Dienstag, 28. Mai 2019

Schafe und Wolle in Europa - das Buch in der Vorschau

"Gibt es eigentlich ein Buch, in dem die Wolle der verschiedenen Schafrassen beschrieben ist?"
Ja
"Auf deutsch?"
Nö. Aber bald!
Ich freue mich sehr, das hier schon mal vorstellen zu können:

Wolle europäischer Schafrassen
Mit der niederländischen Autorin bin ich durch die Shetlandschafe in Kontakt gekommen. In Zusammenhang mit dem Buch hatte ich angeboten, dass ich ja mal drübergucken könnte... nicht, dass in der Übersetzung Fachbegriffe falsch (oder "ungewöhnlich") übersetzt wurden.
Also: Ich hab mal drübergeguckt! Und glaube, dass wird eine echt nützliche Ressource für all die experimentierfreudigen Spinner und Filzer (und bestimmt auch für Schafhalter), die Interesse an der unglaublichen Vielfalt der Schafe haben!

Betty war so nett, mir einen Text über sich und die Idee zum Buch zu schreiben, den ich für den Blogbeitrag übersetzt habe.
Eine Beispielseite gibt es auch, allerdings auf niederländisch:

Wollbuch - Beispielseite Texelwolle

Betty Stikkers, Schafe und Wolle in Europa


Mein Name ist Betty Stikkers. Ich wohne in dem wunderschönen Dorf Oijen, an der Maas. Zusammen mit meiner Freundin Linda züchte ich seit 25 Jahren Shetlandschafe.
Außerdem züchten wir Sherinos. 75% Shetland und 25% Merino. Schöne Schafe mit toller Wolle - die allerdings sehr fein ist und nicht jedem Spinner liegt.
Wir haben angefangen, die Sherinos mit Longwools zu kreuzen. Das gibt wunderschöne Tiere mit klasse Wolle. Sehr vielfältig!

Die Frage “Wieviele Rassen gibt es und wie ist deren Wolle?” war der Auslöser dafür, Bücher über Schafe und Wolle zu schreiben. Das sind vor allem Nachschlagewerke mit vielen Bildern und vielen Informationen. Zuerst gab es eine Niederländische Version. Wir haben viele Schafrassen hier. 69 Wollrassen. Immer mehr Menschen begeistern sich für das Spinnen und Filzen und suchen Informationen zu diesen Rassen.

Dann habe ich angefangen, über einen weltweiten Wollführer nachzudenken. Aber Veranstalter von Wollkursen hier und im Ausland haben mich zuerst um eine englische und Deutsche Version gebeten.
Glücklicherweise habe ich die Zeit dazu und kann das Buch selber erstellen, was die Kosten unter Kontrolle hält.

Von all der Wolle die ich bekommen, lasse ich den Mikronwert testen. Dann teste ich eine Probe: filze 20g und weitere 20g werden von Theres Akkermans versponnen, die eine sehr erfahrene Spinnerin ist.
Gefilzt wird die Wolle aus dem rohen, ungewaschenen Vlies. Alle zur gleichen Göße ausgelegt und gefilzt in der Waschmaschine unter gleichen Bedingungen (2x bei 60°, 1,5h).
Natürlich kann man Wolle wunderbar mit der Hand filzen aber mir geht es darum, eine Einschätzung abzugeben, wie gut die Wolle filzt, wie stark sie schrumpft, etc.

Theresa geht mit ihrer Erfahrung ähnlich vor.
Besonders wichtig in dem Buch sind die Bilder! Sie sollen die Eigenschaften und den Charakter der Schafe wiedergeben aber sie sollen auch einfach schön sein! Das hat besonders lange gedauert. Es gibt wunderbare Bilder im Internet, die hervorragend geeignet wären. Dazu muss man “nur” den Fotografen ausfindig machen und die Nutzungserlaubnis einholen.
Geplant ist, dass die englische und die deutsche Version Ende Juni erhältlich sind!


Update

Es ist erhältlich! Mehr hier


Dienstag, 23. April 2019

Papageienliebe

Mal wieder eine Geschichte aus der Wissenschaft. Genauer gesagt: Ein Nebenprodukt. Eine Geschichte am Rande, die schon viele Jahre her ist... Fiel mir heute ein, weil ich an Papageien gedacht haben.
Also: Graupapagei Alex. Da Papageien ja sprechen lernen können, hat sich eine Biologin mal näher damit beschäftigt. Alex sollte aber nicht einfach lernen, Laute nachzuahmen. Es ging darum herauszufinden, ob ein Sprachverständnis möglich ist. Also hat sie dem Papagei das Sprechen im Kontext beigebracht. Zwei Menschen sind im Raum mit Alex, einer sagt "Erdnuß" und bekommt vom anderen eine Erdnuß. So in der Art. Auf diese Art hat Alex beispielsweise Konzepte wie "größer und kleiner" gelernt. Es gibt dazu auch Veröffentlichungen.
Die Biologin, die sich viele Jahre mit Alex beschäftigt hat, hat sicher auch einen Namen. An den kann ich mich aber nicht erinnern...
Die charmante Geschichte spielt am Rande. Alex mußte zum Tierarzt. Vielleicht musste ihm der Schnabel gekürzt werden... Also hat die Biologin ihn zum Tierarzt gebracht. Alex fand das ziemlich furchterregend und hatte echt Angst. Also hat er in seinem Kopf gekramt nach etwas, was er sagen könnte. Etwas, was ihm in dieser Situation hilft, ihn vielleicht sogar dort rausholt....  Er sagte "I love you"!
Ich wäre dahingeschmolzen! Aber unabhängig davon ist das total faszinierend. Er zeigte damit ein ziemlich komplexes Verständnis von Kommunikation. Er konnte die Emotionen oder Reaktionen auf seine Wörter einordnen. Und zwar die Reaktion einer komplett anderen Spezies auf Laute, die er in seinem natürlichen Umfeld nicht machen würde. In seinem Vokabular war das der Satz, der für "bitte lass nicht zu, dass mir weh getan wird" steht. Oder "Ich hab Angst. Mach, dass das weg geht". "I love you" ist ja kein konkreter Satz. Nicht wie "gibt mir bitte eine Erdnuss". Der Kontext, in dem der Satz vorher gefallen ist, war aber sicherlich immer sanft und gut und ... lieb. Worte in Situationen, die das Gegenteil von seiner jetzigen waren.

Hühnchen. Ich hab kein Bild von nem Graupapagei

Mich erinnert das an Vivienne. Ein kleines Mädchen in Irland. Ich hab als Au-pair auf sie aufgepasst. Sie war 1,5 als ich kam und hat mit Sprechen auf Deutsch und Englisch angefangen. Mit ziemlich coolem Verständnis dafür, was welche Sprache ist und wer die spricht. Mit der Ausnahme, dass gelber Löffel und yellow spoon zu "gelb spoon" und "lellow Löffel" wurden. In diesen Kombis klingt das auch viel passender... Worauf ich hinauswill: Als ich ging, konnte sie ja noch nicht sonderlich viel sprechen. So ein Jahr später war ich wieder da und hab sie gefragt, ob wir deutsch reden wollen (auf deutsch). Das war ganz schön viel verlangt. Man konnte es rattern sehen in ihrem Kopf. Das war eine Frage und sie suchte eine Antwort. Sie sagte "Schmetterling". Das einzige Wort, dass sie noch lange verwendet hatte. Auch, weil die Eltern das immer mal gesagt haben (weil sie es so cool fanden). 
Sie hätte einfach "Häh?" sagen können. Oder - wenn sie die Frage wirklich verstanden hat - "Nein". Aber sie wollte ja. Und hatte darauf nur eine einzige Antwort. Schmetterling.

Mittwoch, 20. März 2019

Spieglein, Spieglein an der Wand....

Über Schafe gibt es spannende Forschung. Die Sache mit der Gesichtserkennung ist ja schon ein alter Hut.
Einige Publikationen klingen erstmal langweilig. Und wenn es um Neurologie geht, klingen sie auf den zweiten Blick ganz schön kompliziert. Aber in fast jedem Paper finden sich Schätze. Z.B., dass Schafe sich aus diesen und jenen Gründen als Modell für neurologische und psychiatrische Störungen eignen. 
Psychiatrisch?
Das ist ein weiter Weg von Descartes, der einen Hund an ein Scheunentor genagelt hat um zu demonstrieren, dass das Tier KEINEN Schmerz empfindet sondern rein mechanische Laute von sich gibt.
Und es ist auch ein weiter Weg vom "klugen Hans". Das Schreckgespenst der Verhaltensforscher: In die "kluger Hans-Falle" zu tappen! Wer den klugen Hans nicht kennt: Das war ein Pferd. So um 1900. Das gehörte einem Lehrer der meinte, ALLES und JEDEN unterrichten zu können. Also hat er seinem Pferd beigebracht, zu rechnen. Erfolgreich! Hans konnte rechnen! Er hat mit dem Huf die Antwort geklopft. Die Menschen waren begeistert! Und Hans konnte richtig schwierige Sachen ausrechnen. Jeder dachte, das wäre ein Trick. Pferde können sowas nicht. Der Besitzer gibt doch heimlich Zeichen! Aber auch, wenn der Besitzer gar nicht dabei war und ein völlig Fremder die Aufgabe gestellt hat, hat er richtig gerechnet! Eine Sensation!
Irgendwann kam man dahinter, dass das gar nicht stimmt. Wenn NIEMAND der Anwesenden die Lösung wußte, wußte Hans die auch nicht. Der hat einfach nur geguckt, wann jemand so guckt, als wäre DAS der spannende Moment zum Aufhören! Nix Rechnen! Der Besitzer war so enttäuscht! Ich glaub sogar, er hat das Pferd geschlachtet. 
Nun ja: In diese Falle dürfen wir nicht tappen! Glauben, dass ein Tier mehr kann, als es kann. Uns täuschen lassen. Falsche Schlüsse ziehen! Bloß nicht in die "kluger Hans Falle" tappen!
"Die Wissenschaft" war peinlich berührt, diesen Fehler gemacht zu haben. 
Und ist darüber in die wahre "kluger Hans Falle" getappt: Sie haben völlig übersehen, WAS das Pferd konnte! Es konnte die Erwartungshaltung einer anderen Spezies lesen. Dazu reichte ein einziger Mensch in einer Menge, der das Ergebnis kannte. Immer neue Menschenmengen, unklar, wer der Signalgeber ist und wie seine/ihre individuellen Signale aussehen. 
Zur wahren kluger Hans Falle gehört auch, dass Berichte von Tierhaltern nicht ernst genommen wurden. "Der versteht jedes Wort". Vermutlich nicht aber: WAS tut er? Ist das vielleicht viel cooler, als "Wörter verstehen"? Border Collie Rico hat mit seinem Wetten, dass? Auftritt eine Revolution ausgelöst. Was kann der wirklich? Und wie macht er das? Wie können wir das herausfinden, ohne in Fallen zu tappen?

Was ist mit den "dummen" Tieren? Was können die? Wie machen die das? Was ist in ihrer Welt wichtig? Das ist ihre Intelligenz. 

Ich liebe es, den Versuchsaufbau zu lesen. Bei Schafen ist das auch die Sache, dass sie eben Herdentiere sind. Das sind wir auch. Nicht so sehr aber auch wir bekommen Angst, wenn die meisten rings um uns rum Angst haben. 
Es gab da mal einen Fall in London, da hat in der U-Bahn einer jemanden angepöbelt. Der hat zurückgschubst und die Leute ringsum sind nen Schritt zur Seite gegangen. 
Zur rush hour wurde das ganz schnell zu einer Massenpanik! Dank Twitter und Co wurden daraus binnen Minuten Schüsse im Einkaufszentrum über der U-Bahn-Station! 

Schafe haben das "eingebaut" auf die anderen zu achten. Das macht Einzeltests schwieriger. 

Schafe im Spiegel

Aber jetzt endlich zum Spiegel: Ich habe ein Abstract gefunden, in dem Spiegeltests gemacht wurden. Können Schafe ein Spiegelbild zur Orientierung nutzen? Ich habe den Artikel noch gar nicht aber der Abstract war vielversprechend. Die Schafe konnten Schüsseln mit Belohnungen finden. Ein Teil der Schafe wurde mit Spiegeln vertraut gemacht, die scheinbar eine Zeit lang einfach da standen. Ein anderer Teil kannte keinen Spiegel. Beim Test konnten sie dann die Schüssel im Spiegel sehen aber ohne Spiegelbild konnten sie sie nicht sehen. Es ging darum herauszufinden, ob ihnen das Spiegelbild einen Vorteil bringt und sie die Schüssel schneller finden, als sie das ohne Spiegel tun. Spoiler: Nö! 

ABER: Es waren verschiedene Rassen im Test und die haben sich bei der Spiegelgewöhnung deutlich unterschiedlich verhalten! Black Welsh Mountain haben viel mehr Zeit vor dem Spiegel verbracht als Norfolk Horn!

Wie gesagt: Ich habe den Artikel noch nicht. Aber die Unterschiede sind spannend! Kommen die verschiedenen Schafe der gleichen Rasse aus der gleichen Herde mit der gleichen Geschichte?Aber egal wie: Es gibt da Unterschiede und es gibt Gruppenunterschied e. Schafe sind rassistisch. Das hört man als Anekdote immer wieder. Aber warum? Was läßt sie ihre Bezugsgruppe erkennen? Aussehen? Körpersprache? Da finde ich "bunte Schafe" wieder sehr spannend! Für uns Menschen ist ein weißes Schaf erstmal was anderes als ein schwarzes. 
Lass jemanden, der keine Schafe kennt, eine graue und eine weiße Heidschnucke und ein graues und weißes Shetlandschaf sortieren in zwei Gruppen: Die meisten werden weiß zu weiß sortieren. DAS machen Schafe nicht! Trotzdem war von meinen ersten zwei Shetlandschafen das, das farblich besser passte, auch schneller akzeptiert. Aber die hat auch einen anderen Charakter. Kann also sein, dass auch die Farbe eine Rolle spielt, muss nicht. 
Überwiegend weiße Border Collies haben es schwer. Braune auch.

Schafe SIND unser Spiegelbild. Aber wie im Spiegelkabinett ist nicht alles so, wie es scheint! 
Shetlandschafe im Spiegel

Ich habe gestern einen Spiegel mit rausgenommen, um für diesen Beitrag ein Bild zu machen. Boah! Ist das spannend!
Mein klügstes und mutigstes Schaf (Gan Ainm) war begeistert. Ich wollte ein schickes Bild und nicht wirklich die Reaktion beobachten aber das werde ich nachholen! 
Gan Ainm wirkte freudig. Und dann irritiert von der Reaktion des Spiegelbilds. 
Ich habe von netten Menschen Videos bekommen, wie Schafe sich kennenlernen. 
Ich kann mich recht gut erinnern an "neues Schaf in Herde". Aber nicht gut genug. Wenn die aufeinander zugehen, tun die das gleichzeitig? Oder geht eins, während das andere steht und dann andersrum? Wirkte Gan Ainm erschrocken, weil es ein Geräusch gab, als ihre Nase den Spiegel bwrührte? Weil sie ein anderes Gefühl oder einen anderen Geruch erwartet hat? Oder eine andere Reaktion? 

Die dicke Dörthe schien eher selbstverliebt. Aber sie ist auch gegenüber echten fremden Schafen ruhig, offen und tiefenentspannt. 

Und ich überlege jetzt, ob ich den Spiegel hinter einer Horde (gegen Verletungsgefahr) aufstelle. Mit Webcam drauf. Nicht wirklich wissenschaftlich aber interessant!


Käpt'n Mini Moi im Spiegel

Mittwoch, 13. März 2019

Genau die richtigen Worte finden...

... ist eine Kunst! Dies ist der Anfang eines Buches über Wissenschaft. In dem es darum geht, dass dieses wissenschaftliche "Auseinandernehmen" der Welt ihr nichts von ihrem Zauber nimmt. 

“We are going to die, and that makes us the lucky ones. Most people are never going to die because they are never going to be born. The potential people who could have been here in my place but who will in fact never see the light of day outnumber the sand grains of Arabia. Certainly those unborn ghosts include greater poets than Keats, scientists greater than Newton. We know this because the set of possible people allowed by our DNA so massively exceeds the set of actual people. In the teeth of these stupefying odds it is you and I, in our ordinariness, that are here.We privileged few, who won the lottery of birth against all odds, how dare we whine at our inevitable return to that prior state from which the vast majority have never stirred?” 
― Richard Dawkins, Unweaving the Rainbow: Science, Delusion and the Appetite for Wonder


Mir fällt da nur ein: Hammer! Wow! Wie macht er das? Ist das nicht schön? Und: DAS will ich können!

Montag, 4. März 2019

der Geruch des Nordlichts....

Das hier... ist der Geruch der Hjaltland. Der Fähre nach Shetland.

Nordlicht - Mirrie dancers

Schon witzig, wie Erinnerungen funktionieren und Zeug miteinander verbinden!
Ich hab es mir neulich gemütlich gemacht, hab mir die Flute genommen und in Erinnerungen geschwelgt. Mal gucken, welche Tunes mir einfallen, wenn ich an alle möglichen Orte und Menschen denke, an und mit denen ich Musik gemacht habe.
Toronto, vor vielen, vielen Jahren hat "the thing that I saw is gone" und die Erinnerung an einen sehr sympathischen (und gutaussehenden) Box-Spieler.
An meinen Radio-Auftritt! Was war ich aufgeregt! (Ich hab da "nur" gesprochen aber das reichte!)
An ein deutsches Lied aus den 20ern, das ein Engländer gesungen hat, der gar kein deutsch kann. Hat er sich rausgehört. Witziges Lied! In meiner Erinnerung ist es "Tante Erna liegt im Bett und ißt Tomaten". Google sagt, dass wäre Tante Paula gewesen.
Dann sprangen die Erinnerungen nach San Francisco und zu einem Tune, den wir "den San Francisco Slide" nennen, obwohl es ein schottischer Jig ist und weiter nach St. Andrews und ... irgendwie auch Charlie Chaplin. Weil mich ein Freund aus San Francisco mal besucht hat und ich ihn in Potsdam auf einer Session abgeholt habe, die in einem Hotel stattfindet, in der Charlie Chaplin mal Gast war. Wir hatten die Idee, mal alle Tunes zu spielen, die mit Bauernhoftieren zu tun haben. Das sind echt viele! In St. Andrews hat die Flute Spielerin vorgeschlagen, wir könnte doch mal alle Tunes mit "Schaf" im Namen spielen.

So schnell, wie sich Erinnerungen vernetzen, kann ich gar nicht spielen!

Wroclaw verbindet sich mit Shetland, Orkney mit Barcelona und das Nordlicht auf den Lofoten mit Northumberland und dem Geruch eines Schiffes!
So riecht aber auch sonst keins! Doch, die anderen Schiffe auf der Linie riechen genauso aber sonst keine. Und ich war ja durchaus auf vielen Fähren unterwegs...

Ich hab das gar nicht gemerkt. Erst letztes Jahr. Bis dahin dachte ich, das wäre das Waschpulver einer Freundin, die mir Swifts Hundedecke gewaschen hat. In Northumbria. Dieser Geruch ging aus der Hundedecke gar nicht mehr raus. Da hingen ganz besondere Erinnerungen dran. Und bei unserer ersten Begegnung hat sie ein Tunebuch rausgeholt und wir haben zusammen was draus gespielt. Starry nights in Shetland. Zweistimmig. Klang total nett und wir haben überlegt, ob das in Shetland wohl jemand kennt oder ob das ein Tourist in Erinnerung geschrieben hat... Und DAS habe ich dann auf den Lofoten gespielt und das Nordlicht hat dazu getanzt. Sehr cool!
Die Erkenntnis, dass der Geruch von der Fähre kommt, hat das alles verknüpft und jetzt riecht das Nordlicht wie ein Walzer aus Shetland klingt und lässt mich an Fransje und Peter denken.

War ne lange Nacht mit schönen Erinnerungen!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Entweder man hat zuviel Schafe oder zuwenig.....

Letztes Jahr hatte ich die Idee, mal eine Infographik zu machen über Farben und Abzeichen beim Shetlandschaf. Dazu hab ich Schafe als Vektorgrafik gezeichnet. Die aber nicht gar so sehr wie Shetlandschafe aussahen. Also habe ich probiert. Als ich dann Shetlandschafe "konnte", war der Ehrgeiz erwacht, die Besonderheiten anderer nordischer Schafe herauszuarbeiten. Und dann die von "nicht-nordischen".

Boah! Da kann aber auch eine Sammelleidenschaft erwachen! Dann sollten Poster draus werden. Dafür fehlt dann garantiert eins. Und wenn man gerade so schön dabei ist, hat man mit einem mal drei zuviel!
Aber jetzt ist es entschieden! Ab morgen gibt es Poster! Eins mit "Wikingerschafen" und eins mit allen möglichen Schafen. Und diese drei sind beim "Schafe-Poster" nicht dabei:

Driftwool Schafe

Zuviele Schafe habe ich auch gerade hinter dem Haus stehen. Fast. Noch nicht wirklich zuviele aber die Kapazitätsgrenze ist erreicht bei einem Sommer wie dem letzten. Der Nachbar hat mir seine Wiese dazugegeben und da dachte ich noch, das würden die nie schaffen! Viel zu wenig Schafe! Dann hat es gerade so gereicht. Deshalb steht da jetzt auch kein Bock dabei. Ein Frühjahr ohne Lämmer - das bereue ich jetzt schon!




So ein paar lumpige Litzen habe ich übrigens nur hier um den Auslauf am Haus. Der grenzt an ein eingezäuntes Grundstück und ist mitten im Dorf. Das eingezäunte ist allerdings nicht meins und  dieses niedliche braune Shetlandlamm mit der supertollen Wolle hat gelernt, wie man sich da durchfädeln kann. So, daß nur die dicke Wolle an den Draht kommt. OK - ich habe übersehen, daß die untere Litze aus einem Isolator gerutscht ist aber ich glaube, die hat das jetzt einfach raus.
Kluge, unerschrockene Schafe sind praktisch. Kann man herrlich einfach trainieren. Dummerweise lernen die auch jeden Unfug schneller, als man so denkt! Jetzt steht da noch ein Netz. Mit ordentlich Wumms drauf!

Montag, 7. Januar 2019

Hunde haben uns menschlich gemacht...

... dogs have made us human...
"human" ist in dem Fall "menschlich" und gleichzeitig "zum Menschen". Das ist eine der faszinierendsten Theorien, die ich zum Hund gelesen habe. Schaut man in die Frühgeschichte und guckt, wann der Wolf zum Hund wurde, hat man ein Problem: In Knochenfunden kann man erst dann einen "Hund" erkennen, wenn er sich morphologisch vom Wolf entfernt hat.
Es gibt Forschungsgruppen, die mit DNA-Analysen zurückgerechnet haben, wann der Wolf zum Hund wurde.

Was nach ihrer Berechnung zu der Zeit war, als Homo erectus zu Homo sapiens wurde. UndHomo sapiens zeigt ganz deutliche "Domestikationsmerkmale".
Wer war das? Wer hat uns domestiziert? Man nimmt an, dass wir das selber waren.
Diese Forschergruppe wirft allerdings den Gedanken in den Raum, dass es der Hund/Wolf war. Wir die - und die uns. Gegenseitig.
(Ich finde den Gedanken ganz sympathisch aber man muss dabei beachten, dass sich völlig utopische Divergenzzeiten ergeben, wenn man die aus der genetischen Distanz von Haustieren so berechnet, wie bei natürlichen Populationen. Schweine beispielsweise wurden "kurz" nach den Schafen domestiziert. Das mit den Schweinen ist so 9.500 Jahre her. Die berechnete Divergenzzeit zwischen einzelnen Schweinerassen liegt aber bei MILLIONEN Jahren.)

Eine andere wissenschaftliche Erkenntnis: Unser Unterbewusstsein ist klüger als unser Bewusstsein. Da gibt es einen Versuch, über den ich bestimmt schon mal geschrieben habe: Eine Gruppe Studenten als Versuchskaninchen. "Gehen Sie in diesen Raum und suchen Sie sich aus den Postern, die dort hängen, eines aus. Das dürfen Sie dann behalten." Eine Gruppe bekam wenige Sekunden Zeit. Rein, aussuchen, raus. Die andere bekam viel Zeit und die Aufgabe, ein Essay zu schreiben, in dem sie ihre Entscheidung ausführlich begründen. Nach einem Jahr wurden alle Studenten befragt: Wer hat das Poster immer noch?
Die "Bauchgefühl-Leute" fanden es immer noch geil. Die anderen hatten recht schnell gemerkt, dass sie es dann doch nicht so toll fanden.

Das ist keine "Herz/Bauch gegen Hirn" Entscheidung. Das ist beides Hirn. Nur, dass man - vereinfacht gesagt - nicht alles im großen Referenzsystem abspeichert. Wichtige (erkennbar wichtige) Informationen werden mit entsprechenden Etiketten in entsprechende Schubladen gelegt und Querverweise erstellt. Damit wir sie jederzeit rausholen und auf andere, ähnliche Situationen übertragen können.
Was dagegen so aussieht, als wäre es unwichtig, einmalig, überflüssig, landet nicht in diesem System. Gespeichert wird es trotzdem.
Das "Unterbewusstsein" hat mehr Informationen. Erinnerungen, die wir als "Geruch" gespeichert haben und solche, die wir mit einer "Farbe" assoziieren. Wir  haben so viele Erfahrungen, dass wir sie nicht alle kategorisieren können.
Die stehen nur zur Verfügung, wenn wir so unentschlossen sind, dass wir eine Münze werfen. Und uns entweder sehr freuen über das Ergebnis oder sehr enttäuscht sind.

Mit den Schubladen im Hirn jetzt wieder zurück zu Hunden: Mit Hunden ist es manchmal wie mit dieser Schublade bei der Oma. Die "unsortiert" Schublade. Da sind Schnippsgummis drin und komische Küchenwerkzeuge, von denen niemand weiß, wofür sie gut sind. Und eine kleine Schachtel mit Stiften und ein alter Anstecker, von dem die Anstecknadel abgefallen ist und so eine kleine alte Spieluhr und ein altes Foto, auf dem man niemanden kennt....
KEINE Schublade ist so faszinierend wie diese! Man muss nicht wissen, was das alles ist und erst recht nicht, wie es funktioniert oder "wofür das gut sein soll". Es ist einfach toll.
So sind Hunde.

Manchmal hilft nix. Da braucht man einfach einen kleinen Welpen.



Eigentlich wollte ich was anderes schreiben. Über Hunde. Da kam mir mein Vater mit seinem Welpen dazwischen. Was ich über MICH und Hunde schreiben wollte, bezieht sich auf eine Anekdote von Konrad Lorenz oder Eberhard Trummler. Und zwei benachbarte Hunde. Die haben sich jeden Tag durch den Zaun beschimpft. Sind von einer Seite des Grundstücks zur anderen gerannt. Immer am Zaun lang. Schimpfend und drohend. "Ich würde dich platt machen!"
Bis.... eines Tages ein Stück Zaun fehlte und sie sich gegenüber standen. Da haben sie gestutzt. Und sind blitzschnell dahin zurück gerannt, wo noch Zaun war! Und haben sich weiter angebrüllt! "Ich würde dich platt machen! Wenn nur der Zaun nicht wäre!" 
Ich will jetzt niemanden platt machen. Aber zurück hinter den Zaun rennen, kommt mir sehr bekannt vor. Das geht gegen alles, was das Herz sich wünscht und trotzdem - oder gerade deswegen - traut man sich nicht....
Und jetzt, wo ich mich dabei ertappt habe, muss ich schon auch lachen! So'n bisschen. Über mich selber. 


Zwei Seehunde. Ohne Zaun. War das passendste Bild, das ich finden konnte 

Aber gut zu wissen, dass da diese Lücke ist.