Freitag, 29. November 2019

Die Geschichten sind schon da...

Ich war heute mal kurz abgelenkt... Mit Hans der Gans.
Hans ist die mutigste Gans auf dem ganzen Bauernhof und der Star in einem Kinderbuch von Conny Hahn, für das ich die Illustrationen gemacht habe. Das Buch ist super! Echt! Wir müssen nur noch rausfinden, wie man ein Pappbuch in Farbe zu einem einigermaßen bezahlbaren Preis drucken lassen kann.

Heute hat Hans mir eine andere Geschichte erzählt. Und ich bin begeistert, wie sich eine Geschichte auch in Bildern entwickelt...
Meine erste Idee war: Hans im Winter. Und ein gruseliger Schneemann (ich hab nicht wirklich an "Kinderbuch" gedacht...)

So sieht er aus:

Steht plötzlich da. Und dann woanders....

Also genau das Buch, dass man mit seinen Kindern anguckt, wenn man im Winter ne kleine Holzhütte mitten im verschneiten Wald gemietet hat und alles... seltsam ist. Komische Geräusche, Lichter in der Dunkelheit....

Aber Hans ist ja die mutigste Gans auf dem ganzen Bauernhof...  ob er mutig genug ist?


danach hab ich dann überlegt, wie die Geschichte gehen könnte... Ist er mutig genug und besiegt den fiesen Schneemann? "Stell Dich Deinen Ängsten" blablabla...?

Da kamen keine Bilder... erst das nächste:


und das geht für alle möglichen Geschichten. Er hat ihn besiegt! Oder der Frühling hat alle gerettet... oder ganz anders... 
Ich mag, wie die Bilder kamen. Ohne nachzudenken. Weil die Geschichte da war...



Ich werde wohl niemals schaffen, eine wirklich gruselige Geschichte zu schreiben (oder zu zeichnen)...
Natürlich war der Schneemann ein Arsch - aber kein Monster und er wird Hans Freund und dann kommt der Frühling... und man lässt Freunde nicht in Stich!

Mittwoch, 20. November 2019

Auf den Spuren der Wikingerschafe - das Buch

Schafe - vor allem die nordischen - finde ich ja ganz interessant. Warum gibt es die überhaupt noch, die alten Rassen? Wie sieht es da aus, wo sie zu Hause sind? Warum hält man die noch? Wer tut das?
Gehe ich doch mal gucken.

Das war so die Überlegung, bevor ich mich für ein halbes Jahr auf die Reise gemacht habe. Mit Pocketcamper, Hütehund, Schafschere und Flute.

Einfach mal gucken.
Ich hatte Spaß, ich hab viel gelernt und ich schreibe gerne. Mache ich doch ein Buch draus!



Das habe ich tatsächlich gemacht. Ein Buch über die nordischen Schafrassen, die ich in ihrer Heimat besucht habe. Ich habe viel recherchiert zu Domestikation, zur Geschichte der Schafe (die unsere weit mehr beeinflusst hat, als man so denkt), aktuellen Forschungen über ihre Genetik, ...
und dann habe ich gemerkt, dass ich mich selber damit langweile!

Ja: Das war eine Reise zu den Schafen. Und eine Reise in unsere gemeinsame Geschichte. Aber was es eigentlich war, war eine Reise zu den Menschen!

Menschen auf abgelegenen Inseln vor allem in Schottland (und später auch in Norwegen). Eine Reise, auf der der "Arsch der Welt" zum Mittelpunkt wurde. An dem die Menschen ihre Türen öffneten, um mit leuchtenden Augen über Schafe zu reden.

Also habe ich das Buch neu konzipiert, so wie es "richtig" ist. Für mich.
Es ist eine Reise. Zu Menschen, zu Schafen, in grandiose Landschaften und auch zu mir selber.
Ich hab alles umgeworfen und es so gemacht, wie es für mich "rund" ist.






Von Agenten habe ich tolles Feedback bekommen aber leider auch gehört, dass es dafür keinen Markt gibt. Schafe sind ja eher ein Nischenthema und die Mischung mit Reisegeschichten macht es nochmal schwieriger. Das kann man nicht so einfach in den Buchladen stellen, weil es dafür nicht EIN Regal gibt.
Reisebuch oder Sachbuch Schaf?

Es ist beides und es MUSS beides sein. Man kann Schottland und seine Inseln nicht wirklich erleben, wenn man nichts über die Schafe weiß. Man kann die Schafe nicht verstehen, wenn man nichts über die Landschaft weiß, aus der sie stammen, über deren Geschichte und die Menschen dort.

Für die großen Verlage ist das keine sinnvolle Investition.
Selber verlegen? Klingt einfach aber da gibt es ein paar Haken. Selber verlegen bedeutet selber machen bzw. sich die Expertise besorgen, die man braucht. Lektorat, Buchsatz, Cover...
Das geht. Aber: Es gibt kein Team, keine Deadline die man nicht nach Lust und Laune verschieben kann, kein Feedback, keinerlei Vorgaben oder Erfahrungswerte, keinen Tritt in den Hintern und kein Lob für Erreichung von Zwischenzielen. Keine Bestätigung, dass das richtig ist und gut und wichtig.

So wie es jetzt ist, stecken da schon Jahre drin! Mit Zeiten, in denen ich euphorisch recherchiert und geschrieben habe und langen Pausen, in denen der Berg zwischen erstem Manuskript und fertigem Buch unerklimmbar schien. Immer mit der Hoffnung, vielleicht doch einen Verlag zu finden, der das Buch darüber trägt. Ich habe mein Exposé aber gar nicht weiter an Verlage geschickt... und von alleine klopfen die einfach nicht an meine Tür...

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Ich mach das. So wie es sein muss!
Und ich werde darüber immer mal hier berichten. Ich sehe das als eine Art crowdfunding. Nur nicht mit Geld sondern mit Motivation und Begeisterung, die sicherlich auf dem Weg immer mal knapp werden.


Freitag, 1. November 2019

Outrage Porn oder: Wer das teilt, ist doof!

Wir haben ein paar ziemlich dufte Wörter! Kopfkino, Fremdschämen, Verschlimmbessern,...
für "outrage porn" habe ich noch keins gelesen, was so richtig passt... Übersetzt ist das "Empörungspornografie". Vielleicht auch eher "Empörungsgeilheit".
Vielleicht haben wir deshalb kein Wort, weil uns das gar nicht so auffällt....

Wem das noch nicht aufgefallen ist und wer sich jetzt fragt, was DAS denn sein soll:
Outrage Porn gibt es schon lange. Aber mit dem Internet und den sozialen Netzwerken hat es Fahrt aufgenommen: Leser generieren, die voll auf ein Thema abfahren und Beiträge teilen und weitere Leser generieren. Super Sache! Reichweite! Werbeeinnahmen. Influencen.

Wie funktioniert das nun?
Das ganze beruht auf Empörung. Also braucht  man ein Thema, das möglichst viele Leute emotional sehen.
In meiner speziellen Blase hat das lange mit dem Thema "Wolf" funktioniert. Das nehme ich mal als Beispiel. Ich suche mir also eine extreme These, die Empörung hervorrufen wird, formuliere die mit nicht zu vielen und nicht zu schwierigen Wörtern. Dazu ein emotionales Bild oder eine Grafik. Gerne mit Scheinkorrelation oder verzerrenden Spielereien mit den Einheiten meiner Achsen im Diagramm.

"Der Wolf ist gar kein Problem."
Dazu formuliere ich mehr oder weniger deutlich
"Die Schäfer sind nur zu blöd/ zu faul".
Das teile ich dann in einer Schäfergruppe.
So als Schafhalter fühle ich mich da beleidigt. Angepisst. Empört. Also kommentiere ich: "So ne Scheiße! Das kann doch nur ein naturentfremdeter Balkonbiologe sagen!".

Wut rausgelassen! Beleidigung zurückgespielt! Andere tun das auch. "Jawoll! Alle blöd!". Die Empörung ist so groß, dass dieser blöde, beleidigende Beitrag geteilt wird. "Guckt mal, wie bekloppt die sind!"

Damit habe ich schon mal Reichweite. Super Sache, wenn deshalb auf meine Seite geklickt wird. Selbst, wenn ich da gar keine Werbung geschaltet habe.
Aber Outrage porn hört da nicht auf! Ich lasse die Leute schön ihre Empörung in emotionalen und entrüsteten (und deshalb oft beleidigenden) Kommentaren entladen. Und DANN nehme ich diese Kommentare und teile die auf einer anderen Seite. Bei Wolfsfreunden beispielsweise.

Da lese ich nun auch. Also jetzt nicht "ich, der ursprüngliche Beitragsersteller" und auch nicht "ich, der empörte Schäfer" sondern jetzt "ich der Biologe (ohne Balkon)". Und ich fühle mich beleidigt. Die Kommentare sind flach und garstig. Dass die originale Botschaft flach und garstig war, sehe ich genausowenig wie die Schafhalter, die darauf angesprungen sind. Also lasse ich meiner Empörung nun auch freien Lauf mit einem Kommentar und teile fleißig um zu zeigen, wie dumm DIE sind...

So kann man ganz bequem mit EINEM dämlichen Beitrag Empörung und Konter-Empörung und vermutlich Konter-Konter-Empörung auslösen!

Und wir fallen da (fast) alle drauf rein! Ich bin da empört! Und oft bin ich über Beitrag UND Kommentare gleichzeitig empört!

Als Politiker kann man das auch super ausnutzen. Statistik zu irgendwas mit Bäumen. (Nicht mit Zahlen. Nur so Tortendagramme oder so. Schön plakativ). Dazu nen eingängigen Satz, dass ja damals auch "so ein Theater wegen Waldsterben gemacht wurde. Und? Isser gestorben? Ne! Hysterie!"




Das bringt mir ein paar "jawoll". Wenn ich es geschickt platziere, brauche ich selber gar nicht direkt beleidigen, dann reicht eine dumme Aussage wie diese und ein Kommentator schreibt: "Genau! Darf man ja nicht sagen. Da wird man vom linksgrünversifften Pack zensiert."
Et Voilà! Los geht's. Der ein oder andere wird noch zu erklären versuchen, warum die Aussage des Originalbeitrags Pfeffer ist aber garantiert schreibt auch jemand "Au man! Ihr seid alle so blöd!"
Ihr? Alle? Empörung! Bei allen! Und Konter-Empörung.
Als Politiker brauche ich gar nix weiter sagen. Die eine Gruppe der Empörten denkt, ich würde ihre Meinung vertreten. (Ich sag Schtonk, Du sagst Jawoll, der Typ dadrüben sagt deshalb zu Dir Blödmann. Also da müssen Du und ich ja wohl auf einer Seite sein! Und der ist unser Feind!)

Ich lese immer wieder, wer alles die Leute spaltet. Ganz schlimmer Vorwurf! Das Volk spalten! Pfui! Nur sind es meist die, die diesen Vorwurf machen, die Spaltung sehen (und säen), wo nur verschiedene Meinungen und Prioritäten sind.

Darauf nicht hereinzufallen, ist gar nicht so einfach... wir reagieren halt alle auf Beleidigungen beleidigt.

Ich hab mich bisher noch nicht verleiten lassen, beleidigende Kommentare zu schreiben. Ich lass mich aber gerne verleiten, die Aussagen zu googeln, Statistikseiten zu befragen, nachzurechnen. Und dabei bin ich gerne mal empört.
Wenn es richtig blöd ist, kommt man übrigens mit wenigen Rückverfolgungsschritten oft zur AfD. Auch bei Themen, die man gar nicht mit denen in Verbindung bringt und die sie jetzt gar nicht so auf der Agenda haben. Outrage Porn ist immer gut. Da sind se dabei...

Was also tun? Für den eigenen Seelenfrieden ist "weiterscrollen" ziemlich gut. Andererseits ist es gut, in Blasen zu pieken. Das sollte man aber nicht beleidigend machen - damit verhärtet man die Sache nur. Und nicht mit langem Text. Und auch nicht, wenn da schon uffdundruffzig voll depperte Kommentare stehen. Dann ist der Drops gelutscht. Aber bei solchen Beiträgen aus dem eigenen "Freundeskreis" kann man oft - am Anfang - so kommentieren, dass aus Outrage Porn eine echte Diskussion wird. Und wenn man nur "das glaube ich nicht, weil..." kommentiert. Wenn es dann eine Diskussion wird, dann bekommt man gerne mal seine eigene Blase zerpiekst. Und das ist gut!

Wenn man selber findet, dass ein Meme irgendetwas wunderbar ausdrückt:
Ist es beleidigend/stellt es jemanden als Deppen dar? Ja?
Wenn man das unkommentiert will: Bitteschön. Da ist man selber als Teilender ein überheblicher Arsch und sollte sich ganz sicher sein, dass man da keinen Pfeffer teilt.

Will man aber eher Meinungen ändern, dann sollte man das nicht mir Überheblichkeit angehen! Da reicht dann schon ein kurzer einladender Kommentar zu dem Beitrag. Oder die Frage: Ist das so? Liege ich richtig damit, das gut zu finden?

Montag, 21. Oktober 2019

Schafstassen / Rassetassen - making off

Angefangen hat das mit einer Infographic... Ich wollte eine machen zum Eintragen von Farben bei Shetlandschafen. (In UK und US)
Nur sahen die Schafe nicht wirklich wie Shetlandschafe aus. Warum? Wie so ein Polizeizeichner kam ich mir vor. Die Augen etwas kleiner und weiter nach oben, die Ohren tiefer....

typische Schafgesichter - erster Versuch

Als ich dann ein Shetlandschaf getroffen hatte, wollte ich wissen, was an einer Skudde denn anders ist. So vereinfacht gezeichnet...

Wer sehen will, muss zeichnen!

Im Biologie-Studium haben wir ständig gezeichnet. Und zwar exakt das, was wir sehen. Mit allen Details.
Hier ist es andersrum. Mit wenigen Strichen, mit "Punkt, Punkt, Komma, Strich" die Essenz einer Rasse darstellen!
Die Struktur der Wolle, die Hörner, Körperform, Gesichter! Vor allem die Gesichter! 

Tassen mit Schafrassen

So kommt dann eine Rasse zur anderen.

Making of Rassetasse 


Ich erstelle die Graphiken in Inkscape. Einem Vektorgrafikprogramm. 
Rassen die ich gut kenne, zeichne ich aus der Erinnerung. Denn dort sind die genau so abgespeichert, wie ich sie brauche. Nicht als Cartoon oder Vektorgrafik aber eben "die Essenz". 

Jetzt wurde ich gebeten, doch eine Tasse mit einem Manech á téte noir* zu machen. Oha!
Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Schafrassen es gibt, von denen ich noch nicht gehört habe! Geschweige denn, dass ich auch nur eins davon je persönlich getroffen habe!

Ein paar Bilder habe ich dazu bekommen. Irgendwie ein wenig wie Heidschnucke. Und wie Tiroler Steinschaf. Tiroler Steinschaf steht noch auf meiner Warteliste also habe ich mir ein Krainer Steinschaf genommen. (Die sehen natürlich anders aus als die Tiroler und Montaforer Steinschafe aber für den Anfang muss es reichen.)

Heidschnucke, Krainer Steinschaf

Auf den Photos haben mich die Augen und auch das Gesicht ein wenig an Milchschafe erinnert. (diese baskische Rasse wird auch tatsächlich gemolken). KleineAugen, recht weit oben. Tief angesetzte Ohren, lang, nicht stehend, nicht so hängend wie beispielsweise beim Karakul. Das Gesicht eher lang und schmal (im Profil mit mehr oder weniger Ramsnase). Daraus entsteht ein erster Entwurf: 

Heischnucke, Krainer Steinschaf, ostfriesisches Milchschaf - erster Entwurf

Dann die Hörner. Und zwar solche, die für mich zu den alten alpinen Rassen gehören. Oder zu süd-/osteuropäischen. Walachenschafe haben solche Hörner. (Bei Waldschafen gehen die auch ein klein bißchen in die Richtung aber sind doch eher wie die der nordischen... das nur so am Rande.)

erster Entwurf Manech á tète noir und Walachenschaf

Ich habe nicht genug Bilder mit Hörnern - also google Bildersuche. Da gibt es einige beeindruckende Böcke zu sehen! Hörner mit großer Biegung und kleiner, weit ausladend und weniger ausladene. Die von meinem Walachenschaf passen nicht ganz zu dem, was ich da als Essenz raus ziehe. Also wird als nächstes an den Hörnern geschraubt:

rumschrauben an Schraubenhörnern

Dann ist die Farbe dran. Schwarzer Kopf (und Beine) und grauer Körper. Was schwierig ist, denn ich kann den Kopf nicht wirklich schwarz machen. Dann sieht man Augen und Nase nicht mehr. Daher mache ich schwarze Köpfe je nach Rasse sehr dunkel braun oder sehr dunkel grau. Auf dem leuchtenden Computerbildschirm sieht man den Kontrast besser, als auf der fertig bedruckten Tasse. Beim Pommernschaf (ebenfalls grau mit schwarzem Kopf) musste ich nachbessern. Deshalb habe ich das jetzt als Vergleich genommen. Habe den Kopf aber trotzdem etwas dunkler gemacht.  

Anpassung der Vliesfarbe und Hörnerwindung

Den Kragen vom Steinschaf habe ich entfernt. Aber so richtig stimmt die Struktur der Wolle / der Gesamteindruck des Vlieses noch nicht... 

welche Version gibt die Vliesstruktur besser wieder?
Auf einer französischen Seite über die Rasse rate ich mir zusammen, dass die Wolle besonders lang ist. Bis 30 cm. Also doch eher wie die Heidschnucke. Allerdings sind die Schafe nicht so schmal und mit weniger zierlichen Beinen... 

Fertig! Oder doch nicht? Manech á tète noir? Nicht ganz...

Das stimmt immer noch nicht... die Hörner ... die Ohren sind auch noch falsch... knapp vorbei...
Passt schon ganz gut. Allerdings heißen die Manech tête noir!
So schon eher.... Ich lasse das erstmal sacken. Dann google ich nochmal (ohne vorher meinen Entwurf anzugucken).


Tassen mit Rassen kann man übrigens kaufen. Mehr zu Schafstassen hier (driftwool.de).


* Korrektur: Die Rasse heißt Manech tête noir! Zum Glück war diese Tasse eine Spezialanfertigung und meine falsche Schreibweise wurde noch rechtzeitig korrigiert!

***


Dieser Blogbeitrag wurde zusammen mit der roten Henne (aka der rote Raptor) geschrieben:






Mittwoch, 2. Oktober 2019

3. Oktober - Nationalstolz - wir haben aber sowas von den coolsten Nationalfeiertag!

Nationalfeiertag. Andere hüllen sich da in ihre Nationalflagge, singen inbrünstig die Hymne und sind ganz furchtbar stolz auf irgendwas. Ihren Pass oder so. 
Wir... sind eher nicht so stolz. Die einen sehen in ihrer Nationalität nix zum Stolz sein, die anderen sind ganz fürchterlich stolz und sagen das auch aber hinterher kommt 'darf man ja nicht sagen'. So ein Pfeffer! Meinungsfreiheit geht hier bei uns deutlich weiter, als die moralische Schmerzgrenze. Oder auch einfach die Spaßgrenze.

Also ich bin ganz, ganz fürchterlich stolz. Nicht darauf, deutsch zu sein. Ich würde meinen Pass auch eintauschen. Um Theresa May zu praphrasieren: Ich hätte gerne nicht nur einen EU Pass (was sie mit "citizens of nowhere" verunglimpft hat - für die, die von ihren Reden weniger mitbekommen haben) sondern einen "Citizen of everywhere" Pass.

Ich heiße mit Nachnamen Böhme. Das bedeutet, ein Vorfahre kam mal aus Böhmen woandershin und war dann halt "der Böhme". Böhmen ist in der Tschechischen Repubik. War aber mal Österreich Ungarn. Deutsch war's auch mal. Kriege, Hochzeiten und sicherlich auch die ein oder andere Wettschuld haben Grenzen verschoben.
Ich hab also irgendwie mehr oder weniger zufällig diesen Pass.
Und ich bin stolz.
Ich bin stolz auf die Leute in Deutschland. Auf uns. Dabei gibt es hier durchaus so einige, die ich für Volldeppen halte. Für die schäme ich mich und manchmal habe ich Mitleid.

Buhuhu wir dürfen nicht stolz sein, weil da diese "Geschichte" ist? Auf die kann man nun echt nicht stoz sein. Unser Umgang damit ist aber gar nicht sooo schlecht!
"Was haben wir da für eine Scheiße gebaut!" Reflexion, lernen, wachsen. Besser machen!
Anderen Nationen fehlt das ein bißchen...
Die weniger heldenhaften Taten der Vergangenheit werden gerne ausgeblendet und sind ja eh vergangen...
Ein Fliegenschiss in der Geschichte? Von wegen!

Ich bin jetzt hier mal ganz öffentlich stolz! Wir haben nämlich den coolsten Nationalfeiertag! Von allen!
Es gibt immer ein paar Reden von Politikern und alle (fast) haben frei.
(Da mal ein keines "Danke" zwischenrein an die, die nicht frei haben. Bauern, die... irgendwas machen, damit es auch nächstes Jahr wieder wächst; Busfahrer, die uns zu unseren Ausflugszielen kutschen; Rettungssanitäter, die uns aufsammeln, wenn bei unserem Freizeitspaß was schief geht.... )

Wir hauen uns an diesem Tag nicht selber oder gegenseitig auf die Schulter ob unserer wahnsinns Leistung.
Dabei gäbe es da einiges zu feiern! Erfolgreiche Wirtschaftsnation, recht gutes Sozialsystem, halbwegs funktionierende Demokratie (mehr politische Bildung wäre nicht schlecht aber das nur so am Rande):
Das ist schon was! Haben wir auch alle irgendwie unseren Anteil dran.
Und dann ist da noch 'Landschaft'. Haben wir auch einiges zu bieten. Und lustige Gerichte, regionale Bräuche, echt witzige Dialekte. Sagengestalten vom Feinsten:
Der Haarlecker aus der Pfalz, der nachts ein beklemmendes Gefühl in der Brust macht, weil er draufsitzt und der uns mit nassen Haaren aufwachen läßt. 
Rotkäppchen, die seit der Rückkehr der Wölfe wieder in aller Munde ist. Radagast der Braune aus dem Herrn der Ringe basiert auf einer slawischen Figur "von hier". Radeberg heißt nach dem. Also ist Radeberger Bier quasi ein Zaubertrank! 
Ein Prost auf unsere coole Sprache! Weltschmerz, Kopfkino, Fremdschämen!

Könnte man alles mal feiern.

Aber was 'wir' aus diesem Tag gemacht haben, ist der Hammer! Hintenrum irgendwie...

Ein freier Tag. Meist sogar mit nettem Herbstwetter. Großartige offizielle Feierlichkeiten gibt's nicht wirklich. Schulterklopfen für unseren Pass oder... irgendwas Obskures finden wir seltsam.  Also machen wir 'was Schönes'. Mit Freunden.
Seit ich auf Facebook bin, sehe ich abends am 3. Oktober immer Posts von Leuten, die genau das gemacht haben. Was Schönes mit Freunden. Und ganz oft sind das Ost-West Freundschaften. Oder auch solche zwischen Leuten mit verschiedenen Pässen.
(Manche reflektieren auch, wie ihr Leben so gelaufen wäre, würde die Mauer noch stehen.) 
Witzig übrigens, dass es Ost-West ist. West-Ost klingt doof. Dabei lesen wir von links nach rechts und auf der Landkarte ist Westen links. Aber im Osten geht die Sonne auf.... mmmhhhh)

Ohne Tamtam, ohne Ansage und ohne offiziellen Status haben wir einen 'Tag der Freundschaft' geschaffen.

Wir haben ja nix, worauf wir stolz sein können? Oh doch! 
Wir haben uns gefunden. Und wir starten jeden Tag neu. Von hier. Mit Lektionen aus der Vergangengenheit und Visionen für die Zukunft!
Miteinander! 

Leute: Macht was draus! Einfach nur "was Schönes". 

Was ich auch genial finde: Ich habe gerade googe fotos befragt nach einem Bild für diesen Beitrag. Suchbegriff "Grenze": Null Treffer! Dabei habe ich schon mal (psssst!) während der Fahrt fotografiert, als ich die Grenze nach Polen, in die Niederlande, nach Dänemark und in die Tschechei überquert habe. Weil ich es so geil finde, dass da nur steht, wie schnell naml fahren darf. Und ich finde es super, in "einem anderen Land" zu sein! Zum Thema Freundschaft hat der Algorithmus mir unter anderem dieses gebracht:

Die Freiwillige Feuerwehr Goldbach (?) beim Hexenbrennen



Genießt Eure Freunde! Habt Spaß!

Sonntag, 11. August 2019

Sheep can heal hearts - social competence in small ruminants

I heard the other day that the Navajo say that sheep heal hearts.
Sheep are social animals. That's not news. What many people don't know is that their leadership skills surpass those of primates (including humans).
One of my favourite topics: if you want to be an exceptionally good leader, don't lead like a lion. Lead like a sheep!
More about that and some research and anecdotes behind that later. And probably as a book.
Just now I... want to contemplate a thought I had. In English because I hope for lots of feedback and stories that people might be willing to share.

Let me start with a little background for readers who are not 'half sheep'...
Sheep are social. Sheep are flock animals. Which means they don't only need 'a mate'. They need a flock. Some people say three sheep are minimum, some say 15. I say: it depends. Every sheep needs to see other sheep. At all times. Or at least know that one is over there. Some sheep and some breeds of sheep (like Shetland sheep) are brave and clever and content. Others are flighty and easily scared (and often extremely clever too - to escape dangers!)
So an average sheep, as a flock animal, grazes with a little distance to others. They have good peripheral vision but a predator stalking them could still creep up. Every sheep looks out for them while grazing. To feel calm and safe a sheep wants to see other sheep being calm. Knowing that they are watching out too. Put simply: the more calm sheep (who are all constantly watching out for dangers) are in one individual's field of vision, the safer the world is.
If one sheep in a flock is suddenly alert but lots of others are still calm, one individual who sees the alert sheep will not panic. But if a critical mass of others stop grazing and look up, it will look up too. (In case the first one sees danger that nobody else sees, she will give a warning whistle!)

OK. So that's sheep behaviour in a nutshell to set off what I was wondering about the other day.

To go and sit with my sheep is soothing. They ground me with routines I do and they go with the seasons. That connects me. They are good for heart and head. Lambs having fun are great to watch. Sheep are good for calming the mind. Most animals are. A dog will come and try to make you smile. Dogs often seem to apoplogise when we seem sad or angry. Sheep don't do that.

On a normal day when I sit with my sheep they do what they do. Graze or chew cud or bounce over the pasture. But when I am really, really sad and the world gets too much they... come and lie at my side. They lie down close by and chew cud and are as relaxed as only sheep can be. Not just one. Enough to be a critical mass.
And the place I sit down is not one they normaly lie.

Sheep are extremely good at reading other species' thoughts. Neighbours cat out walking? Fine. Neighbour's cat in hunting mode? Whistle. A dog on a walk? Fine! Sheepdog? Stand to attention! Same with me when I have a knife in my pocket to trim feet. I can't pretend innocence enough to fool a sheep! Lying to a human is comparatively easy, lying to a sheep impossible. Sheep can be lead with heartfelt confidence but not with insecurity in a pretend shell. Watch a real shepherd with a huge flock!

So this is what I thought the other day: it is not a coincidence! Sheep are not only soothing because they give structure to a day and force us out from under the blanket where we would love to hide. It is not only soothing because we watch gentle creatures being content and chew cud. I am convinced they do this on purpose. When I am sad and feel lost they make it so that I see as many of them as possible being content and calm. Not trying to cheer me up. Just saying - very clearly -  that all is well for now!

Sheep can heal hearts

Maybe there's a lesson here for us.


Any anecdotes or moments you are willing to share: please do so! Either as a comment here or drop me an email.
books(at)driftwool.de