Freitag, 12. Juni 2015

Strandgut



Ein ganzer Sandstrand nur für uns, dazu Sonnenschein und ein gefunder Ball! Was für ein schöner Tag! 
(Strathy Beach, 8. Juni)

Donnerstag, 11. Juni 2015

Passing Places

Genau meine Straßen! In (auf) den Highlands und Islands Schottlands gibt es viele Ecken, in denen sich zweispuriger Straßenbau im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen nicht lohnt. Wobei "zweispurig" bedeutet, daß jede Richtung ihre eigene Spur hat! Das Gelände ist auch nicht ganz so einfach...auf der Isle of Harris gibt es eine Küstenstraße, die "golden Road" heißt. Nicht, weil sie mit Gold gepflastert oder super luxuriös ist, sondern weil sie so irre teuer war! Die golden Road ist also wie die meisten Straßen hier nur einspurig. In regelmäßigen Abständen gibt es Passing Places für den Gegenverkehr. Auf diesen Straßen kann man super gemütlich "cruisen" und bei guter Sicht fährt es sich auch mit Gegenverkehr total flüssig. Ich bin gerade im Nordzipfel Schottlands und fahre an der Küste lang. Gegen den Uhrzeigersinn. Scheinbar machen das alle anderen Touristen andersrum. (Mein Reiseführer hat die Sehenswürdikeiten auch andersrum nummeriert.) Zumindest kommen mir die Wohnmobile immer entgegen. Hinter mir sind die bestimmt nicht. Hinter mir sind die Einheimischen, die ich an Passing Places vorbeilasse. Zum Dank wird gehupt. Ein freundliches kurzes Hupen. Ganz anders als das schimpfende lange Hupen, das man in England an den großen Roundabouts bekommt, wenn man mal wieder nicht in der richtigen Spur war....
Wenn vor mir mal ein Einheimischer ist und von vorne auch ein Einheimischer kommt, muß man etwas warten. Die müssen dann nämlich kurz schwätzen.
Straßen mit Vorbeifahrpätzen sind toll! Weil ich an vielen Plätzen auch nur vorbeifahre, kommt hier mal eine Sammlung an Photos - auf Vorbeifahrplätzen geschossen: 

Mittwoch, 10. Juni 2015

Boygroups



Die meisten Schafe leben hier ja "halbwild". Wenn vorhanden, kommen die Muttern mit den kleinen Lämmern auf bessere Weiden aber beizeiten (oder da, wo es keine besseren Weiden gibt) laufen alle ziemlich frei auf den Bergen. Oft ist das auch "common grasing" - Allmende - wo mehrere Farmer ihre Schafe grasen lassen. Wer wieviele dort laufen lassen darf, bestimmt meist das "grazing commitee" oder es wird vom Landbesitzer vorgegeben und die Weiderechte sind Teil des Pachtvertrags.
Wenn man hier öfters in der Landschaft steht oder geht oder auch fährt (aber vor allem, wenn man abends im Auto liegt und gar nicht auffällt) kann man die Schafe wunderbar beobachten.
Die Lämmer sind schon ganz ernste kleine Schafe und mümpeln fleißg am jungen Grass. Aber manchmal bilden sie kleine Gangs und toben wild die Hügel rauf und runter. Mutters Rufe werden ignoriert. Bis sie sich plötzlich alleine fühlen und den Weg zurück nicht mehr wissen. Dann ist das Drama groß! Die Wiedersehensfreude auch! Dann braucht auch das mutigste große Lamm einen ordentlichen Schluck Trostmilch! Wenn der Tag schön war und das Futter reichlich und die Dämmerung aufzieht, dann packt auch die Muttern "der Flitz"! Unsere Schafe zu Hause jagen dann wie angestochen über die Wiese - die dicke Dörthe kann plötzlich wilde Bocksprünge und steht den kleinen Skudden in nichts nach!
Hier am Nordende Schottlands bekommt man das Schauspiel mit dramatischen Hintergrund geboten: Oben auf dem Hügel am Leuchtturm sieht man die Silouetten von Schafen und Lämmern mit wilden Sprüngen Richtung Steilküste hopsen! Grandios!
Die Muttern bleiben dabei unter sich. Tagsüber ziehen die Muttern mit ihrem Lamm (hier meist nur eins) als Mutter-Kind-Paar oder als lose Gruppe über die Berge. Oder liegen gemütlich am Straßenrand und käuen wieder.
Die Böcke dagegen bilden Boygroups. Die sieht man so gut wie nie mit den weiblichen Schafen in der Gruppe. Ich hab ja großen Respekt vor Böcken aber die Jungs hier sind echt cool! Trifft man so eine "Jungsbande", dann kommen sie gucken. Nicht vorsichtig und auch nicht neugierig. Auch nicht drohend. Die kommen mit der sehr selbstbewußten Ausstrahlung, daß sie (und ich) ja wissen, wessen Terrain das hier ist!

Sonntag, 7. Juni 2015

Fähre fahren!

Fähre ist ja nicht gleich Fähre! Zumindest, was die Preise und was den Umgang mit Hunden angeht. Auf die Isle of Man zum Beispiel zahlt man ein Vermögen. Ohne Rabatt für Inselbewohner. Spontan buchen kostet extra. Hund kostet auch extra. Darf dann aber in die Hundelounge! Auf der Fähre vom Kontinent bleibt der Hund im Auto oder kommt in den Hundeknast, der "Hundehotel" genannt wird.
Auf die Hebriden zahlt man fast nix, Hund zahlt wirklich gar nix und an Bord darf er auch.
Die Bewohner bekommen auch hier keinen Rabatt aber bei 30 Pfund pro Auto und 6 Pfund pro Person ist das vermutlich Ok. Dafür gibt es dann 1,5h Stunden Überfahrt. Wenn die Fahrt nicht gestrichen wird. Was zwischen der Isle of Skye und Isle of Harris erstaunlich oft vorkommt. Wenn man es geschafft hat, auf eine fahrende Fähre zu kommen, erwartet einen in Tarbert ein nettes Hafenörtchen und eine unglaubliche Landschaft - wie auf dem Mond!
Der Abfahrthafen in Stornoway auf der Isle of Lewis dagegen wurde mir als enttäuschend beschrieben. Ich fand die Stadt allerdings gut. Nicht schnuffelig, nicht bunt oder romantisch sondern eine graue kleine "echte" Stadt. Mit dem coolsten Tweedladen überhaupt! Eine Rumpelbude sondergleichen!

Auf der Fähre von der Isle of Lewis nach Ullapool war es dann richtig luxuriös! Toll! Eigentlich hätte es auch free wifi an Bord gegeben. War aber kaputt.


Angekommen sind wir im sonnigen Ullapool. Sehr reizend. Wirklich! 


Anfangs hat mich Schottland ja nicht so angesprochen. Alles schick und grandios und genau wie in zig Reiseberichten aber .... na ja.... eben wie erwartet. Nur unerwartet voll.
Ich wunder mich ja immer, warum Deutsche im Ausland keine anderen Deutschen sehen wollen und sich freuen, wenn sie nicht als solche erkannt werden. Aber so richtig viele und so richtig lange möchte ich weder Deutsche noch Schotten sehen..... und es sind ganz schön viele Wohnmobile und Campervans und Autos unterwegs. (Schottland hat auch echt wenig Straßen. Da wird es ganz schnell eng, auch wenn eigentlich keiner da ist....)
Sobald man eine Fähre nimmt (oder auch zwei) verliert sich das alles auf ein gutes Maß. Man trifft mal wen! Schön! Wie geht's?
Auf den Straßen der äußeren Hebriden gibt es meist nur eine Spur und immer mal "passing places". Erstaunlich, wie flüssig man da auch mit Gegenverkehr fahren kann! Obwohl der Gegenverkehr jetzt nicht soooo doll ist... 
Wenn man auf die Landkarte guck, gibt es Straßen, die muß man einfach fahren. Nicht unbedingt als Radfahrer aber wenn man eine kilometerlange, kurive Straße sieht, die einfach so als Sackgasse endet, mit einem Strand am Ende: Da muß man doch lang! Und da ticken viele Leute mit Vans ähnlich! Also stehen da außer mir noch drei Vans. In Schottland darf man ja überall langlaufen und überall campen. Außer bei Leuten im Garten und in der Kläranlage und so. Wenn genug Campervan-Leute auf ihre Landkarten gucken und sich sagen: "Da! In diese lange Sackgasse fahren wir!" dann bauen die Anwohner irgendwann ein Klohäuschen dahin. Fertig. Keine Absperrung - nicht mal für hohe Wohnmobile, kein Eintritt, kein Parkverbot über Nacht. Dabei gibt es hier keinen Laden, kein Café und keine Chance, Geld an uns zu verdienen. Außer mit der honesty box im Klohäuschen!
Den einen Campervan habe ich die Nacht drauf wiedergetroffen. Auf einer winzig kleinen Insel, die mit Lewis durch eine Brücke verbunden ist. Die Bewohner von Bernera haben in den 50ern gedroht, die Klippen auf beiden Ufern zu sprengen, wenn sie keine Brücke bekommen! Da gab es dann eine. Dank Brücke ist die Insel noch bewohnt. Sie gehört dem Typen, der als Vorlage für die Figur von James Bond gedient hat. Ein Schwerenöter, der jahrelang im Dienste ihrer Majestät unterwegs war. Prinz von Dalmatien ist er angeblich auch und er wohnt in einem Crofthaus auf seiner Insel. Ich bin sicher, ich habe ihn getroffen. Am nördlichen Ende der Insel ist ein Friedhof am Strand und dort fuhr ein Jaguar vor. Nicht gerade das übliche Auto hier..... der Fahrer war auch eine "Type", die der Vermutung nicht widersprochen hat. Allerdings nicht mit dem Aussehen von Sean Connery. Eher so exzentrisch, wie man sich den Prinz von Dalmatien, der in einem Häuschen auf Bernera wohnt, so vorstellen könnte.
An diesem Strand wurden vor einiger Zeit eisenzeitliche Häuser ausgegraben.Die wurd Jetzt en untersucht, vermessen, dokumentiert, Kleinkram kam ins Museum und dann wurde alles wieder eingegraben. Das macht man heutzutage so. Wie beim Geocache. Haben zukünftige Archeologen auch noch mal ihren Spaß. Etwas abseits der Ausgrabungsstätte hat man aber hier eines der Häuser nachgebaut. Auch, um zu testen, wie die fehlenden Strukturen wohl ausgesehen haben könnten - wie das ganze "funktioniert" hat. Jetzt sitzt da täglich dieselbe Frau aus dem nächsten Dorf im Rauch vom Torffeuer und erzählt den Touristen von ihrer Insel, auf der ihre Familie "schon immer" lebt. (Leider hat sie das nicht mir erzählt, denn auch diese Frau hat mal Feierabend. Zum Glück war das nette Paar aus dem anderen Campervan schon früher da und hat mir bei einem Gläschen Wein berichtet.)
Und wieder ein Stück abseits von diesem Haus-Nachbau und von dem Friedhof steht ein Klohäuschen. Ohne honesty box - steht ja schon eine im eistenzeitlichen "figure of eight house" und vermutlich wollen die Anwohner nicht unverschämt wirken....


Von den Klohäuschen habe ich keine Bilder. Geht ja eigentlich auch um Fähren. Die Fährleute mögen mein Auto fast noch lieber als ich. Die Einweiser auf Deck bekommen ein breites Grinsen, wenn der "Pocketvan" die perfekte Größe für ihr "Fähr-Tetris" hat. "That's a great wee van!" haben sie bisher alle gesagt :)


Samstag, 6. Juni 2015

Die Islands - Isle of Skye, Isle of Harris

Einfach mal ein paar Bilder von Harris (die letzten beiden sind von der Isle of Skye).
Der arme Wutzenhund geht ganz lahm mit seinem kaputten Fuß. Wir haben heute erst eine Wanderung quer über die Insel gemacht (auf dem coffin path - den Weg, den man früher die Särge von der kargen Ostseite der Isle of Harris bis zur Westseite getragen hat. Dort gibt es genug Erde, um jemanden zu begraben. Im Zuge der Highland Clearances wurde auch jedes fruchtbare Fleckchen auf den Inseln zwangsgeräumt, um Platz für Schafe zu machen. Die Bewohner von Harris mußten mit dem kargen Osten der Insel auskommen. Zumindest, solange sie lebten.)
Nach der Wanderung waren wir noch am Strand und Swift hat begeistert in den Wellen getobt....

Freitag, 5. Juni 2015

Hebriden-Schafe: Gibt's ja gar nicht!

Die vierhörnigen, schwarzen Schafe der Hebriden.... ich glaub fast nicht mehr, daß es die gibt! Es gibt Leute auf den Hebriden, die haben über die Schafe Internetseiten - inklusive Kontaktseite. Das ist aber nur ein Fake! Kontaktieren lassen sich die Leute nämlich gar nicht. Selbst wenn der Chef vom Rare Breed Survival Trust versucht, Kontakte herzustellen, passiert gar nichts! Es gibt bestimmt fette EU-Prämien für die alten Lokalrassen und deshalb behauptet jeder, er hätte welche. Falls Inspektoren kommen, hat man Pappaufsteller auf der Weide (oder die Weide ist Teil des Holodecks....)

Hebridenschafe

Nähert man sich diesen vermeintlichen "Schafen", sind sie weg!
Es spielen hier aber auch alle mit! Die Frau im Spinnladen hat steif und fest behauptet, es gäbe die Schafe hier recht oft. Nicht in den kommerziellen Herden aber in kleineren Hobbyherden der Crofter. Ha!
Ich schätze, die Hebridenschafe sind hier genauso angesehen wie der Prophet im eigenen Land. Oder wie ein Manx Loaghtan auf der Isle of Man. Genau wie auf der Isle of Man ist auf der Isle of Skye das Hauptgeschäft der Tourismus. Für die verbleibenden Landwirte gibt es gute Weideflächen, auf der Isle of Man sogar Ackerland. Wenn man Rinder halten und auf den wirklich unwirtlichen Heideflächen mit den Hillbreeds und Mules noch einigermaßen profitabel wirtschaften kann, warum sollte man also die alte, kleine Rasse halten? Bis man die Tiere schlachten kann dauert es zwei, drei Jahre. Dann entspricht das Fleisch nicht mehr dem, was man sich hier so unter Lamm oder auch Hammel vorstellt.
In England dagegen sind sowohl die Manx Loaghtans als auch die "Hebbis" beliebt. Hobbyzüchter hurrah! Eine der Züchterinnen hatte angedeutet, daß der Zuchtverband versucht hätte, die Hebbis zu einer kommerziellen Rasse zu machen und sie dadurch ruiniert hätte. Geklappt hat es wohl auch nicht...
Wir kamen drauf als es um vierhornige Schafe ging. Bei den Hebridenschafen sieht man heute viel mehr zweihörnige. Zum einen haben die keine Probleme mit split eyelids, zum anderen sind vier Hörner echt oft im Weg. Nicht nur dem Scherer, manchmal auch dem Schaf beim Fressen! Außerdem können die Böcke sich richtig böse gegenseitig verletzen!
Die Hebridenschafe, die ich in England gesehen haben, waren sehr skuddenähnlich. Oder schnuckenähnlich. Vom Verhalten sind sie wohl spritziger, flitziger als die Loaghtans und sehr viel ängstlicher bzw. cleverer, wenn es ums Einfangen geht.
Beim Verhalten (Hüte-)Hunden gegenüber habe ich nur den Vergleich mit Shetlandern gehört: Ein Hebridenschaf rennt los aber bleibt dann stehen. Um wieder loszurennen, wenn der Hund Druck macht. Ein gutes "Trainingsschaf" für den jungen Hütehund. Die Shetlander dagegen spritzen in alle Richtungen auseinander und rennen. Und rennen. Und haben echt Spaß am Rennen! Ein gutes "Trainingsschaf" für der superguten Hund, der auf die ganz großen Wettbewerb vorbereitet werden soll und der mal richtig was zum Nachdenken braucht. 
So sieht ein junger zweihörniger Hebridenbock aus (ich dacht ja, ich seh da noch viel mehr davon. Deshalb habe ich mir keine Mühe mit einem schönen Bild gegeben...):

Hebridenschafe

Und so eine hebridenschaflose Insel:




Auf der Fähre zur Isle of Man wurde man gebeten, nach dem Basking Shark Ausschau zu halten. Das ist ein großer, Plankton filternder Hai. Die Zeichnung dazu sah genau aus, wie das hier:

Sonntag, 31. Mai 2015

Wolle



Auch wenn die Farmer jammern, daß man für Wolle nix mehr kriegt: Hier ist der Wollverkauf ganz gut geregelt. Nach Aussage der Farmer bekommt man die Schurkosten wieder rein. Das ist ja schonmal was....
Hier  in Großbritannien wird zentral ein- und verkauft. Das britische Wool Marketing Board hat das Wollmonopol. Jeder, der mehr als vier Schaf hat, muß an das Wool Marketing Board verkaufen. Man darf seine Wolle nur mit Ausnahmegenehmigung anderweitig verkaufen. Außer auf Shetland. Bei kleinen Herden, Spezialitätenrassen und bei farbiger Wolle ist das mit der Ausnahmegenehmigung ganz locker. Bei farbiger Wolle sind sie sogar froh drum. Die verkauft sich schlecht weiter. Die weiße Wolle wird sortiert und in riesigen batches in Bradford versteigert. Zum Großteil nach China.
Die Feinheit der Wolle wurde traditionell im "Bradford Count" gemessen. Der besagt, wieviele Meter Garn man aus der Wolle spinnen kann. Je feiner, desto mehr.
Das System hier läuft so, daß man vom Wool Marketing Board Säcke bekommt. Man muß die Vliese auf eine bestimmte Art rollen und den allergröbsten Dreck entfernen. Jedes Vlies wird dann später in fein, mittel und grob sortiert und die einzelnen Feinheitsgrade gewogen. Danach wird man bezahlt. Oller Schiet wird einem um die Ohren gehauen.
Das ist in Deutschland anders. Da, wo es überhaupt noch Wollsammelstellen gibt, landet alles. Schiet inklusive. Und noch mehr. Die Schäfer sagen, daß sie für bessere Preise auch besser sortieren würden, die Sammelstellen sagen, daß sie erst mal bessere Wolle sehen wollen, bevor sie mehr bezahlen!
Hier wird also der Dreck entfernt, gerollt und gesackt. Dafür braucht man solange, wie der Scherer für ein Schaf. Zumindest bei den kleinen Shetlandern. 


Später wird nochmal ganz genau sortiert (jedes Vlies wird nochmal in die Hand genommen und in 115 Feinheitsgrade unterteilt!) und gewogen und versteigert. Und je nachdem, was die Versteigerungen bringen, bekommt man Geld. Im nächsten Jahr.
Wolle ist nicht gleich Wolle. Selbst die Wolle der "Wikingerschafe", hinter denen ich ja her bin, ist von Tier zu Tier und erst recht von Rasse zu Rasse unterschiedlich. Meine kleine Probensammlung besteht erst aus drei Locken und paßt noch in das Fach unter'm Autoradio..
Für weiße Shetland sind die Preise ganz gut. Knappe 2 Pfund. Für die Bergrassen sind es teilweise nur 60 Pence - was unter dem Schurpreis von 1 Pfund pro Schaf (bei kleineren Herden) liegt.
Richtig gut ist der Preis für die seltenen Longwools. Blue Faced Leicester liegt bei 5 Pfund, Wensleydale bei 3 Pfund. Und da ist ordentlich was dran. Kann schon mal in Ausnahmefällen bei 11kg pro Schaf (Lincoln Longwool) liegen! Diese Wolle ist lang (bis zum Boden) und fein und glänzend. Und war Grundlage des britischen Reichtums im Mittelalter. Mittlerweile sind die Rassen super selten und nur weil das Angebot noch viel geringer ist als der kaum vorhandene Bedarf, kommt es zu diesen Preisen. Die Schafe sind auch sehr anspruchsvoll und damit teuer in der Haltung!

Auf der Farm auf der ich zur Schur war - mit kleiner Herde - lag der gesamte (erwartete) Erlös bei ca. 15 Pfund. "Früher" hat man die Pacht für die ganze Farm aus dem Wollgeld bezahlt.
Die bunte Wolle und andere Spezialitäten vermarkten die Leute heute eher selber. Viele lassen ihre Wolle waschen und spinnen, einige auch weben. Die ganz feinen Vliese vekauft man "roh" an wollverrückte Handspinner. Die wiederum haben manchmal kleine Läden. So einen habe ich heute gefunden auf der Isle of Skye.  



Auch wenn die Wolle in den großen Farmen heute nur noch ein Abfallprodukt der Fleischproduktion ist, hat man durch das Wool Marketing Board und vermutlich auch durch die Geschichte als einst reiche "Wollnation" noch einen Sinn für die Wolle. Die Spezialitätenrassen werden oft auf feine Wolle gezüchtet aber auch bei den anderen Rassen ist die Wolle in den allermeisten Fällen deutlich besser als die der deutschen Rassen und ich habe den Eindruck, die Leute können Wollqualität besser einschätzen.
In Deutschland z.B. wirbt der Skuddenzüchterverband damit, die Skudde hätte die feinste Wolle der Welt. Irgendwann muß ich dem mal auf den Grund gehen. Das kann eigentlich nur jemand behaupten, der von Wolle so gar keine Ahnung hat! Die Feinheit der Wolle wird durch die durchschnittliche Faserdicke bestimmt. (Die Länge spielt bei der Qualität auch eine Rolle sowie die Gleichmäßigkeit  von Länge und Dicke). Skudden haben superfeine Wollhaare. Vielleicht die dünnsten der Welt aber das mischwollige Skuddenvlies besteht aus dreierlei Haar. Zwei Sorten Haar sind grob bis superborstig. Und die machen einen verdammt großen Teil der Wolle aus! Das gibt ein super wetterfestes Schaf. Lange, wirklich "haarige" Grannenhaare an denen der Regen abläuft, dazwischen die feinen Wollhaare, die super isolieren und darunter die kurzen, borstigen Stichelhaare. Die wirken wie "Stützhaare" und sind die unterste Schicht, die auch ein komplett durchgeweichtes Schaf noch schützen. Zwiebelprinzip.
Die "modernen" Shetlander haben das nicht mehr. Die haben "single coat". Nur noch Wollhaare. Aber davon einen richtig dichten Pelz, der scheinbar auch gut schützt. Eine Züchterin aus den Cheviot Hills im Norden Englands hat mir allerdings erzählt, daß ihre Shetlander im ersten Jahr schon ganz schön gelitten haben.
Deckhaar und Wollhaar (double coated) mit mehr - aber meist weniger - Stichelhaar ist die übliche Austattung der Schafe, die hier in den rauhen Gegenden leben. Diese Kombination gibt gesponnen kein feines Garn, das man direkt auf der Haut tragen möchte. Aber die dicken Grannenhaare geben eine Festigkeit, die man vor Einführung von Kunstfaser sehr geschätzt hat. Zum Beispiel in Socken. Feinste, kuschelweiche Merinosocken müßte man täglich stopfen! Da nicht nur die Schafe sondern auch die Menschen Wetterfestigkeit brauchten, hat man sich das auch für die eigene äußere Schicht zu nutze gemacht. Gewebt ergibt das nämlich einen sehr guten Stoff. Ich hatte mal einen tollen Rucksack, der aus einem Baumwoll-Kunstfaser-Mischgewebe bestand. Bei Regen quellen die Baumwollfasern auf und drücken die Kunstfasern zusammen, was das Gewebe extrem regenfest gemacht hat. Genauso funktioniert ein festes Gewebe aus Mischwolle. Wenn man das dann noch anfilzt, hat man super wetterfeste Stoffe. Plus den Vorteil, daß Wolle auch noch wärmt, wenn sie schon durchgeweicht ist. Ich bin gerade auf den Hebriden. Inseln im Westen Schottlands, auf denen eigentlich nur solche harten, mischwolligen Schafe gedeien. Hier ist der Tweed zuhause. Fester, angefilzter Wollstoff. Zum großen Glück der traditionellen Weber, hat eine hochwohlgeborene Lady (Lady Catherine Herbert) gefallen an dem Stoff gefunden. Das war achtzehnhundertkeks... da war gerade viel altes, ursprüngliches in Mode. Romane über "edle Wilde" wie von Herman Melville (Moby Dick war übrigens anfangs ein Flop!) und auch die Erinnerung, daß man ja von alten schottischen Chieftains abstammte. Die Idee mit den Clan-Tartans - den Clan spezifischen Webmustern - wurde in der Zeit "wiederentdeckt" (oder geboren) und diese Dame hatte die Idee, sich ihr Clan-Tartan von den Webern der Insel Harris nachweben zu lassen. Ihr gehörte die Insel und somit war das ein super Marketing Coup. Harris Tweed war fortan nicht mehr Bauernzeug sondern ein ganz feines Stöffchen! Das britische Königshaus trägt Tweed! Die Bauern tragen auch Tweed.


In den nächsten Tagen hoffe ich, auf die Isle of Harris zu fahren und mir dort Webereien anzusehen. Am allerliebsten würde ich auch "waulking songs" hören. Waulking ist auf deutsch "walken" und das ist das rhythmische Knautschen und Knietschen, das es braucht, um Stoff zu verfilzen. Eine total ätzende Arbeit. Bei den langen Bahnen Stoff ist das ein Teamjob. Nasser Stoff mit Seife (oder früher Pipi mit sonstewas gemischt) mußten stundenlang geknetet werden. Das war ein Job, den die Frauen gemacht haben. Um im Rhythmus zu bleiben, hat man Lieder gesungen, die mich an die Lieder der Baumwollpflücker erinnern, wie man sie (vielleicht) aus Filmen kennt. Um sich die Langeweile dabei zu vertreiben, wurde Klatsch und Tratsch eingebunden und Geschichten. Eine Frau hat "vorgesungen" (der reiche Königssohn hat dies und das gemacht, der Paul hat mit der Else...., sowas) und die anderne haben den Refrain gesungen. Auf youtube gibt es unter waulking songs ganz coole Beispiele.