen die Manech tête noir!
So schon eher.... Ich lasse das erstmal sacken. Dann google ich nochmal (ohne vorher meinen Entwurf anzugucken).


Tassen mit Rassen kann man übrigens kaufen. Mehr zu Schafstassen hier (driftwool.de).


* Korrektur: Die Rasse heißt Manech tête noir! Zum Glück war diese Tasse eine Spezialanfertigung und meine falsche Schreibweise wurde noch rechtzeitig korrigiert!

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Dieser Blogbeitrag wurde zusammen mit der roten Henne (aka der rote Raptor) geschrieben: