Dienstag, 14. Juli 2015

Sheep Hill

Was hatten wir für ein Glück: Zufällig sind Swift und ich gerade auf Fair Isle, wenn sheep caa ist. Das große Einsammeln der Schafe von der "wilden" Gemeinschaftsweide. Der nördliche Teil der Insel - vielleicht so ein Drittel - ist Moor, Heide und Geröll. Da leben die "hill sheep" - die Shetlandschafe von Fair Isle. Jeder hat den gleichen Anteil Weiderechte - Jedes Croft hat 20 Schafe auf dem Hill. Die eigenen Schafe erkennt man an den traditionellen "Lug Marks" - das sind bestimmte Markierungen, die den Schafen in die Ohren geschnitten werden.
Im Herbst werden die Lämmer gleichmäßig aufgeteilt - egal, ob sie von den eigenen Tieren stammen oder nicht. Vorher werden die Schafe aber schon zweimal zusammengetrieben: Zur Schur. Zweimal, weil beim ersten Mal immer welche entwischen.


Zum caa kommen alle zusammen: Crofter, work-camper und Leute wie ich, die sowas immer schon mal machen wollten. Weil das Wetter etwas unvorhersehbar war, haben wir erst einen Teil "ge-caad" und die Schafe geschoren und dann den anderen. 
Ich hatte den Eindruck, Einheimische und Freiwillige würden jeweils die Hälfte der Leute ausmachen.
Die zwei Einsammelaktionen zur Schur werden möglichste so gelegt, daß gerade Work-camper auf der Insel sind, weil man zum Zusammentreiben schon ordentlich Leute braucht.
Man könnte auch ein paar mehr gute Hunde brauchen - die sind nicht sonderlich beeindruckend. (Mit Ausnahmen, die mir echt gut gefallen haben.) Weder auf dem Hill noch zu Hause auf den Hauskoppeln. Sie sind ausschließlich ein "weiterer Mann in der Reihe" und Förderung der Fähigkeiten der Hunde findet nur in ganz wenigen Ausnahmefällen statt.
"Warum schickt er nicht den Hund?" habe ich mich öfter gefragt. Die Antwort ist einfach: "Weil die Hunde das nicht könnten".
Genausowenig, wie die Fähigkeiten der Hunde trainiert werden, werden die "auswärtigen Helfer" eingewiesen. "Von der Ecke wollen wir die Schafe holen, dort an der Mauer treiben wir lang, da ist der crö (Pferch)" wär deutlich hilfreicher als "paßt auf, daß keines durchkommt". WO keins durchkommen soll und wo es statt dessen hin soll, wird als Allgemeinwissen vorausgesetzt. Man macht das ja nicht zum ersten Mal.....
Bei der zweiten Runde hatten Swift und ich dann einen klaren Auftrag: Vom Ende der Landebahn bis zu dem Zaun ein paar hundert Meter weiter sollten wir die Absperrung sein.

Der Flieger ist weg - es kann losgehen




Da konnte ich in aller Ruhe das Chaos, Geschreie und Gerenne beobachten und Swift hatte den einfachen Job, ein kleines Grüppchen Schafe zur großen Gruppe zu schieben. Als die Massen kamen, wurde es dann schwierig: Heilose Aufregung, rennende Schafe und die super engagierte aber invalide Swift durfte sich nur recht statisch am Rande wichtig fühlen. Da gab es dann kurz mal die Quittung für meine Überheblichkeit als Swift meinte, die Schafe dürften bestimmt nicht im gestreckten Gallopp um die Ecke verschwinden und müßten sofort gestoppt werden. Ich glaube, in der BBC Dokumentation wird ein Hund zu sehen sein, der mal eben aus der Reihe tanzt und eine Besitzerin, die fürchterlich hektisch schreit......

Das Filmteam: Immer dabei

Nach der kleinen Episode durfte Swift dann ganz doll wichtig mit zum Pferch treiben. Sie fand's super und ich war ziemlich sicher, daß das ihrem kaputten Bein nicht schadet.
Später habe ich dann diverse Kommentare zu Swift gehört - immer von Frauen und immer "Ah ja! Mein Mann hat das erzählt, die war wohl echt gut auf dem Hill!"  Witzig. Hat ja fast nix gemacht. Da hat sie wohl sehr stylisch bei ausgesehen....


Leider hatte ich keine Chance, mit Ian Stout zu reden. "Der weiß alles über Schafe!" hieß es. Nur leider ging er gleich am nächsten Tag auf Reisen. Ich hätte gerne gewußt, was er so von den Hunden auf Fair Isle hält.... 
Eine junge Familie habe ich getroffen, die gerade ihren ersten Sheepdog Welpen haben und die haben ganz was Unkonventionelles vor: Die wollen den Hund gemäß seinen Anlagen trainieren und er soll dann "gathern"! Revolutionär! Sie gucken Videos und besuchen Trainer, wenn sie unterwegs sind. Ich hab ihnen den Floh ins Ohr gesetzt, daß der ein oder andere Trainer vielleicht auch gerne mal nach Fair Isle kommen würde!


Fast mehr Menschen als Schafe

Die Schur ging mit soviel Leuten recht flott. Auf Fair Isle wird zum überwiegenden Teil mit ganz seltsamen "Scheren" geschoren. Die sind wie kleine Heckenscheren oder lange Klauenscheren. Sieht seltsam aus aber funktioniert.

Saskia mit einer typischen "Fair Isle Schafschere"

Mit Messern schert hier leider niemand. Das hätte ich gerne mal gesehen.






Kommentare:

  1. Huui, das sieht ja richtig nach tohuwabohu aus :)))

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    1. Das war es auch. Aber so funktioniert das da ganz gut. Großes Durcheinander gefolgt von Wohlgefallen (und Schafe getrennt vom Vlies). Ziel erreicht.
      War toll und ich hatte ordentlich Schafe zu scheren!

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  2. Hallo Irina,
    was ist das dort schön! Höre gerade Musik von den Hebriden, passt gut dazu.
    Ich schaue immer wieder gerne rein!
    LG Sirko

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  3. Ha Irina!
    I love your last blog and photos! We are still waiting to have our 16 ewes clipped, but the hoggs are done and we have 30 Blue Faced Leicester fleeces as well. All skirted and weighed. I will have a lot of wool to send to the mill....
    Hope you are enjoying yourself.
    Till we meet again,
    Fransje

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  4. Irina, was für eine schöne Erinnerung!
    Lieben Dank und liebe Grüße,
    Saskia

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