Sonntag, 31. Mai 2015

Wolle



Auch wenn die Farmer jammern, daß man für Wolle nix mehr kriegt: Hier ist der Wollverkauf ganz gut geregelt. Nach Aussage der Farmer bekommt man die Schurkosten wieder rein. Das ist ja schonmal was....
Hier  in Großbritannien wird zentral ein- und verkauft. Das britische Wool Marketing Board hat das Wollmonopol. Jeder, der mehr als vier Schaf hat, muß an das Wool Marketing Board verkaufen. Man darf seine Wolle nur mit Ausnahmegenehmigung anderweitig verkaufen. Außer auf Shetland. Bei kleinen Herden, Spezialitätenrassen und bei farbiger Wolle ist das mit der Ausnahmegenehmigung ganz locker. Bei farbiger Wolle sind sie sogar froh drum. Die verkauft sich schlecht weiter. Die weiße Wolle wird sortiert und in riesigen batches in Bradford versteigert. Zum Großteil nach China.
Die Feinheit der Wolle wurde traditionell im "Bradford Count" gemessen. Der besagt, wieviele Meter Garn man aus der Wolle spinnen kann. Je feiner, desto mehr.
Das System hier läuft so, daß man vom Wool Marketing Board Säcke bekommt. Man muß die Vliese auf eine bestimmte Art rollen und den allergröbsten Dreck entfernen. Jedes Vlies wird dann später in fein, mittel und grob sortiert und die einzelnen Feinheitsgrade gewogen. Danach wird man bezahlt. Oller Schiet wird einem um die Ohren gehauen.
Das ist in Deutschland anders. Da, wo es überhaupt noch Wollsammelstellen gibt, landet alles. Schiet inklusive. Und noch mehr. Die Schäfer sagen, daß sie für bessere Preise auch besser sortieren würden, die Sammelstellen sagen, daß sie erst mal bessere Wolle sehen wollen, bevor sie mehr bezahlen!
Hier wird also der Dreck entfernt, gerollt und gesackt. Dafür braucht man solange, wie der Scherer für ein Schaf. Zumindest bei den kleinen Shetlandern. 


Später wird nochmal ganz genau sortiert (jedes Vlies wird nochmal in die Hand genommen und in 115 Feinheitsgrade unterteilt!) und gewogen und versteigert. Und je nachdem, was die Versteigerungen bringen, bekommt man Geld. Im nächsten Jahr.
Wolle ist nicht gleich Wolle. Selbst die Wolle der "Wikingerschafe", hinter denen ich ja her bin, ist von Tier zu Tier und erst recht von Rasse zu Rasse unterschiedlich. Meine kleine Probensammlung besteht erst aus drei Locken und paßt noch in das Fach unter'm Autoradio..
Für weiße Shetland sind die Preise ganz gut. Knappe 2 Pfund. Für die Bergrassen sind es teilweise nur 60 Pence - was unter dem Schurpreis von 1 Pfund pro Schaf (bei kleineren Herden) liegt.
Richtig gut ist der Preis für die seltenen Longwools. Blue Faced Leicester liegt bei 5 Pfund, Wensleydale bei 3 Pfund. Und da ist ordentlich was dran. Kann schon mal in Ausnahmefällen bei 11kg pro Schaf (Lincoln Longwool) liegen! Diese Wolle ist lang (bis zum Boden) und fein und glänzend. Und war Grundlage des britischen Reichtums im Mittelalter. Mittlerweile sind die Rassen super selten und nur weil das Angebot noch viel geringer ist als der kaum vorhandene Bedarf, kommt es zu diesen Preisen. Die Schafe sind auch sehr anspruchsvoll und damit teuer in der Haltung!

Auf der Farm auf der ich zur Schur war - mit kleiner Herde - lag der gesamte (erwartete) Erlös bei ca. 15 Pfund. "Früher" hat man die Pacht für die ganze Farm aus dem Wollgeld bezahlt.
Die bunte Wolle und andere Spezialitäten vermarkten die Leute heute eher selber. Viele lassen ihre Wolle waschen und spinnen, einige auch weben. Die ganz feinen Vliese vekauft man "roh" an wollverrückte Handspinner. Die wiederum haben manchmal kleine Läden. So einen habe ich heute gefunden auf der Isle of Skye.  



Auch wenn die Wolle in den großen Farmen heute nur noch ein Abfallprodukt der Fleischproduktion ist, hat man durch das Wool Marketing Board und vermutlich auch durch die Geschichte als einst reiche "Wollnation" noch einen Sinn für die Wolle. Die Spezialitätenrassen werden oft auf feine Wolle gezüchtet aber auch bei den anderen Rassen ist die Wolle in den allermeisten Fällen deutlich besser als die der deutschen Rassen und ich habe den Eindruck, die Leute können Wollqualität besser einschätzen.
In Deutschland z.B. wirbt der Skuddenzüchterverband damit, die Skudde hätte die feinste Wolle der Welt. Irgendwann muß ich dem mal auf den Grund gehen. Das kann eigentlich nur jemand behaupten, der von Wolle so gar keine Ahnung hat! Die Feinheit der Wolle wird durch die durchschnittliche Faserdicke bestimmt. (Die Länge spielt bei der Qualität auch eine Rolle sowie die Gleichmäßigkeit  von Länge und Dicke). Skudden haben superfeine Wollhaare. Vielleicht die dünnsten der Welt aber das mischwollige Skuddenvlies besteht aus dreierlei Haar. Zwei Sorten Haar sind grob bis superborstig. Und die machen einen verdammt großen Teil der Wolle aus! Das gibt ein super wetterfestes Schaf. Lange, wirklich "haarige" Grannenhaare an denen der Regen abläuft, dazwischen die feinen Wollhaare, die super isolieren und darunter die kurzen, borstigen Stichelhaare. Die wirken wie "Stützhaare" und sind die unterste Schicht, die auch ein komplett durchgeweichtes Schaf noch schützen. Zwiebelprinzip.
Die "modernen" Shetlander haben das nicht mehr. Die haben "single coat". Nur noch Wollhaare. Aber davon einen richtig dichten Pelz, der scheinbar auch gut schützt. Eine Züchterin aus den Cheviot Hills im Norden Englands hat mir allerdings erzählt, daß ihre Shetlander im ersten Jahr schon ganz schön gelitten haben.
Deckhaar und Wollhaar (double coated) mit mehr - aber meist weniger - Stichelhaar ist die übliche Austattung der Schafe, die hier in den rauhen Gegenden leben. Diese Kombination gibt gesponnen kein feines Garn, das man direkt auf der Haut tragen möchte. Aber die dicken Grannenhaare geben eine Festigkeit, die man vor Einführung von Kunstfaser sehr geschätzt hat. Zum Beispiel in Socken. Feinste, kuschelweiche Merinosocken müßte man täglich stopfen! Da nicht nur die Schafe sondern auch die Menschen Wetterfestigkeit brauchten, hat man sich das auch für die eigene äußere Schicht zu nutze gemacht. Gewebt ergibt das nämlich einen sehr guten Stoff. Ich hatte mal einen tollen Rucksack, der aus einem Baumwoll-Kunstfaser-Mischgewebe bestand. Bei Regen quellen die Baumwollfasern auf und drücken die Kunstfasern zusammen, was das Gewebe extrem regenfest gemacht hat. Genauso funktioniert ein festes Gewebe aus Mischwolle. Wenn man das dann noch anfilzt, hat man super wetterfeste Stoffe. Plus den Vorteil, daß Wolle auch noch wärmt, wenn sie schon durchgeweicht ist. Ich bin gerade auf den Hebriden. Inseln im Westen Schottlands, auf denen eigentlich nur solche harten, mischwolligen Schafe gedeien. Hier ist der Tweed zuhause. Fester, angefilzter Wollstoff. Zum großen Glück der traditionellen Weber, hat eine hochwohlgeborene Lady (Lady Catherine Herbert) gefallen an dem Stoff gefunden. Das war achtzehnhundertkeks... da war gerade viel altes, ursprüngliches in Mode. Romane über "edle Wilde" wie von Herman Melville (Moby Dick war übrigens anfangs ein Flop!) und auch die Erinnerung, daß man ja von alten schottischen Chieftains abstammte. Die Idee mit den Clan-Tartans - den Clan spezifischen Webmustern - wurde in der Zeit "wiederentdeckt" (oder geboren) und diese Dame hatte die Idee, sich ihr Clan-Tartan von den Webern der Insel Harris nachweben zu lassen. Ihr gehörte die Insel und somit war das ein super Marketing Coup. Harris Tweed war fortan nicht mehr Bauernzeug sondern ein ganz feines Stöffchen! Das britische Königshaus trägt Tweed! Die Bauern tragen auch Tweed.


In den nächsten Tagen hoffe ich, auf die Isle of Harris zu fahren und mir dort Webereien anzusehen. Am allerliebsten würde ich auch "waulking songs" hören. Waulking ist auf deutsch "walken" und das ist das rhythmische Knautschen und Knietschen, das es braucht, um Stoff zu verfilzen. Eine total ätzende Arbeit. Bei den langen Bahnen Stoff ist das ein Teamjob. Nasser Stoff mit Seife (oder früher Pipi mit sonstewas gemischt) mußten stundenlang geknetet werden. Das war ein Job, den die Frauen gemacht haben. Um im Rhythmus zu bleiben, hat man Lieder gesungen, die mich an die Lieder der Baumwollpflücker erinnern, wie man sie (vielleicht) aus Filmen kennt. Um sich die Langeweile dabei zu vertreiben, wurde Klatsch und Tratsch eingebunden und Geschichten. Eine Frau hat "vorgesungen" (der reiche Königssohn hat dies und das gemacht, der Paul hat mit der Else...., sowas) und die anderne haben den Refrain gesungen. Auf youtube gibt es unter waulking songs ganz coole Beispiele.


Freitag, 29. Mai 2015

Vorsicht: Rote Eichhörnchen!

Man sollte alles, was einem auffällt, fotografieren. Dann hat man Bilder für alle möglichen Blogbeiträge... Das mit den Eichhörnchen stand in England öfter mal auf Schildern an der Straße. Die sind also echt selten!
Heute war ich im Moredun Research Institute und habe einen Wissenschaftler getroffen, der sich mit Genen im Schafs-MHC beschäftigt. Und der hat auch von den Eichhörnchen erzählt. MHC ist - ganz einfach gesagt - der Genkomplex, der dafür zuständig ist, daß ein Köper "selbst" von "fremd" unterscheiden kann. Das muß man möglichst gut können, um z.B. eine Chance gegen Krankheitserreger zu haben. Gut ist auch, wenn das Immunsystem einen selber kennt. Sonst drohen alle möglichen Autoimmunerkrankungen.
Die britischen Eichhörnchen (bzw. DNA-Proben von ihnen) sind in dem Institut gelandet, weil sie durch ein Virus fast ausgerottet wurden. Dieses Virus hat das graue amerikanische Eichhörnchen eingeschleppt. Und das wiederum hat jemand eingeschleppt, der die roten Tierchen in seinem Landschaftspark zu langweilig fand und der gerne etwas Abwechslung wollte. Die grauen Eichhörnchen kommen mit dem Virus klar, die roten nicht. Im Süden des Landes gibt es fast keine roten mehr. Wobei mit dem Süden des Landes Südschottland gemeint war. In England gilt das überall. Deshalb die Schilder. Nördlich der Linie Glasgow-Edinburgh gibt es die grauen noch nicht. Sie werden auch rigoros an der Nordwanderung gehindert.
Die Genetiker haben bei Ihren Untersuchungen herausgefunden, das die britischen roten Eichhörnchen eine ganz andere Ausstattung an Genen im MHC haben als alle anderen europäischen Eichhörnchen. Außer die auf der Insel Arran (die von dem Boat Song, den wir auf der Session in Dresden immer so toll spielen!) Die Eichhörnchen dort sind wie die in Belgien!
Zum Schafs-MHC bin ich noch gar nicht so viel schlauer. (Für die Kollegen: "HLA ist einfach" hab ich heute zum ersten mal gehört!) Aber ich werd mal Skudden-Proben schicken - die könnten interessant sein.
Ich hab jetzt noch einen interessanten Kontakt zu einer Wissenschaftlerin, die das Soay-Projekt koordiniert. Soays sind eine RICHTIG alte Rasse. Sie wurden auf einer Insel zurückgelassen, als diese in den 30 Jahren verlassen wurde. Eh schon die ursprünglichste Schafsrasse machen sie seitdem da Ihr Ding. Und seit 20 Jahren werden Proben gesammelt mit soviel Phänotypdaten wie man kriegen kann (Größe, Gewicht, Farbe aber auch Krankheiten,....) Superspannend!
Die suchen wohl auch immer Leute, die Proben nehmen. Das wär der Hammer. Auf der Insel gibt es noch ein Geisterdorf. Und Schafe. Leider (für mich) herrscht dort totales Hundeverbot. Und auch sonst werden allerlei Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um Krankheiten und Ratten fernzuhalten. Man darf z.B. nicht mit größeren Booten anlanden. Nur mit so kleinen Dingys. (In die sich vermutlich keine Ratte oder Katze einschmuggeln kann) Dort gibt es nämlich auch eine endemische Maus. Die - ungewöhnlich für Inselarten - größer ist als andere Mäuse. Die Leute, die Schafsproben nehmen, fliegen mit dem Hubschrauber. Wozu man ein Training durchlaufen muß. Der Flug ist immer sehr wetterabhängig. Da kann man schon mal die ein oder andere Woche länger hängen bleiben. Ich find ja, das klingt total verlockend!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Schur die Zweite

Mittlerweile bin ich in Schottland und habe auf dem Weg hierher echt klasse Leute (mit tollen Schafen) kennengelernt! Ich hab natürlich auch viele Photos gemacht die natürlich alle (fast) noch gezeigt werden. Die meisten sind von Shetlandschafen und ihren Menschen.
Die meistern Shetlandschafe waren noch in voller Wolle - bis auf die, die sich selber schon mal ausgezogen haben. Interessanterweise gibt es da "Nudisten", die sich bis auf die Haut ausziehen und andere, "g'schamigere", die die alte Wolle erst abwerfen, wenn die neue schon 'nen Zentimeter nachgewachsen ist!
Anke wohnt in den schottischen Borders und ihre Schafe haben noch gar nicht groß Anstalten gemacht, den "Sommerbefehl" zu geben. Also war heute der Schafscherer da!
Der Vorteil, wenn die Schafe geschoren werden, bevor sie das Abwerfen anfangen ist, daß man keine doofe Bruchkante in der Wolle hat. Als ich den Schafe beim hin-und herschieben mal in die Wolle gegriffen habe war ich überrascht wieviel Wolle da ist. Das kam mir viel mehr und dichter vor, als bei den Skudden (und super kuschelig weich!). Geschoren waren die Vliese dann gar nicht größer oder schwerer als Skuddenvliese. Und die Schafe sahen mit Kurzhaarschnitt auch total skuddig aus!

Gestern und Vorgestern war ich bei Fransje und Peter in Northumberland und wir haben Bilder verglichen von Skudden und Shetlandschafen und als Hauptunterschied haben wir festgestellt, daß die Shetlander so wulstige "Neanderthalerbrauen" haben. 
Fransje hat auch ein paar Mixe: 1/4 Bluefaced -Leicester 3/4Shetland. Die haben z.T. Shetlandgesichter mit Leicester-Ohren. Sehr drollig! Fotografiert habe ich allerdings nur einen Hammel mit deutlichem Leicestergesicht (und echt toller Wolle!) 


Shetlandschafe habe ich natürlich auch fotografiert! Die Lämmer hatten teilweise auch so Querfalten auf der Schnauze wie meine Mixe. Weil die Skuddenlämmer (und Manx Loaghtans und Castlemilk Moorits) das nicht haben, sind das für mich "Shetlandfalten". Die ausgwählten Lammbilder sind allerdings von Lämmern ohne diese Falten. Beide Lämmer sind Fransjes. Das eine heißt Ede. Muß einfach (haben die Panzerknacker eigentlich Namen?) 


Bei Anke gab es auch Mixe: Mit Gotland (Pelzschaf) und die hatten deutlich längere Gesichter als die Shetlander. Und noch mehr Wolle!
Bei der Schur heute habe ich in paar Wollbilder gemacht. (Bei Fransjes gerauftem Katmoget-Vlies habe ich das leider verpasst. Gerauft heißt übrigens, daß man das Vlies einfach "abgezogen" hat. Wenn die Haare eine deutliche Bruchkante haben, geht das fluffig und ist gar nicht "zum Haare raufen". Katmoget ist eine Farb. bzw. Musterbezeichnung bei Shetlandschafen.)
Für die Wollsüchtel unter den Lesern: Die Shetlandkammzüge die man so kaufen kann (bzw. die, die ich hatte) sind eine ganz andere Nummer. Wer Lust auf Rohwolle hat, sollte unbedingt mal nach Shetlandvliesen Ausschau halten. Im Herdbuch und damit ganz bestimmt reines Shetland züchtet meines Wissens nach nur Astrid (Nutztierarche Stocksee) und wer die Chance hat, zur Schur vor Ort zu sein (diese Jahr schon vorbei), sollte die ergreifen! Ansonsten bleiben nur Züchter in GB, USA oder den Niederlanden. Für richtig schöne Vliese aus GB scheinen so 30 Euro ein guter Preis zu sein. (So'n Vlies ist nicht groß - vielleicht ein Kilo ungewaschen?) Da das Porto ja auch ordentlich kostet, würde ich Ausschau halten nach Leuten, die auch Ahnung von Wolle haben, ein gutes Vlies erkennen, ordentlich scheren lassen und gut Vorsortieren (und Nerven haben, einzelne Vliese zu verpacken und zur Post zu tragen). Da hat man vor allem in den USA gute Chancen, nach den Webseiten zu urteilen. Allerdings sind die ganz tollen Vliese meist schon für die nächste (und übernächste) Schur reserviert. Außerdem muß man noch Zoll bezahlen....


Für die nicht so woll- und schafbewanderten Leser (geht natürlich trotzdem um Schafe!): In Großbritannien gibt es unglaublich viele Schafsrassen. Jedes Tal scheint sein eigene Rasse zu haben. Von ganz klein und mufflonartig bis riesig und eselartig, von Kurzhaar bis "ellenlange Locken" ist alles dabei. Hörner in fast beliebiger Anzahl gibt es auch.
Dazu kommen dann noch Gebrauchskreuzungen aus dem einzigartigen britischen Schafzuchtsystem. Ich habe heute erfahren, daß man das die Schafspyramide nennt. Für mich war das immer die "drei-Schafe-Wirtschaft". Dabei nutzt man aus, daß das Land in relativ kurzen Entfernungen so vielfältig ist. Ganz einfach gesagt: Auf den rauen Bergen die harten aber nicht sonderlich fleischreichen Bergrassen. Die kreuzt man mit großen, anspruchsvollen "Tieflandrassen" (die meist sehr tolle und gutbezahlte Wolle haben). Die weiblichen Mixe daraus vereinen das Beste beider Welten plus "Hybrid-Vigour" und werden in nicht ganz so rauhen Gegenden gehalten. So mittelgute Weiden und klimatische Bedingungen in denen sie auch gut, ohne allzuviel Aufwand, ihre Lämmer aufziehen. Bisher ist das ja erst zwei-Schafe-Wirtschaft und da es hier in GB vor allem um Fleisch geht, werden diese "Mules" von den ganz dicken Brummern gedeckt. Meist Texel oder Suffolk (die "terminal Sires"). Je nach Lage werden die Lämmer jung zur Weitermast auf besseren Weiden verkauft oder direkt als Schlachttiere im Herbst.

Dienstag, 26. Mai 2015

Andere Länder....

...andere Sitten. Hier ist "Wandern" eine ernste Sache. Und mitnichten nur was für Rentner.
Wenn es so langsam später Nachmittag wird in Großbritannien und ich gerade einen schnuffeligen Schlafplatz gefunden habe - weit ab von allem (inklusive mobilem Internet) - und wenn ich gerade entspannt darüber sinniere, daß man sich hier nun wirklich nicht groß in die Büsche schlagen muß, sollte man mal müssen, dann wird der Platz noch mal richtig lebendig. Nach der Arbeit, noch in der schicken Bürokluft, fährt man raus und trifft sich auf eine kurze Runde. Die Bürosachen werden gegen Funktionsklamotten getauscht und selbst wer mit echt geländetauglichen Turnschuhen kommt, der zieht sich noch fix die "richtigen" Wanderschuhe an. (Außer mir fährt niemand mit Wanderschuhen Auto.)
Man darf auch fast überall gehen. Wer Inspektor Barnaby guckt oder moderne britische Krimis liest (bei Agatha Christi kommen die noch nicht vor), der kennt die "Rambler" (meist - zumindest einer - in der Rolle des Mordopfers). Die Ramblers: Die Vereinigung der Wanderer, die durchsetzt, daß altes und neues Wegerecht bestehen bleibt. Sollte die Rambler Vereinigung altes Wegerecht aufspüren, daß seit Jahrzehnten ungenutzt wurde, dann wird das sofort aktiv  durchgesetzt. Mitten durch die Saat wenn es sein muß! (Wem das in die Nase fahren könnte, ahnt auch der Inspektor und man hat schnell seinen ersten Tatverdächtigen. War dann natürlich doch wer anders...)

Es gibt überall public footpaths und bridleways. Die Landbesitzer müssen Zu- und Abgänge stellen (das Tor kommt also nicht dahin, wo es für den Trecker gut wäre sondern dahin, wo der Pfad ist - es sei denn, man baut einen extra Übergang) und das Wegerecht darf nur für kurze Zeit und nur in ganz besonderen Ausnahmen verwehrt werden. Bridleways heißen so, weil man da sein Pferd am Zaumzeug (Bridle) mitgenommen hat. Da darf man also auch reiten. Und Radfahren. Obwohl Radfahrer hier einen viel schlechteren Stand haben. Alle anderen haben Vorrang und die Zugänge auf Bridelways sollen nicht unbedingt so gestaltet werden, daß Radfahrer ermutigt werden.... Auf den Footpaths darf man kein Pferd und kein Rad mitnehmen. Aber so "übliches Zeug" wie Kinderwagen, Rollstühle und Hunde. Hunde sollte man unter Kontrolle haben. An der Leine wäre gut.


In der Praxis heißt das, ich öffne einfach ein Tor zu einer Weide voll mit Schafsmuttern und kleinen Lämmern und spaziere da mit meinem Hund rum. Das ist total seltsam! Ich erwarte ja, daß jeden Moment der Besitzer kommt und mich anbrüllt! "Das solltest Du als Landbesitzer mal versuchen!" erzählt mir Jenny, die ich zu dem Thema ausfrage "die Wanderer brüllen direkt zurück!" Jenny ist Schafzüchterin und Biologin. Sie arbeitet im Naturschutz u.a. hat sie ander Wiedereinbürgerung des Bibers in Schottland mitgearbeitet. Also driftet unser Gespräch mal kurz weg vom Schaf und hin zum Naturschutz und ausgestorbenen Arten auf deren eigenständige Rückkehr man in Großbritanien ja nun nicht hoffen darf. Was bedeutet, daß es immer einen Schuldigen geben wird, sollte das aktiv eingebürgerte Tier mal einen Schaden anrichten. Und das wird es.
Jenny ist es auch, die mir erzählt, welchen Schaden die Fasane anrichten. Bis dahin war ich in meiner echt heilen Beatrix Potter meets James Harriot Welt. Total neidisch auf die tolle britische Natur. Aber die Fasane werden gezüchtet. Und "ausgewildert", damit man was zum Schießen hat. Derweil fressen die Fasane alles was so kreucht und fleucht.... Aber cool sind sie!

Aber zurück zum Wegerecht: Zusätzlich zu diesem gibt es noch Access Land. Das sind meist die Heiden, Moore, baumlosen Hügel auf denen man sich frei bewegen darf. Im Gegensatz zu den Wegerechtswegen herrscht hier tatsächlich für ein paar Wochen im Jahr Leinenzwang für Hunde. Jenny hält diese Access Regelung ohne vorgeschriebene Wege für sehr schlecht. "Wildlife likes people to be predictible"

Wald bzw. Forst ist aus dem Access Land meist ausgenommen und Trampelpfade sind oft als "nicht öffentlich" gekennzeichnet. Das gibt es ja wiederum in Deutschland sehr selten: Das man irgend'nen Weg im Wald nicht langlaufen darf!

Montag, 25. Mai 2015

Sinnsprüche

Ich mag meine "Bilder-vollschreib-Apps"!
Der kleine Dexter Bulle und das Loaghtan Böckchen habe ich bei Louisa fotografiert.
(Lousia hat dem Bullen eingeredet, niemand wäre von seinem Gehabe beeindruckt. Ha!)

Sonntag, 24. Mai 2015

Manx Loaghtan

Nachdem ich in Cregneash die ersten Loaghtans gesehen habe, hatte ich das Glück, Jenny zu treffen. Sie hat eine recht große Herde (dreistellig) , registriert beim Rare Breed Survival Trust und sie ist diesen Schafen absolut verfallen.
Jenny hat mir auch die Geschichte dieser Rasse erzählt. Die Vorfahren wurden von den Wikingern eingeführt und waren viele Jahrhunderte lang DIE Schafe der Isle of Man. Bis die "modernen" Rassen kamen und ihnen den Rang abliefen. So um 1850 rum gab es nur noch ca. 50 Tiere. Zum Glück für die Rasse gab es jemandem mit Geld, dem das auffiel. Neben Geld hatter er auch einen coolen Namen: Caesar Bacon hat die letzten Tiere aufgekauft und ein Rettungsprogramm gestartet. Zunächst sehr erfolgreich sah es für die Rasse ca. 100 Jahre später noch düsterer aus. Da waren es weniger als 10 Tiere.
Wieder fand sich ein Enthusiast und die Rasse sthet mittlerweile auf einer breiteren Basis. Sie gilt nicht mehr als gefährdet sondern steht nur noch unter Beobachtung.
Die meisten Freunde haben die Loaghtans in England. Auf der Isle of Man gibt es nur zwei Züchter mit großen Herden und so ca. 10 Leute, die kleine Herden als Hobby halten.

Im Gegensatz zu Deutschland ist in Großbritanien Lammfleisch sehr beliebt. Und ebenfalls im Gegensatz zu Deutschland, wird Wild gar nicht sonderlich gerne gegessen. Dadurch haben die Loaghtans mit ihrem wildähnlichen Geschmack (vermutlich wie Schnucke oder Skudde) keine guten Chancen.
Eine Chance, den Marktwert zu erhöhen, war das Projekt mit dem "product of designated origin". Damit hätte das Fleisch ein Siegel und unter diesem Namen keine Konkurrenz. (So wie Parmaschinken nur aus der Region kommen darf). Gescheitert ist es an einem reichen Schnösel (der plötzlich Schaffarmer werden wollte und sich massenhaft Loaghtans gekauft hat - vierstellig massenhaft! - aber keinen Bock auf Papierkram hatte. Und an der korrupten Regierung ist es natürlich auch gescheitert!

Was gibt es über die Loaghtans zu sagen? Sie sind recht langschwänzig für Kurzschwanzschafe.... sie haben tolle Wolle. Kein Stichelhaar, kein Grannenhaar. Recht kurzer Stapel und ein etwas ungleichmäßiger Crimp, so daß die Haare nicht alle schön parallel liegen. Das Wollwachs ist tasächlich Wachs, kein Öl - ansonsten würde mich die Wolle an Juraschaf erinnern. Hat auch ein bißchen was von Pommernschaf. Ist Lanschafwolle und die maschinell gemachte Strickwolle ist - glaube ich - super für Aran-Pullis und Guernseys, je nach Dicke des Garns.

Die Schafe sind typischerweise bzw. oft vierhörnig. Das sind echt viele Hörner und wenn Jenny behauptet, die wüßten genau, wo die Hörner sind, dann sind das ziemliche Kriebel! Bei Ihren Böcken muß man sich echt in Acht nehmen. Die brauchen nur mal den Kopf drehen und die riesen Ömmesse hauen einen um!
Mit Vierhornigkeit geht auch "split eyelid" einher. Das ist bei allen vierhörnigen Rassen so. Jacobsschaf, Hebridenschaf, Loaghtan. Kreuzt man vierhorn X zweihorn, dann gibt es so gut wie keine Probleme. Einige Züchter halten sich strikt an diese Regel, andere ignorieren sie aber selektieren Tiere mit Anzeichen für split eyelid rigoros aus und wieder andere haben das mal völlig ignoriert um zu gucken, was passiert. (War 'ne Wissenschaftlerin) Es passiert angeblich nix. Die Häufigkeit oder Stärke nimmt nicht zu. Auch nicht ab.    

Es gibt mal wieder nur eine Collage, weil ich mit Bildern geizen muß. Da wo ich es schön finde, findet "das Internet" es scheinbar zum Fürchten. Es gab auch schon Orte, da fanden wir beide es zum Fürchten!

Freitag, 22. Mai 2015

Herdwick Schafe

Herdwick Schafe sind keine Wikingerschafe. Sie sind aber die Schafe mit dem größten Wiedererkennungswert. Gesichter wie Teddybären und Füße wie ein Brauereipferd.
Auf der Isle of Man wollte ich mich eigentlich mit Keith treffen - zum Thema Loaghtans. Nun ja, ich habe ihn verpasst aber da ich wußte, das er zu einer Herdwick Veranstaltung in Keswick ist und mich mein Weg eh wieder durch den Lake District geführt hat, habe ich mein Glück versucht. Ich hab ihn gefunden. Und die Herdwick-Veranstaltung gleich dazu. Keith ist unglaublich neugierig und fragt jeden aus - die perfekte Gesellschaft auf so einer Veranstaltung! Die Veranstaltung war die Tup Fair. Die erste Show des Jahres, in der nur Böcke gezeigt werden.

Herdwicks sind die super anspruchslosen Schafe der verdammt hohen Berge des Lake Districts. Sie waren fast ausgestorben bis sich Beatrix Potter ihrer angenommen hat. Wer Beatrix Potter nicht kennt: googeln! Sie hat reizende Kindergeschichten geschrieben und gezeichnet und damit viel Geld verdient. Was sie zum Teil in die Rettung der Herdies gesteckt hat. Heute sind die Schafe wieder sehr beliebt und das Wahrzeichen der Region.

Traditionell haben sich die Schäfer im Herbst Deckböcke ausgeliehen und die im Frühjahr wieder zurückgegeben. Das ist der Ursprung der Tup Fair. Da hat man gezeigt, was für ein guter Schäfer man ist und wie gut man die Tiere durch den Winter gebracht hat.
Ebenfalls traditionell wurden die Schafe mit Herdwick-Ocker eingefärbt. Und diese Tradition behält man bei. Das "Ocker" ist ein Pulver aus Eisenerz und färbt die grauen Schafe rötlich.

Anders als auf anderen Schafsausstellung werden die Schafe nich halfterführig gemacht sondern einfach nur gegriffen. Um ihre Bewegungen zu beurteilen, werden alle Schafe im Ring laufen gelassen. Was bedeutet, daß auf Geheiß der Richter jeder wieder sein Schaf greifen muß. Für mich der spaßigste Moment in jeder Klasse!

Zu gewinnen gibt es jeweils ein paar Pfund, ein paar Pokale, die ein oder andere Flasche Whisky und ganz viel Ansehen. Und für den Oberchampion ein Bild in der Zeitung. Es waren zwei Journalisten da. Einer von einer großen Zeitung (Guardian?) mit fetter Ausrüstung und feinen Schuhen und einer vom lokalen Farmerblatt. Mit Gummistiefeln und wesentlich mehr Humor!

Ich hab zig Bilder gemacht von denen ich ein paar in Collagen gepackt habe. (Ich bin jetzt wieder da, wo das Internet zwar zu haben ist aber nur sporadisch und in kleinen Mengen!) Auf einem sieht man, wie ein kleiner Läufer aus der Wolle gemacht wird. Für den Handspinner ist die Wolle nix. Derb mit unglaublich viel Stichelhaar. Was die Schafe sehr regenfest macht. Eine englische Firma macht aus der Wolle Isolierung für Schornsteine. Dafür eignet sich wohl nur diese Wolle. Kardiert ist sie wie ein Topfschrubber aus Drahtwolle. Nur sehr schwer entflammbar.... Es gab eine Klasse für "best coated ram" und eine für "best wool". Den Unterschied konnte nicht mal Keith herausbekommen. Es gab auch Klassen für die fettesten und da wurde einer der Richter vom lokalen Schlachter ersetzt, der da vermutlich den besteb Blick dafür hat.

Der Termin für die Tup Fair ist übrigens immer der Donnerstag auf den dritten Mittwoch im Mai! Und die Klassen werden auch sehr traditionell eingeteilt. Langsam komme ich dahinter, wie man welche Altersgruppen hier nennt:
Hoggs - die ganz kleinen, die weiblichen sind wahlweise auch Gimmers
Shearling - wird der Hogg nach der ersten Schur
Twinter - mein Lieblingsbegriff: hat zwei Winter hinter sich und wird dann bald zu
two Shear - zwei Schuren, Ewe (weiblich) oder Ram (männlich) bzw. hier: Yow und Tup



Mittwoch, 20. Mai 2015

Isle of Man - Fortsetzung



Tolle Insel. Hatte ich schon geschrieben, daß es mich an Irland vor 20 Jahren erinnert? Deutlich wohlhabender, viel bessere Autos und viel teurer in der Anreise. Aber für nostalgie-empfängliche-90er-Jahre-Irlandreisende gibt es auf der Fähre Ben-My-Chree ein Schmankerl aus der guten alten Zeit: Eine Internet-Maschine! Die Preise sind allerdings auf modernem Isle of Man Niveau: 1 Pfund für 10 Minuten!
Dafür kann man auf Man viele Dinge ganz umsonst tun: Es gibt einen traumhaften Coastal Path der tasächlich DIREKT - also so ganz direkt - an der Küste einmal um die Insel führt.



Es gibt wohl auch so richtig gute offizielle Mountain Bike Strecken und da die Insel ja die motorradfreundlichste der Welt ist,  darf man auch Off-Road auf Schotterpisten die Hügel erkunden. Das eine Strecke für Pferde UND Motorräder freigegeben ist, gibt es vermutlich nur hier.

Nicht umsonst aber für den guten Zweck gibt es auch was Cooles: Longest night, longest ride. Das macht jetzt keinen Sinn aber so hab ich es mir gemerkt. Ist aber am longest day. Dann reimt sich's aber nicht mehr so gut... mmmmhhh.... auf jeden Fall kann man am längsten Tag des Jahres an einem 24h Mountain Bike Rennen teilnehmen - auch als Staffel mit mehreren Fahrern abwechselnd, die Teilnahmegebühr geht an eine Charity eigener Wahl.

Und dann ist da natürlich die Tourist Trophy. Da ist auf der Insel die Hölle los. Wenn man als Motorradfahrer gerne unter seinesgleichen ist - und zwar massenhaft seinesgleichen - dann ist das sicher cool. Ich bin heute mal 3/4 der Rennstrecke gefahren. Supercool! Alles was so an Steinmauern und Laternenpfählen an der Strecke ist, wird eingepackt. Sogar ein ganzes kleines Haus war bis unters Dach in so dicke Matten gepackt, wie man sie früher im Turnunterricht hatte. Die Strecke führt auch mitten durch die Städte und da dann mitten durch die Wohngebiete. Und schwups wieder raus auf die Berge.
Die man übrigens auch ganz umsonst besteigen kann. Zum Beispiel Snaefells! Den gibt es doch auch auf Island und da ist der Eingang zum Mittelpunkt der Erde, oder? Auf der Isle of Man kann man auch mit der Snaefell Mountain Railway (Dampflock) hinauffahren.

Und natürlich gibt es die Manx Loaghtan - die alten Schafe, die die Wikinger auf die Insel gebracht haben. Vielgehörnte, beeindruckende Tiere, die auch in den ganz kargen Ecken klarkommen. Mir sind heute ein paar am Coastal Path begegnet. Ziemlich entspannt obwohl ich den Hund dabei hatte. Irgendwas gab es aber, was sie seltsam fanden. Um sich gegenseitig darauf aufmerksam zu machen, haben sie gepfiffen. 



Schafe machen das. Wie Murmeltiere. Bei einigen Schafen ist das ein richtig klarer Pfiff. Bei meinen (und den Loaghtans am Sound of Man) klingt das so, als wenn ich auf den Fingern pfeifen will. Mehr Luft als Pfiff. Als ich das zum ersten Mal bei meinen Schafen gehört habe dachte ich, das Schaf hätte einen dicken Popel in der Nase, den es loswerden will! Ich hab bei den pfeifenden Loaghtans mal das Smarphone gezückt aber leider gibt es in dem Filmchen nur einen kurzen, nicht sonderlich beeindruckenden Pfiff.

http://m.youtube.com/watch?feature=em-upload_owner&v=zLM4_10LlsU 


Dienstag, 19. Mai 2015

The Tailor on the Loft

The Tailor on the Loft ist eine Geschichte aus Irland. Ich kann mich gar nicht mehr richtig erinnern wie sie geht aber sie kommt mir immer mal wieder in den Sinn. Der Anfang der Geschichte beschreibt ein typisch irisches Cottage. Die eine Hälte DAS ZIMMER mit offenem Kamin und darin /darüber hängendem Kessel. Die andere Hälfte - die meist "die kleinere Hälfte" ist, ist abgetrennt. Oft der Stall. Der Wohnraum hat volle Höhe bis zum Dach, der abgetrennte Teil hat eine eingezogenen Decke. Da oben wird z.B. das Heu gelagert.
Wenn man heute ein Loft mietet, erwartet man ein bißchen mehr aber damals, als die Geschichte spielt, war das das Gästezimmer. Sollte mal jemand über Nacht bleiben. Zum Beispiel der wandernde Schneider.

Auch wenn die Geschichte in der guten alten Zeit spielt: Auch viele Jahre später - als ich in Irland war - war die Währung des Reisenden eine Geschichte. Oder "Scandal" - Klatsch und Tratsch. Wenn man in Irland trampte, hörte man dies und das. Zum Beispiel, daß der Fahrer gerade von einer Beerdingung kam. Der nächste Fahrer oder der Farmer, auf dessen Land man zelten möchte, hat vielleicht noch gar nicht gewußt, daß Sean Òg gestorben ist. Heute weiß er das vermutlich über Facebook aber damals war so eine Neuigkeit was wert. Man war im Gespräch und bekam Geschichten erzählt.

Der wandernde Schneider war ein grandioser Geschichtenerzähler. Er kannte viele, richtig gute Geschichten. Und damit war er immer willkommen. Auch in den Häusern auf seiner Route, in denen man keine Arbeit für ihn hatte, gab es Essen und Unterkunft und das ein oder andere Gläschen Potín - selbstgebrannten.
Aber wie bei jeder Währung: So ganz freiwillig gibt man die nicht her. Der Schneider wußte von jemanden, der noch mehr Geschichten kannte als er selber und von dem wollte er welche abhaben. Der hat sie ihm aber nicht erzählt. Also hat er sich ins Haus geschmuggelt und im Loft versteckt und hat sich einen ganzen Abend lang heimlich Geschichten angehört. Geschichtendiebstahl. Copyright infringement.

Ich mach mich hier keiner Urheberrechtsverletzung schuldig weil ich die Geschichte vom Schneider im Loft gar nicht mehr richtig kenne (ein guter Geschichtenerzähler wie besagter Schneider, merkt sich sowas beim ersten Hören) aber mir ist eine ganz klare Vorstellung von dem Haus im Kopf geblieben. Und gestern war ich in dem Haus. In Cregneash auf der Isle of Man. Das Haus war das alte Haus von Harry Kelly.
Ein kleines, weißgetünchtes Cottage, die Tür in der Mitte der Längsseite führt direkt in die gute Stube. Links von der Tür, abgetrennt mit einer Wand, die Schlafstube und darüber ein Loft.

Harry Kelly war wohl das, was man auf englisch "quite a character" nennt und auf deutsch "'ne echte Type". Das Bett in seiner Schlafstube war kein einfaches Bauernbett. Das war ein Bett mit Pfosten - ein four poster bed! Harry Kelly hatte gehört, daß auf the Calf of Man ein grandioses four poster bed zu versteigern war. Ganz was Schickes mit Baldachin und so.... Und da man den Transport damals wie heute mit einberechnen muß, erahnte er hier ein echtes  Schnäppchen! The Calf of Man ist eine winzige Insel. Von der Hauptinsel getrennt durch den Sound of Man, der durch seine schnelle Strömung eine Überfahrt überaus schwierig macht. Harry hat sich also ein großes Dreimman-Ruderboot genommen und ist alleine damit rübergerudert. Er brauchte ja Platz für das riesige Bett. Mit dem Monstrum ist er dann wieder zurückgerudert, hat es mit Pferdekraft nach Cregneash gezerrt. Bis zu seinem Haus. Wo er dann festgestellt hat, daß das riesige Ding nicht durch seine winzige Tür paßt! Also wurden die Beine abgesägt. Reichte nicht. Also Baldachin ab. In meiner Vostellung hat er dann zentimeterweise die Pfosten runtergesägt, bis es paßte. Das Bett in seinem Haus ist nicht mehr wirklich ein herrschaftliches "four poster bed" - er schlief schon recht bodennah - aber immerhin hatte es noch vier Stumpen, die klarmachen, daß hier nicht in einer simplen Koje geschlafen sondern höchst edel genächtigt wurde!

Montag, 18. Mai 2015

Isle of Man

Wahrscheinlich ist das Allgemeinwissen. Für mich war es neu: Die Isle of Man ist gar nicht in der EU! Kein Wunder, daß meine britische SIM-Karte behauptet, hier wäre nun aber ganz bestimmt Ausland und ich könnte teures Roaming haben und sonst gar nix!
Die Isle of Man gehört zu Großbritannien aber nicht zum United Kingdom. Demzufolge ist die Queen hier gar nicht Queen.
Und wenn sie zu Besuch kommt, dann bedeckt der nordische Gott Mannanan die Insel mit dichtem Nebel - denn wenn die Queen die Insel in voller Pracht sehen würde, würde sie dieses Juwel für ihre Krone haben wollen.....

Schön ist es wirklich. Golfstromverwöhnt - mit Yucca-Palmen an den Häfen. Fette grüne Weiden am "Rand" und hohe, rauhe Berge in der Mitte. Ständig denke ich: HIER wurde "Lang lebe ned Devine" gedreht. Oder HIER!
Die alte Sprache gewinnt wieder an Popularität. Die jungen Leute in der Kneipe in Peel flechten immer mal "Manx" ein. So cool ist es dann doch.
Von den alten Schafen hält man nicht viel. Teuer, nix dran, schmeckt - nicht sagen die einen. Ein paar wenige andere sagen, das wäre mit dem leichten Wildgeschmack eine Delikatesse.
Eine Zeit lang war Manx Loaghtan Fleisch ein "designated origin produce" aber scheinbar hat dieses Projekt den Schafen nicht wirklich gutgetan. Zumindest war bei Zeiten soviel "Politik" dahinter mit entsprechenden Egos, die aufeinanderprallten, daß man das wieder gelassen hat. Ähnlich lief das mit der Breed Society.
Jetzt werden die meisten Loaghtans ohne Papiere gezüchtet und wenn sie wieder in die Society wollen, müssen die Züchter per DNA-Test beweisen, daß es wirklich Loaghtans sind... 
Das erzählt mir Pete - er hält die Herden, die zum Cregneash Village gehören. 

Cregneash ist eine Art Freilichtmuseum im Südwesten von Man. Die Häuser sind hier aber nicht hergebracht worden - Cregneash ist ein echtes Dorf. Mit ein paar moderneren Häusern dazwischen. Ein paar der älteren Häuser kann man für längere Zeit mieten. Wer also mal eine richtige Auszeit  - so 6 Monate - braucht: Manx Heritage Trust anschreiben!



Am Dorf steht eine Herde Loaghtans (gesprochen übrigens Loch-ten) und macht sich sehr malerisch zwischen den alten Häusern. Der Rest der Insel sieht deutlich wohlhabender aus. Zum Glück aber nicht verbaut oder mit Ferienbunhäusern zugekleistert.


Auf dem Calf of Man - der Insel an der Südspitze - lebt seit den 70ern auch eine Herde. Die "Reserve". 


Die Schafe werden zwar mehrfach im Jahr zusammengetrieben aber zum Großteil leben sie wild. Auch ohne großartige züchterische Planung: Der stärkste Bock hat die meisten Nachkommen. Gerade bei Rassen mit so winzigem Genpool halte ich diese doch sehr traditionelle "Zucht" für besser, als moderne Herdbuchzucht mit nur einem Bock pro Jahr und Herde. Morgen treffe ich micht mit einer Manx Loaghtan Expertin und bin gespannt auf ihre Meinung.
Außerdem würde ich gerne noch Hintergrundinfos - sprich Klatsch und Tratsch - zum Scheitern der verschiedenen Projekte rund um die Loaghtans auf Man haben. Aber dafür müßte ich mich wahrscheinlich in Cregneash einmieten und erstmal regelmäßig in den Pub gehen ....
Ein paar Impressionen habe ich noch:
Diese Häkeldeckchen hatte man, um das zeug, was aus dem Strohdach bröselt aus der Milch rauszuhalten

Der Webstuhl war leider in keiner guten Verfassung - ist vielleicht ein schönes Ferienprojekt für einen ambitionierten Weber? Manx Heritage anschreiben!

Und natürlich Wolle. Die wird nach Cornwall geschickt und dort vom National Fibre Trust versponnen.

Die Hühner sind hier gelandet, weil sie alle Körperteile in der gewohnten Anzahl haben. Nicht zu wenig wie die Manx Katze (minus ein Schwanz) oder unerwartet viele wie die Schafe (plus multiple Hörner)

Samstag, 16. Mai 2015

Ab auf die Insel



Da wo ich unterwegs bin ist das mit dem mobilen Internet furchtbar mau.... aber jetzt geht es auf die Insel (Isle of Man) und da kann es nur besser werden!
Ein paar Manx Loaghtan habe ich ja schon getroffen. Soviel sei verraten: Tolle Wolle und reichlich Hörner!



Freitag, 15. Mai 2015

Castlemilk Moorits - Anne's Farm

Mein erster Halt in Sachen Wikingerschaf. Ich habe vorneweg verschiedene Breed Societies angeschrieben in der Hoffnung, interessante Kontakte zu Züchtern der alten Rassen zu bekommen.
Am nächsten an Hull - meinem Ankunftsfährhafen (ähämm!) - liegt die Farm von Anne Lacy. Sie züchtet neben Castlemilk Moorits auch Hebrideans und Shetlands und Norfolk Horn. Mich haben vor allem die Castlemilk Moorits interessiert weil ich von denen noch gar nichts wußte! Auf Bildern sehen die aus wie größere Soay. In echt  irgendwie auch....
Anscheinend gab es da einen Landbesitzer( Jock Buchanan-Jardin), der auf Castlemilk Estate lebte und braune Tiere gerne hatte. Braune Kühe und braune Schafe. Also hat er sich ein paar braune Shetland Schafe besorgt und gezüchtet. So dachte man. Nach seinem Tod 1970 hat Joe Hanson vom Cotswold's Farm Park die letzten paar dieser braunen Shetlander gekauft. Er hat dann nicht schlecht geguckt, als die Tiere sich mitnichten als Shetlander entpuppt haben. Man vermutet Soay und Mufflon unter ihren Ahnen. 
Der Herr Jardin wollte hübsche braune Tiere - dekorativ auf seinem ländlichen Anwesen. Das hat er hinbekommen! Sehr dekorativ! Und auch eher was für den großen Landschaftspark inkl. Bedienstetem, der die Tierchen einfangen und pflegen muß! Und die Mufflonahnen glaubt man sofort - sehr spritzige Tierchen! Eine Winzigkeitg größer als Skudden und mir scheinen sie deutlich hektischer und scheuer als Skudden. Auf jeden Fall deutlich hektischer als meine Skudden - aber die zählen ja nicht. Scheinbar gibt es auch in Deutschland ein paar der Tiere. Mal sehen, ob ich die Leute ausfindig machen kann.
Die Wolle ist deutlich schöner als die von Skudden. Kein Kemp (Stichelhaar) und kein/ kaum Grannenhaar. Nicht soviel Kräuselung wie bei den guten Shetland-Vliesen aber so interessant, daß Anne ihre Wolle jedes Jahr komplett an einen Aufkäufer aus den Niederlanden verkauft!
Das schwierige an diesen Tieren ist die enorme Inzucht. Da gibt es glücklicherweise keine (sichtbaren) Anzeichen von Inzuchtdepression aber bei nur 6 Ausgangstieren wundert es nicht, daß sie im "Scrapie-Resistenz-Gen" alle homozygot sind. Und zwar für eine Ausprägung, die sie nach neuesten EU Regularien zu "nicht fit für den Export" macht.
Die Scrapie Resistenz Typisierung ist mittlerweile (oder besser: schon lange) nicht mehr auf dem neuesten Erkenntnisstand und die angeblich gefährdeten Genotypen sind gar nicht alle so gefährdet....  aber um diese zu identifizieren, müßte man eine Winzigkeit genauer hingucken - was mit den etablierten Methoden in den entsprechenden Laboren sicherlich teurer ist....
Auf Annes Farm denkt man allerdings nicht an EU-Regularien sondern eher an James Harriott. Ein schnuckeliges Farmhaus am Ende einer holprigen Strasse, beeindruckende Dachsbauten und Fasane, die ganz drollig über die Huckel auf dem benachbarten Kartoffelacker laufen....Fasane gibt es hier echt zuhauf. Allerdings nicht, weil die Natur noch so in Ordnung ist, sondern weil jährlich extrem viele Fasane und Moorhühner ausgewildert werden, um sie im Herbst dann standesgemäß jagen zu können! Für die Natur ist das wohl gar nicht sonderlicher gut, weil diese Massen an Fasanen und Moorhühnern auch Massen an Insekten / Larven und and Eidechsen und Molchen fressen. 

Anne Lacy's Farm
Castlemilk Moorit Ewe

kleines Castlemilk Moorit Böckchen

Sonntag, 10. Mai 2015

Pennines

Die Pennines sind ein (oder das) Mittelgebirge Englands. Die sind mir ein Begriff. Nicht wegen meiner hervorragenden Geographiekenntnisse sondern vor allem, weil ich mir vor vielen Jahren in Irland ein Buch aus der Bibliothek ausgeliehen habe über Rettungshunde. Und diese Rettungshunde waren immer in den Pennines unterwegs, um verirrte Wanderer wiederzufinden. Ich bin am östlichen Rand der Pennines in einem netten, kleinen Hostel mit angeschlossenem Campingplatz und natürlich bin ich gleich wandern gegangen. Mit Gummistiefeln und clever-Handy, das sich immer merkt, wo mein Auto steht! Die Gummistiefel waren einen supergute Idee! Trotz Telefon bin ich hin- und den gleichen Weg zurück gegangen. Ich wollte ungern auf irgendwessen Hof stehen und auf die ansässigen Hunde treffen. Bzw. wollte nicht, daß Swift auf die ansässigen Hunde trifft.
Am Ende standen mir ein paar Swaledale Böcke im Weg. Sehr schicke Kerle! Swaledales sind die lokalen Schafe für rauhes Gelände. Auf der Wanderung sind wir einigen Zibben mit zuckersüßen Lämmern begegnet. Swif fand es anfangs schwierig, mitten durch Schafsgruppen zu spazieren. Und vorbei an rumflitzenden Kaninchen. Und vorbei an toten Kaninchen, die man nicht fressen darf.... Das Leben als Reisehund ist hart!
Rund um den Micro-Van grasen auch Swaledales. Wirklich schön Schafe - ähnlich wie Scottish Blackface aber ausgewogener. Nicht so kurzbeinig und langrückig. Aber keine nordischen kurzschwänzigen Schafe. Wer kein Wikingerschaf ist, landet auch nur als Punkte auf Landschaftsaufnahmen!




Swift dagegen bekommt mehr Photoplatz. Der steht diese Landschaft auch ganz hervorragend!






Samstag, 9. Mai 2015

Wieder was gelernt....

Ich hätte mich wundern sollen. Ich hätte mich wundern sollen, warum die Londoner Taxifahrer nach Hull fahren! Machen sie gar nicht. Und ich auch nicht! Die Londoner Taxifahrer (und ich) nehmen nämlich die Fähre nach Harwich. Nicht nach Hull.
Da war es nix mit dem schönen Schlafplatz am Strand, den ich mir schon ausgeguckt hatte! Der Mann im Tablet meinte, es würde nur 4 Stunden dauern von der Fähre zum Strand. DA bin ich stutzig geworden!
Die Fahrt von der Fähre war den kleinen Umweg aber wert: Zwei Decks voller geschmückter London Taxis und mein Micro-Van wurden von dem Highland Piper "von Bord gespielt"! Sehr cool!
Lektion eins: Beim Vergleichen von Fährrouten und Preisen und Reisezeiten konzentriert bleiben!

Lektion zwei: Wenn irgendwo ein Schild steht: "no fly tipping"  bedeutet das nicht, daß da um die Ecke ein toller wilder Fluß ist, an dem man illegalerweise Fliegenfischen könnte! Ich hab kurz überlegt, ob das bedeutet, man darf nicht hinpinkeln. Der Hosenstall ist ja auch der/die/das "Fly". In Wirklichkeit bedeutet das, daß man keinen Müll abladen darf!

Lektion drei: Wirklich traditionelle englische Pubs haben mehrere Räume. Die mit einer "großen" Bar sind meist brewery owned und das Ende der abendländischen Kultur englischer Ausprägung! The White Swan in Greenside ist ein richtiger, alter Pub. Vier Räume á 20m². Eine winzige Bar, ein Raum mit Billiardtisch, ein Raum mit zwei alten, Domino spielenden Männern und einer mit den Musikern. Mit Polstermöbeln und dickem Teppich. Der Hund darf mit rein aber bitte nicht auf die Polster. Der Hund bekommt Hundekekse und Wasser und für mich wird ganz unauffällig ein Flyer hingelegt. Der sagt, man soll die Hundehaufen bitte einsammeln. Gibt ne hohe Strafe und dieses Jahr wurden schon DREI Leute erwischt! In einer Gemeinde wie Greenside hätten sie vermutlich die Namen gleich mit abdrucken können!

Mittwoch, 6. Mai 2015

Return of the Liberators


Wie wird man ein guter Fotograf? Ganz bestimmt nicht, wenn man einen Rucksack voller Technik rumschleppt und keine Kamera greifbar hat, wenn "ein Motiv" vor einem steht. Ein alter Mann in einer ganz typischen britischen "Gardeuniform" (die mich sofort an den Buckingham Palace denken läßt), vielen Orden, noch mehr Falten und einem Lolli in der Hand!
Er ist der einzige mit Lolli aber nicht der einzige alte Mann mit Uniform und Orden. An Bord ist eine beeindruckende Gruppe alter und gar nicht mal sooo alter Männer mit einer ebenfalls beeindruckenden Menge an Orden.
Ich hab die schon auf dem Parkdeck gesehen. Mein Mini-Auto wurde auf der Fähre - ganz wie erwartet - in eine Ecke gestopft. Und dahinter fuhr ein London-Taxi nach dem anderen rein. Das ganze Deck voll. Alle geschmückt und aus allen wurde ein Rollator oder ein Rollstuhl geholt. Und die dazugehörigen Veteranen.
Die Londoner Taxifahrer haben nämlich eine Wohltätigkeitsorganisation - 80 Londoner Taxifahrer haben 80 Veteranen zur 70Jahr-Gedenkfeier nach Arnhem gefahren. Und nun sind sie auf dem Rückweg.
Der Mann mit Lolli war so nett, sich mir noch mal in den Weg zu stellen. Immer noch - oder wieder- mit Lolli.



Auf Deck gab es eine kurze Andacht, zwei Kränze über Bord (die sehr eindrucksvoll über und hinter uns hergesegelt sind) und einen Gruß an die Kameraden auf See...



Dazu "Rule Britannia" auf Highland Pipes plus noch ein paar Pipe Standards.



Und wenn ich schon kein Fotograf werde -  Journalist werde ich erst recht nicht. Ich hätte schon gerne gefragt, wie es war. Als sie wiederkamen. Nach all den Jahren und mit all den Erinnerungen. Und ob sie zufrieden waren mit dem Leben, daß sie hatten und viele andere nicht. Oder auch: "Kannten Sie die anderen Veteranen vorher?" "Haben Sie sich mit Namen und Regiment vorgestellt?" " Gucken Sie eigentlich, wer von den anderen mehr Orden hat?"
Ich hab statt dessen ein bißchen vor mich hingeschnüffelt. Auch, weil diese Londoner Taxifahrer echt coole Typen waren. Also so richtig Taxifahrere. Derbe und meist bierbäuchige (halb-)junge Kerle, die mit ihren coolen Karren die alten Helden zu ihrer letzten Jubiläumszusammenkunft fahren....