Montag, 12. September 2016

Wikinger, Wikingerschafe, Wikingerkult, Wikingermutanten,...

Diese Faszination mit den Wikingern…. kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Ich kenne Leute, die sich in ihrer Freizeit als Wikinger verkleiden und…. sonstewas machen. Met trinken vermutlich…
Letztes Jahr in Schottland habe ich gleich mehrere Leute kennengelernt, die einen Gentest zur Ethnizität als Geburtstagsgeschenk bekommen haben. Und alle waren enttäuscht, daß sie keine Wikinger waren.
Mmmmhhh… warum? Was ist so faszinierend? Die waren halt ein bisserl unterwegs so um’s Jahr 1000. Meist raubend und plündernd. Tolle Seefahrer, fiese Möpp….

Damit hatte sich mein Fachwissen dann schon fast erschöpft. Bis ich in San Francisco in einem der vielen schnuckeligen kleinen Buchläden war und unbedingt irgendwas kaufen wollte. Ein Titel ist mir entgegengesprungen: Gudrid the Far Traveller. Damit habe ich mein Wikingerfachwissen immens erweitert: Das Buch handelt von einer Archeologin auf den Spuren besagter Gudrid. Eine der Figuren (und eine der wenigen weiblichen) aus den isländischen Sagas. Die Archäologin verfolgt ihre Spuren von einem Fjord in Norwegen zu Ausgrabungen in Island und Grönland bis hin nach Amerika. Den Wikingern sagt man nämlich nicht nur nach, daß sie es bis Amerika geschafft haben: Scheinbar hat man in Neufundland tatsächlich ein Langhaus ausgegraben!
Und damit ist auch der letzte Ort, der mich aus unerfindlichen Gründen fasziniert, ein “Wikingerort”.

Jetzt hat es einen Namen - das kleine Shetland Schaf, das mich auch jetzt begleitet

Kleine Information am Rande: Auch wenn die Wikinger grandiose Navigatoren waren - mit damaligen Mitteln war das nicht immer ganz genau. Anscheinend haben sie irgendwann von Norwegen aus Orkney und Shetland entdeckt, sind zurück und wollten da irgendwann wieder hin. Nur haben sie die Inseln knapp verfehlt und sind in Färö gelandet. Auch das hat ihnen so gut gefallen, daß sie noch mal hin wollten. So haben sie Island entdeckt. In der nächsten Runde dann Grönland und schließlich Neufundland. DIESE Art der Entdeckung macht sie mir doch glatt sympathisch!

Was aber wirklich faszinierend an den Wikingern ist, sind ihre Schafe. Letztes Jahr habe ich Schimpfe bekommen, weil ich die North Ronaldsays “Wikingerschafe” genannt habe. Die sind nämlich viel älter als die Wikingerzeit und wurden mitnichten von denen auf die Insel gebracht.
Aber so habe ich das gar nicht gemeint. Muß ja gar nicht heißen, daß die Wikinger die Schafe auf die Insel gebracht haben. Von irgendwo müssen sie sie ja geholt haben, bevor sie sie verteilt haben! DIESE Interpretation macht auch schafsverrückte Biologen auf North Ronaldsay glücklich!    Vielleicht waren die ersten ja die “keltischen” Soays von St. Kilda…. die haben zwar kurze Schwänze aber gelten nicht als nordische Kurzschwanzschafe. 5000 Jahre soll die Rasse alt sein. (Hier in Norwegen sage ich das besser nicht! HIER ist nämlich der Ursprung, sagen sie....)
Grönland hatte auch kurzschwänzige Wikingerschafe. Der Ostseeraum auch. Zum Beispiel meine Skudden. Die alte Handelsroute der Wikinger ging über die Nordsee bis runter ans Schwarze Meer.
Das habe ich bestimmt alles schon mal geschrieben. Es ist aber auch faszinierend! Mein Wikinger-Schulwissen sagt nämlich, daß die “norwegischen” Wikinger Richtung Westen auf Entdeckungstouren und Raubzüge gegangen sind und die “schwedischen” Wikinger handelnd Richtung Südosten. Viel Kontakt gab es wohl schon aus geographischen Gründen nicht.
Ich les da gerade ein  bißchen nach. Ist vielleicht Quatsch. Die Schafe müssen auf jeden Fall von einem zum Anderen gekommen sein. Auch wenn man nicht mit seinem ganzen Hausrat über hohes Gebirge von West nach Ost oder umgekehrt zieht: Der Bauer auf DIESER Seite des Berges weiß ganz bestimmt, was der Bauer auf JENER Seite des Berges für Tiere hat!

Außerdem muß es noch ganz andere Kontakte gegeben haben… Es gibt da nämlich eine Mutation beim Menschen. CCR5Delta32. Die ist so “unwahrscheinlich”, daß man davon ausgehen kann, daß sie nur einmal aufgetreten ist. Also bei nur einem Menschen und nicht zufällig die gleiche Mutation bei mehreren. Diese Mutation findet sich bei “Wikingernachfahren” sehr häufig. In Skandinavien, in Orkney und Shetland, sie ist auch in Irland viel häufiger als in England. (Dublin war die wichtigste und größte Stadt der Wikinger. Trotzdem sind die Iren stolz auf ihre keltischen Wurzeln und niemand erwähnt stolz die Wikinger. In Schottland ist das irgendwie andersrum…. obwohl… auf den westlichen Inseln nicht. Da ist man stolz “keltisch”). Auf jeden Fall: Es gibt viele wirre Theorien, wo dieser erste “Mutant” denn herkam. Unter anderem wird Norddeutschland erwähnt oder - was viel cooler klingt: Das “verlorene Königreich von Khazar”. Norddeutschland oder Khazar: Die Mutation hat sich entlang der baltischen Handelsroute verbreitet. Bis in den hohen Norden. Irgendwann muß diese Mutation einen wahnsinnigen Vorteil geboten haben. Auch da hat die Wissenschaft mehrere Theorien: Gegen die Beulenpest oder gegen die Pocken. Auch nur wilde Spekulation aber dadurch, daß sich die Mutation entlang der östlichen Handelsroute der Wikinger bis in den Nordwesten und bis nach Island finden läßt (in Südwesteuropa aber so gut wie gar nicht) kann man vermuten, daß es eine Mutation aus der Zeit der Wikinger oder davor ist. Und das es überall dort “Kontakte” gab. Und ziemlich sicher ist, daß alle Menschen mit dieser Mutation einen gemeinsamen Vorfahren haben. Vielleicht einen Wikinger. Auf jeden Fall einen sehr kontaktfreudigen Menschen....


Kommentare:

  1. Schau mal, hier gibt es einen Wikingerschiffnachbau und die sind mit dem Nachbau von Norwegen bis in die Great Lakes gesegelt:
    http://www.drakenexpeditionamerica.com/

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    1. Oh danke! (Vermutlich nicht ganz so irre wie die Typen, die in ihrem Kayak von Grönland nach Norwegen gepaddelt sind aber aufregend genug!) Wenn das Netz reicht, geh ich mal stöbern! Mußten die nicht in Shetland zwischenhalten und irgendwas reparieren? Irgendwas war da..... Ich les ja gerade in meinem Wikingerbuch weiter und zu der Frage, WARUM die losgefahren sind, schreibt Neil Oliver sehr schön: Some Wanderers have always chased the setting sun, even if that means heading out into the sundering seas in open boats. Wenn man hier groß wird, ist das, glaube ich, ganz normal. Da ist noch ne Insel. Da muß man hin! Und dann noch eine! Und bestimmt ist dahinter noch eine! Da kann man doch gar nicht aufhören! Wüstenwanderer erzählen das über Dünen.... Vielleicht haben die Wikinger auch nur ein Stück Land gesucht, das nicht senkrecht nach oben geht.....

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