Mittwoch, 13. März 2019

Genau die richtigen Worte finden...

... ist eine Kunst! Dies ist der Anfang eines Buches über Wissenschaft. In dem es darum geht, dass dieses wissenschaftliche "Auseinandernehmen" der Welt ihr nichts von ihrem Zauber nimmt. 

“We are going to die, and that makes us the lucky ones. Most people are never going to die because they are never going to be born. The potential people who could have been here in my place but who will in fact never see the light of day outnumber the sand grains of Arabia. Certainly those unborn ghosts include greater poets than Keats, scientists greater than Newton. We know this because the set of possible people allowed by our DNA so massively exceeds the set of actual people. In the teeth of these stupefying odds it is you and I, in our ordinariness, that are here.We privileged few, who won the lottery of birth against all odds, how dare we whine at our inevitable return to that prior state from which the vast majority have never stirred?” 
― Richard Dawkins, Unweaving the Rainbow: Science, Delusion and the Appetite for Wonder


Mir fällt da nur ein: Hammer! Wow! Wie macht er das? Ist das nicht schön? Und: DAS will ich können!

Montag, 4. März 2019

der Geruch des Nordlichts....

Das hier... ist der Geruch der Hjaltland. Der Fähre nach Shetland.

Nordlicht - Mirrie dancers

Schon witzig, wie Erinnerungen funktionieren und Zeug miteinander verbinden!
Ich hab es mir neulich gemütlich gemacht, hab mir die Flute genommen und in Erinnerungen geschwelgt. Mal gucken, welche Tunes mir einfallen, wenn ich an alle möglichen Orte und Menschen denke, an und mit denen ich Musik gemacht habe.
Toronto, vor vielen, vielen Jahren hat "the thing that I saw is gone" und die Erinnerung an einen sehr sympathischen (und gutaussehenden) Box-Spieler.
An meinen Radio-Auftritt! Was war ich aufgeregt! (Ich hab da "nur" gesprochen aber das reichte!)
An ein deutsches Lied aus den 20ern, das ein Engländer gesungen hat, der gar kein deutsch kann. Hat er sich rausgehört. Witziges Lied! In meiner Erinnerung ist es "Tante Erna liegt im Bett und ißt Tomaten". Google sagt, dass wäre Tante Paula gewesen.
Dann sprangen die Erinnerungen nach San Francisco und zu einem Tune, den wir "den San Francisco Slide" nennen, obwohl es ein schottischer Jig ist und weiter nach St. Andrews und ... irgendwie auch Charlie Chaplin. Weil mich ein Freund aus San Francisco mal besucht hat und ich ihn in Potsdam auf einer Session abgeholt habe, die in einem Hotel stattfindet, in der Charlie Chaplin mal Gast war. Wir hatten die Idee, mal alle Tunes zu spielen, die mit Bauernhoftieren zu tun haben. Das sind echt viele! In St. Andrews hat die Flute Spielerin vorgeschlagen, wir könnte doch mal alle Tunes mit "Schaf" im Namen spielen.

So schnell, wie sich Erinnerungen vernetzen, kann ich gar nicht spielen!

Wroclaw verbindet sich mit Shetland, Orkney mit Barcelona und das Nordlicht auf den Lofoten mit Northumberland und dem Geruch eines Schiffes!
So riecht aber auch sonst keins! Doch, die anderen Schiffe auf der Linie riechen genauso aber sonst keine. Und ich war ja durchaus auf vielen Fähren unterwegs...

Ich hab das gar nicht gemerkt. Erst letztes Jahr. Bis dahin dachte ich, das wäre das Waschpulver einer Freundin, die mir Swifts Hundedecke gewaschen hat. In Northumbria. Dieser Geruch ging aus der Hundedecke gar nicht mehr raus. Da hingen ganz besondere Erinnerungen dran. Und bei unserer ersten Begegnung hat sie ein Tunebuch rausgeholt und wir haben zusammen was draus gespielt. Starry nights in Shetland. Zweistimmig. Klang total nett und wir haben überlegt, ob das in Shetland wohl jemand kennt oder ob das ein Tourist in Erinnerung geschrieben hat... Und DAS habe ich dann auf den Lofoten gespielt und das Nordlicht hat dazu getanzt. Sehr cool!
Die Erkenntnis, dass der Geruch von der Fähre kommt, hat das alles verknüpft und jetzt riecht das Nordlicht wie ein Walzer aus Shetland klingt und lässt mich an Fransje und Peter denken.

War ne lange Nacht mit schönen Erinnerungen!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Entweder man hat zuviel Schafe oder zuwenig.....

Letztes Jahr hatte ich die Idee, mal eine Infographik zu machen über Farben und Abzeichen beim Shetlandschaf. Dazu hab ich Schafe als Vektorgrafik gezeichnet. Die aber nicht gar so sehr wie Shetlandschafe aussahen. Also habe ich probiert. Als ich dann Shetlandschafe "konnte", war der Ehrgeiz erwacht, die Besonderheiten anderer nordischer Schafe herauszuarbeiten. Und dann die von "nicht-nordischen".

Boah! Da kann aber auch eine Sammelleidenschaft erwachen! Dann sollten Poster draus werden. Dafür fehlt dann garantiert eins. Und wenn man gerade so schön dabei ist, hat man mit einem mal drei zuviel!
Aber jetzt ist es entschieden! Ab morgen gibt es Poster! Eins mit "Wikingerschafen" und eins mit allen möglichen Schafen. Und diese drei sind beim "Schafe-Poster" nicht dabei:

Driftwool Schafe

Zuviele Schafe habe ich auch gerade hinter dem Haus stehen. Fast. Noch nicht wirklich zuviele aber die Kapazitätsgrenze ist erreicht bei einem Sommer wie dem letzten. Der Nachbar hat mir seine Wiese dazugegeben und da dachte ich noch, das würden die nie schaffen! Viel zu wenig Schafe! Dann hat es gerade so gereicht. Deshalb steht da jetzt auch kein Bock dabei. Ein Frühjahr ohne Lämmer - das bereue ich jetzt schon!




So ein paar lumpige Litzen habe ich übrigens nur hier um den Auslauf am Haus. Der grenzt an ein eingezäuntes Grundstück und ist mitten im Dorf. Das eingezäunte ist allerdings nicht meins und  dieses niedliche braune Shetlandlamm mit der supertollen Wolle hat gelernt, wie man sich da durchfädeln kann. So, daß nur die dicke Wolle an den Draht kommt. OK - ich habe übersehen, daß die untere Litze aus einem Isolator gerutscht ist aber ich glaube, die hat das jetzt einfach raus.
Kluge, unerschrockene Schafe sind praktisch. Kann man herrlich einfach trainieren. Dummerweise lernen die auch jeden Unfug schneller, als man so denkt! Jetzt steht da noch ein Netz. Mit ordentlich Wumms drauf!

Montag, 7. Januar 2019

Hunde haben uns menschlich gemacht...

... dogs have made us human...
"human" ist in dem Fall "menschlich" und gleichzeitig "zum Menschen". Das ist eine der faszinierendsten Theorien, die ich zum Hund gelesen habe. Schaut man in die Frühgeschichte und guckt, wann der Wolf zum Hund wurde, hat man ein Problem: In Knochenfunden kann man erst dann einen "Hund" erkennen, wenn er sich morphologisch vom Wolf entfernt hat.
Es gibt Forschungsgruppen, die mit DNA-Analysen zurückgerechnet haben, wann der Wolf zum Hund wurde.

Was nach ihrer Berechnung zu der Zeit war, als Homo erectus zu Homo sapiens wurde. UndHomo sapiens zeigt ganz deutliche "Domestikationsmerkmale".
Wer war das? Wer hat uns domestiziert? Man nimmt an, dass wir das selber waren.
Diese Forschergruppe wirft allerdings den Gedanken in den Raum, dass es der Hund/Wolf war. Wir die - und die uns. Gegenseitig.
(Ich finde den Gedanken ganz sympathisch aber man muss dabei beachten, dass sich völlig utopische Divergenzzeiten ergeben, wenn man die aus der genetischen Distanz von Haustieren so berechnet, wie bei natürlichen Populationen. Schweine beispielsweise wurden "kurz" nach den Schafen domestiziert. Das mit den Schweinen ist so 9.500 Jahre her. Die berechnete Divergenzzeit zwischen einzelnen Schweinerassen liegt aber bei MILLIONEN Jahren.)

Eine andere wissenschaftliche Erkenntnis: Unser Unterbewusstsein ist klüger als unser Bewusstsein. Da gibt es einen Versuch, über den ich bestimmt schon mal geschrieben habe: Eine Gruppe Studenten als Versuchskaninchen. "Gehen Sie in diesen Raum und suchen Sie sich aus den Postern, die dort hängen, eines aus. Das dürfen Sie dann behalten." Eine Gruppe bekam wenige Sekunden Zeit. Rein, aussuchen, raus. Die andere bekam viel Zeit und die Aufgabe, ein Essay zu schreiben, in dem sie ihre Entscheidung ausführlich begründen. Nach einem Jahr wurden alle Studenten befragt: Wer hat das Poster immer noch?
Die "Bauchgefühl-Leute" fanden es immer noch geil. Die anderen hatten recht schnell gemerkt, dass sie es dann doch nicht so toll fanden.

Das ist keine "Herz/Bauch gegen Hirn" Entscheidung. Das ist beides Hirn. Nur, dass man - vereinfacht gesagt - nicht alles im großen Referenzsystem abspeichert. Wichtige (erkennbar wichtige) Informationen werden mit entsprechenden Etiketten in entsprechende Schubladen gelegt und Querverweise erstellt. Damit wir sie jederzeit rausholen und auf andere, ähnliche Situationen übertragen können.
Was dagegen so aussieht, als wäre es unwichtig, einmalig, überflüssig, landet nicht in diesem System. Gespeichert wird es trotzdem.
Das "Unterbewusstsein" hat mehr Informationen. Erinnerungen, die wir als "Geruch" gespeichert haben und solche, die wir mit einer "Farbe" assoziieren. Wir  haben so viele Erfahrungen, dass wir sie nicht alle kategorisieren können.
Die stehen nur zur Verfügung, wenn wir so unentschlossen sind, dass wir eine Münze werfen. Und uns entweder sehr freuen über das Ergebnis oder sehr enttäuscht sind.

Mit den Schubladen im Hirn jetzt wieder zurück zu Hunden: Mit Hunden ist es manchmal wie mit dieser Schublade bei der Oma. Die "unsortiert" Schublade. Da sind Schnippsgummis drin und komische Küchenwerkzeuge, von denen niemand weiß, wofür sie gut sind. Und eine kleine Schachtel mit Stiften und ein alter Anstecker, von dem die Anstecknadel abgefallen ist und so eine kleine alte Spieluhr und ein altes Foto, auf dem man niemanden kennt....
KEINE Schublade ist so faszinierend wie diese! Man muss nicht wissen, was das alles ist und erst recht nicht, wie es funktioniert oder "wofür das gut sein soll". Es ist einfach toll.
So sind Hunde.

Manchmal hilft nix. Da braucht man einfach einen kleinen Welpen.



Eigentlich wollte ich was anderes schreiben. Über Hunde. Da kam mir mein Vater mit seinem Welpen dazwischen. Was ich über MICH und Hunde schreiben wollte, bezieht sich auf eine Anekdote von Konrad Lorenz oder Eberhard Trummler. Und zwei benachbarte Hunde. Die haben sich jeden Tag durch den Zaun beschimpft. Sind von einer Seite des Grundstücks zur anderen gerannt. Immer am Zaun lang. Schimpfend und drohend. "Ich würde dich platt machen!"
Bis.... eines Tages ein Stück Zaun fehlte und sie sich gegenüber standen. Da haben sie gestutzt. Und sind blitzschnell dahin zurück gerannt, wo noch Zaun war! Und haben sich weiter angebrüllt! "Ich würde dich platt machen! Wenn nur der Zaun nicht wäre!" 
Ich will jetzt niemanden platt machen. Aber zurück hinter den Zaun rennen, kommt mir sehr bekannt vor. Das geht gegen alles, was das Herz sich wünscht und trotzdem - oder gerade deswegen - traut man sich nicht....
Und jetzt, wo ich mich dabei ertappt habe, muss ich schon auch lachen! So'n bisschen. Über mich selber. 


Zwei Seehunde. Ohne Zaun. War das passendste Bild, das ich finden konnte 

Aber gut zu wissen, dass da diese Lücke ist. 

Donnerstag, 3. Januar 2019

Ich schmeiß alles hin!

Verdammter Mist! Ich krieg das nicht hin!
Wenn man alleine arbeitet, muß man das auch alles alleine hinbekommen und ich komm nicht weiter!
Ich kann keine Geschichte erzählen, ohne die Geschichte zu erzählen...

Und da ich keinen habe, bei dem ich mich damit mal ausheulen kann, heule ich halt hier! Manchmal hilft Schimpfen!

Also: Ich war unterwegs auf den Spuren der Wikingerschafe. Und habe lange überlegt, da ein Buch draus zu machen. Nur das Konzept wollte nicht so recht entstehen.
Ein reines Sachbuch über die nordischen Schafe? Das ist doch grottenlangweilig!
Außerdem kann man über Schafe erstaunlich wenig wirklich sicher sagen!

Nicht mal, ob die nun wirklich ausschließlich vom Mufflon abstammen. Nicht mal, wie das Mufflon systematisch einzusortieren ist. Oder wieviele verschiedene Arten von Wildschafen es gibt. Wie die Rassen des Hausschafes miteinander verwandt sein? Wie sie wann von hier nach da kamen? Alles vage. 

Unsere ersten domestizierten Tiere nach dem Hund und die, die unsere Gesellschaft und Geschichte mehr geprägt haben, als alle anderen. Von Religion über die industrielle Revolution bis zur Biotechnologie. Also spannend ist das schon. Aber nicht in einem Sachbuch, in dem man zu Vielem nur spekulieren kann. Oder abschreiben von nur einer Quelle, in der jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt mal dachte, er/sie wüßte was....

Andererseits ist da die Reise. Zu Menschen mit alten, nordischen Schafen. In eine Landschaft, die mit etwas Wissen über Schafe und unsere gemeinsame Geschichte viel mehr Sinn macht. Ein paar Abenteuer und lustige Begebenheiten und tolle Menschen.

Das zu vermischen war eine Idee, die mir gefallen hat. 
Verlage haben lieber Bücher, die man EINEM Regal im Buchladen zusortieren kann. Reise- oder Sachbuch?
Als Leser sehe ich das anders. Ich lese echt gerne Sachbücher. Nur sind die oft zäh und wenig unterhaltsam geschrieben. "How to" - also Anleitungsbücher - sind da meist besser zu lesen als Bücher, die (populärwissenschaftlich) Wissen vermitteln.
Reisebücher hab ich auch einige. Und fast keines weiter als bis zur Hälfte gelesen. Da passiert zwar immer was anderes aber eigentlich auch nicht. Eigentlich passiert immer wieder das Gleiche, nur anderswo...
Bücher, in denen einen der Autor tief in sein Innerstes blicken läßt und in denen seeehr private Dinge erzählt werden, bleiben spannend. Aber das sind wenige und sowas muß man auch schreiben (und veröffentlichen!) wollen!
Bill Brysons Reise durch Europa ist da eine große Ausnahme. Das ist extrem unterhaltsam (und interessant), ohne privat oder gar exhibitionistisch zu werden. Es geht ja gerade darum, was jeweils ANDERS ist.
Auch seine "Short History of Living at Home" hab ich nicht nach der Hälfte weggelegt. Und ein klein wenig ist auch das ein Sachbuch, das die Themen im Rahmen einer Reise aufnimmt. Wobei die Reise "nur" eine Reise durch sein Haus ist.
Douglas Adams "Last Chance to see": Das ist doch herrlich! Ein Vor-Ort Blick eines neugierigen Aussenstehenden. Der die Skurrilität sieht, die die Forscher vor Ort für normal halten oder die sie einfach deshalb nicht veröffentlichen, weil sich das in einer wissenschaftlichen Publikation nicht so gut macht...

Mir gefällt das immer noch gut. Den Leser mitnehmen auf eine Reise. Die auch eine Reise in die Vergangenheit ist und ein klein wenig eine Reise in die Wissenschaft. Herrjeh! Ich hab einen der Erfinder von Dolly dem Klonschaf auf ner Session getroffen! (Wobei genau das gar nicht vorkommen wird. Diese Begegnung war mir aus anderen Gründen wichtig.)

Aber es wird nicht rund. Also eigentlich ist es "rund". Prinzipiell sogar die klassische "Heldenreise", in der jemand aufbricht mit einer Aufgabe, unterwegs viele Abenteuer erlebt und sich im Laufe der Reise ändert. Die äußere Reise wird auch eine Innere und am Ende ist er/sie wieder zu Hause. Da geht es dann meist um die "eigentliche" Frage. Eine, die nur durch die Wandlung bzw. das "Wachstum/die Reife" beantwortet werden kann.

Ich bin überzeugt, daß das gut werden kann. Eine gut erzählte Geschichte, in der historische und wissenschaftliche Themen alles andere als ein langweiliger Einschub sind sondern auch dem Leser einen spannenden, "anderen" Blick auf diese Gegenden, auf uns und auf Schafe ermöglichen.

Kann
Könnte
Kann ich nicht...
Kleine Zettel mit Kapiteln und Themen hin- und herschieben hilft da auch nicht.


Ich könnte das alles in die Tonne treten. Und heulen...


Donnerstag, 20. Dezember 2018

Stricksack: Regionale Wolle, tolle Mütze

Beim Thema Wolle ist bei mir das Schaf im Fokus: Gute Haltung und tolle Wolle am Schaf.
Von "um die Ecke", über die Isle of Man, Fair Isle und die Hebriden bis auf die Lofoten habe ich mit Schäfern und Wollproduzenten, Textildesignern und Strickern geredet und viel gelernt über Schafe und Wolle.

Und dann habe ich Susanne getroffen, die Wolle von meinen Schafen verarbeitet hat. Susanne ist "Tüftlerin". Welche Wolle wofür? WIE verarbeiten, um das Beste aus dem Material herauszuholen? Sowas...

Daraus ist ein spannender Austausch geworden! Wir haben beide einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Vom Schaf bis zum Produkt. Und siehe da: Man kann das kaufen! Regional produzierte Strickwolle, die hervorragend ist und aus sehr guter Tierhaltung stammt! Man muß nur wissen, wo! Und ne Idee haben, was man draus macht. Und das Werkzeug dafür haben.

Und genau das haben wir zusammengepackt. Im Stricksack!


Stricksack: Regionale Wolle, besonderes Design


Regionale Wolle, Werkzeug, Strickanleitung. In einem Paket verschnürt, mit dem man sofort mit dem Selbermachen loslegen kann.

Jeder Stricksack kombiniert die Region, aus der die Wolle stammt, mit einer anderen Region: Die, aus der die Stricktechnik stammt. Die Vielfalt unserer Welt und die Besonderheit des Regionalen!

Der erste Stricksack enthält Wolle aus dem Erzgebirge (Schäferei Drutschmann) und der Oberlausitz/Niederschlesien (Rieger).
Da denkt man an Lausitzer Karpfen und buntzlauer Keramik. Und daraus ist das Mützen-Design für diese Wolle entstanden:

Fair Isle trifft Buntzlauer! Und Karpfen!

Stricksack Sachsen: Der Nischelwärmer! 

Den Stricksack gibt es regional in ausgesuchten kleinen Läden und bei Cara Sheep.


Wer in der Ecke ist ist und wissen will, warum gerade diese Wolle im ersten Stricksack ist: Einfach mal bei Schäferei Drutschmann vorbeischauen! 
Kennengelernt habe ich die, weil ich dort meine Wolle kardieren lasse.  Ich hatte verschiedene Schattierungen von Grau. In Kleinstmengen. Da war klar, daß das zusammengeworfen wird. Was ich zurückbekommen habe waren ... Schattierungen von Grau! Weil  Frau Drutschmann davon genauso begeistert war wie ich. Da finden sich technische Möglichkeiten!
Diese Achtung vor dem Rohmaterial (und den Tieren) merkt man auch an der Strickwolle, die man von Drutschmanns Herde kaufen kann! 
Die Hautpherde sind Merinolandschafe und Gebrauchskreuzungen, die Landschaftspflege im Erzgebirge betreiben. Daneben eine kleinere Herde Skudden. Schäferei mit kontrolliert biologischer Tierhaltung, Wollscheune mit interessanten Workshops und ein schnuffeliger Hofladen.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Ist Wolle wirklich was Schlechtes?

In diversen Medien stolpert man immer wieder darüber, daß Wolle schlecht ist. Schafhaltung überhaupt. Die Tiere werden mies gehalten, bei der Schur gequält, auf grausame Transporte geschickt und für's Klima sind sie das Letzte!

Aufrufe zum Boykott von Wolle kommen nicht nur von Organisatonen, die kein vernünftiger Mensch ernst nehmen kann, sondern auch von welchen, die eigentlich einen guten Eindruck machen. Die Albert Schweitzer Stiftung finde ich da besonders enttäuschend.
Leute: Wo habt Ihr Eure Informationen her?
Ich bin ja nun viel unterwegs in Sachen Schaf und kenne viele Betriebe. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Norwegen, Schottland, England, Irland,....

Wie kommt es, daß ich ein ganz anderes Bild habe?

Edit: Ich wollte eigentlich was anderes über Wolle schreiben und bin abgedriftet... Dabei habe ich für den anderen Blogbeitrag extra ein Bild geknipst. Ich war zum Tag des offenen Handwerks auf einem Hof (Schäferei Drutschmann, die für mich immer die Wolle kardieren) und mußte einfach Strickwolle mitnehmen und ausprobieren. Die Wolle ist super! Die Mütze ist von der Shetland Wool Week vor ein paar Jahren . Die ist auch gut. Und mein Fotomodell posiert auf einem Schaffell aus Brandenbug und einer Wolldecke aus Norwegen. Wer das Ensemble nachbauen will: Das Kissen ist frei Schnauze gestrickt, das Sofa Massenware von Ikea, der Hund einmalig.) 




Zurück zu Lück:

Fachinformationen zu Klima, CO2-Bilanz, Produktionsbedingungen etc. findet man im Internet. Die Fachartikel und offiziellen Statistiken bestätigen mein Bild.

Natürlich gibt es schwarze Schafe - auch unter den Schäfern.

Unfair wird es, wenn in den Medien solche Vorkommnisse als globale Normalität präsentiert werden. Noch schlimmer, wenn in den Artikeln eine andere Information angehängt wird, die damit gar nichts zu tun hat. Ein Beispiel: Ein Bericht über miese Tiertransporte. Und im Anschluß die Information, daß täglich soundsoviele Tiere von Schottland nach Nordirland gebracht werden. Da beschließt die Fährgesellschaft schnell mal, daß sie das nicht mehr macht. Öffentlicher Druck. Man tut was für's Tierwohl.
Wirklich? Ich finde es sinnlos, Tiere sonstewieweit zu transportieren, um sie dann DORT zu schlachten. Es gibt Tiefkühltruhen. Aber was ist mit Jungtieren, die auf Irlands grünen Weiden wachsen sollen? Was mit Zuchttieren? Hat der miese Transport aus dem Anfang des Berichts irgendetwas zu tun mit den Tieren auf der Fähre? Außer, daß es um 'Tiere unterwegs geht'? Das ist schlechter Journalismus. Billige Stimmungsmache, die niemandem etwas bringt.

Unsere Gesetze in der EU sind realitv streng. Die dürfen gerne noch strenger werden. Aber darum geht es in solchen Artikeln nicht. Es geht um Stimmungsmache und als 'Verbraucher' beschließt man dann, dieses oder jenes nicht mehr zu kaufen, weil man Schlechtes gelesen hat. Manchmal hat man Schlechtes über was ganz anderes gelesen aber wurde manipuliert...

Natürlich gibt es Länder, in denen die Tierschutzstandards viel zu niedrig sind.
Will ich mit dem Kauf meiner Klamotten kein Tierleid verursachen, was bleibt mir? Ich kann auf Wolle verzichten. Aber was dann?

Kunstfaser-Textilien sind nicht sooo weit hinten in der Statistik zum Plastikverbrauch (der weitaus größte Teil wird für Verpackungen und Baumaterialien verwendet). Wenn es um Mikroplastik im Wasser geht, sind Klamotten weit vorne. Bei jedem Waschen geht davon einiges ins Wasser. Aus Umweltgesichtspunkten also auch nicht super.

Dann ist da Baumwolle. Monokulturen, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, manchmal auch von Entlaubungsmitteln, Aufbereitung und Färbung mit giftigen Stoffen... dazu in einigen Ländern niedrige Standards zum Gewässerschutz vor diesen Stoffen und erst recht niedrige (oder gar keine) zum Schutz der Arbeiter. Und das sind oft Kinder, die da in der Giftbrühe stehen. So pauschal besser wirkt das nicht.

Seide: Die armen Seidenraupen! OK, das Argument ist nicht meins... die werden nachher Hühnerfutter und die Hühner ernähren eine Familie... Seide ist nun aber nicht gerade das Material, aus dem man sich eine warme Wintermütze macht.

Leinen und Hanf: Da findet man tatsächlich wenig Schlechtes. Überwiegend scheint Hanf und Leinen unter ordentlichen Bedingungen produziert und verarbeitet zu werden.
Bei Klamotten aus Leinen und Hanf hat man eine gute Chance, keine Umweltsau zu sein. Auch ohne so ganz genau hinzugucken.

Ansonsten kann man das nicht so pauschal sagen.

Wolle als Faser ist genial. Würde das jemand erfinden, würde er sich mit dem Patent eine goldene Nase verdienen. Oder zwei. Wärmt auch, wenn es nass ist. Macht perfekten Temperaturausgleich, stinkt nicht gleich...
Wollklamotten halten lange und danach sind sie recyclebar (nur 1,3% textiler Fasern sind Wolle aber beim Anteil an recycelten Fasern macht Wolle 5% aus) oder einfach biologisch abbaubar. Man muß Wollzeug nicht so oft waschen und wenn, dann wird da kein Mikroplastik frei.

Der "Anbau", wenn gut gemacht, erhält nicht nur artenreiche Habitate, die mehr CO2 binden als durch die Schafhaltung freigesetzt wird: Schafhaltung kann solche Habitate sogar erschaffen!
Weidehaltung von Schafen und Rindern verdient eine bessere Berichterstattung! Man könnt ja meinen, pupsende Kühe wären unser größtes Klimaproblem. "Die Rinderhaltung" sind nicht (nur) Mastbetriebe/Feedlots mit Rindern, die mit genmanipuliertem Futter von abermillionen Hektar überdüngter und gespritzter Monokultur gefüttert werden. Nicht mal in den USA ist das so und bei uns erst recht nicht! Klimaneutral und klimapositiv (also mit negativer CO2 Bilanz) ist nicht nur möglich sondern auch gut etabliert!

Die Schafhaltungen, die ich kenne, sind tiergerecht und umweltfreundlich. Einige Betriebe stechen da nochmal heraus, weil sie besonders gut sind, besonders wichtige Habitate pflegen und/oder alte Rassen erhalten.

Fjordlandschafe. Spaelsau auf Sylt. Sie erhalten u.a. Küstenheide und Salzwiesen.

Es gibt viele, viele Betriebe, mit deren Wolle würde man rundum Gutes tun. Für die Umwelt, für die Artenvielfalt, das Klima, traditionelle Landnutzung, Erhalt von Kulturerbe und Naturerbe,...

Aber auf dem Wollpuli im Klamottenladen steht das nicht drauf. Es gibt Siegel. Gibt es auch bei Baumwolle. Aber was bedeuten die? Da gibt es immer zig verschiedene und alle klingen toll...

Was bleibt mir übrig beim Klamottenkauf? Ich gehe ja nicht gerne einkaufen. Ich gehe nicht mal gerne Schokolade kaufen! Der schnelle, billige "Kick" eines neuen Teilchens ist nicht so meins aber rein unter den Gesichtspunkten Tierwohl, Umwelt, Nachhaltigkeit:

Kunstfaser für Klamotten, die man lange behalten wird und besonders für solche, die nicht ständig gewaschen werden müssen. Diese tollen, superwarmen Jacken mit Hohlfasern, die so gut wie nix wiegen und irre teuer sind! Die sind leider nicht hart im Nehmen. Ein Hoch auf moderne Kunststoffe, Klebstoffe und Flicken!


 Ebenfalls unverzichtbare Kunstfaserklamotte: Der gute alte Friesennerz!

Funktionswäsche aber lieber aus Wolle oder mit Wolle. Von Firmen, die einen Anspruch haben. Ortovox zum Beispiel. Die haben auch Tencel entwickelt. Die einzige (?) Kunstfaser, die unter Umwelt- und Nachhaltigskeitsaspekten entwickelt wurde.

Baumwolle: Keine Ahnung. Es gibt da ein Biosiegel. Und Fair Trade. Ob das was aussagt? Besser als ohne Siegel vermutlich...

Wolle: Funktionszeug gibt es von Firmen "mit Anspruch'.  Im großen und im Kleinen. Ich glaube, man hat bessere Chancen halbwegs nachhaltig zu handeln, wenn man Wolle kauft. Irgendwelche. Im Vergleich mit "irgendwelcher Baumwolle" oder "irgendwelcher Kunstfaser". Aber gerade bei Wolle geht es "richtig gut"!

Mein Anspruch ist da natürlich besonders hoch.