Samstag, 17. November 2018

Der Preis von Wolle -1814 in Schottland

Ist jetzt nicht wirklich nen Blogbeitrag wert aber ich vergnüge mich gerade mit nem alten Report aus Schottland. Interessanterweise liest sich der Text gar nicht altmodisch. Man muß aber dauernd Kopfrechnen!

When the snow is so deep as completely to cover the herbage, about two stones avoirdupois of hay are allowed to a score of sheep daily

Wieviel Heu bekommt ein Schaf pro Tag?

it appears that the medium price of white (unsmeared) wool, for a number of years past, may be about 8s. 8 d. per stone,” of 16 lb. of 23 ounces, or 4½ d per pound avoirdupois

Wenn man das jetzt noch umrechnet in heutigen Geldwert bezogen auf Löhne, kommt man auf ca. £38 pro Vlies vom Scottish blackface. Man kann aber auch anders umrechnen auf heutigen Geldwert und landet zwischen £4,40 und £124. Da ist es auch egal, wieviel Geld pro wieviel Gewicht das damals war...

Shetlandwolle - einfach, damit hier ein Wollbild ist

Auch interessant:

These sheep were first introduced into the West Highlands of Scotland, about the year 1762, and were soon found far more profitable than cattle for the higher parts of the country. It does not belong to this part of the work to give any account of the change which this stock produced upon the population of the Highlands, [...] One thing is indisputable; a much greater value of mutton and wool, than of beef, was speedily obtained from the higher grounds. The best interests of the nation at large, as well as of proprietors, were therefore promoted by this change.

Das klingt ja schon so, als ob der Autor zumindest bemerkt hat, daß da ganze Landstriche entvölkert wurden... darüber zu schreiben traut er sich nicht... Das ist ein Report an die Regierung. Und vorsichtshalber betont er noch, daß das ja zum Besten der Nation und der Landbesitzer ist...


General Report of the Agricultural state, and political Circumstances, 1814


Wie man damals kastriert hat schreib ich jetzt nicht. Aber küssen wollte man so nen Schäfer vermutlich nicht an den Tagen...



Sonntag, 11. November 2018

Rassestandard Skudde - großartige Neuigkeiten!

Eine gute Skudde hat keine falsche Farbe mehr!

Warum ist das eine wichtige Neuigkeit? Was sind überhaupt Skudden? Was bedeutet so eine Änderung und warum freue ich mich darüber?

Die Fakten: Der VDL - der Verband deutscher Landesschafzuchtverbände - hat Anfang September 2018 beschlossen, den Rassestandard der Skudde zu ändern. Es sind nun alle Farben zugelassen.

Es liegt nun an den einzelnen Verbänden, ob sie diese Änderung übernehmen. Oder nicht. Der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg beispielsweise hat die Änderung im Oktober übernommen.

Der erste gekörte Bock in einer "Sonderlackierung":
Atilla, aus Herdbuchzucht in Sachsen. Gekört in Brandenburg mit 8/7/7 (Wolle, Bemuskelung, Erscheinung). Light Badgerface

Skudde light badgerface
Light Badgerface, Skudde, gekört 2018


Skudden

Skudden sind die kleinste deutsche Schafrasse. Ursprünglich in Ostpreußen zu Hause, sind sie heute beliebte Schafe bei Hobbyhaltern und in der Landschaftspflege. Sie sind eine alte Rasse. Das Schaf des kleinen Landmanns und vermutlich auch eines der Schafe der Wikinger.
Und schon tausende von Jahren vorher gab es Schafe dieses Typs.
Sie sind Kulturerbe und als alte Rasse eine wichtige Genreserve.
Daß sie so klein sind bedeutet nicht, daß sie eine Zwergzüchtung sind. Sie haben einfach noch die Größe, die Schafe früher (ganz früher) hatten.
Daß sie klein sind bedeutet aber, daß sie als Fleischrasse unwirtschaftlich sind. Ihre Mischwolle ist für industrielle Verarbeitung nicht interessant.
Dadurch sind sie selten geworden. Sie sind eine gefährdete alte Nutztierrasse und in einigen Bundesländern wird ihre Haltung gefördert.

bunte Skudde im Herdbuch
Rehlein. Im Vorbuch eingetragen


Der Standard

Der Standard der Skudden ist relativ jung. So ca. 50 Jahre ist er alt.
Mit der Erstellung eines Standards können verschiedene Züchter gemeinsam auf ein Zuchtziel hinarbeiten. Vereinfacht gesagt: Man einigt sich, was man will und hat ein definiertes gemeinsames Ziel.  Geschulte Leute der Verbände überprüfen die Tiere und bewerten sie danach, wie nah sie diesem Idealbild kommen.
Die Zucht nach Standard und im Verband ist generell eine eher neue Erfindung. Die frühesten Standards stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Ein Standard beschreibt ein Ideal. Ein Ziel. Er beschreibt nicht, was existiert. Sonst müßte man nur einfach Schafe vermehren und nicht gezielt züchten.
Bei "neuen" Rassen sind das meist wirtschaftliche Ziele. Da will man mehr Fleisch, feinere Wolle, mehr Lämmer pro Muttertier... Man legt also Ziele fest, die man zukünftig erreichen will.
Bei alten Rassen ist das etwas anderes. Da will man etwas Altes bewahren. Trotzdem spielen da Ziele mit hinein. Manchmal versucht man zu erraten (oder aus Quellen abzuleiten), was die früheren Züchter dieser Rasse wohl für Ziele hatten.
Standards sind wie gesagt Zielbeschreibungen. Manchmal müssen die angepaßt werden. Zum Beispiel, weil die Beschreibung der Ziele nicht eindeutig ist.
Bei Skudden stand früher im Standard, daß sie kleine Ohren haben. Jetzt sind die Ohren laut Standard mittelgroß.
In Punkto Farbe hat der Standard weiße und ungescheckte, einfarbig  braune und schwarze Tiere zugelassen. Wohlgemerkt als ZuchtZIEL. Nicht als Beschreibung der existierenden Farben.
Jetzt läßt der Standard alle Farben zu!

bunte Skudde im Herdbuch
Ophelia, im Vorbuch eingetragen mit gekörtem Deckbock

Vorteile der Änderung

Meiner Meinung nach sollten bei einer alten Rasse - Kulturerbe und Genreserve - auch alte Farben erhalten werden.
Das war im Herdbuch bisher nicht möglich. Die Freunde "bunter" Skudden haben außerhalb des Herdbuchs gezüchtet.
Die Farbvielfalt der Skudden ist faszinierend! Eine solche Vielfalt hat keine andere einheimische Rasse.

Einige Farben sind sogar einzigartig! Die haben hier bei uns nur Skudden. So zum Beispiel "light badgerface". Das sieht auf dem ersten Blick der Farbe eines Kamerunschafes ähnlich, ist aber ein anderes Agouti Allel. Sie sind eindeutig von braunmarkenen Kamerunern zu unterscheiden.
Die nächsten Verwandten mit diesen Farben findet man auf den norwegischen Inseln bei den alten Villsau. Andere Farben findet man in Shetland, Schweden, Finnland, dem Baltikum....  Ein faszinierendes Erbe, das Skudden über lange Zeit bewahrt haben!

Der Genpool der herdbuchgeführten Skudden wird größer, wenn dieses Erbe nicht als Fehler ausgeschlossen wird.

Auch für die Verbände selber ist es vorteilhaft, diese Tiere nicht auszuschließen. Bisher konnten Tiere mit der falschen Farbe nicht in die Zucht. Egal wie gut sie waren. Die beste Skudde aller Zeiten wäre aufgrund der Farbe ausgeschlossen worden!
Und: Die Verbände haben mit der Farbe nicht nur die Tiere ausgeschlossen sondern auch die Leute, die gerade diese Tiere mögen.

Ein anderer Vorteil: Viele potentielle Mitglieder. Das sind nicht nur Mitgliedsbeiträge sondern auch "Stimmen". Es gibt wesentlich mehr Hobbyzüchter als Berufsschäfer. Die Verbände vertreten ALLE Schafhalter. Mehr Mitglieder bedeuten mehr Gehör - auch in politischen Fragen. Unsere Schäfer sterben aus! Unsere Hobbyhalter machen sich stark für ihre Kollegen, die das (haupt-)beruflich machen.
Und die Hobbyhalter profitieren vom Fachwissen, das die Verbände vermitteln.

Skudde light badgerface
Serafina, gekört mit 8/7/6. gescheckte lght badgerface Skudde

Die Bedeutung für die Zukunft

Der VDL hat den Grundstein gelegt dafür, daß mehr Skuddenzüchter im Verband züchten. Zum Vorteil für alle. Verband, Züchter und vor allem für die Skudden!
Mich freut natürlich sehr, daß der Brandenburger Verband die "bunten" aufgenommen hat! Diese Farben sind "alt" und "echt Skudde". Teil des Erbes.
Was jetzt anders ist, ist ihre Aufnahme in das Zuchtziel. Mit der klaren Vorgabe der Dokumentation! DAS finde ich wichtig!
Farbgenetik ist relativ einfach. Ein Schaf in einer bestimmten Farbe zu züchten, ist ein Klacks gegen die Herausforderung, eine gute Skudde zu züchten!
Wenn bestimmte Farben nicht zugelassen werden, werden sie auch nicht dokumentiert. Sie landen bei Skuddenfreunden außerhalb des Herdbuchs oder in der Truhe. Man kann schwerlich nachvollziehen, wer da was vererbt. Sind alle eingetragen, kann jeder züchten, was er mag. Die Informationen sind da.

Allerdings funktioniert Zucht im Verband als Konsens. Der Standard beschreibt nicht, was existiert sondern das, was man sich als gemeinsames Ziel setzt. Die Gemeinschaft der Züchter legt das fest. Gemeinsam.
In Sachsen wurde entschieden, vor allem weiße Skudden zu züchten. Braun und schwarz (einfarbig ungescheckt) ist zugelassen aber nicht das Ideal. Ich finde das schade aber mir gefällt die Begründung, die ich im persönlichen Gespräch auf der Körung erhalten habe:
Wir wollten das so.
Das ist OK. Keine Argumente wie "die Wollindustrie will weiße Wolle" (Ja. Aber keine Skuddenwolle. Kostendeckend kann man Skuddenwolle nur an Faserkünstler verkaufen und DIE wollen oft lieber bunt!)
Oder: "Das war schon immer so" (Stimmt nicht. Die allermeisten Quellen sprechen von melierten und gescheckten Tieren. Braun allerdings wird nicht erwähnt. Das gab es ganz sicher auch "schon immer" aber so selten, daß es nicht erwähnt wurde. Trotzdem sind sie im Standard. Und das ist richtig so!)
Zu sagen, daß man das als Zusammenschluss von Züchtern halt so will, ist OK für mich. Anders hätte ich besser gefunden. Aber DIE züchten ja Skudden. In DIESEM Verband. Die müssen das zusammen festlegen.

bunte Skudde im Herdbuch
Sofi, im Vorbuch. 
Weil Zucht im Herdbuch immer eine GEMEINSAME Zucht ist, ist die Beteiligung der Züchter wichtig! 
Was auch bedeutet, daß Züchter ihre Meinung sagen sollten! Gerade die, die NICHT im Verband sind aber dort durchaus Vorteile sehen (wie die Beurteilung der Tiere durch Experten und die Beratung durch Zuchtleiter) sollten jetzt vielleicht Kontakt aufnehmen. Falls sie bisher vor allem dadurch von Herdbuchzucht abgehalten wurden, daß sie eben die bisherigen Fehlfarben besonders gut finden. Das könnte zukünftig kein Hinderungsgrund sein. 
Verbände müssen aber wissen, was die Mitglieder (und potentiellen Mitglieder) wollen! Es geht ja nicht darum, daß ein Verband irgendetwas will, was die Mitglieder ausführen müssen. Wofür sie dann auch noch zahlen. Es ist ein Zusammenschluß von Züchtern. Die von der Erfahrung von Experten profitieren.  


Alle Bilder auf dieser Seite sind von Sigrid Heilmann, in deren Besitz die Tiere sind.

Freitag, 12. Oktober 2018

Was Shetlander sich in den Garten stellen...

Was man sich in Shetland in den Garten stellt, braucht wohl eine gewisse Masse. Sonst weht es einfach weg.
In Shetland ist es einfach mal etwas windiger als anderswo. Weshalb alles Mögliche ordentlich festgezurrt und gesichert wird!
Da, wo ich einfach ein Stück Presskordel nehmen und ne Schleife machen würde, nimmt man dort dickes Tau und macht eindrucksvolle Seemannsknoten.

Was mich gedanklich zu den neuen Mülltonnen in Shetland bringt. Die man sich zwar nicht in den Garten stellt, sondern vor's Haus... aber da kommt man ja vorbei auf dem Weg in den Garten...
Also: Mülltonnen. Neues Modell. Ich glaube, es ging da erstmal nur um die Mülltrennung, bei der Shetland ein wenig hinterher hinkte. Aber dazu gehörten halt auch diese Tonnen und das sind solche mit Rädern.

Das geht nicht! Hier ist Wind! Die wehen doch einfach weg!

Ich kann mir schlecht vorstellen, daß Mülltonnen mit Rädern leichter wegwehen als solche ohne. Aber einfach so hinstellen kann man die nicht. Die wehen weg...
Diese Diskussion fiel mir wieder ein, als ich hinter 'nem Müllauto in Shetland hergefahren bin.

Lostüddeln, zum Müllwagen rollen, leeren, zurück und wieder festtüddeln.

Man muß seine neuen Mülltonnen einfach mal mit cleveren Vorrichtungen sichern.
Und dazu gab es eine Werbung in der Zeitung, die mir ins Auge sprang: Die bewarb eine Halterung, die 70 Jahre hält. In Shetland. Anderswo 120 Jahre!
War ne echt blöde Werbung aber die Idee ist interessant: Der plumpe Versuch, den Lokalstolz zu bauchmiezeln. Wobei sie gleichzeitig sagt, daß das Ding bis ans Lebensende hält, wenn man davon ausgeht, daß ein Eigenheimbesitzer vermutlich 30+ ist.

Zurück zu "was Shetlander sich in den Garten stellen": Es sollte schwerer sein als eine Mülltone auf Rädern. Und ein wenig dekorativer. Es kann auch einfach etwas sein, was man immer schon mal haben wollte. Oder etwas, über das man nie nachgedacht hat aber dem man nicht widerstehen konnte, als sich die Gelegenheit bot....

Zum Beispiel ein roter Doppeldeckerbus, der mal ein Café war. Wer kann da schon 'Nein' sagen?

Shetland
Doppedeckerbus - paßte dann doch nicht in die Garage

Oder so ein geschlossenes Hochsee-Rettungsboot. Das kann man als tiny house umbauen und über airbnb vermieten! 

Shetland
Rettungskapsel - kann man immer mal brauchen

Es gibt auch noch andere Gelegenheiten, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen kann:

Shetland
Gartendeko in Shetland

Da fragt man sich so einiges: Wie kommt das da hin? Hat das jemand hingefahren? Ist es dort gelandet? Und: Verkleiden sich die neuen Besitzer manchmal als Steward und Stewardess und/oder Pilot/Pilotin und spielen lustige Rollenspiele? (Notausgänge hier und dort und da drüben... und was denen sonst noch so einfällt...?)

Vor einigen Jahren hatte jemand in Unst eine Tardis im Garten stehen. Die wollte ich gerne für diesen Beitrag fotografieren aber die ist nicht mehr da.... Vielleicht ist so eine Tardis mittlerweile echt was wert und wurde für eine horrende Summe auf Ebay vertickt... Oder der Besitzer ist einfach umgezogen und hat sie mitgenommen....

Das riesige kanadische Kanu hab ich auch nicht fotografiert. Stand nicht in nem Garten, sondern am Straßenrand. Hab mich aber gefreut, sie zu sehen...


Shetland
Zwerge in Shetland

Normale Gartendeko wie 'Zwerge' sieht man dagegen nur außerhalb von Gärten. Irgendwo in der Landschaft.
Ich glaub, das fing an mit so einem halbnackten, dicken Zwerg, der sich lasziv räkelt und der mal hier und mal da rumstand. Da hat man sich gefreut, wenn man den zufällig gefunden hat.
Der laszive Zwerg ist mittlerweile kaputt. Und Shetland voller Gartenzwerge!
Nur in den Garten, da stellt man sich was anderes... 

Eine andere, ältere Sitte in Shetland ist es wohl, bei einer bevorstehenden Hochzeit Figuren aufzustellen, die das Brautpaar darstellen. Zumindest ist das in der'Shetland' Krimiserie so. In einer Folge wurde die Bräutigam-Puppe durch den Leichnam des Bräutigams ersetzt. 
Ich hab ein solches Puppenpaar fotografiert. Das echt gruselig aussah! Vor allem der Bräutigam! Das hätte gut und gerne eine Moorleiche sein können. Ich zeig das Bild nicht. Ich bin nämlich sicher, daß die beiden super sympathisch sind und sich darüber beömmeln, daß Ihre Freunde so gar kein Talent als Puppenbauer haben. Wenn ich die mal kennenlerne frage ich, ob sie das genauso amüsant schaurig schön finden wie ich. Wenn ja, dann zeige ich das Bild!

Freitag, 28. September 2018

Maude, Elizabeth und Stefans Oma...

Bei Stefans Oma bin ich mir gar nicht so sicher... könnte auch die alte Nachbarin aus Ostpreußen gewesen sein...aber das ist egal, weil ich die Geschichte vermutlich eh ganz falsch in Erinnerung habe... Aber so, wie ich sie erinnere, ist sie eine der Lieblingsgeschichten meiner früheren Kollegin Katja und mir.

Katja und ich haben des öfteren mal überlegt, wie das wohl mal wird. Wenn man dann RICHTIG alt ist. Wir haben uns dann mit Rollator durchs Labor rollern sehen. Gleichzeitig hatten wir aber auch einen Gehstock. Der ist wichtig. Den braucht man, um Leute anzupieken und seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
Wahlweise kann man auch "irre Katzentante" werden aber das ist nicht so reizvoll.
"Mad sheep lady" wäre noch eine Option...
Oder "wise sheep woman". So eine gibt es nämlich auf jeder Insel im Nordantlantik, die mir besonders gut gefallen hat.
Es gibt auch schöne Inseln ohne so eine weise Schafsfrau aber diese weisen Frauen strahlen eine tiefe Liebe und Verbundenheit mit ihren Inseln aus und das hat mich mitgerissen. Vaerlandet, Foula, North Ronaldsay,...
Hätte mir der Berufsberater damals gesagt, daß DAS eine Berufung ist... wüßte ich jetzt vielleicht weniger über Genetik....

Aber jetzt gerade denke ich an die 'irren' alten Frauen. Sowas wie Maude aus Harold and Maude.
... die hat Harold ein Banjo geschenkt :)



Als ich Elizabeth gesehen habe, mußte ich an Maude denken. Das war auf Unst.
Unst ist die nördlichste der Shetland Inseln. Als wir dort von der Fähre kamen stand da ein Schild: Chinese Takeaway, Uyeasound Hall. Das war so verlockend!
Alle zwei Wochen kommt ein Chinese (oder chinesisch kochender Gastronom) und macht da Essen in der Hall - im Dorfgemeinschaftshaus. Leider nicht, als wir da waren. Da war zwar auch "Essen im Dorgemeinschaftshaus" aber leider nur Fish and Chips.

Die Hall erinnert an Jugendherberge - stapelbare Plastikstühle, helles Holz... und so wie es aussah, waren alle da. Auch mein einziger Bekannter aus Unst, dessen Namen ich gar nicht mehr weiß. Wir nennen ihn "den Norweger", weil wir ihn auf den Lofoten kennegelernt haben...
Und dann kam Elizabeth. Auffällig. Verrückte Alte. Lila Plüschanzug. Dazu ein weißes Häkelhäubchen, unter dem kurze rote Strähnen hervoguckten. Das Geschicht voller Lachfalten. Und nit voller Lachfalten meine ich VOLLER Lachfalten!

Wir waren natürlich klar als "Fremde" erkennbar und sie hatte uns sofort im Visier..
Ich mag ja, wenn das nicht nur gesehen sondern auch "genutzt" wird. Es gibt Leute, die lieben ihren Ort so sehr, daß sie ihn teilen wollen. "Du bist fremd? Lass mich Dir erzählen, wie toll es hier ist!"
Bei Elizabeth mußte ich an Maude denken und vielleicht habe ich sie deshalb falsch verstanden. Dialekt ist manchmal schwierig... und sorgt für lustige Mißverständnisse, mit denen man lange Konversationen haben kann, bevor man sie realisiert!
Wir sprachen über alles mögliche - die Art, Zahlen zu schreiben und ... über die Hanse. Die haben damals Stockfische gekauft und gegen Salz gehandelt. Und gegen "Hasch". Das klang so! Weed! Weil das in Shetland nicht wächst!
Am Tag vorher habe ich vor nem Haus einen Kübel mit Pflanzen gesehen, die sehr nach Cannabis aussahen. Das hat mich vielleicht auch beeinflußt... Jan hat im Hintergrund fragende Augen gemacht und dazu eine "ich rauche eine Tüte"- Handbewegung...
Es ging dann doch nur um Wheat = Weizen.

Lila Plüsch und weißes Häkelhäubchen kann ich mir noch nicht vorstellen aber die Freude am Kennenlernen kann ich nachvollziehen! Mal gucken, wie ich so werde...



Neben "schrill fröhlich" kann man natürlich auch verkniffen und garstig werden. Ist auch eine Option. Klingt jetzt nicht so sympathisch aber macht bestimmt auch Spaß!
Oder man wird einfach ein alter Mensch mit ganz festen Prinzipien. Da braucht man dann den Gehstock. Das kommt einfach besser, wenn man mit einem Stock rumfuchtelt. In Rinteln gab es früher eine Frau von dieser Sorte. Die hatte was dagegen, daß Kinder auf dem Fußweg Fahrrad fahren. Da hat sie einem einfach den Stock in die Speichen gesteckt. Während der Fahrt. Als ich Radfahren gelernt hab, gab es sie nicht mehr. Deshalb kann ich auch nicht so gut Fahrradfahren (und spontan ausweichen) wie der Jahrgang meines Bruders.

Bei Stefans Oma war auch der Stock wichtig. Stefan brachte zum ersten mal seine große Liebe mit nach Hause. Oma saß im Sessel, den Stock an der Seite. Und hat kritisch begutachtet, was der Enkel da so mitbringt. Dann nahm sie den Stock, stocherte der jungen Frau am Bein rum und sagte:" Na ja! Ganz schön dicke Waden hat 'se. Aber ihm muß sie ja gefallen!"

Freitag, 7. September 2018

Kaltes Wasser - die erfrischendsten Badeerlebnisse

In diesem gnadenlos heißen Sommer hatte man ja öfter das Bedürfnis nach einem eiskalten Bad. Deshalb mal meine Top-weißnochnichtwieviele der erfrischendsten Badeerlebnisse.

Kalifornien

Wirklich unerwartet kalt: Der Pazifik in Kalifornien im Juli!
San Francisco ist in Sachen Wetter nicht das, was man von Kalifornien erwartet. Und der Pazifik ist eh kälter, als man so denkt. Beides zusammen: Wirklich kalt! Dafür badet man mit Pelikanen und mit ganz viel Glück sogar mit Delphinen!

Baker Beach, San Francisco
Mein Lieblingsstrand in San Francisco ist Baker Beach. Man muß etwas auf die Strömung acht geben. Oder nur vorne in den Wellen planschen.
Die Strömung ist der Grund, warum Alcatraz hier in der Bucht gebaut wurde. Von der Insel auf's Festland zu schwimmen, ist fast unmöglich. Dazu das eiskalte Wasser! Das war übrigens der Grund, warum Alcatraz das erste Gefängnis mit Warmwasser zum Duschen war: Die Gefangenen sollten keine Chance haben, sich abzuhärten.
Warmduscher schwimmen hier nicht im Pazifik!

Lofoten

Kalt - aber nicht überraschend: Lofoten im September. Die Lofoten haben überwältigend schöne Strände. Abends Nordlichter gucken und tagsüber an weißen Stränden in türkisenes Wasser hüpfen: Herrlich!

Nordlicht in Norwegen

Strand in Hauckland

Sandbotn, Ytresand, Norwegen

Shetland

Ebenfalls nicht unerwartet kalt aber unerwartet tolles Baden: Shetland. Wenn man einmal drin ist, ist es traumhaft! Da kann man ewig in den Wellen planschen. Und man läuft nicht mal blau an! Und wenn der Wind sich so zurückhält wie jetzt gerade, wird man nicht mal gesandstrahlt, wenn man aus dem Wasser kommt!

St. Ninian's Beach, Shetland

weil mir die Wikingerschafschifftasse so gut gefällt....

Rheinland-Pfalz

Vollkommen unerwartet kalt: Der Helmbachweiher bei Elmstein! Es war unerträglich heiß zur Irish Music Summer School. 38°C und gefühlt noch viel mehr. Im Campingbus wurde man ab um 6:00 Uhr aus dem Schlaf gebraten. Da war die Vorstellung vom kühlen Weiher - gespeist aus einem Gebirgsbach - sehr verlockend. Wenn man allerdings da war und reingelaufen ist, hat man sich gefragt, wie man bloß auf diese bekloppte Idee kommen konnte!

(Ohne Bild - die Hände haben zu sehr gezittert...)

Norwegen, Polarkreis

Eindeutig am Kältesten: Ein reissender Gebirgsfluss in Norwegen am Polarkreis.


Saltdal, Norwegen
Polartaufe. Da ist 'kalt' ja quasi Pflicht. 



Bei den anderen könnte ich gar nicht sagen, wo es kälter war. Platz eins für ''am Schönsten" teilen sich jedenfalls die Lofoten und Shetland.



Samstag, 1. September 2018

Hunde im Urlaub... und ein paar Schafe....



Schottland im Schnelldurchlauf.... da ist fast keine Zeit zum Schreiben.... 

Aber los geht es in Nordengland. Ne - los geht es in Dresden. Richtung Amsterdam. Mit einer kurzen Panik unterwegs: Was ist, wenn Loris Microchip gar nicht lesbar ist? Lori ist zwölf, der Chip elf. Der wurde nur einmal gelesen - als sie aus Irland kam. Wenn wir jetzt an der Fähre ankommen und der Chip ist nicht auffindbar, können wir gleich wieder umdrehen! Also schnell einen Zwischenstopp bei nem Tierarzt in Osnabrück eingelegt und geguckt. Ist lesbar!

Der nächste Stimmungsdämpfer auf der Fähre nach Newcastle: Hunger! Sobald ich auf eine Fähre gehe, bekomme ich Hunger. Hier gibt es zwar was zu Essen aber nur im Restaurant. Für 34,95€. Sowas will ich gar nicht. Ich möchte Pommes. Mit Mayo!
Wenn hier mal einer nen Bauchladen mit Friteuse aufmacht, kann er gut Geld machen! 
Merken für die Rückfahrt: Alles Essen aus dem Auto mit hoch nehmen!

Dann aber! Ankunft in Newcastle. Direkt hinter der Fähre ist "Roundabout Bootcamp". Ein mehrspuriger Kreisverkehr nach dem anderen. Da hat man das auch gleich wieder drin! 
Die Navi-App zeigt die blöderweise in die falsche Richtung an aber wenn man da nicht hinguckt (also auf die App), dann geht es. 

Gar nicht weit weg von Newcastle wohnen Fransje und Peter. Da gibt es was zu Essen und nette Gespräche und Schafe!!!
Und: A loo with a view! 


Wir übernachten auf Deneburn Meadows und helfen am nächsten Tag, die Lämmer von den Müttern zu trennen und auf ihre neue Weide zu bringen. Swift ist begeistert! So stellt sich ein Hütehund den perfekten "Urlaub" vor!




Ebenfalls zu einem richtigen Hundeurlaub gehören Strände. Da sind sich Swift und Lori einig. Swift ist ganz Border Collie - getriggert von den Bewegungen und Geräuschen der Wellen rast sie am Strand hin und her. Ich hab da lange mit ihr geübt. Bzw. habe ich den Kontrollfreak raushängenlassen, damit der canine Kontrollfreak sich nicht geistig in ein Paralleluniversum abschießt... Immer abrufbar und mit einem Wort aus ihrer Wellenwelt herausrufbar. Weiter geht es nur, wenn sie entspannt am Strand gehen kann. Dann darf sie auch Wellen jagen. Oder was auch immer sie da tut.

Lori hat ein ganz anderes Strandvergnügen für sich entdeckt: Im Sand wälzen!   




Und weil hier gerade mal Internet ist, noch ein paar Bilder....
Spießerkarre in schöner Landschaft:



Black Cheviot in schöner Landschaft:

schwarzes Cheviot
Schöne Landschaft. Mit Schild, ohne Lämmer.....


Weiße Cheviots mit schönem Strand....


Hebridenschafe... hier gibt es echt viele davon!

Hebridenschafe

Donnerstag, 23. August 2018

Der Verbraucher ist Schuld!

Hab ich gerade mal wieder gelesen.... Die Landwirte haben echt ein scheiß Jahr.... In einigen Gegenden (wie hier) wächst nichts.... In den Diskussionen um finanzielle Unterstützung kommt jetzt aber wieder der Verbraucher ins Spiel. Der will nämlich nichts zahlen, damit er sich das uffdundruffzigste Handy oder nen tollen Urlaub kaufen kann.

Es gibt so einige Statistiken die sagen, daß viele Verbraucher angeben, gerne mehr zu zahlen für gute Tierhaltung und nachhaltige Landwirtschaft. Guckt man ihnen im Supermarkt über die Schulter, tun sie das aber gar nicht.

Nur Lippenbekenntnisse?

Ich möchte das mal aus Verbrauchersicht schildern: Ich bin im Supermarkt. Da gibt es Billigfleisch. Da kann ich mir denken, daß das nicht sonderlich toll produziert worden ist. Dann gibt es das Fleisch für nen Euro mehr und das richtig teure. In wessen Tasche landet die Differenz? Sehe ich nicht. Kommt das beim Landwirt an? Oder beim Händler? Und wenn es beim Landwirt ankommt: Ist das verdient?

Macht er das wirklich besser als der vom Billigfleisch? Vielleicht hat der vom Billigfleisch einfach einen effizienteren Verarbeiter und einen größeren Markt / bessere Deals?

Ich kaufe mein Heu bei nem Landwirt aus dem Nachbardorf. Der verkauft auch manchmal Fleisch. Der hält seine Tiere gut, hat Grünland, das echt gut ausschaut und ist ein netter Kerl. Wenn der nun seine Tiere einem Händler verkauft und die landen dann im Supermarkt: Erkenne ich doch nicht!

Im Supermarkt gibt es Heumilch und Weidemilch und Biomilch und einfach nur Milch - von Marken oder unter so Labels wie "Ja". Was ist jetzt besser?

Ja klar kann ich gucken, wo es eine Milchtankstelle gibt für Milch von einem Hof aus der Region. Aus der Region ist ja schon mal besser als von anderswo. Vielleicht... da gehe ich doch zum Tag des offenen Hofes mal gucken....

Dann gibt es auch nen "Eierautomaten". Tolle Sache. Bei denen führt der Wanderweg quasi durchs Betriebsgelände und das sieht super aus.

Und dann gibt es Hofläden, die Fleisch aus eigener Schlachtung verkaufen. Einmal Bio, einmal konventionell (und groß). Beiden nehme ich ab, daß die Tiere nur einen schlechten Tag im Leben hatten. (Mir ist wichtig, wie Tiere sterben, die als Fleisch auf dem Teller landen.)



Dann gibt es auch noch eine Mühle mit Mühlenladen. Total regional und super sympathisch. Bauen die Landwirte besser an als ihre Konkurrenz im Supermarkt?
Glaube ich - so pauschal - mal nicht. Ich glaube, daß viele Landwirte einen super Job machen.

Solche Hofläden haben Öffnungszeiten, die nicht dazu passen, nach Feierabend eine 50km Tour zu machen. Die wollen auch Feierabend. Ich find es super, daß auf meinem Heimweg mehrere Supermärkte liegen. Einige sind teurer als andere. Kommt da mehr beim Landwirt an? Eher nicht.

Was soll ich machen? Jeden Monat nen Tag frei nehmen und ne Tour machen? Oder an der Supermarktkasse einfach mal 20€ extra hingeben und sagen: "Hier! Für mein gutes Gewissen?"

Die Verantwortung auf den Verbraucher zu schieben ist ungerecht! Ich interessiere mich für Themen aus der Landwirtschaft aber ich bin einfach mal nur Verbraucher. Ich habe Vorstellungen und Ansprüche und bin bereit, dafür zu bezahlen... Es ist irgendwie auch mein Land und meine Umwelt. Ich gehe spazieren zwischen Feldern und mag da gerne Vielfalt sehen  Ich möchte, daß Nutztiere ein gutes Leben haben und einen Tod, der ganz unerwartet und stressfrei kommt.

Wer das liefern kann, der soll das bezahlt bekommen. Richtig, richtig gut. Aber ICH kann das nicht erkennen! Biosiegel? Was heißt denn das? Ich kenne konventionelle Höfe, die spitze sind.

Liebe Landwirte: Macht die Kluft nicht noch weiter auf. Die Verbraucher sind nicht Eure Feinde! Im Gegenteil! Viele von uns würden mehr bezahlen! Aber nicht einfach so. Nicht an den Unternehmer, der Euch einen miserablen Preis bezahlt.
Macht Euch stark dafür, daß die Standards angehoben werden auf das Niveau, das IHR für gute Landwirtschaft haltet! Ihr seid die Experten! Ihr seid die, die das Land lieben und die Tiere und die ein Erbe bewahren!
Wenn es nicht mehr darum ginge, im Preiskampf zu existieren sondern darum, was Ihr für Euer Land und Eure Tiere wollt, dann hätten wir alle gewonnen.

Der Verbraucher kann das nicht leisten. Standards anheben... Ich möchte wissen, daß alles mindestens gut produziert wurde. Wenn ich dann noch etwas Besonderes will, dann fahre ich dafür auch. Aber im Supermarkt sehe ich nicht, ob Ihr das seid, die da mehr Geld bekommen.

Macht Euch beim Bauernverband stark!

Was wäre das schön wenn ich wüsste: Es gibt hier einfach mal nix zu kaufen, hinter dem keine Wertschätzung für die Landwirtschaft steckt.
Mindeststandards die so sind, wie IHR Euch das vorstellt.
Nicht schneller, höher, weiter. sondern: Besser!

Samstag, 18. August 2018

"Ich geb mein Geld doch nicht 'nem Arschloch"

Manchmal erzählt man Sachen, die hat man von 'nem Mann im Pub.
Also: Ich war neulich im Pub. In Jena. Und da war ein Mann, der hatte eine Flute von dem gleichen Flutemaker, der auch meine gemacht hat. Und der hat erzählt....
daß er vor längerer Zeit mal in Australien war, wo unser Flötenbauer lebt. Damals wußte er noch nicht, daß er mal eine Flute haben will (er spielt vor allem Pipes) aber er dachte sich: "Da fahre ich doch mal vorbei! Falls ich mal irgendwann eine Flute haben möchte dann wäre es gut zu wissen, ob Terry McGee ein netter Mensch ist!"
Mit dem Zusatz, daß er sein Geld doch nicht 'nem Arschloch gibt. Egal, wie gut die Instrumente sind.
Ich finde die Einstellung total gut! Es gibt sicher Beträge, bei denen es egal ist und Umstände, in denen man darauf keine Rücksicht nehmen kann oder will.
Aber bei so etwas persönlichem (und teurem) wie einem Instrument ist das was anderes.



Ich hab meine Flute damals gebraucht aus Italien gekauft und hatte gerade mal gehört, daß Terry McGee ganz gute Instrumente machen soll. Ein Glücksgriff sondergleichen!
Daß Terry ein echt netter Mensch ist, habe ich erst später gemerkt, als ich ihm mal geschrieben hab. Der Typ brennt für das, was er macht! Lichterloh! Seine Webseite ist eine Fundgrube und da er auch Spaß an technischen Spieleren und der Theorie und der Geschichte hinter den Instrumenten hat, kann man sich da echt festlesen!

Dieses Konzept (ich geb mein Geld doch nicht...) ist mir so ähnlich bei kleinen Selbständigen und Freiberuflern begegnet. Manchmal gibt es Zwänge aber oft hat man die großartige Chance, mit Menschen zu arbeiten, die ähnlich ticken. Die für etwas brennen und die genau das machen, was man selber nicht kann oder nicht gerne macht. Das empfinden viele als großartige Chance. Also nicht nur 'outsourcen' als Arbeitserleichterung und Ersparnis sondern als ein Netzwerk begeisterter Menschen.

Bilder von diesem einen 'Mann im Pub' und anderen Musikern in Jena gibt es übrigens bei Henryk (Fotorama24). Ich glaub, Henryk ist schon seit 10 Jahren Session Fotograf und ganz sicher liebt er, was er tut!
Von Henryk stammen auch die Bilder auf unserer alten Flowing Tide Seite (die wir endlich mal überarbeiten!) Er macht nicht nur stimmungsvolle Sessionbilder sondern auch tolle Landschaftsbilder - was ich nur gesehen habe, weil ich im Pub auch mit Henryk gesprochen habe. Bzw. weil er hinter mir seinem Kumpel was von Fair Isle Stricksachen erzählt hat. Das hat mich neugierig gemacht. "Zwei Männer im Pub".... reden sonst eher selten über Stricksachen....

Sonntag, 12. August 2018

Wolle / Vliese fotografieren

Wenn man seine Rohwolle - so wie vom Schaf runtergeschoren -  Handspinnern anbieten will, dann hilft ein Bild.

ein Häufchen feine Wolle...

Und bei diesen Bildern ist es ähnlich, wie bei Bildern von Essen: Wenn das lecker aussieht, bekommt man Appettit! Meine Kamera hat ZWEI Automatikprogramme für Essen! Appetitliche Speisen und Leckeres Dessert. Unverständlicherweise hat sie keines für Wolle! Dabei kann man Wolle ähnlich appetitanregend fotografieren.

Ich freue mich sehr, daß Wolle in den entsprechenden Gruppen im Internet (vor allem auf facebook) heute sehr viel besser angeboten wird, als noch vor zwei Jahren.
Ich sehe das als "Produzent" UND als Handspinner. Man möchte wissen, was man bekommt und man möchte nicht behumpst werden.
Die Katze im Sack kaufen ist blöd. Selbst wenn das Vlies fast umsonst ist: Porto alleine  macht es schon zu einer kleinen Investition. Da ärgert man sich, wenn man das Geld quasi auf den Kompost wirft.

Rohwollvliese gerollt
Ich bin von der Wolle meiner Schafe absolut begeistert. Nicht nur von den Shetlandschafen, fast noch mehr von den Mixen 3/4 Shetland 1/4 Skudde. Aber es ist Rohwolle. Egal, wie gut ich sortiere - da ist Dreck drin und Futterbrösel und es macht Arbeit. Shetlandschafe sind Helden darin, sich einzusauen! Unglaublich! Die Vorstellung, daß die Wolle, in der ich ein Jahr lang verzückt gekrault habe, jemanden enttäuscht: Das hat mich lange abgehalten, sie überhaupt anzubieten.

Und mein Anspruch an besonders schöne Bilder hat dazu geführt, daß ich zwar viel tolle Bilder habe aber keine Ahnung, wessen Wolle ich da wann fotografiert habe! Dazu habe ich noch Telefonknipsereien, weil ich das festhalten wollte...

Wolle vom Shetlandmix - ein willkommener Beifahrer

Dieses Jahr habe ich eine andere Strategie ausprobiert, die für mich super funktioniert und die ich gerne teile:
Ich nehme mein Telefon. Das macht hundsmiserable Bilder. Mit ner dicken Schlierschlicht aus Wollfett auf der Linse wird es zwar "retro" aber nicht besser.
Aber die meisten Smartphones machen gute Bilder und mir ist es wichtig, den Durchblick zu behalten.

Mein Vorgehen:
Ich hab das Telefon eh dabei. (Manchmal bin ich so eitel, daß ich den Timer anstelle um zu gucken, wie schnell ich mit der Handschere bin!)
Sobald das Vlies runter ist, mache ich ein Bild vom Ganzen. Dann ein paar Detailbilder. Repräsentativ ist das Stichwort hier! Die appetitlichen und die leckeren Stellen und auch die schlechten! Also das, was ich nicht aussortiere, weil die Wolle unter dem Schmodder echt toll ist. Dann noch ein Bild vom Schaf, wenn es nicht beleidigt (oder beschämt ob der neuen Frisur) abgehauen ist.

Collage Shetlandwolle - mitte links die vollgebröselten Partien
Daraus mache ich dann sofort eine Collage (mit google fotos - das sortiert die Bilder, wie es will aber geht am schnellsten mit einem Klick). Mit Snappseed schreibe ich dann den Namen vom Schaf drauf. (Mit Snapseed könnte man die auch noch fix bearbeiten und mit anderen Apps kann man bessere Collagen erstellen aber so geht es eben fluffig schnell.)
Wer selber nicht mit Wolle arbeitet, weiß vermutlich nicht, was gut und was schlecht ist.... "Hier" ist anders als "da" sieht man aber! Wenn alles gleich ist, dann reicht EIN Bild. Ansonsten: Das, was an der Schulter war und das, was an den Pobacken war, sind die Extreme. Im Nacken ist es oft eingefüttert. Das schmeißt man weg oder macht ein Bild, damit der Käufer weiß, was auf ihn zukommt!

Wolle vom Jährlingsbock - oben links dickes Wollfett

Zum Sortieren und wie und wo man Wollte anbieten kann (wenn man bereit ist, einzelne Vliese zur Post zu tragen) schreibe ich ein andermal.
Mein Vorgehen ist nix für richtige Schäfer mit großen Herden aber Hobbyhalter mit wenigen Schafen sollten das ruhig probieren! Meiner Meinung nach sollten auch große Schäfereien ihre zehn besten Vliese mit ein paar guten Bildern und einer ehrlichen (!) Beschreibung für Handspinner anbieten!

Bei der Suche nach Bildern von Wolle bin ich gerade auch auf diese gestoßen... zehn Jahre her... da habe ich mich beim Scheren eeeetwas zögerlich angestellt...

schnipp... schnipp... schnip...

Heute dagegen... reite ich auf Herdwick-Böcken in den Stocksee wie... ääähhh... jemand mit rosa Schlüppern, die nicht so ganz für die Öffentlichkeit gedacht sind ...

Damals... hätte ich nie gedacht, was für tolle Begegnungen daraus mal erwachsen würden....


Donnerstag, 9. August 2018

Den Kopf voller Diddley! Elmstein....

Wenn man sich an den Unterschied von Whiskey und Whisky hält, dann ist mein Kopf sehr voll mit diddley aber da ist auch diddly dabei... Gespielt habe ich vor allem irisches (diddley - wie Whiskey) aber besonders angesprochen haben mich zwei schottische Tunes (also diddly - wie Whisly).

Das war eine eher spontane Entscheidung: Zur Pat Kelly Summer School of Irish Music nach Elmstein zu fahren. Mit Campingbus und der Bereitschaft, weit weg auf dem Berg zu wohnen, war das auch so spät noch möglich.



Eine ganze Woche Musik fast nonstop. Die einzige Schattenseite: Es gab keine Schattenseite! Es war irre heiß und so schön wie es ist, die halbe Nacht durchzuspielen: Im Campingbus endet sie dann schon wenige Minuten später, wenn die Sonne aufgeht!

Elmstein ist ein kleines Nest in der Pfalz. Da fallen einmal im Jahr 200+ Musiker ein für eine ganze Woche mit Workshops und Konzerten und Session. Das ist schon organisatorischer Aufwand. Aber nix, was außergewöhnlich wäre. Außergewöhnlich wird es erst, wenn man einen Top-Organisator hat mit richtig gute Ideen!
Das Naturfreundehaus - der Veranstaltungsort - liegt mitten im Ort. Parkplätze gibt es nur eine handvoll. Im Ort gibt es gar keine. Nicht mal Seitenstreifen. 200 Leute, die eine Woche lang irgendwo parken und Leute behindern. Damit macht man sich keine Freunde vor Ort!
Organisator Wulf hat das volle "Nachbarn zu Freunden machen" Programm aufgefahren! Anwohner, die Parkplätze auf ihren Grundstücken zu Verfügung stellen, bekamen dafür Geld. Geld ist immer gut!
Und: Nachbarn, die vorbeikamen zu Sessions oder Konzerten, bekamen ein besonderes Namenschild, das sie als "Nachbar" kennzeichnet. Damit gab es Freigetränke.
Geld und Freibier. Noch besser!
Wir bekamen die Ansage, zu "Nachbarn" besonders nett zu sein und mit ihnen zu reden. Hab ich natürlich gerne gemacht!
"Dort hockt einer im Wald und quietscht auf dem Dudelsack, da fiepst einer auf 'ner Flöte und daneben einer mit 'ner Geige, und dahinter noch ne Flöte. Und jeder übt was anderes. GLEICHZEITIG!"
Ich teile ihren Schmerz! Das ist kein Spaß! Die Nachbarn waren allesamt super nett und vor allem hatten sie einen coolen, durchtriebenen Sinn für Humor!
Überhaupt sind die Leute in der Ecke Deutschlands klasse. Tiefenentspannt und mit Sinn für Gemeinschaft. Und eben auch witzig! Da hätte ich doch gerne mit ein paar mehr Nachbarn geschwatzt!
Neben Freibier und Gesprächen mit Fremden gab es für die Nachbarn auch ganz konkrete Lösungen für das Parkproblem. In jedem Auto lag ein Zettel mit einen freundlichen Text und einer zentralen Telefonnummer, die man anrufen kann, falls das Auto doch irgendwo blöd geparkt ist.

Und noch eine clevere Idee von Wulf zum Thema Datenschutz und Recht am eigenen Bild: Man kann ja eigentlich nicht mal mehr "Sehenswürdigkeiten" fotografieren und ins Netz stellen, wenn da Menschen durchs Bild laufen. Wulf hat alle eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen und wer nicht fotografiert werden wollte, bekam einen Sticker auf's Namensschild. Wie die Nachbarn. Nur nicht für Freibier sondern für "nicht fotografieren" (bzw. Bild nicht veröffentlichen).

Ich hab fast gar nicht fotografiert. Und meist nur Teile von Leuten.



Zu meiner großen Freude gab es an zwei Abenden auch Storytelling Sessions. Einmal auf deutsch, einmal auf englisch. Nicht, daß man sich an der Bar (oder auf DER Bank) nicht auch ständig Geschichten erzählen würde aber das war echt witzig. Der Urlaub, in dem Paula's Mutter in Frankreich als Prostituierte verhaftet wurde und der Vater als Zuhälter - die Geschichte hätte ich sonst sicher nicht gehört!

Hab ich erwähnt, daß es irre heiß war? Zum Glück gab es ein paar Orte weiter einen Weiher, der von einem Bergbach gespeist wird. Da wünscht man sich die ganze Zeit Abkühlung aber wenn man dort reinsteigt, denkt man da ganz kurz anders drüber! Hui! Richtig kalt!
Gesangslehrer Noel ist dort mit dem Rad hingefahren und hat unterwegs schnell mal eines der Lieder in Phoebes Telefon gesungen. Bewundernswert. Ich wäre zusammengebrochen. Wenn ich Rad gefahren wäre. Hätte ich gesungen, wären alle anderen zusammengebrochen


Ab 22:00Uhr Session nur drinnen. Bei geschlossenen Fenstern. Nur etwas für echte Enthusiasten.



Ebenfalls für Enthusiasten: Das Reel Wheel.


Mittlerweile eine Tradition, über die Stefan Decker ein ... ääähh... Mockumentary (?) gemacht hat. Mit O-Ton "Elmstein cock bird" - einem zeitlich etwas verpeilten Hahn, der alle die in den Wahnsinn treibt, die nicht in einem Campingbus gekocht werden und eigentlich schlafen könnten.



Sonntag, 22. Juli 2018

Eine etwas andere Verlosung zugunsten von Sea-Watch...

Eigentlich wollte ich es "nur" verkaufen. Das Vlies vom kleinen Käpt'n Mini Moi. Weil es so unglaublich klein ist, mußte eine "Wertsteigerung" her... Mein "Wikingerschiff mit Schafen drauf" (also das Wikingerschafschiff) bekam einen Käpt'n (Mini Moi natürlich) und wurde auf einen Beutel gedruck. Der Wikingerschafschiffbeutel. Das Vlies paßt genau rein. Ein Wikingerschafschiffbeutelvlies also!



Aber dann wollte ich es gar nicht mehr verkaufen sondern für den guten Zweck verlosen. Und damit aufmerksam machen auf die private Seenotrettung.
Meiner Meinung nach sollte es keine private Seenotrettung geben! Sie sollte komplett überflüssig sein! Die Staaten Europas sollten gut bezahlte und hervorragend ausgebildete und ausgerüstete Profis bereitstellen. Mit vereinten Kräften (und geteilten Kosten) für die Menschlichkeit.

Leider sieht die Realität anders aus. Die Länder, die weit genug weg sind vom Mittelmeer, nehmen sich raus. Die Gesellschaft scheint so weit von jeder Menschlichkeit abgerückt zu sein, daß man unverhohlen sagen kann: "Was geht mich das an? Ich hab die da nicht reingeschubst!"
Das bin nicht ich. Und das sind auch viele andere nicht. Einige von diesen "anderen" sind aktiv geworden. Betreiben Seenotrettung im Mittelmeer. So auch Sea-Watch.
Weil es sonst keiner macht. Oder nicht genug.
Da gibt es nix zu hinterfragen oder von mehr als einer Seite zu beleuchten! Da gibt es nur Handeln. Jetzt! Während man sich dafür stark macht, daß politische Lösungen gefunden werden.

Und da kommt der kleine Käpt'n Mini Moi ins Spiel. Weil man nie zu klein ist, um etwas zu bewirken.
So ein Rohwollvlies ist nun wirklich nur etwas für ganz wenige Leute. So ganz leicht spinnerte Handspinner halt!
Ich hätte nie damit gerechnet, wie begeistert die Idee aufgenommen wurde!
5€ Spende für ein Los im Lostopf. Für die Chance - mehr nicht -, ein Vlies mit ganzen 411g zu gewinnen.
Zusammengekommen sind unglaubliche 280€! Das sind mehr als 18 Schwimmwesten.
Und das sind 56 Lose. 56 klare Zeichen aus einer winzig kleinen Gruppe von Menschen mit einem ganz besonderen Hobby!

Ich kann gar nicht aufhören, mich darüber zu freuen! Die Leute, die ich so kenne (zumindest virtuell) und die meinen Blog lesen: Die sind toll! Mir doch egal, ob das meine Internetblase ist und ganz egal, wie groß die ist: Ich find Euch riesig!

Danke Leute!

Der kleine Käpt'n Mini Moi hätte allerdings heute beim Lose ziehen etwas enthusiastischer sein können! Er hat immerhin brav zugehört, als ich ihm die Regeln erklärt habe:


Aber so olle Papierschnippsel sind dann doch uninteressant, wenn es echtes Gras gibt! (Auf der Weide gibt es bei der Dürre fast nix mehr)


Ich hatte erwartet, daß er sich begeistert auf ein Los nach dem anderen stürzt und es runterschluckt. Hat er nicht. Mit der Nase dran stupsen mußte reichen!
Exakt DEN Moment haben wir natürlich nicht im Bild festgehalten ...


Aber seine Wahl war eindeutig. Wenn auch nicht im Bild festgehalten: Gisela M. hat das Wikingerschafschiffbeutelvlies gewonnen! Ich würde mich total freuen, wenn es irgendwann mal ein Update gibt, was aus dem Vlies geworden ist!

der kleine Käpt'n Mini Moi und sein Vlies. Im Wikingerschafschiffbeutel

Für mich ist so eine Verlosung ja nix. Ich will, daß ALLE gewinnen! Um so glücklicher bin ich, daß es einen zweiten Preis gibt! Zur Verfügung gestellt von Cara Sheep. Cara Sheep sind kleine Strickschafe - Sonderanfertigungen aus handgesponnener Wolle und meist nach einem lebendigen Vorbild. Das Lieblingsschaf in klein. Als Glücksbringer für unterwegs oder daheim.

Cara Sheep - Mini Mini

Der kleine Mini Mini (nicht ganz Moi - aber aus der handgesponnenen Wolle seines Opas!) geht an Patricia E.