Montag, 21. Oktober 2019

Schafstassen / Rassetassen - making off

Angefangen hat das mit einer Infographic... Ich wollte eine machen zum Eintragen von Farben bei Shetlandschafen. (In UK und US)
Nur sahen die Schafe nicht wirklich wie Shetlandschafe aus. Warum? Wie so ein Polizeizeichner kam ich mir vor. Die Augen etwas kleiner und weiter nach oben, die Ohren tiefer....

typische Schafgesichter - erster Versuch

Als ich dann ein Shetlandschaf getroffen hatte, wollte ich wissen, was an einer Skudde denn anders ist. So vereinfacht gezeichnet...

Wer sehen will, muss zeichnen!

Im Biologie-Studium haben wir ständig gezeichnet. Und zwar exakt das, was wir sehen. Mit allen Details.
Hier ist es andersrum. Mit wenigen Strichen, mit "Punkt, Punkt, Komma, Strich" die Essenz einer Rasse darstellen!
Die Struktur der Wolle, die Hörner, Körperform, Gesichter! Vor allem die Gesichter! 

Tassen mit Schafrassen

So kommt dann eine Rasse zur anderen.

Making of Rassetasse 


Ich erstelle die Graphiken in Inkscape. Einem Vektorgrafikprogramm. 
Rassen die ich gut kenne, zeichne ich aus der Erinnerung. Denn dort sind die genau so abgespeichert, wie ich sie brauche. Nicht als Cartoon oder Vektorgrafik aber eben "die Essenz". 

Jetzt wurde ich gebeten, doch eine Tasse mit einem Manech á téte noir* zu machen. Oha!
Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Schafrassen es gibt, von denen ich noch nicht gehört habe! Geschweige denn, dass ich auch nur eins davon je persönlich getroffen habe!

Ein paar Bilder habe ich dazu bekommen. Irgendwie ein wenig wie Heidschnucke. Und wie Tiroler Steinschaf. Tiroler Steinschaf steht noch auf meiner Warteliste also habe ich mir ein Krainer Steinschaf genommen. (Die sehen natürlich anders aus als die Tiroler und Montaforer Steinschafe aber für den Anfang muss es reichen.)

Heidschnucke, Krainer Steinschaf

Auf den Photos haben mich die Augen und auch das Gesicht ein wenig an Milchschafe erinnert. (diese baskische Rasse wird auch tatsächlich gemolken). KleineAugen, recht weit oben. Tief angesetzte Ohren, lang, nicht stehend, nicht so hängend wie beispielsweise beim Karakul. Das Gesicht eher lang und schmal (im Profil mit mehr oder weniger Ramsnase). Daraus entsteht ein erster Entwurf: 

Heischnucke, Krainer Steinschaf, ostfriesisches Milchschaf - erster Entwurf

Dann die Hörner. Und zwar solche, die für mich zu den alten alpinen Rassen gehören. Oder zu süd-/osteuropäischen. Walachenschafe haben solche Hörner. (Bei Waldschafen gehen die auch ein klein bißchen in die Richtung aber sind doch eher wie die der nordischen... das nur so am Rande.)

erster Entwurf Manech á tète noir und Walachenschaf

Ich habe nicht genug Bilder mit Hörnern - also google Bildersuche. Da gibt es einige beeindruckende Böcke zu sehen! Hörner mit großer Biegung und kleiner, weit ausladend und weniger ausladene. Die von meinem Walachenschaf passen nicht ganz zu dem, was ich da als Essenz raus ziehe. Also wird als nächstes an den Hörnern geschraubt:

rumschrauben an Schraubenhörnern

Dann ist die Farbe dran. Schwarzer Kopf (und Beine) und grauer Körper. Was schwierig ist, denn ich kann den Kopf nicht wirklich schwarz machen. Dann sieht man Augen und Nase nicht mehr. Daher mache ich schwarze Köpfe je nach Rasse sehr dunkel braun oder sehr dunkel grau. Auf dem leuchtenden Computerbildschirm sieht man den Kontrast besser, als auf der fertig bedruckten Tasse. Beim Pommernschaf (ebenfalls grau mit schwarzem Kopf) musste ich nachbessern. Deshalb habe ich das jetzt als Vergleich genommen. Habe den Kopf aber trotzdem etwas dunkler gemacht.  

Anpassung der Vliesfarbe und Hörnerwindung

Den Kragen vom Steinschaf habe ich entfernt. Aber so richtig stimmt die Struktur der Wolle / der Gesamteindruck des Vlieses noch nicht... 

welche Version gibt die Vliesstruktur besser wieder?
Auf einer französischen Seite über die Rasse rate ich mir zusammen, dass die Wolle besonders lang ist. Bis 30 cm. Also doch eher wie die Heidschnucke. Allerdings sind die Schafe nicht so schmal und mit weniger zierlichen Beinen... 

Fertig! Oder doch nicht? Manech á tète noir? Nicht ganz...

Das stimmt immer noch nicht... die Hörner ... die Ohren sind auch noch falsch... knapp vorbei...
Passt schon ganz gut. Allerdings heißen die Manech tête noir!
So schon eher.... Ich lasse das erstmal sacken. Dann google ich nochmal (ohne vorher meinen Entwurf anzugucken).


Tassen mit Rassen kann man übrigens kaufen. Mehr zu Schafstassen hier (driftwool.de).


* Korrektur: Die Rasse heißt Manech tête noir! Zum Glück war diese Tasse eine Spezialanfertigung und meine falsche Schreibweise wurde noch rechtzeitig korrigiert!

***


Dieser Blogbeitrag wurde zusammen mit der roten Henne (aka der rote Raptor) geschrieben:






Mittwoch, 2. Oktober 2019

3. Oktober - Nationalstolz - wir haben aber sowas von den coolsten Nationalfeiertag!

Nationalfeiertag. Andere hüllen sich da in ihre Nationalflagge, singen inbrünstig die Hymne und sind ganz furchtbar stolz auf irgendwas. Ihren Pass oder so. 
Wir... sind eher nicht so stolz. Die einen sehen in ihrer Nationalität nix zum Stolz sein, die anderen sind ganz fürchterlich stolz und sagen das auch aber hinterher kommt 'darf man ja nicht sagen'. So ein Pfeffer! Meinungsfreiheit geht hier bei uns deutlich weiter, als die moralische Schmerzgrenze. Oder auch einfach die Spaßgrenze.

Also ich bin ganz, ganz fürchterlich stolz. Nicht darauf, deutsch zu sein. Ich würde meinen Pass auch eintauschen. Um Theresa May zu praphrasieren: Ich hätte gerne nicht nur einen EU Pass (was sie mit "citizens of nowhere" verunglimpft hat - für die, die von ihren Reden weniger mitbekommen haben) sondern einen "Citizen of everywhere" Pass.

Ich heiße mit Nachnamen Böhme. Das bedeutet, ein Vorfahre kam mal aus Böhmen woandershin und war dann halt "der Böhme". Böhmen ist in der Tschechischen Repubik. War aber mal Österreich Ungarn. Deutsch war's auch mal. Kriege, Hochzeiten und sicherlich auch die ein oder andere Wettschuld haben Grenzen verschoben.
Ich hab also irgendwie mehr oder weniger zufällig diesen Pass.
Und ich bin stolz.
Ich bin stolz auf die Leute in Deutschland. Auf uns. Dabei gibt es hier durchaus so einige, die ich für Volldeppen halte. Für die schäme ich mich und manchmal habe ich Mitleid.

Buhuhu wir dürfen nicht stolz sein, weil da diese "Geschichte" ist? Auf die kann man nun echt nicht stoz sein. Unser Umgang damit ist aber gar nicht sooo schlecht!
"Was haben wir da für eine Scheiße gebaut!" Reflexion, lernen, wachsen. Besser machen!
Anderen Nationen fehlt das ein bißchen...
Die weniger heldenhaften Taten der Vergangenheit werden gerne ausgeblendet und sind ja eh vergangen...
Ein Fliegenschiss in der Geschichte? Von wegen!

Ich bin jetzt hier mal ganz öffentlich stolz! Wir haben nämlich den coolsten Nationalfeiertag! Von allen!
Es gibt immer ein paar Reden von Politikern und alle (fast) haben frei.
(Da mal ein keines "Danke" zwischenrein an die, die nicht frei haben. Bauern, die... irgendwas machen, damit es auch nächstes Jahr wieder wächst; Busfahrer, die uns zu unseren Ausflugszielen kutschen; Rettungssanitäter, die uns aufsammeln, wenn bei unserem Freizeitspaß was schief geht.... )

Wir hauen uns an diesem Tag nicht selber oder gegenseitig auf die Schulter ob unserer wahnsinns Leistung.
Dabei gäbe es da einiges zu feiern! Erfolgreiche Wirtschaftsnation, recht gutes Sozialsystem, halbwegs funktionierende Demokratie (mehr politische Bildung wäre nicht schlecht aber das nur so am Rande):
Das ist schon was! Haben wir auch alle irgendwie unseren Anteil dran.
Und dann ist da noch 'Landschaft'. Haben wir auch einiges zu bieten. Und lustige Gerichte, regionale Bräuche, echt witzige Dialekte. Sagengestalten vom Feinsten:
Der Haarlecker aus der Pfalz, der nachts ein beklemmendes Gefühl in der Brust macht, weil er draufsitzt und der uns mit nassen Haaren aufwachen läßt. 
Rotkäppchen, die seit der Rückkehr der Wölfe wieder in aller Munde ist. Radagast der Braune aus dem Herrn der Ringe basiert auf einer slawischen Figur "von hier". Radeberg heißt nach dem. Also ist Radeberger Bier quasi ein Zaubertrank! 
Ein Prost auf unsere coole Sprache! Weltschmerz, Kopfkino, Fremdschämen!

Könnte man alles mal feiern.

Aber was 'wir' aus diesem Tag gemacht haben, ist der Hammer! Hintenrum irgendwie...

Ein freier Tag. Meist sogar mit nettem Herbstwetter. Großartige offizielle Feierlichkeiten gibt's nicht wirklich. Schulterklopfen für unseren Pass oder... irgendwas Obskures finden wir seltsam.  Also machen wir 'was Schönes'. Mit Freunden.
Seit ich auf Facebook bin, sehe ich abends am 3. Oktober immer Posts von Leuten, die genau das gemacht haben. Was Schönes mit Freunden. Und ganz oft sind das Ost-West Freundschaften. Oder auch solche zwischen Leuten mit verschiedenen Pässen.
(Manche reflektieren auch, wie ihr Leben so gelaufen wäre, würde die Mauer noch stehen.) 
Witzig übrigens, dass es Ost-West ist. West-Ost klingt doof. Dabei lesen wir von links nach rechts und auf der Landkarte ist Westen links. Aber im Osten geht die Sonne auf.... mmmhhhh)

Ohne Tamtam, ohne Ansage und ohne offiziellen Status haben wir einen 'Tag der Freundschaft' geschaffen.

Wir haben ja nix, worauf wir stolz sein können? Oh doch! 
Wir haben uns gefunden. Und wir starten jeden Tag neu. Von hier. Mit Lektionen aus der Vergangengenheit und Visionen für die Zukunft!
Miteinander! 

Leute: Macht was draus! Einfach nur "was Schönes". 

Was ich auch genial finde: Ich habe gerade googe fotos befragt nach einem Bild für diesen Beitrag. Suchbegriff "Grenze": Null Treffer! Dabei habe ich schon mal (psssst!) während der Fahrt fotografiert, als ich die Grenze nach Polen, in die Niederlande, nach Dänemark und in die Tschechei überquert habe. Weil ich es so geil finde, dass da nur steht, wie schnell naml fahren darf. Und ich finde es super, in "einem anderen Land" zu sein! Zum Thema Freundschaft hat der Algorithmus mir unter anderem dieses gebracht:

Die Freiwillige Feuerwehr Goldbach (?) beim Hexenbrennen



Genießt Eure Freunde! Habt Spaß!

Sonntag, 11. August 2019

Sheep can heal hearts - social competence in small ruminants

I heard the other day that the Navajo say that sheep heal hearts.
Sheep are social animals. That's not news. What many people don't know is that their leadership skills surpass those of primates (including humans).
One of my favourite topics: if you want to be an exceptionally good leader, don't lead like a lion. Lead like a sheep!
More about that and some research and anecdotes behind that later. And probably as a book.
Just now I... want to contemplate a thought I had. In English because I hope for lots of feedback and stories that people might be willing to share.

Let me start with a little background for readers who are not 'half sheep'...
Sheep are social. Sheep are flock animals. Which means they don't only need 'a mate'. They need a flock. Some people say three sheep are minimum, some say 15. I say: it depends. Every sheep needs to see other sheep. At all times. Or at least know that one is over there. Some sheep and some breeds of sheep (like Shetland sheep) are brave and clever and content. Others are flighty and easily scared (and often extremely clever too - to escape dangers!)
So an average sheep, as a flock animal, grazes with a little distance to others. They have good peripheral vision but a predator stalking them could still creep up. Every sheep looks out for them while grazing. To feel calm and safe a sheep wants to see other sheep being calm. Knowing that they are watching out too. Put simply: the more calm sheep (who are all constantly watching out for dangers) are in one individual's field of vision, the safer the world is.
If one sheep in a flock is suddenly alert but lots of others are still calm, one individual who sees the alert sheep will not panic. But if a critical mass of others stop grazing and look up, it will look up too. (In case the first one sees danger that nobody else sees, she will give a warning whistle!)

OK. So that's sheep behaviour in a nutshell to set off what I was wondering about the other day.

To go and sit with my sheep is soothing. They ground me with routines I do and they go with the seasons. That connects me. They are good for heart and head. Lambs having fun are great to watch. Sheep are good for calming the mind. Most animals are. A dog will come and try to make you smile. Dogs often seem to apoplogise when we seem sad or angry. Sheep don't do that.

On a normal day when I sit with my sheep they do what they do. Graze or chew cud or bounce over the pasture. But when I am really, really sad and the world gets too much they... come and lie at my side. They lie down close by and chew cud and are as relaxed as only sheep can be. Not just one. Enough to be a critical mass.
And the place I sit down is not one they normaly lie.

Sheep are extremely good at reading other species' thoughts. Neighbours cat out walking? Fine. Neighbour's cat in hunting mode? Whistle. A dog on a walk? Fine! Sheepdog? Stand to attention! Same with me when I have a knife in my pocket to trim feet. I can't pretend innocence enough to fool a sheep! Lying to a human is comparatively easy, lying to a sheep impossible. Sheep can be lead with heartfelt confidence but not with insecurity in a pretend shell. Watch a real shepherd with a huge flock!

So this is what I thought the other day: it is not a coincidence! Sheep are not only soothing because they give structure to a day and force us out from under the blanket where we would love to hide. It is not only soothing because we watch gentle creatures being content and chew cud. I am convinced they do this on purpose. When I am sad and feel lost they make it so that I see as many of them as possible being content and calm. Not trying to cheer me up. Just saying - very clearly -  that all is well for now!

Sheep can heal hearts

Maybe there's a lesson here for us.


Any anecdotes or moments you are willing to share: please do so! Either as a comment here or drop me an email.
books(at)driftwool.de

Donnerstag, 13. Juni 2019

Warum Böcke sich kloppen...

Der mit den dicksten Dingern ist der Boss?


Die Verhaltensforschung hat ja so einiges überdacht im  Laufe der Zeit. Mein Lieblingsbeispiel ist der kluge Hans. Erst hat man dem Pferd menschliche Fähigkeiten zugestanden (Rechnen können) und dann war man extrem enttäuscht, dass das Tier gar nicht rechnen kann. Über diese Enttäuschung hat man die wirklichen Fähigkeiten lange Zeit übersehen.
Und auch sonst wurden Tiere aus einem seltsamen Blickwinkel betrachtet. Zum einen sehr menschlich / anthropozentrisch und zum anderen abgrenzend zu uns. Gefühle, Liebe, Spaß oder Fähigkeiten, die wir für besonders gut halten, können die nicht haben. Dafür aber Ambitionen, die wir wiedererkennen. Die vielleicht vor allem die überwiegend männlichen Verhaltensforscher wiedererkannt haben...
Dominanz. Der Stärkste hat Zugang zu Ressourcen. Der stärkste Bock mit den größten Hörnern deckt die meisten Zibben. Der prügelt sich seinen Weg zum Sex. Die Hörner sind Waffen! Je größer, desto besser.
Darwin selber hatte da eine andere Idee. Die selbst von seinen Anhängern ignoriert wurde. Die Evolution der Schönheit. Die besagt, dass die Weibchen eben nach Schönheit selektieren. Das passte lange nicht ins Weltbild und so wurden absolut übertriebenen Merkmalen "Fitnessmerkmale" zugeordnet. Wer mit so irrem Gefieder überleben kann wie so mancher Paradiesvogel, muss ja besonders fit sein. Oder: Diese Phänotpyen sind bestimmt genetisch mit besonderer Fitness gekoppelt und deshalb kommen sie bei den weiblichen Tieren so gut an.
Kann sein. Dass die Kämpfe von Böcken doch überwiegend rituell sind, ist ja klar. Die bringen sich nicht um. Eine Beobachtung fand ich besonders spannend:
Ich weiß leider meine Quelle nicht mehr aber es ging um Bighornschafe. Die wurden in ihrem "Kampfverhalten" beobachtet.
Da war ein gestandener Altbock. Und ein pupsiger Winzling, der ihn aufforderte. Der Alte hätte ihn ignorieren können, wenn es um "gewinnen" ginge. Oder von der Schulter wischen wie einen Fliegenschiss. Er hätte ihn auch mit einer Kopfbewegung wegschleudern können. Hat er aber nicht. Er ist drauf eingegangen. Und das hat zum Glück den Wissenschaftler fasziniert!
Es gab also einen ungleichen Show-Kampf. Mit viel Krawumms. Und dann... kam eine Zibbe um die Ecke. Und noch eine. Angezogen von dem Geräusch.


Mit einer Hand kann man nicht klatschen!
Ohne den pupsigen Lammbock hätte der Altbock niemanden anlocken können!

Und wie immer komme ich auf eine gedankliche Tangente... während so ein Altbock ganz schick rituell seinen "Kampf" vorführt und beschäftigt ist, hat so mancher Winzling seine Chance... Und DAS erinnert mich an einen Freund... Der konnte toll Gitarre spielen und singen. Uih! Was waren die Mädels angetan! Nur... er wusste nicht so recht, was er nach dem Spielen machen sollte. Also hat er weiter gesungen. Bis dann alle Mädels mit einem der anwesenden Jungs abgezogen sind...


Der weiße ist übrigens ein Hammel. Null Interesse an weiblichen Schafen. Aber diese rituelle Krawumms-Nummer fand er gut! Oder er hat seinem Bock-Kumpel den Gefallen getan...



Dienstag, 28. Mai 2019

Schafe und Wolle in Europa - das Buch in der Vorschau

"Gibt es eigentlich ein Buch, in dem die Wolle der verschiedenen Schafrassen beschrieben ist?"
Ja
"Auf deutsch?"
Nö. Aber bald!
Ich freue mich sehr, das hier schon mal vorstellen zu können:

Wolle europäischer Schafrassen
Mit der niederländischen Autorin bin ich durch die Shetlandschafe in Kontakt gekommen. In Zusammenhang mit dem Buch hatte ich angeboten, dass ich ja mal drübergucken könnte... nicht, dass in der Übersetzung Fachbegriffe falsch (oder "ungewöhnlich") übersetzt wurden.
Also: Ich hab mal drübergeguckt! Und glaube, dass wird eine echt nützliche Ressource für all die experimentierfreudigen Spinner und Filzer (und bestimmt auch für Schafhalter), die Interesse an der unglaublichen Vielfalt der Schafe haben!

Betty war so nett, mir einen Text über sich und die Idee zum Buch zu schreiben, den ich für den Blogbeitrag übersetzt habe.
Eine Beispielseite gibt es auch, allerdings auf niederländisch:

Wollbuch - Beispielseite Texelwolle

Betty Stikkers, Schafe und Wolle in Europa


Mein Name ist Betty Stikkers. Ich wohne in dem wunderschönen Dorf Oijen, an der Maas. Zusammen mit meiner Freundin Linda züchte ich seit 25 Jahren Shetlandschafe.
Außerdem züchten wir Sherinos. 75% Shetland und 25% Merino. Schöne Schafe mit toller Wolle - die allerdings sehr fein ist und nicht jedem Spinner liegt.
Wir haben angefangen, die Sherinos mit Longwools zu kreuzen. Das gibt wunderschöne Tiere mit klasse Wolle. Sehr vielfältig!

Die Frage “Wieviele Rassen gibt es und wie ist deren Wolle?” war der Auslöser dafür, Bücher über Schafe und Wolle zu schreiben. Das sind vor allem Nachschlagewerke mit vielen Bildern und vielen Informationen. Zuerst gab es eine Niederländische Version. Wir haben viele Schafrassen hier. 69 Wollrassen. Immer mehr Menschen begeistern sich für das Spinnen und Filzen und suchen Informationen zu diesen Rassen.

Dann habe ich angefangen, über einen weltweiten Wollführer nachzudenken. Aber Veranstalter von Wollkursen hier und im Ausland haben mich zuerst um eine englische und Deutsche Version gebeten.
Glücklicherweise habe ich die Zeit dazu und kann das Buch selber erstellen, was die Kosten unter Kontrolle hält.

Von all der Wolle die ich bekommen, lasse ich den Mikronwert testen. Dann teste ich eine Probe: filze 20g und weitere 20g werden von Theres Akkermans versponnen, die eine sehr erfahrene Spinnerin ist.
Gefilzt wird die Wolle aus dem rohen, ungewaschenen Vlies. Alle zur gleichen Göße ausgelegt und gefilzt in der Waschmaschine unter gleichen Bedingungen (2x bei 60°, 1,5h).
Natürlich kann man Wolle wunderbar mit der Hand filzen aber mir geht es darum, eine Einschätzung abzugeben, wie gut die Wolle filzt, wie stark sie schrumpft, etc.

Theresa geht mit ihrer Erfahrung ähnlich vor.
Besonders wichtig in dem Buch sind die Bilder! Sie sollen die Eigenschaften und den Charakter der Schafe wiedergeben aber sie sollen auch einfach schön sein! Das hat besonders lange gedauert. Es gibt wunderbare Bilder im Internet, die hervorragend geeignet wären. Dazu muss man “nur” den Fotografen ausfindig machen und die Nutzungserlaubnis einholen.
Geplant ist, dass die englische und die deutsche Version Ende Juni erhältlich sind!


Update

Es ist erhältlich! Mehr hier


Dienstag, 23. April 2019

Papageienliebe

Mal wieder eine Geschichte aus der Wissenschaft. Genauer gesagt: Ein Nebenprodukt. Eine Geschichte am Rande, die schon viele Jahre her ist... Fiel mir heute ein, weil ich an Papageien gedacht haben.
Also: Graupapagei Alex. Da Papageien ja sprechen lernen können, hat sich eine Biologin mal näher damit beschäftigt. Alex sollte aber nicht einfach lernen, Laute nachzuahmen. Es ging darum herauszufinden, ob ein Sprachverständnis möglich ist. Also hat sie dem Papagei das Sprechen im Kontext beigebracht. Zwei Menschen sind im Raum mit Alex, einer sagt "Erdnuß" und bekommt vom anderen eine Erdnuß. So in der Art. Auf diese Art hat Alex beispielsweise Konzepte wie "größer und kleiner" gelernt. Es gibt dazu auch Veröffentlichungen.
Die Biologin, die sich viele Jahre mit Alex beschäftigt hat, hat sicher auch einen Namen. An den kann ich mich aber nicht erinnern...
Die charmante Geschichte spielt am Rande. Alex mußte zum Tierarzt. Vielleicht musste ihm der Schnabel gekürzt werden... Also hat die Biologin ihn zum Tierarzt gebracht. Alex fand das ziemlich furchterregend und hatte echt Angst. Also hat er in seinem Kopf gekramt nach etwas, was er sagen könnte. Etwas, was ihm in dieser Situation hilft, ihn vielleicht sogar dort rausholt....  Er sagte "I love you"!
Ich wäre dahingeschmolzen! Aber unabhängig davon ist das total faszinierend. Er zeigte damit ein ziemlich komplexes Verständnis von Kommunikation. Er konnte die Emotionen oder Reaktionen auf seine Wörter einordnen. Und zwar die Reaktion einer komplett anderen Spezies auf Laute, die er in seinem natürlichen Umfeld nicht machen würde. In seinem Vokabular war das der Satz, der für "bitte lass nicht zu, dass mir weh getan wird" steht. Oder "Ich hab Angst. Mach, dass das weg geht". "I love you" ist ja kein konkreter Satz. Nicht wie "gibt mir bitte eine Erdnuss". Der Kontext, in dem der Satz vorher gefallen ist, war aber sicherlich immer sanft und gut und ... lieb. Worte in Situationen, die das Gegenteil von seiner jetzigen waren.

Hühnchen. Ich hab kein Bild von nem Graupapagei

Mich erinnert das an Vivienne. Ein kleines Mädchen in Irland. Ich hab als Au-pair auf sie aufgepasst. Sie war 1,5 als ich kam und hat mit Sprechen auf Deutsch und Englisch angefangen. Mit ziemlich coolem Verständnis dafür, was welche Sprache ist und wer die spricht. Mit der Ausnahme, dass gelber Löffel und yellow spoon zu "gelb spoon" und "lellow Löffel" wurden. In diesen Kombis klingt das auch viel passender... Worauf ich hinauswill: Als ich ging, konnte sie ja noch nicht sonderlich viel sprechen. So ein Jahr später war ich wieder da und hab sie gefragt, ob wir deutsch reden wollen (auf deutsch). Das war ganz schön viel verlangt. Man konnte es rattern sehen in ihrem Kopf. Das war eine Frage und sie suchte eine Antwort. Sie sagte "Schmetterling". Das einzige Wort, dass sie noch lange verwendet hatte. Auch, weil die Eltern das immer mal gesagt haben (weil sie es so cool fanden). 
Sie hätte einfach "Häh?" sagen können. Oder - wenn sie die Frage wirklich verstanden hat - "Nein". Aber sie wollte ja. Und hatte darauf nur eine einzige Antwort. Schmetterling.