Freitag, 22. Mai 2015

Herdwick Schafe

Herdwick Schafe sind keine Wikingerschafe. Sie sind aber die Schafe mit dem größten Wiedererkennungswert. Gesichter wie Teddybären und Füße wie ein Brauereipferd.
Auf der Isle of Man wollte ich mich eigentlich mit Keith treffen - zum Thema Loaghtans. Nun ja, ich habe ihn verpasst aber da ich wußte, das er zu einer Herdwick Veranstaltung in Keswick ist und mich mein Weg eh wieder durch den Lake District geführt hat, habe ich mein Glück versucht. Ich hab ihn gefunden. Und die Herdwick-Veranstaltung gleich dazu. Keith ist unglaublich neugierig und fragt jeden aus - die perfekte Gesellschaft auf so einer Veranstaltung! Die Veranstaltung war die Tup Fair. Die erste Show des Jahres, in der nur Böcke gezeigt werden.

Herdwicks sind die super anspruchslosen Schafe der verdammt hohen Berge des Lake Districts. Sie waren fast ausgestorben bis sich Beatrix Potter ihrer angenommen hat. Wer Beatrix Potter nicht kennt: googeln! Sie hat reizende Kindergeschichten geschrieben und gezeichnet und damit viel Geld verdient. Was sie zum Teil in die Rettung der Herdies gesteckt hat. Heute sind die Schafe wieder sehr beliebt und das Wahrzeichen der Region.

Traditionell haben sich die Schäfer im Herbst Deckböcke ausgeliehen und die im Frühjahr wieder zurückgegeben. Das ist der Ursprung der Tup Fair. Da hat man gezeigt, was für ein guter Schäfer man ist und wie gut man die Tiere durch den Winter gebracht hat.
Ebenfalls traditionell wurden die Schafe mit Herdwick-Ocker eingefärbt. Und diese Tradition behält man bei. Das "Ocker" ist ein Pulver aus Eisenerz und färbt die grauen Schafe rötlich.

Anders als auf anderen Schafsausstellung werden die Schafe nich halfterführig gemacht sondern einfach nur gegriffen. Um ihre Bewegungen zu beurteilen, werden alle Schafe im Ring laufen gelassen. Was bedeutet, daß auf Geheiß der Richter jeder wieder sein Schaf greifen muß. Für mich der spaßigste Moment in jeder Klasse!

Zu gewinnen gibt es jeweils ein paar Pfund, ein paar Pokale, die ein oder andere Flasche Whisky und ganz viel Ansehen. Und für den Oberchampion ein Bild in der Zeitung. Es waren zwei Journalisten da. Einer von einer großen Zeitung (Guardian?) mit fetter Ausrüstung und feinen Schuhen und einer vom lokalen Farmerblatt. Mit Gummistiefeln und wesentlich mehr Humor!

Ich hab zig Bilder gemacht von denen ich ein paar in Collagen gepackt habe. (Ich bin jetzt wieder da, wo das Internet zwar zu haben ist aber nur sporadisch und in kleinen Mengen!) Auf einem sieht man, wie ein kleiner Läufer aus der Wolle gemacht wird. Für den Handspinner ist die Wolle nix. Derb mit unglaublich viel Stichelhaar. Was die Schafe sehr regenfest macht. Eine englische Firma macht aus der Wolle Isolierung für Schornsteine. Dafür eignet sich wohl nur diese Wolle. Kardiert ist sie wie ein Topfschrubber aus Drahtwolle. Nur sehr schwer entflammbar.... Es gab eine Klasse für "best coated ram" und eine für "best wool". Den Unterschied konnte nicht mal Keith herausbekommen. Es gab auch Klassen für die fettesten und da wurde einer der Richter vom lokalen Schlachter ersetzt, der da vermutlich den besteb Blick dafür hat.

Der Termin für die Tup Fair ist übrigens immer der Donnerstag auf den dritten Mittwoch im Mai! Und die Klassen werden auch sehr traditionell eingeteilt. Langsam komme ich dahinter, wie man welche Altersgruppen hier nennt:
Hoggs - die ganz kleinen, die weiblichen sind wahlweise auch Gimmers
Shearling - wird der Hogg nach der ersten Schur
Twinter - mein Lieblingsbegriff: hat zwei Winter hinter sich und wird dann bald zu
two Shear - zwei Schuren, Ewe (weiblich) oder Ram (männlich) bzw. hier: Yow und Tup



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen