Mittwoch, 17. Juni 2015

Shetlandwolle

Wenn man hier als Reisender in Sachen Schaf unterwegs ist, erntet man erstmal erstaunte Blicke. Die sind doch überall! Mag ja auf den fetten Küstenweiden auch Herden mit Cheviotmixen geben aber wenn man Shetlandschafe sucht: Da! Und da! Und da!
Die Shetlander zelebrieren sehr gerne ihre Wikingervergangenheit (zumindest nehmen sie ihren "Karneval" mindestens so ernst wie die Kölner. Nur, daß man sich hier im finsteren Januar als Wikinger verkleidet, mit Fackeln durch die Stadt zieht und eine riesiges Wikingerschiff verbrennt. Das Ganze ist hoch organisiert mit Squads, in die man quasi hineingeboren sein muß und einem "Karnevalsprinzen" - dem Guizer Jarl.) Das Winterfest Up-Helly-Aah ist nicht wirklich eine alte Wikingertradition aber wer gucken mag: Im Internet gibt es recht coole Bilder!
Im Museum bekommt man etwas fundiertere Wikingergeschichte geboten aber unter all den Wikingerinfos und Textilinfos sucht man vergeblich nach einem kleinen Hinweis auf die Schafe. Schade aber auch....
Die Frage, wie es kommt, daß Shetlander ihre Wolle nicht ans woolmarketing board verkaufen müssen wie jeder andere Brite mit mehr als vier Schafen, konnte man mir auch im Textilmuseum nicht beantworten. "Vielleicht, weil man in Shetland so weit ab vom Schuß ist?" 
Der Tipp, doch mal bei Jamieson & Smith zu fragen war großartig. Jamieson & Smith sind "Woolbroker" - "Wollhändler" in Lerwick.


Die Antwort dort war zwar nicht mit historischen Fakten unterlegt sondern einfach "eeeehhh....weil das schon immer so war?" aber nachdem die nette Verkäuferin mich an Jan (weiblich)  im Woll-Lager verwiesen hat, hatte ich einen tollen Nachmittag inmitten der ersten Haufen Rohwolle des Jahres!


Jan züchet selber Shetlander - auf Basis der Herde ihres Großvaters. Dessen Ausgabe der Regularien der flock book society hat sie mir nicht nur gezeigt sondern auch kopiert und wir haben wunderbar geschwätzt über Schafe und welche Sorte Hörner die Bocke haben sollten und die verschiedenen Vliesqualitäten, über die wollverrückten Japaner, über Prince Charles, der mal ein Stück Strickspitze hoch gelobt hat, das sie mit 12 gestrickt hatte, über Großvaters Schafe und alte "Schäfertricks" (wenn ein Schaf die Ohren nicht oben haben kann, dann kann es auch nicht springen! Also: Ohren unterm Kinn zusammennähen bei Zaunspringern).... zu allen Wollthemen gab es Anschaungsmaterial direkt vor Ort. Das "altmodische" Vlies von Bock Martin (dear Martin), der leider mit 13 verstorben ist, in dem man alle Vliesqualitäten vereint findet. (Bei Jamieson & Smith wird weiße Wolle in fünf Qualitäten unterschieden, farbige in drei. Nicht, weil es da nicht die gleichen Qualitäten gibt sondern nur, weil die farbige Wolle seltener ist und man mangels Masse mehrere Gruppen zusammenfassen muß zur Verarbeitung). Ich weiß jetzt, wie man Vliese auf Shetland rollt, wie man einige der vielen Shetlandschaffarben ausspricht, daß man - wenn man schon tausend alte Namen für die Farben hat (Katmoget, Gulmoget, Emsket,...) - die Altersgruppen "Gimmers", "Hoggs" und "Shearlings" einfach als "Yierlds" zusammenfassen kann (=year old) und ich habe fasziniert zugehört, wie einige Crofter mit Jan in heftigem Shetland-Dialekt gesprochen haben....

Shetland-Schaf-Farben

Die "Wollpresse"

weiße Vliese - was hier so hübsch grau aussieht, sind "Torf-Brösel"; die verändern das Haar und damit die Färbe-Eigenschaften der Wolle 

Handspinnerqualität

Der Laden. Shetlandwolle in allen Farben!

und für uns eine schöne warme Shetland-Decke!

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